Haarausfall durch Chemotherapie: Ursachen und Hilfestellungen

Wer eine Chemotherapie bekommt, muss je nach Medikament mit Haarausfall rechnen. Auch wenn die Haare nach Abschluss der meisten Chemotherapien wieder nachwachsen: Diese Nebenwirkung ist für viele Krebspatientinnen und -patienten besonders belastend. Eine Chemotherapie wirkt effektiv gegen den Tumor, viele Frauen haben jedoch Angst vor der zusätzlichen emotionalen Belastung, die mit dem Haarverlust einhergeht.

Haarausfall ist wohl die bekannteste Nebenwirkung einer Chemotherapie, die fast alle Menschen mit dieser Behandlung verbinden. Durch den Haarverlust wird eine Krebserkrankung wie Brustkrebs oft erst für andere sichtbar.

Infografik zum Haarausfall bei Chemotherapie (Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum)

Ursachen für Haarausfall bei Chemotherapie

Das Grundproblem einer Krebserkrankung ist, dass sich die bösartigen Zellen unkontrolliert vermehren. Dadurch wird das Nachbargewebe infiltriert und gesundes Gewebe zerstört. Die Krebszellen reagieren nicht mehr auf Wachstumssignale des Körpers und können vom Immunsystem nicht mehr kontrolliert werden. Das führt dazu, dass sie sich unkontrolliert im Körper ausbreiten können.

Die Krebsmedikamente, auch Zytostatika genannt, wirken aber im ganzen Körper und können nicht unterscheiden, ob es sich bei ihrem Angriffspunkt um eine Krebszelle oder eine normale Körperzelle handelt. Deshalb sind neben den Krebszellen auch Körperzellen von der Wirkung betroffen, die sich schnell vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Haarwurzelzellen. Auch Schleimhautzellen vermehren sich schnell. Deshalb kann eine Chemotherapie zum Beispiel zu Schleimhautentzündungen im Mund mit Schmerzen beim Essen oder Entzündungen im Darm mit Durchfall führen.

Die Chemotherapie greift die Haarwurzelzellen an und schädigt sie - dadurch fallen die Haare aus. Meist beginnt der Haarverlust etwa drei bis vier Wochen nach der ersten Chemotherapie. Die Haare fallen aber nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach. Das Kopfhaar lichtet sich immer weiter und der Kopf kann schließlich vollständig kahl werden.

Das Ausmaß des Haarausfalls bei einer Chemotherapie hängt vom Medikament selbst, der Art der Verabreichung, der Dosis und der Häufigkeit der Medikamentengabe ab. Auch wenn andere Nebenwirkungen einer Chemotherapie gesundheitlich oft gravierender sind, ist es der Haarausfall, vor dem sich die meisten Krebspatienten fürchten.

Dass der Haarausfall bei einer Chemo ein gutes Zeichen ist (zum Beispiel, dass die Chemotherapie dann besonders gut wirkt), lässt sich nicht ableiten. Der Haarverlust zeigt lediglich, dass die Zytostatika die Haarwurzelzellen angegriffen haben. Wie stark die Haare ausfallen, hängt unter anderem vom eingesetzten Zytostatikum ab. Sehr häufig ist der Haarausfall zum Beispiel bei den Chemotherapeutika Cyclophosphamid, Doxorubicin und Epirubicin. Dagegen ist der Haarverlust bei Carboplatin oder Cisplatin eine eher seltene Nebenwirkung.

Auch wie Chemotherapeutika verabreicht werden, kann für den Haarausfall eine Rolle spielen.

Vorbeugung von Haarausfall

Mittel, die dem Haarausfall zuverlässig vorbeugen oder ihn behandeln könnten, gibt es nicht. Es gibt keine zuverlässige Methode, dem Haarausfall bei einer Chemotherapie vorzubeugen. Es gibt aber Versuche, dem Haarausfall mit Hilfe einer Kühlhaube entgegenzusteuern.

Manche Patientinnen oder Patienten versuchen es mit einer Kühlung der Kopfhaut während der Behandlung. Die Methode ist aber nicht gut untersucht. Erwachsene, die trotzdem etwas zur Vorbeugung ausprobieren möchten, können ihre Ärztin oder ihren Arzt nach einer Kopfhaut-Kühlung fragen.

