Warum haben buddhistische Mönche eine Glatze?

Ein geschorener Schädel ist ein markantes Kennzeichen buddhistischer Mönche und hat tiefe symbolische Bedeutung. Diese Tradition, die eng mit der buddhistischen Weltsicht und den spirituellen Zielen der Mönche verbunden ist, dient nicht nur praktischen Zwecken, sondern ist auch ein äußeres Zeichen innerer Überzeugungen.

Buddhistische Mönche in Luang Prabang, Laos

Ursprung und Bedeutung

Die Tradition des Haarscherens beginnt mit Buddha selbst, der vor etwa 2641 Jahren als Prinz Siddhartha geboren wurde. Als er das Leid unter den Menschen in Indien entdeckte, entschied er sich mit 29 Jahren, das Leben als Prinz aufzugeben und einen Weg zu finden, das Leiden aufzuheben. Nachdem er seinen Palast verlassen hatte, rasierte er seine langen, wallenden Haare ab, die damals ein Hauptkennzeichen für Angehörige der indischen Herrscherschicht waren. Nur Sklaven und Verbrechern wurden die Haare abgeschnitten als Merkmal ihres sozialen Status.

Nach sechs Jahren der Suche und nach der Erleuchtung unter der Pappelfeige, wo er der sogenannte Buddha wurde, fing er an, im Nordosten Indiens seine Wahrheit über das Leid zu lehren. Er rasierte persönlich die Köpfe seiner ersten fünf Lernenden ab. Die Kopf­rasur ist ein Zeichen dafür, dass jemand dem Laien­stand entsagt und besondere bud­dhis­tische Gebote auf sich genommen hat.

Symbolik der Haare

Der Buddhist im Krieg

Im Buddhismus werden Haare oft als Symbol für weltliche Probleme, Leidenschaften und vergangene Fehler gesehen. Diese sind zwar eigentlich vergänglich, behindern aber die wahren Erkenntnisse. Haare stehen auch dafür, dass man an gewissen Dingen, Personen oder Vorstellungen hängt, von denen man sich nicht trennen möchte. Lässt man die Haare abschneiden, bedeutet es, dieses „Anhaften“ aufzugeben, inklusive des Familienlebens.

Verschiedene buddhistische Frisuren

Die Haarrasur als Zeichen der Entsagung

Ein Sannyasin rasiert seinen ganzen Schädel. Dies entfernt jegliche Schönheit. Er wird sich nicht darum bemühen müssen, sein Haar mit duftenden Ölen zu behandeln. Dies zeigt, dass er aller äußerer Schönheit entsagt hat und dass er im Selbst ruht, welches die Schönheit aller Schönheiten ist. Das Rasieren des Kopfes (mundana) zeigt an, dass er nicht mehr von dieser Welt ist. Er sollte keine Sinnesobjekte mehr begehren. Es ist nur ein äußeres Zeichen für den mentalen Zustand der vollkommenen Entsagung und der Abkehr von den Vergnügungen dieser Welt.

Bei der Einweihung zum Sannyasin entfernt er seinen Zopf (choti) als Kennzeichen dafür, dass er nicht mehr an die Rituale Nitya Karma (Morgenbad) und Naimittika Karma (Neumond) gebunden ist, dass diese Karmas im Feuer der Entsagung (vairagya) verbrannt wurden.

Praktische Aspekte

Außerdem ist sein geschorener Schädel vorteilhaft für die Wanderschaft. Wenn er langes Haar hat, wird es ihn davon abhalten zu baden, wann immer er möchte. Nach indischer Überlieferung tragen buddhistische Nonnen und Mönche ein gelbes und rötliches Mönchs­gewand und leben als Geistsucher von fleisch­loser Nahrung.

Moderne Entwicklungen

Allerdings trägt heutzutage nicht jede/r buddhistische/r Nonne/Mönch eine Glatze. In Japan hat sich zum Beispiel die Praxis der Kopfrasur im Zuge der Mo­der­ni­sie­rung stark gelockert. Außerdem ließen bisher doch einige angesehene buddhistische Lehrer ihre Harre wachsen. Einer der bekanntesten von ihnen ist sicherlich der Zen-Meister Hsu Yun (1840-1959). Der lang lebende Praktiker entledigte sich seiner Haare angeblich höchstens einmal pro Jahr. Denn für ihn ist die Kopfrasur von Geistlichen kein erforderlicher Akt, sondern bloß eine Tradition.

In manchen Traditionen bedeutet eine Weihe zum Mönch eine lebenslange Entscheidung. Dennoch bieten gegenwärtig viele buddhistische Gemeinschaften beziehungsweise Klöster im südöstlichen Asien sowie in Europa die Möglichkeit an, dass man kurzzeitig Nonne oder Mönch werden kann.

Die Tonsur im Katholizismus

Die Tonsur, die wir uns gemeinhin als Haarkranz um eine Scheitelglatze vorstellen, gilt vielen nach wie vor Haartracht katholischer Mönche. Allerdings ist sie heutzutage nur noch in wenigen altrituellen lateinischen Klöstern zu finden, da sie offiziell bereits 1973 von Papst Paul VI. abgeschafft wurde. Die eigentliche Bedeutung des Wortes "Tonsur" ist "scheren".

Prof. Barbara Müller von der Uni Hamburg sagt zur Bedeutung der Tonsur: "Das Haar ist ein Symbol für Lebenskraft, weil es ständig nachwächst. Wenn ein Mönch sein Haar schneidet, es also "opfert", demonstriert er damit seine Hingabe für Gott. Im 4. Jahrhundert ließen sich die Mönche den Kopf noch komplett scheren. Dies geschah in der Regel, wenn sie ins Kloster eintraten und ihre Kleider erhielten. Die Haare ganz zu entfernen, bedeutete auch, zum geschlechtlichen Neutrum zu werden." Verbindlich wurde die sogenannte Tonsur für Mönche erst im 6. Jahrhundert.

Merkmal Bedeutung
Glatze Zeichen der Entsagung weltlicher Freuden und Bindungen
Mönchsgewand Symbol für ein Leben in Einfachheit und spiritueller Suche
Haare Repräsentation von weltlichen Problemen, Leidenschaften und Anhaftungen

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