Eigentlich sind es ja nur ein paar Haare. Aber sie senden eine unmissverständliche Botschaft aus, auch in der Politik. Frisuren sagen viel über Menschen aus. In der Politik sind sie oftmals ein Statement.
Wie es scheint, messen Rechtspopulisten ihren Haaren besondere Bedeutung bei. Neben Javier Milei und Boris Johnson stellen das Donald Trump und Geert Wilders eindrucksvoll unter Beweis. Der amerikanische Ex-Präsident und der niederländische Chef der islamfeindlichen Partei der Freiheit zeichnen sich nicht nur durch aufmerksamkeitsheischende hochtoupierte Frisuren aus, sie treten ebenso wie Johnson noch dazu blond in Erscheinung, eine Farbe, die Jugendlichkeit, Energie und Exklusivität signalisiert.
Belächelt werden dürfte der 60-Jährige nach seinem Wahlsieg in dieser Woche, der die Niederlande deutlich nach rechts rückt, allerdings weniger als in den Jahren zuvor. Helmut Schmidts graue Haare wiederum lagen stets unerschütterlich wie ein Helm um sein Haupt, sorgsam nach hinten gekämmt, keine Sturmflut vermochte daraus auch nur eine Strähne herauszulösen.
Genauso ordentlich gekämmt wirkten die Sätze des SPD-Altkanzlers. Das wirkte standfest, geradlinig, verlässlich. Unprätentiös wie Deutschlands First Reihenhaus-Bewohner nun einmal war, veränderte Schmidt seine Frisur nie. Sorgsam frisierte Haare waren und sind zudem Markenzeichen von Margaret Thatcher oder Ursula von der Leyen.
Bei Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist das Gegenteil der Fall: Seine Frisur vermittelt stets jene Spannung, die auch seinem Tonfall eigen ist. Bei so wenig Eitelkeit wundert es nicht, dass Lauterbachs Ressort gar nicht erst in der aktuellen Liste über die Ausgaben der einzelnen Bundesministerien für Visagisten und Friseure auftaucht.
Insgesamt rund 180.000 Euro wurden von Januar bis zum Stichtag 12. Oktober 2023 für die Verschönerung von Kabinettsmitgliedern, Staatssekretären und Parlamentarischen Staatssekretären verwendet, wie aus der Antwort der Bundesregierung von Anfang November auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervorgeht. Vorbildlich nachhaltig erscheint dagegen der entsprechende Aufwand, den das Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz von Robert Habeck (Grüne) betreibt: Ganze 550 Euro wurden bis dato ausgegeben.
Mit weiteren 29.416,99 Euro schlägt übrigens die „Inanspruchnahme von Visagisten und Friseuren durch ehemalige Bundeskanzler“ im Berechnungszeitraum zu Buche; hier wird im Besonderen auf die Dienste einer „freiberuflichen Assistentin für Make-up und Frisur“ verwiesen. Prominente Kundin dürfte Altkanzlerin Angela Merkel sein, die noch immer zahlreiche öffentliche Auftritte absolviert.
Robert Habeck zum Beispiel, Parteichef und Berufsjugendlicher der Grünen, trug auf dem Kopf bisher immer diese sorgsam hindrapierte Strubbelfrisur. Kein Auftritt verging, vor dem der Grünen-Chef sich nicht noch schnell durchs Haar fuhr, um hochzuigeln, was von Natur aus eher liegen wollte. Die Botschaft: Hier kommt ein Rebell, der aufsteht gegen Konventionen.
Vielleicht fand Habeck diesen Schopf jetzt doch langsam irgendwie doof oder zu unseriös, auch angesichts zukünftiger Aufgaben. Über die Sommerferien jedenfalls hat der Grünen-Chef sich offenbar Gedanken gemacht. Ergebnis: eine neue Kanzlerfrisur, mit der Habeck beim ZDF-Sommerinterview auftauchte. Statt stachelig-himmelwärts strebt das Haar jetzt eher seitwärts und in die Stirn.
Wer Habeck etwas öfter beobachtet, weiß allerdings auch: Der Mann überlässt bei seinem Äußeren nichts dem Zufall. Der neu gestylte Kopf über weißem Hemd und Jackett darf also getrost als Signal gewertet werden. Es zielt in die bürgerliche Mitte der Gesellschaft, sucht Vertrauen jenseits grüner Schlamperbiotope und notfalls auch beim Spießer.
