Der Renault Twingo hat sich einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Autofahrer erobert. Mit der Neuauflage des Renault Twingo haben die Franzosen nicht nur das Konzept des Kleinstwagens grundlegend überarbeitet, sondern sich auch einen potenten Partner an Land gezogen.
Denn der Twingo III teilt sich die technische Basis mit dem Smart. Das Design erlangte schnell Kultstatus - zumal nicht selten noch das i-Tüpfelchen auf das knuddelige Design gesetzt wurde.
Der Renault Twingo war lange Zeit der Inbegriff des Frauenautos: Klein und knuffig, mit viel zu großen Kulleraugen. Zu allem Überfluss wurden gefühlt jedem zweiten Twingo auch noch Wimpern an die Scheinwerfer geklebt. Die dritte Generation des Twingo hat sich zwar die großen Augen behalten, der treudoofe Schafsblick ist jedoch einem verschmitzt-herausfordernden Grinsen gewichen.
Zudem wurden Farben wie Rosa aus dem Programm gestrichen. In Pazifikblau mit weißem „Rallye“-Streifen auf der Seite sieht der neue Twingo richtig gut aus. Die vollverglaste Heckscheibe in Schwarz sorgt zudem für einen fast edlen Touch. Optisch hat Renault seine Zielgruppe damit schon mal erfolgreich um 50 Prozent erweitert.
Und wahrlich ist der Twingo kaum wiederzuerkennen. Die kleine Knutschkugel präsentiert sich in einem modernen, durchgestylten Blechkleid, das modernen Designanforderungen kaum noch Wünsche offenlässt. Auch unter dem Kleid hat sich einiges getan: Der neue Twingo kommt nämlich nicht nur als echter 4-Türer daher, sondern bietet auch noch eine ganz besondere Überraschung: Der Motor des kleinen Franzosen sitzt im Heck!
Und als ob das der Neuerungen nicht genug wäre, konterkariert Renault auch noch die aktuelle Entwicklung bei BMW und verpasst dem Twingo einen Heckantrieb. Bei Smart wie Renault sitzt der Motor nämlich hinten, unterhalb des Kofferraums und treibt das Fahrzeug über die Hinterachse an. Daraus verspricht sich Renault nicht nur ein besseres Handling auf der Straße, sondern auch einen Raumgewinn im Inneren.
Das Ende der Modellpaletten-Fahnenstange ist sicher noch nicht erreicht, denn bisher verspricht Renault nur zwei Benziner mit je drei Zylindern: Diese leiten 70 bzw. Zu einem offiziellen Statement konnte sich Renault leider noch nicht durchringen - die Spatzen pfeifen aber von den Dächern, dass der neue Twingo bereits für unter 10.000€ zu haben sein wird. Damit stellt sich der Twingo seinen Konkurrenten wie VW up!
Um den dadurch auf maximal 219 Liter geschrumpften Kofferraum zu kompensieren, haben sich die Renault-Ingenieure jedoch einiges einfallen lassen. Den komplett umklappbaren Beifahrersitz hat der Twingo noch vom Vorgänger übernommen, wodurch selbst lange Gegenstände wie Snowboard oder Sonnenschirm im Zwerg Platz finden. Das Platzangebot bei umgeklappter Rückbank beträgt immerhin 980 Liter. Sind jedoch mehr als zwei Passagiere an Bord, können diese ihre Sachen unterhalb der Rücksitzbank in einem zusätzlichen Fach verstauen.
Hinten Motor, vorne Spaß: Der Renault Twingo macht vieles anders und mag keine Autobahn, hielt aber noch besser durch als der Sommer 2018. Ein Herz erobern, dafür braucht der Twingo nur Sekunden oder knapp neun Meter. Genau gesagt, gemessene 8,90 Meter, denn so klein ist der Wendekreis des Renault.
Das mag als Zahl wenig beeindrucken. Doch wer einmal in der Stadt ein kitzliges Manöver um eine Verkehrsinsel hinlegen musste und erlebte, wie dieser Floh auf dem Handtuch kehrtmachen kann, sagt lächelnd: "Danke!" Dass Autos heute noch so wendig sein können! Nun sollte ein Wendekreis kein Kriterium im Dauertest darstellen, aber diesmal ausnahmsweise doch: Der citrusgelbe Twingo Energy TCe 90 Luxe schüttelte diesen hilfreichen Trick auf seinen 100.000 Kilometern fast täglich aus dem Ärmel, quasi als serienmäßige Ausstattung neben dem 90 PS starken Turbomotor, Navi, DAB-Radio, Klimaautomatik und Faltschiebedach.
Billig ist anders: Unser Testwagen kostete stolze 16.725 Euro - weit entfernt vom Durchschnitts-Twingo. Damit kletterte der Testwagenpreis auf 16.725 Euro. Nicht gerade kleinwagenhaft, den meisten Twingo-Käufern reicht deutlich weniger Luxus. Sie kaufen ja auch wenig Auto, mit 3,60 Meter Länge ist der Franzose eine ganze Nummer kleiner als Polo & Co.
