Dr. Theo Waigel gilt als einer der „Väter des Euro“ und brachte damit ein großes Stück Europa nach Deutschland. Auch Jahre nach seiner Amtszeit als Bundesfinanzminister lassen seine Augenbrauen die Herzen vieler Karikaturisten höher schlagen.
Theo Waigel, bekannt für seine markanten Augenbrauen (Quelle: Wikimedia Commons)
„Wir bringen die D-Mark nach Europa“, verkündete Waigel nach Abschluss der Wirtschafts- und Währungsunion 1991. Dieses Kunststück ist ihm nicht gelungen. Vier Jahre später schlägt er aber selbst den Namen „Euro“ für die neue gemeinsame Währung vor.
Zu gerne würden Europa-Skeptiker heute hören, dass Waigel der Mark nachtrauert. Doch den Gefallen tut er ihnen nicht. Stattdessen feiert er die Erfolge in der Europäischen Integration und sieht noch lange kein Ende für das Zusammenwachsen Europas.
Waigel: Definitiv nicht! Es ist uns mit dem Euro eine Währung gelungen, die so stabil ist wie die D-Mark. Die Inflation der letzten 15 Jahre war niedriger als die Inflation zuvor. Mit dem Euro ist eine Währung kreiert worden, die im internationalen Finanzfeld mitmischen kann, was einzelne nationale Währungen heute nicht mehr gekonnt hätten!
Waigel: Wenn Länder die Kriterien erfüllen und die Anforderungen auch zwei Jahre konsequent unter Beweis stellen, dann haben sie das Recht, den Euro zu beantragen. Aber man muss stärker überprüfen und stärker kontrollieren, als das noch vor ein paar Monaten passiert ist. Denn Griechenland hätte natürlich nicht in die Währungsunion aufgenommen gehört.
Das Motto für eine potenzielle Erweiterung der Währungsunion muss also lauten: Genau hinschauen und nicht nur aus Voluntarismus heraus weitere Aufnahmen befürworten. Weitere Mitglieder in der Währungsunion wären zwar neue Integrationsschritte, doch einen so großen Erfolg wie die Gründung der Euro-Zone konnte die EU lange nicht verbuchen.
Waigel: Man müsste in der Union endlich zu einer stärkeren gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik kommen. Eigentlich müssten wir auch unsere militärischen Anstrengungen viel mehr koordinieren. Ich glaube, das wäre auch ein großes Einsparpotenzial, denn schließlich kann heute kein Land für sich allein seine äußere Sicherheit gewährleisten.
Unbestreitbar aber ist: Die buschigen Augenbrauen sind zweifelsohne das optische Markenzeichen von Theo Waigel. Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel hat noch nie eine Schere in die Nähe seiner Augenbrauen gelassen - und wird dabei im Zweifel auch rabiat.
"An meinen Augenbrauen hat sich noch niemand mit der Schere betätigen dürfen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" und gab dazu direkt ein anschauliches Beispiel: "Neulich war ein Fernsehteam bei mir zu Hause. Da wollte jemand da oben was wegschneiden. Ich habe gesagt: Lassen Sie das bitte bleiben! Ich bring Sie um!"
Im Internet wirbt ein Beauty-Unternehmen mit Ihnen. Besser gesagt: Sie müssen dort als abschreckendes Beispiel herhalten. "Wenn uns Theo Waigel aus dem Spiegel entgegenblickt, dann ist es an der Zeit, etwas gegen wild wuchernde Augenbrauen zu tun", steht da.
Waigel: Darüber kann ich herzlich lachen. Wissen Sie: Da spielt auch der Neid von Leuten eine Rolle, die nicht mit so einem unübersehbaren Merkmal gesegnet sind. Ich denke nicht daran, meine Augenbrauen zu stutzen.
Waigel: Also meine Augenbrauen haben schon eine gewisse Selbstständigkeit entwickelt. Wenn ich sie hochziehe, dann bringe ich damit mein Erstaunen zum Ausdruck. Zum Beispiel über Politiker, die sich alles zutrauen, die glauben, alles zu können.
Verschiedene Augenbrauenformen (Quelle: Freepik)
Auch wenn er sich schon vor langer Zeit aus der ersten Reihe der Politik zurückgezogen hat, werde er auch heute noch manchmal erkannt, führte Waigel weiter aus. "Vor zwei Jahren war ich in Tirol, da kam ein Mann auf mich zu, schaute mich an und sagte: 'Sie sind aber nicht der Theo Waigel?'", erklärt der einstige CSU-Chef in dem Interview. "Ich sagte: Nein. Da sagte er: 'Stimmt, der ist ja schon gestorben.' Ich habe ihm dann geantwortet: Sie haben recht - vor drei Jahren oder so."
Und noch etwas gestand Waigel der "Augsburger Allgemeinen": eine große Schwärmerei für Gina Lollobrigida. "In den 50er-Jahren war für mich Gina Lollobrigida die schönste Frau der Welt. Ich gebe zu: Da wäre ich vielleicht auch mal in meiner Zuneigung für Franz Josef Strauß und die Junge Union unsicher geworden", so der 83-Jährige.
Waigel, der die Haltung vertrat, „Wiedergutmachung [sei] mehr als nur Stichwort […] für Sonntagsreden“, wiegelte hier als Bundesfinanzminister nicht ab, redete explizit keinem „Schlussstrich“ das Wort.
Dass der im Herbst 1989 plötzlich real werdende Wiedervereinigungsprozess umgesetzt werden konnte, hing unmittelbar mit der Bedingung zusammen, ihn ökonomisch-finanziell überhaupt ermöglichen zu können. Nach 40 Jahren durchexerzierten real-existierendem Sozialismus war dies keineswegs trivial, sondern das Ergebnis äußerster Anstrengung, auch intellektueller Anstrengung, die im Finanzministerium stattfand.
Für ihn war es von Beginn an „kategorischer Imperativ“, die Chance auf die deutsche Wiedervereinigung zu ergreifen. Auch hier gibt es im Rückblick bittere Resümees, vor allem, was die Art der Abwicklung der ostdeutschen Staatsbetriebe durch die Treuhandanstalt angeht.
Mit der Einheit eröffneten sich für das wiedervereinigte Deutschland schließlich Notwendigkeit wie Möglichkeit, aktiv seiner gesamtstaatlichen Verantwortung für die Verbrechen im Nationalsozialismus nachzukommen.
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