Schließlich haben es vor Habeck schon andere geschafft, die Frisur sprechen zu lassen beim Aufstieg in neue Zonen der Bedeutung. Zum Amthor'schen Seitenscheitel reicht es zwar noch nicht, der Weg dorthin aber ist kürzer geworden. Nun sollte man es nicht überbewerten, wenn Politiker mal einen bad hair day haben.
Angela Merkel begann ihre Karriere mit sagenhaft schlechten Haarschnitten. Nur zögerlich - und nachdem ein Autoverleih ihr eine Fahrt im Cabrio empfohlen hatte - trennte die spätere Kanzlerin sich von der Überzeugung, das Äußere sei nicht so wichtig. Angela Merkels Frisur hingegen spiegelt ihre Metamorphose von „Kohls Mädchen“ zur damals mächtigsten Frau der Welt: Aus ihrem anfänglichen Topf-Schnitt wurde ein Top-Schnitt.
Wie die Nachrichtenagentur DPA bereits im Januar unter Berufung auf einen Regierungssprecher berichtete, ist die persönliche Assistentin Merkel im Übrigen auch für das Make-up der Kanzlerin zuständig. Deutschland hat ein wachsendes Frisurproblem. Seit dem 16. Doch während die einen sich dem Schicksal fügen und die Haare einfach wachsen lassen, greifen andere selbst zur Schere oder lassen sich von Partner oder Partnerin eine neue Frisur verpassen. All das muss die stets gut frisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht machen.
NEUSS. Sie ist nur 46 Zentimeter groß und trägt einen dunkelblauen Hosenanzug über ihrem rosaefarbenen T-Shirt: die Merkel-Puppe. Dem Vorbild der Kanzlerin in spe am Wahlabend entsprechend, trägt die "kleine Angela" eine Perlenkette um den Hals: "Das sind aber keine echten, die sind aus Kunststoff", sagte Offermann.
Dabei hat die CDU-Vorsitzende den Puppendoktor während des Wahlkampfes ein ums andere Mal zum Haareraufen gebracht. "Beinahe jeden Tag mußten wir die Frisur verändern. Die Farbe und auch den Schnitt", sagte der 34jährige. Die Zelluloid-Puppe, die vom thüringischen Hersteller Schildkröt produziert wird, kann mit den Augen klimpern und trägt auf dem Kopf eine Echthaarperücke.
Im Iran schneiden sich mutige Frauen immer wieder öffentlich die Haare ab - aus Protest gegen das Mullah-Regime und als Zeichen der Trauer um dessen ermordete Opfer. Im Mittelalter kamen verheiratete Frauen in Deutschland „unter die Haube“, das heißt, sie durften ihr Haar nicht mehr offen tragen. Für Repräsentanten der Macht haben Haare einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf ihren Erfolg.
Richard Nixon soll das von 60 Millionen Amerikanern verfolgte erste Fernsehduell in der Geschichte am 26. September 1960 gegen John F. Kennedy unter anderem auch deshalb den Wahlsieg gekostet haben, weil er schlecht rasiert war.
Ganz anders war da Merkels sozialdemokratischer Vorgänger Gerhard Schröder. 2002 wurde dem damaligen Kanzler nachgesagt, er lasse sich die Schläfen tönen. Eine Imageberaterin habe ihm geraten, damit aufzuhören, um seriöser zu wirken. Wer Haare färbt, frisiert auch Statistiken, fasste ein CDU-Politiker den Fall elegant zusammen.
Schröder verstand das offenbar als Angriff auf seine Ehre, zog vor Gericht und ließ den Berliner Starfriseur Udo Walz eine eidesstattliche Erklärung abgeben: Das Kanzlerhaar sei weder getönt noch anderweitig farblich modifiziert.
Ähnlich ernst wie so ein Farbfälschungsvorwurf ist für andere: Haarverlust. Der FDP-Politiker Christian Lindner bekämpfte das Problem wie Silvio Berlusconi mit Implantaten. Die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen hingegen hält wenig von Experimenten am Kopf. Sie hielt über Jahre in Treue fest an einer biederen Schulmädchenfrisur.
Bleibt die Gruppe wilder Expressionisten, zu der Fusselbartträger Wolfgang Thierse gehört, die grüne Haarkünstlerin Claudia Roth und natürlich auch deren Parteifreund Toni Hofreiter. Er mag es übrigens gar nicht, wenn über seine Frisur gewitzelt wird.