Dabei parkfreundlich schmal (1,65 Meter), mit kurzer Nase, denn der Dreizylinderbenziner liegt hinten unterm Kofferraum - wie sonst nur im Smart, dem Zwillingsbruder des Twingo. Dieses Konzept schafft drinnen überraschend viel Platz, auf die hohen, allerdings hart gepolsterten Sitze steigt man bequem ein. Der Beifahrersitz lässt sich für langes Gepäck umlegen, für diesen Trick kassieren Nobelhersteller in weit höheren Klassen extra.
Umso ärgerlicher, dass die Ladekante am Heck recht hoch liegt. An Frauen, eine wichtige Zielgruppe beim Twingo, hat Renault zu wenig gedacht. "Die Gurte kratzen am Hals", klagte Layouterin Annika Montanus (1,57 Meter). "Und der Innenspiegel kippt nicht weit genug herunter." Da schimmert dann doch der karge Kleinwagen durch.
Die Pedale stehen für große Füße zu nah beieinander, die Fensterheber haben keine Antipp-Automatik. Es prasselt hörbar aus den unverkleideten Radhäusern, und die offene Ablage zwischen den Sitzen kippte samt Flasche um. Nostalgiker fühlen sich beim Interieur an unverkleidete Polo oder Kadett von früher erinnert, allerdings mit klar mehr Temperament. "Mit 90 PS bist du König der City", jubelte Redakteur Christopher Clausen.
Wer braucht da einen Drehzahlmesser, der Heckmotor hält den Fahrer akustisch auf dem Laufenden. Mit der butterweichen Autoscooter-Lenkung springt der Kleine zwischen den Spuren hin und her, die flotte Handschaltung hätten wir uns beim alten Smart mit seiner Ruckel-Automatik immer gewünscht.
Umso ärgerlicher, dass nach einem Jahr ein Elektronikteufel im Twingo seinen Spuk begann. Zwar ließ sich das Handy schnell und problemlos mit dem R-Link-System koppeln. Kurze Zeit später kappte aber das System plötzlich die Verbindung. Oder die Radio-Navi-Einheit fiel gleich komplett aus. Dann wieder knackte es lautstark aus den Lautsprechern, was unseren Fahrer Stefan Mallach an Spannungsentladungen erinnerte. Damit lag er wohl fast richtig.
Nach 39.131 Kilometern musste Renault das Gerät auf Garantie tauschen - danach herrschte Ruhe. Auch die Tankanzeige, die zuvor mit springenden Balken foppte, arbeitete danach zuverlässig. Kurios, dass das Navi weiter als Logo die Heckansicht vom Vorgänger-Twingo zeigte. Der neue sieht doch viel origineller aus!
Die Autobahn war ohnehin nichts für den Kleinen. Dort wurde ihm sein Heckmotorkonzept zum Verhängnis: Schmale Spur, hoher Aufbau und viel Gewicht auf der Hinterachse machen ihn empfindlich für jede Böe. Beim Überholen von Lastwagen oder auf Brücken verlangte die Lenkung einen aufmerksamen, festen Griff. So wurden längere Strecken zum Eiertanz, weil das ESP, das grundsätzlich sehr früh und rigoros abregelt, mehrmals sogar bei Geradeausfahrt eingriff.
Als Jan Götze bergab durch die Kasseler Berge stürmte, glaubte der Onlineredakteur gar, den plötzlichen Motortod zu erleben. Ursache diesmal: Der Renault ist bei 165 km/h abgeregelt - allerdings so hart, dass sein Fahrer sich erschreckt. "Grundsätzlich hat Renault aus dem Heckmotor zu wenig gemacht: taube Lenkung, maues Handling und eine unharmonische Kraftentfaltung", knurrte Götze.
Und so blieb der Twingo in der Spur, auch bei der Zuverlässigkeit. Einzige Ausnahme war der Auspuff, der bei der 80.000-Kilometer-Inspektion ein Loch hatte, dessen Ursache weder die Werkstatt noch die Renault-Zentrale finden konnten. Verschleiß? Nicht nach knapp zwei Jahren. Korrosion? Ausgeschlossen, der Schaden sah anders aus als beim Kantenrost, den wir unter der Dichtung der Heckklappe fanden. Dort hatte die Fabrik in Novo Mesto (Slowenien) zu sehr am Rostschutz gespart, zudem war der Lack ringsum sichtbar dünn aufgetragen.
Als der Twingo nach 100.000 Kilometern in Einzelteilen vor DEKRA-Experte Günther Schiele lag, war der überrascht vom Zustand des Motors. Kein Verschleiß, alles fast wie neu und das, obwohl wir den TCe auf Langstrecken nie geschont haben. Nur im Getriebe fand der Sachverständige ein kleines Metallteil aus der Synchronisierung, das noch keinen Schaden angerichtet hatte.
Der Stadtflitzer hat bewiesen, dass er mehr ist als ein billiger Blechzwerg. Er ist wieder ein Sympathieträger, in dem ein überraschend kräftiges Herz schlägt.
| Aspekt | Bewertung |
|---|---|
| Wendekreis | Sehr gut |
| Motorleistung | Gut (für Stadtverkehr) |
| Komfort | Durchschnittlich (harte Sitze) |
| Langstreckentauglichkeit | Eingeschränkt |
| Zuverlässigkeit | Gut (bis auf Elektronikprobleme) |
tags: #twingo #mit #wimpern #erfahrungen
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