Warum wachsen Haare im Alter langsamer: Ursachen und Lösungen

Wer seinem Haar viel Aufmerksamkeit widmet, mag von manchen Menschen als eitel bezeichnet werden. Die aufmerksame Beobachtung des eigenen Körpers hat jedoch mit Eitelkeit nicht viel zu tun. Eine Wallemähne aus kräftigem, gesund glänzendem Haar - wünscht sich das nicht jeder?

Das Wachstum der Haare lässt sich nur bedingt beeinflussen - es hängt vor allem von genetischen Faktoren, Hormonen, Alter und Geschlecht ab. Grundsätzlich ist genetisch festgelegt, wie schnell das Wachstum der Haare abläuft. Ein menschliches Haar wächst pro Tag etwa 0,4 bis 0,6 Millimeter, was rund 1,5 Zentimeter im Monat ergibt.

In diesem Artikel werden wir die Ursachen für langsamer wachsendes Haar im Alter untersuchen und Ihnen Tipps geben, was Sie dagegen tun können.

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Die Grundlagen des Haarwachstums

Haare zählen wie die Nägel oder Schweißdrüsen zu den Hautanhangsgebilden. Sie sind ein evolutionäres Überbleibsel aus der Tierwelt. Während bei Tieren die Haare vor allem als Wärmeisolierung und Schutz vor Umwelteinflüssen dienen, haben sie diese Funktion beim Menschen weitgehend verloren. Nur ein Teil der menschlichen Haare übt noch eine Schutzfunktion aus. Während das Kopfhaar vor Kälte und UV-Strahlung schützt, hält das Nasen- und Ohrhaar Staub und Schmutz aus dem Körper fern.

Der Mensch hat bis zu fünf Millionen Haare auf seinem Körper. Das sogenannte Terminalhaar, das bei Erwachsenen den größten Teil der Haare darstellt, ist bis zu 0,12 Millimeter dick. Der Grundaufbau aller Haare am Körper ist gleich. Während die Wachstumsphase der Körperhaare jedoch nur bei wenigen Monaten liegt und diese dann erneuert werden, wächst das Kopfhaar mehrere Jahre lang.

Haare bestehen aus Keratin, einem faserartigen Protein, das man auch "Horn" nennt. Von außen sieht man nur einen Teil des Haars, den Haarschaft. Die Haarwurzel liegt umgeben vom Haarfollikel unsichtbar in der Haut. Ob Haare glatt oder lockig sind, liegt am Querschnitt des Haarschafts. Glattes Haar hat einen runden Querschnitt. Je stärker oval der Haarquerschnitt, desto mehr lockt sich das Haar.

Der Haarwachstumszyklus

Jedes Haar durchläuft einen 3-Phasen-Wachstumszyklus, welcher aus der Wachstumsphase, der Übergangsphase und der Ruhephase besteht. Im Normalfall befinden sich ca. 80 Prozent der Haare in der Wachstumsphase, die je nach Veranlagung und äußeren Einflüssen bis zu 6 Jahre andauert. Neigt sich die Wachstumphase dem Ende zu, beginnt die Übergangsphase. Diese Phase dauert ca. 2 Wochen an und dabei verlangsamt sich die Zellteilung, bis sie vollständig zum Erliegen kommt.

Im Anschluss an die Übergangsphase folgt die Ruhephase. Rund 10–15 Prozent der Haare befinden sich in dieser Phase des Wachstumszyklus. Die alte Haarwurzel stirbt ab und das Haar fällt aus. Durch die altersbedingt verlangsamte Stoffwechsel- und Zellteilungsaktivität werden die Wachstumsphasen der Haare immer kürzer. Anstelle von 6 Jahren wächst es im Alter nur noch 2 oder 3 Jahre, bis die Ruhephase beginnt. Dementsprechend wird das Haar nicht mehr so lang und so dick wie vorher. Hinzu kommt, dass die Haare schneller ausfallen und länger brauchen, um nachzuwachsen. Das führt dazu, dass das Haarvolumen insgesamt abnimmt, aber auch die Dicke des Haars selbst.

Ursachen für langsamer wachsendes Haar im Alter

Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen können, dass Haare im Alter langsamer wachsen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Hormonelle Veränderungen: Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt. Bei Frauen sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, was zu dünnerem Haar führen kann. Bei Männern kann eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln auf Dihydrotestosteron vorliegen, der biologisch aktiven Form vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron.
  • Nährstoffmangel: Eine schlechte Nährstoffversorgung kann ebenfalls zu langsamerem Haarwachstum führen. Haare benötigen bestimmte Nährstoffe, die sie über die Haarwurzeln aufnehmen. Bekommen Sie zu wenig davon, werden sie möglicherweise dünn und brüchig - etwa, wenn ein Eisenmangel vorliegt.
  • Stress: Übermässige seelische oder körperliche Belastung kann dazu führen, dass das Haar aufhört zu wachsen. Wenn Sie dauerhaft der belastenden Situation ausgesetzt sind, wird ihr Haar so lange dünner werden, bis Sie effektive Methoden ergreifen, um dem Stress zu begegnen.
  • Genetische Veranlagung: Eine entscheidende Rolle bei feinem Haar spielt die genetische Veranlagung. Wenn die Eltern oder Großeltern nicht mit einer vollen Haarpracht gesegnet waren, ist es sehr wahrscheinlich, dass man selbst auch dünnes Haar bekommt. Spätestens im Alter zeigt sich die das erblich bedingte, dünne Haar meist sehr deutlich.
  • Äußere Einflüsse: Äußere Faktoren wie Umweltverschmutzung, UV-Strahlung, häufiges Färben oder Blondieren und aggressive Haarpflegeprodukte können das Haar schädigen und das Wachstum verlangsamen.