Kopfhautkühlung

Diese Kühlkappe sitzt während der Chemotherapie wie ein „Fahrradhelm“ auf dem Kopf. Die Idee dahinter: Die Kälte soll die Durchblutung der Kopfhaut vermindern und dafür sorgen, dass weniger Zytostatika in den Haarwurzeln ankommen. So soll der Haarverlust weniger gravierend ausfallen.

Die Kopfhaut wird gekühlt, während man die Infusion bekommt. Manchmal wird schon 10 bis 20 Minuten vorher begonnen, nach der Behandlung kann die Kühlung noch bis zu eineinhalb Stunden fortgesetzt werden.

Für die Kühlung werden Kühlkappen verwendet, die man wie einen Fahrradhelm trägt. Vor dem Anlegen der Kühlkappe werden meist die Haare befeuchtet. Die meisten Modelle sind heutzutage an ein Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kappe pumpt und die Kopfhaut so auf etwa 20 Grad Celsius abkühlt. Andere Kappen bestehen aus mit Gel gefüllten Kühlelementen. Sie werden vor der Behandlung tiefgefroren.

Durch die Kühlung verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut. Dadurch werden die Zellen in den Haarwurzeln weniger durchblutet. Außerdem sorgt die Kälte dafür, dass sich der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen etwas verlangsamt.

Bislang gibt es nur wenige geeignete Studien zur Kopfhaut-Kühlung. Zusammengefasst zeigen sie: Im Vergleich zu Personen, die keine Kopfhaut-Kühlung erhielten, hatten die Personen, bei denen die Kopfhaut während ihrer Chemotherapie gekühlt wurde, weniger Haarausfall. Sie benötigten nach der Chemotherapie zum Beispiel seltener eine Perücke.

Diese Ergebnisse haben aber nur eine begrenzte Aussagekraft: An den Studien nahmen recht wenige Personen teil, meist waren es auch deutlich mehr Frauen als Männer. Die verabreichten Krebsmedikamente und die Dauer der Chemotherapie unterschieden sich.

Grundsätzlich ist die Kopfhaut-Kühlung gut verträglich und risikoarm. Sie sorgt zwar dafür, dass weniger Chemotherapie-Medikamente in die Kopfhaut gelangen - es gibt aber keine Hinweise, dass die Kühlung die Wirksamkeit der Chemotherapie einschränkt.

Die häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen. Manche Personen empfinden die Kälte jedoch als so unangenehm, dass sie die Kühlung abbrechen.

Die Wirksamkeit von Kühlhauben ist jedoch noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Manche onkologischen Praxen bieten Kühlhauben aber an. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Fragen Sie am besten vorher nach. Eine Anwendung kostet ungefähr 100 Euro.

Die Kühlung eignet sich nur dazu, dem Ausfall der Kopfhaare vorzubeugen. Für manche Betroffene ist aber vor allem der Verlust von Wimpern oder Augenbrauen sehr belastend.

Andere Methoden

Manchmal wird versucht, dem Haarausfall durch Druck auf die Kopfhaut vorzubeugen. Dazu werden zum Beispiel Druckmanschetten oder enge Hauben angelegt. Die Kopfhaut wird dadurch weniger durchblutet, sodass weniger Krebsmedikamente an die Haarwurzel gelangen sollen. Allerdings ist nicht belegt, dass diese Methode etwas bringt.

Es gibt bislang kein Medikament, das vor Haarausfall während einer Chemotherapie schützen kann. Manche Menschen probieren Haarwuchsmittel zum Auftragen auf die Kopfhaut aus, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Minoxidil. In Studien konnte dieses Mittel den Haarausfall aber nicht verhindern. Unklar ist auch, ob die Haare nach der Behandlung schneller wieder nachwachsen, wenn man das Mittel während der Chemotherapie anwendet. Mögliche Nebenwirkungen von Minoxidil sind Herzrhythmusstörungen und Wassereinlagerungen im Gewebe.

Bestimmte Vitamine und Nahrungsmittel wie Hirse gelten als haarwuchsfördernd und werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Umgang mit Haarausfall

Viele Frauen kaschieren den Haarverlust mit Perücke, Mützen, Schals oder Tüchern. Auch ganz ohne eine Kopfbedeckung auszukommen, ist eine Möglichkeit. Nach dem Ende der Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach, manchmal ein bisschen anders als zuvor.

Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen.

