Trichodynie: Ursachen, Symptome und Behandlungen bei Haarausfall

Viele Menschen leiden unter einer gesteigerten Empfindlichkeit der Kopfhaut, Trichodynie genannt. Wenn jede einzelne Haarwurzel zu schmerzen scheint, spricht man auch von Trichodynie.

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Der Begriff „Trichodynie“ beschreibt eine schmerzhafte Empfindlichkeit der Kopfhaut, die häufig mit Haarausfall einhergeht. Die Ursachen der Trichodynie sind vielfältig, aber noch immer nicht gut genug erforscht.

Was ist Trichodynie?

Missempfindungen an der Kopfhaut wie Kribbeln, Brennen und Schmerzen in Verbindung mit Haarausfall werden in der medizinischen Fachsprache als Trichodynie bezeichnet. Rund jeder fünfte Mensch leidet hin und wieder oder sogar ständig unter Haarschmerzen, vermuten Dermatologen. Trichodynie tritt bei ca. 20 bis 30 % der Frauen und bei ca 9 % der Männer mit Haarausfall auf.

Charakteristisch für die Trichodynie ist jedoch, dass hierbei keine Veränderungen der Kopfhaut zu finden sind. Im deutschsprachigen Schrifttum hat Prof. Dr. Trüeb aus Zürich in der Zeitschrift "Der Hautarzt" 1997 eine Abhandlung hierzu verfasst (R.M.Trüeb: "Trichodynie". Hautarzt 1997: 48; 877 - 880) und berichtet auch in seinen aktuellen Büchern über dieses Thema.

Symptome der Trichodynie

Kopfhaut oder Haarwurzeln schmerzen, Berührungen werden als unangenehm oder schmerzhaft empfunden, auch schmerzhaftes Brennen der Kopfhaut wird häufig geschildert. Sehr oft wird auch das Kämmen der Haare und/oder jede Lageveränderung der Haare als sehr unangenehm empfunden. Allein die Tatsache, dass man seine Haare und Kopfhaut ständig spürt, ist schon belastend für die Patienten.

Daneben sind auch juckende Kopfhaut, ein Kribbeln oder Brennen sowie Spannungskopfschmerzen und Haarausfall Zeichen von Trichodynie. Bei manchen Menschen schmerzt die Kopfhaut sogar schon bei normalen Berührungen oder beim Kämmen.

Ursachen der Trichodynie

Ein wichtiger Punk ist dabei: Trichodynie führt nicht zu Haarausfall, sondern ist ein Phänomen, das zusammen mit Haarausfall auftreten kann. Als Ursache für die Trichodynie werden Botenstoffe des Körpers wie die "Substanz P" gesehen. Warum es jedoch zu einer verstärkten Bildung dieses Botenstoffes kommt, ist ungeklärt. Als eine mögliche Ursache werden Entzündungen der Kopfhaut bei verschiedenen Haarerkrankungen gesehen.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass Trichodynie oft mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder somatoformen Störungen verbunden ist. Bei somatoformen Störungen handelt es sich um körperliche Beschwerden ohne erkennbare organische Ursache. Die Patienten suchen häufig medizinische Hilfe, obwohl wiederholte Untersuchungen keine körperliche Erkrankung nachweisen können.

Forschungen zeigen, dass in der Kopfhaut von Betroffenen mit Trichodynie vermehrt das Neuropeptid Substanz P (NPSP) nachgewiesen wurde. NPSP ist ein Botenstoff, der an der Schmerzwahrnehmung und an Entzündungsprozessen beteiligt ist. Das Neuropeptid Substanz P (NPSP) und andere ähnliche Botenstoffe wirken sowohl auf das Nervensystem als auch auf das Immunsystem. Laut der psychosomatischen Theorie könnten sie das fehlende Bindeglied zwischen dem Gehirn und der Haut sein, insbesondere wenn ungelöste emotionale Konflikte körperliche Beschwerden auslösen.

NPSP könnte eine zentrale Rolle dabei spielen, wie das Nervensystem mit dem Immunsystem und den Blutgefäßen der Haut interagiert. Trichodynie betrifft meistens die zentro-parietale Kopfhautregion, also die obere Mitte des Kopfes. Interessanterweise ist diese Region eigentlich weniger schmerzempfindlich als andere Bereiche der Kopfhaut.

Im Rahmen der Untersuchung fanden sich bei Patienten mit Trichodynie häufig psychische Begleiterscheinungen wie z.B. Manche Patienten leiden über Tage oder Wochen an den Symptomen, die wiederum Stress auslösen können - der eine der Ursachen für Trichodynie sein kann. Dabei können äußere Reize genauso verantwortlich sein wie Entzündungen oder gar eine Krankheit, etwa eine Grippe, bei der der ganze Körper schmerzen kann.

