Unterschied zwischen Fell und Haar in der Biologie

Haare gehören zu den biologischen Fasern, die am weitesten verbreitet sind.

Die Behaarung von Säugetieren wird in der Regel als Fell bezeichnet und in Fellhaare (Capilli, als Leit- und Grannenhaare), Borstenhaare (Setae), Wollhaare (Pili lanei) und Langhaare unterschieden.

Fell bezieht sich auf das gesamte Fell eines Tieres, Haar bezieht sich auf die einzelnen Haare, die aus den Follikeln wachsen und das Fell bilden.

Menschen sind Tiere - Säugetiere, um genauer zu sein.

Die meisten Säugetiere haben drei Arten von Haaren: Daunen-, Grannen- und Wollhaar.

  • Daunenhaare sind weich und wenig steif, sie sind in der Regel gelockt und liegen dicht an der Haut an.
  • Das Wollhaar bzw. Deckhaar ist normalerweise steif und ragt durch die Daunen hindurch.
  • Grannenhaar ist ein Zwischentyp und wächst zunächst wie Deckhaar, wechselt dann aber in einen flaumähnlichen Zustand.

Die Grundstruktur ist ähnlich. Aber wenn man es näher betrachtet gibt es deutliche Unterschiede.

Zuchtwertschätzung & genomische Zuchtwerte erklärt

Haare (lat. pili) sind Hornfäden, die hauptsächlich aus Keratin bestehen und bei allen Säugetieren vorkommen.

Ein Haar besteht aus der Haarwurzel und dem Haarschaft.

Der Haarschaft ist prinzipiell aus Mark, Rinde und Kutikula aufgebaut.

Die Kutikula oder die äußere aus verhornten, abgestorbenen Zellen gebildete Schuppenschicht.

Die Rinde (Cortex) bezeichnet den Faserstamm des Haares, welcher sich aus Faserbündeln zusammensetzt, die wiederum aus feinsten Unterfasern, den Fibrillen aufgebaut sind.

Viele Säugetiere besitzen Vibrissen (Tasthaare). Hierbei dienen die Nervenenden um die Haarwurzel (Follikel) als Sensoren.

Jede Säugetierspezies besitzt Haare mit charakteristischen Merkmalen wie Länge, Farbe und Wurzelstruktur sowie spezifischen morphologischen Merkmalen.

Die Struktur von Mark und Kutikula der Haare ist streng tierartspezifisch. Sie erlaubt daher auch eine sichere Unterscheidung zwischen Mensch und Tier.

Als Kriterien zur genauen Speziesbestimmung dienen die Struktur der Markzellen, Markdicke, der Markstrahl, die Anzahl der Markzellschichten sowie das Dickenverhältnis von Haarmark zu Haarrinde.

Die Haare verschiedener Körperregionen desselben Individuumskönnen dabei beträchtliche Variabilität aufweisen.

Unter dem Lichtmikroskop sind Haare eine umfassende Quelle für Informationen, da das Licht als Informationsträger die genannten Strukturen durchdringen kann.

Für die mikroskopische Betrachtung wird dabei das Haar auf einem Objektträger fixiert.

Typische Vergrößerungen sind 10×, 20× und 40×. In seltenen Fällen findet auch ein 100× Ölobjektiv Verwendung.

Mitunter macht die Pigmentierung ein Anpräparieren der Medulla notwendig.

Die morphologische Haaranalyse eignet sich bis zu einem gewissen Grad zur Speziesidentifizierung.

Auch die Analyse von Pelzapplikationen an Kleidungsstücken auf tierische Herkunft ist von Bedeutung; insbesondere wenn solche Applikationen als Kunstpelz deklariert werden.

In solchen Fällen kann durch Ausführung eines geeigneten Untersuchungsganges Klarheit erzielt werden.

Zu prüfen ist dabei zunächst, ob es sich um tierische Haare handelt.

Dazu kann nach dem Abdruckverfahren auf Vorhandensein der für tierische Haare typischen Cuticulastruktur geprüft werden.

Ist das Ergebnis positiv kann durch zusätzliche Analyse der Medulla und eventuell des Haarquerschnittes eine Bestimmung der Spezies oder zumindest einer Gruppe von Spezies erreicht werden.

Selbst wenn letztlich ein Test durchgeführt wird, sollte auf die lichtmikroskopische morphologische Analyse nicht verzichtet werden, da bei Versagen des DNA-Tests trotzdem eine Aussage möglich ist.

Mit den Lichtmikroskopen ZEISS Axio Lab.A1 oder auch ZEISS Axio Scope.A1 stehen aufrechte Mikroskope dem untersuchenden Labor zur Verfügung.

Da es in der Betrachtung auf die feinen Strukturen der Cuticula ankommt, sind einerseits lichtstarke, aber auch hochaperturige Optiken von Vorteil.

Der Kondensor sollte ebenfalls so gewählt sein, dass er neben Hellfeld auch Dunkelfeld zulässt, z.B. der ZEISS achromatisch - aplanatische Kondensor mit Apertur 0,9 (H D Ph DIC).

Für die Dokumentation sollte eine Mikroskopkamera gewählt werden, die die fein aufgelösten Strukturen präzise darstellt.

Relevanz hat ihre Untersuchung unter anderem für die Aufklärung von Diebstahl, Wildunfällen im Rahmen der Versicherungsregulierung, die Untersuchung von Zollvergehen / Wilderei aber auch Kriminaldelikte wie Mord.

Fragen, die geklärt werden sind: Handelt es sich tatsächlich um ein Haar oder eine Pflanzen- oder Textilfaser? Von welcher Körperregion stammt das Haar?

Eine mikroskopische Analyse der Haarwurzel erlaubt sowohl die Bestimmung der Wachstumsphase, als auch eine Unterscheidung zwischen „ausgerissen“ und „ausgefallen“.

Die klassische Mikroskopie ermöglicht folglich eine Bestimmung von Spezies, Rasse, Haartyp und Haarstatus.

Typ, Anzahl und Erhaltungszustand der sichergestellten Haare beeinflussen dabei erheblich ihren Wert als Spurenmaterial für die forensische Untersuchung mit dem Lichtmikroskop.

Die typischen, unfallrelevanten Tierklassen sind Bestandteil der Routineuntersuchung in den meisten Laboratorien, da zum Beispiel die Versicherungsleistung abhängig vom unfallverursachenden Tier ermittelt wird.

Das Ergebnis der rein mikroskopischen Untersuchung in einem Fall von Kunstpelz-Deklaration ist den Abbildungen 3 - 6 zu entnehmen.

Durch Vergleich mit entsprechendem Referenzmaterial lautete das Ergebnis in diesem Fall: 1. Es handelt sich um tierische Haare und 2. Um eine definitive Speziesidentifizierung zu erzielen wurde zusätzlich ein DNA-Test durchgeführt.

Dieser ergab, dass es sich um Haare eines Kaninchens (Oryctolagus cuniculus) handelte.

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