Der Haarwachstumszyklus

Was tun gegen langsamer wachsendes Haar im Alter?

Auch wenn das Haarwachstum im Alter langsamer wird, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um das Haarwachstum zu fördern und das Haar gesund zu erhalten:

  1. Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung, um den täglichen Nährstoffbedarf zu decken. Um den täglichen Nährstoffbedarf zu decken, können auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Diese sind vor allem dann hilfreich, wenn aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von Unverträglichkeiten bestimmte Lebensmittel nicht verzehrt werden können. Um dünnes Haar zu unterstützen und dicker werden zu lassen, eignet sich die Supplementierung von Biotin, Folsäure und Aminosäuren sowie Zink, Kieselsäure und Selen.
  2. Stress vermeiden: Wer stressbedingt unter Haarbruch und dünner werdendem Haar leidet, sollte unbedingt Stress vermeiden bzw. Entspannungstechniken für sich finden. Stressige Situationen können immer wieder auftauchen und daher ist es wichtig zu lernen, sich bei einem Problem nicht aus der Ruhe bringen zu lassen oder nach Hilfe zu fragen.
  3. Schonende Haarpflege: Verwenden Sie milde Shampoos und vermeiden Sie aggressive Tenside, Duftstoffe und Alkohole in Haarpflegeprodukten. EIne große Auswahl bieten medizinische Shampoos oder auch Naturkosmetik. Sodium-Lauryl-Sulfate und Alkohole sind bei dünnem Haar im Alter wenig geeignet.
  4. Kopfhautpflege: Verwenden Sie regelmäßig ein nicht-fettendes Kopfhautserum, um den Nährboden für ein gutes Wachstum Ihrer Haare zu unterstützen. Auch die Talgdrüsen, die Ihre Haare mit den notwendigen natürlichen Fetten versorgen, befinden sich hier und sollten in ihrer Funktion unterstützt werden. Massieren Sie das Serum sorgfältig vor dem Styling in Ihre Kopfhaut ein. Jede einzelne Haarwurzel wird sich freuen. Es gibt auch verschiedene Öle, die auf die Kopfhaut aufgetragen werden und dort das Haarwachstum anregen können - wie beispielsweise Rosmarinöl.
  5. Haarschnitte und Styling: Bei dünnem Haar im Alter eignen sich Kurzhaarfrisuren hervorragend, aber auch Bob-Schnitte in verschiedenen Längen verleihen dem Haar optisch mehr Volumen. Wer noch nicht ergrauen möchte, kann mit verschiedenen Strähnchen mehr Dimension in das Haar bringen und so ebenfalls für einen dichteren Look sorgen.

Es gibt auch Pflegeprodukte, die speziell auf das Haar im Alter abgestimmt sind. Sie sollen extra Glanz verleihen und viel Feuchtigkeit spenden. Das Haar wird dadurch aber nicht automatisch wieder dicker. Ein gesunder Lebensstil, mit einer vitamin- und abwechslungsreichen Ernährung trägt viel mehr dazu bei, dass Ihre Haare möglichst lang stark und dick wachsen.

Hausmittel gegen dünner werdendes Haar

Zusätzlich zum Arztbesuch können Sie auch selbst einiges gegen dünner werdendes Haar tun. Probieren Sie beispielsweise folgende Hausmittel, um Ihre Haare zu stärken:

  • Avocado: Die Avocado ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und ungesättigten Fettsäuren. Als Kur stärkt und pflegt sie die Haare.
  • Natürliche Öle: Rizinusöl enthält Vitamin E, spendet Feuchtigkeit und wirkt beruhigend. Massieren Sie einige Tropfen Rizinusöl vor der Haarwäsche in die Kopfhaut und den Haaransatz. Lassen Sie dies einige Minuten lang einwirken. Das soll auch gegen Schuppen wirken. Ebenfalls pflegt und nährt Kokosöl sowohl die Kopfhaut als auch die Haare.
  • Salbei: Eine Studie an Mäusen hat gezeigt, dass Salbei positive Eigenschaften in Bezug auf das Haarwachstum besitzt. Möchten Sie Salbei als Hausmittel gegen dünne Haare ausprobieren, setzen Sie dafür einen Sud aus Salbeiblättern und Wasser an. Den fertigen Sud können Sie als Spülung für die Haare mehrmals pro Woche verwenden.
Nährstoff Wirkung auf das Haar Lebensmittelquellen
Eisen Fördert das Haarwachstum und verhindert Haarausfall Rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse
Zink Stärkt die Haarwurzeln und fördert die Keratinbildung Nüsse, Samen, Vollkornprodukte
Biotin Unterstützt das Haarwachstum und verbessert die Haarstruktur Eier, Nüsse, Süßkartoffeln
Vitamin D Reguliert den Haarwachstumszyklus Fetter Fisch, Eier, Sonnenlicht

Wann zum Arzt?

Stellen Sie ungewöhnliche Veränderungen an Ihrem Haar fest, holen Sie sich ärztlichen Rat ein. So finden Sie die Ursache für Ihre Haarprobleme heraus und können mögliche Grunderkrankungen gleich behandeln lassen. Ihre erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der Sie gegebenenfalls zu einem Facharzt überweist, etwa einem Hautarzt (Dermatologen).

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