Wenn Sie sich durch den drohenden Haarausfall psychisch sehr belastet fühlen, kann es helfen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen über den Umgang damit zu sprechen. Außerdem gibt es in vielen onkologischen Abteilungen eine psychologische Mitbetreuung, die die Patienten in Anspruch nehmen können.

Viele Betroffene möchten ihre Glatze nicht öffentlich zeigen und verdecken sie mit Tüchern, Mützen oder Perücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, sollte sich schon zu Therapiebeginn darum kümmern und sich über die Details informieren. Es gibt verschiedene Arten von Perücken, entweder Perücken aus Echthaar oder Kunsthaarperücken.

Vorab sollte mit der Krankenkasse geklärt werden, in welchem Umfang die Kosten für einen Haarersatz übernommen werden. In der Regel werden bei Frauen die Kosten einer Perücke übernommen - einer "normalen" Perücke. Wer ein besonderes oder sehr teures Modell möchte, muss oft entweder den Differenzbetrag zum normalen Modell oder sogar die ganze Perücke zahlen.

Wer vor allem unter dem Verlust der Wimpern oder Augenbrauen leidet, kann sich von einem Kosmetiker beraten lassen. Oft gibt es sogar spezielle Seminare für Krebspatienten, wo Schminktechniken gezeigt werden.

Zu möglichen Frisuren nach einer Krebstherapie kann Sie ein Friseur beraten. Häufig gibt es sogar in der Klinik unmittelbar angrenzende Friseurstudios, die sich mit den speziellen Bedürfnissen krebskranker Patienten gut auskennen.

Schon während der Chemotherapie ist es wichtig, auf eine gute Kopfhautpflege zu achten, um hinterher ein gutes Haarwachstum zu ermöglichen.

Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig, wenn auch während einer Krebsbehandlung manchmal schwer umzusetzen. Häufig machen die Nebenwirkung der Therapie oder auch die Krankheit selbst eine gesunde Nahrungsaufnahme schwierig. Machen Sie sich nicht zu viel Stress, wenn es nicht immer klappt, eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung einzuhalten. Vielleicht sind vorübergehend Nahrungsergänzungsmittel hilfreich oder es reicht aus, wenn Sie nach der Behandlung wieder normal essen können.

Haare wachsen nach - was nun?

Die Haare können wieder wachsen, wenn die Chemotherapeutika und ihre Stoffwechselprodukte vollständig vom Körper abgebaut wurden. Das passiert meist innerhalb von drei bis sechs Monaten.

Vorübergehend kann das Haar anders sein als vorher. Viele Betroffene berichten, dass ihr Haar anfangs dicker, voluminöser oder lockiger war als früher. Nur sehr selten berichten Patienten, dass die Chemotherapie ihre Haare dauerhaft geschädigt hat. Wenn ein dauerhafter Haarverlust bestehen bleibt, handelt es sich dabei am ehesten um Patienten, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation bekommen haben.

Zu möglichen Frisuren nach einer Krebstherapie kann Sie ein Friseur beraten. Häufig gibt es sogar in der Klinik unmittelbar angrenzende Friseurstudios, die sich mit den speziellen Bedürfnissen krebskranker Patienten gut auskennen.

Weitere Informationen und Unterstützung

Weitere Informationen über Krebsbehandlungen, Haarausfall und was Sie dagegen tun können, finden Sie auch beim Krebsinformationsdienst sowie der Krebsgesellschaft.

Wenn Sie sich durch den drohenden Haarausfall psychisch sehr belastet fühlen, kann es helfen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen über den Umgang damit zu sprechen. Außerdem gibt es in vielen onkologischen Abteilungen eine psychologische Mitbetreuung, die die Patienten in Anspruch nehmen können.

Der Kontakt zu einem Psychoonkologen kann eine große Hilfe sein.

Selbsthilfegruppen und Gespräche mit anderen Gleichbetroffenen: Dies sind gute Gelegenheiten, den eigenen Kummer zu äußern und zu erfahren, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen.

Das onkologische Behandlungsteam ist ein erster Ansprechpartner für Sorgen und Nöte. Bei Bedarf kann eine psychologische Unterstützung durch eine Psychoonkologin oder einen Psychoonkologen hilfreich sein.

Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie.

Kein Haarausfall mehr unter Chemotherapie - Dr. Schaper

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