Viele Menschen, die sich versehentlich oder zwanghaft Haare ausreißen, fragen sich, ob diese wieder nachwachsen. Die Antwort ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Folgen des Haareausreißens und gibt Ratschläge zur Behandlung und Pflege.
Die Trichotillomanie ist eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene einen starken Drang verspüren, sich die Haare auszureißen. Dr. Andreas Wittorf, Leiter der Spezialambulanz für Zwangsstörungen am Universitätsklinikum Tübingen, erklärt, dass die meisten Betroffenen dies in einem unbewussten Zustand tun. Auslöser können Langeweile, innere Leere, Traurigkeit, Angst oder Nervosität sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jedes gelegentliche Auszupfen eines Haares auf eine Trichotillomanie hindeutet. Entscheidend ist der Leidensdruck. Betroffene leiden oft unter dem Drang selbst und den Konsequenzen, wie kahlen Stellen, die zu sozialer Isolation führen können. Die Diagnose erfolgt durch ein persönliches Gespräch, in dem Mediziner die Situation und den Leidensdruck des Betroffenen einschätzen.
Das Haareausreißen kann bei Betroffenen innere Spannungen reduzieren und sogar als genussvoll empfunden werden. Einige nehmen das ausgerissene Haar und berühren damit die Lippen oder kauen darauf herum, manchmal schlucken sie die Haare auch herunter. Dieser Umstand macht es für viele Betroffene so schwer, das Verhalten zu unterlassen.
Dennoch empfinden viele Betroffene das Haareausreißen als belastend. Nach dem Akt der Trance folgt oft Reue und Scham. Sichtbare Spuren wie lichte Haarstellen führen dazu, dass sich Betroffene nicht mehr unter Menschen trauen. Frauen sind im Erwachsenenalter häufiger betroffen als Männer, wobei das Problem oft in der Pubertät beginnt.
Es gibt keine einzelne Ursache für Trichotillomanie, aber bestimmte Faktoren können das Risiko erhöhen. Dazu gehören soziale Ängste, geringe psychologische Flexibilität und Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Stress ohne passende Bewältigungsstrategien kann ebenfalls dazu führen, dass das Haareausreißen als emotionales Ventil dient.
Es gibt zwei Hauptansätze zur Behandlung der Trichotillomanie: Psychotherapie und medikamentöse Therapie. Die kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere das Gewöhnungsumkehr-Training, hat sich als besonders erfolgsversprechend erwiesen.
Beim Gewöhnungsumkehr-Training lernen Betroffene, sich selbst zu beobachten und die Situationen zu identifizieren, in denen der Drang auftritt. Sie führen ein Protokoll über Gedanken und Gefühle in diesen Momenten. Anschließend trainieren sie eine motorische Gegenreaktion, wie das Ballen der Fäuste oder das Hin- und Herbewegen kleiner Objekte in der Hand. Diese Gegenreaktion soll den Drang reduzieren.
Zusätzlich ist es wichtig, die Auslöser zu berücksichtigen. Bei sozialen Ängsten können soziale Kompetenztrainings helfen, bei familiären Konflikten Familiengespräche. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können Stress und Anspannung reduzieren.
In komplexen Fällen, insbesondere wenn die Trichotillomanie mit anderen psychischen Störungen wie Depressionen oder Angstzuständen einhergeht, ist eine umfassende Psychotherapie ratsam.
Ja, in den meisten Fällen wachsen die ausgerissenen Haare wieder nach. Die Haare wachsen wieder nach, denn aus den untersten Hautschichten heraus schiebt sich ein neues Haar mit Wurzel, sobald eines ausgefallen oder entfernt worden ist. Die ausgezupften Haare können durchaus wieder nachwachsen. Die Haarwurzel verbleibt ja beim Ausreißen oder Ausfallen in der Kopfhaut. Sie gehört zu den permanenten Bestandteilen eines Haares, aus der immer wieder ein Haarschaft wächst, der mehrere Jahre bleibt.
Allerdings gibt es Ausnahmen:
Wenn der Haarbalg beim Ausreissen zerstört wird wächst nichts mehr. Wenn er erhalten bleibt, kommt bald ein neues Haar. Je öfter man rupft, umso wahrscheinlicher ist, dass immer mehr Haarbälge dauerhaft kaputt gehen.
Wie lange dauert es, bis ein ausgerissenes Haar nachwächst? Die Haarwurzel braucht dann bis zu sechs Wochen, um sich zu regenerieren und eine neue Haarwurzel samt nachwachsendem Haar an den Nährstoffkreislauf anzubinden.
Möchten Betroffene kahle Stellen überdecken, können sie dann ein Haarteil oder eine Perücke nutzen.
Psychologische Hilfe ist immer dann sinnvoll, wenn Betroffene einen hohen Leidensdruck haben. Im Falle einer psychischen Erkrankung übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung. Es ist ratsam, möglichst früh Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um irreversible Schäden zu vermeiden. Zwangserkrankungen gelten als „heimliche Erkrankungen“, daher ist es wichtig, Auffälligkeiten einfühlsam anzusprechen und Betroffenen einen Besuch in einer Psychotherapiepraxis nahezulegen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Haarwachstum zu unterstützen und die Haargesundheit zu verbessern:
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Trichotillomanie | Psychische Erkrankung mit Drang zum Haareausreißen |
| Ursachen | Langeweile, Stress, Angst, innere Leere |
| Behandlung | Kognitive Verhaltenstherapie, Gewöhnungsumkehr-Training, Entspannungstechniken |
| Haarwachstum | In den meisten Fällen wachsen ausgerissene Haare wieder nach |
| Psychologische Hilfe | Sinnvoll bei hohem Leidensdruck |
Mit der richtigen Therapie ist eine Reduzierung der Symptome bis hin zu einer Symptomfreiheit möglich.
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