Mögliche Ursachen von Trichodynie

Weitere mögliche Ursachen:

  • Hormonell bedingter Haarausfall
  • Rückgang weiblicher Hormone
  • Mineralstoff- oder Vitaminmängel
  • Fehlerhafte Haarpflege
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Chronische Entzündungen

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Diagnose der Trichodynie

Der erste Gang bei Kopfhautschmerzen und Trichodynie sollte immer zum Hautarzt führen. Er sollte mögliche krankhafte Ursachen abklären, denn jedes "Selbsthilfeprogramm" sollte sich an der Ursache der Beschwerden ausrichten. Die Diagnose von Haarerkrankungen beginnt mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung durch einen Dermatologen.

Wir schauen uns immer zuerst genau das Aussehen von Haaren und Kopfhaut an. Danach sind unter Umständen verschiedene Untersuchungen notwendig. Nach deren Ergebnis richtet sich die Behandlung. Oft ist es nicht leicht, den richtigen Behandlungsweg zu finden.

Zu Beginn steht die ausführliche Anamnese zu Medikamenteneinnahmen, familiärer Vorbelastung, emotionalen Stresssituationen und weiteren individuellen Risikofaktoren. Die folgende Diagnostik umfasst die ausgiebige Untersuchung der Kopfhaut, und eine individualisierte Blutkontrolle. Zusätzlich kann ein Gentest mittels Rachenabstrich durchgeführt werden, um so genetische Variationen, die zu einem Haarverlust führen, zu erkennen.

Behandlung der Trichodynie

Die Therapie der Trichodynie richtet sich, soweit möglich, nach den Ursachen. Die Behandlung der Trichodynie richtet sich nach der zugrundeliegenden Haarerkrankung und der eventuell begleitenden psychischen Komponenten. Oft kann man den Auslöser finden und dann ausschalten. Es gibt aber auch für schwierige Fälle viele gute Behandlungsmöglichkeiten, sodass fast immer eine gute Besserung der Beschwerden erzielen kann.

Bisher werden verschiedene Ansätze ausprobiert, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Dazu gehören milde, nicht reizende Shampoos, örtliche Behandlungen mit juckreizstillenden oder betäubenden Wirkstoffen sowie die Verabreichung von Capsaicin (Wirkstoff aus Chili), trizyklischen Antidepressiva, Gabapentin oder Pregabalin. Eine vielversprechende Therapie könnte Botulinumtoxin (BTX) sein. BTX verringert die Schmerzempfindlichkeit der Nerven und hemmt die Erweiterung der Blutgefäße, die durch Nervensignale verursacht wird. BTX wird bereits erfolgreich zur Behandlung von chronischen Kopfschmerzen eingesetzt. Im Notfall helfen auch kleine Injektionen mit Botox. Davor sollten Sie sich aber ausgiebig beraten lassen.

Botulinumtoxin (Botox) als mögliche Therapie

Weitere Therapieansätze:

  • Entzündungshemmende Medikationen
  • Einnahme oder mesotherapeutische Verabreichung von Vitaminen (B, H), Zink, Cystin und Panthotensäure
  • Mesotherapie
  • Plasmatherapie (PRP-Behandlung, Dracula-Therapie)

Tipps zur Linderung der Symptome

  • Meiden Sie bis zur Ursachenklärung soweit möglich jede äußere Reizung der Kopfhaut.
  • Erst einmal heißt es, die Kopfhaut und die Haare möglichst in Ruhe zu lassen.
  • Wer zu trockener Kopfhaut neigt, kann sich eine sanfte Kopfhautmassage mit einem Öl, etwa Argan-, Mandel- oder Olivenöl, gönnen.
  • Am besten mit sanften, aber klärenden Shampoos arbeiten und die Kopfhaut dabei sanft massieren.
  • Auch eine Kopfhautbürste kann beim Shamponieren helfen und durch die mechanischen Bewegungen die Kopfhaut säubern.
  • Auch Entspannungsübungen können möglicherweise dazu beitragen, dass die Trichodynie nachlässt - insbesondere, wenn Sie sehr stark gestresst sind.

Da die Symptome auf der Kopfhaut sehr vielfältig sein können, wäre es sinnvoll, die Bezeichnung je nach Art der Symptome und der zugrunde liegenden Erkrankung zu differenzieren, anstatt nur von „Trichodynie“ zu sprechen. Daher wird von einigen Autoren der Begriff „sensitive scalp“ (empfindliche Kopfhaut) genutzt. Dieser umfasst die Trichodynie und andere unangenehme Empfindungen wie Brennen, Juckreiz, Stechen oder Kribbeln. Diese Empfindungen können auftreten, ohne dass sichtbare Hautveränderungen vorliegen, oder mit einer Rötung der Haut einhergehen.

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