Boris Johnson, bekannt für seine auffällige Frisur.
Frisur? Eine solche Beschreibung scheint an den Haaren herbeigezogen, fällt der Blick auf das, was sich auf dem Haupt von Javier Milei abspielt, Argentiniens designiertem Präsidenten. Nicht nur der überraschende Wahlsieg des 53-Jährigen, der sich selbst als radikalen Liberalen und Anarchokapitalisten bezeichnet, hat weit über das südamerikanische Land hinaus für Aufsehen gesorgt, sondern eben auch Mileis Matte: dicht, wirr, ohne erkennbaren Schnitt.
Das allerdings weckt Zweifel, denn bei näherem Hinsehen scheint das Chaos auf Mileis Kopf dann doch kunstvoll arrangiert, und der sichtbar glänzende Haarfestiger ist gewiss nicht himmlischen Ursprungs. So liegt der Verdacht nahe, dass in dem Schopf eine Botschaft steckt: Seht her, ich bin nicht Teil des Establishments und dennoch authentisch, um mich herum pfeift obendrein für alle sichtbar der Wind der Veränderung.
Das passt zu jemandem, der den menschengemachten Klimawandel anzweifelt, die Waffengesetze liberalisieren, Abtreibung komplett verbieten und die Zentralbank „in die Luft sprengen“ will. Irgendwie fällt einem dabei ein anderer Struwwelpeter im Kreis der Mächtigen ein, der ebenso durch krause Ansichten von sich reden machte, bei jeder Gelegenheit wider den Strich bürstete und alte Überzeugungen kurzerhand abrasierte: Boris Johnson.
Dass sich Johnson vom Brexit-Skeptiker innerhalb kürzester Frist zum leidenschaftlichen Befürworter des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union wandelte - Haarspalterei der Opposition. Dass ihn Fotos während seines Studiums am Eton College, einem der teuersten Internate weltweit, Ende der 70er-Jahre mit perfekt sitzendem Haar zeigen - na und? Dass er irgendwann auf die Idee gekommen sein könnte, die Abkehr von seiner elitären Stromlinienform durch klassenlosen Wildwuchs zu unterstreichen, um dadurch wählbar für die Massen zu werden - reine Spekulation!
Afro-Look, Punk-Frisuren, Hippie-Mähne - Haare sind ein politisches Statement, sogar, wenn sie gänzlich fehlen und etwa mit Springerstiefeln kombiniert werden.
Angela Merkel im Gespräch mit ihrem Friseur.
Seit Donnerstag findet die Wahl zum Europäischen Parlament statt. In Deutschland ist Sonntag der Tag der Tage - dann wird auch hierzulande an die Wahlurnen gebeten. Auch Micaela Schäfer ruft dazu auf, vom Stimmrecht Gebrauch zu machen. Natürlich tut sie das auf ihre ganz eigene Art und Weise.
Bislang bestand die Kernkompetenz von Micaela Schäfer vor allem darin, sich auszuziehen. Doch mit ihren mittlerweile 40 Jahren hat die selbst ernannte Nacktschnecke auch ihr Herz für die Politik entdeckt.
So machte erst im April die Nachricht die Runde, dass Schäfer nun stolzes Parteimitglied ist. Nein, sie hat nicht etwa eine Wählervereinigung für kostenlose Schönheitsoperationen ins Leben gerufen. Sie ist ganz konservativ der CDU beigetreten. Und das nicht allein. Auch ihr bester Kumpel Julian F.M. Stoeckel ist seit Kurzem Christdemokrat.
Ihren Parteieintritt verband Schäfer sogleich mit einem politischen Appell: "Ich finde es wichtig zu zeigen, dass man wählen geht. Mich besorgt, dass so viele die AfD wählen", sagte sie der "Bild"-Zeitung.
"Wählen ist cool und sexy"Nun möchte die Berlinerin ihre Botschaft offenbar noch einmal unterstreichen - und das selbstredend auf ihre ganz eigene Art und Weise. Auf ihrer Instagram-Seite postete sie mehrere Fotos, auf denen sie - zumindest obenrum - geradezu seriös wirkt. Schließlich trägt sie neben Blazer und Perlenkette eine Kurzhaarperücke, mit der sie der Frisur von Ex-Kanzlerin Angela Merkel fast Konkurrenz machen könnte.
Ebenfalls in Anlehnung an die einstige Regierungschefin formt Schäfer ihre Hände immer wieder zur berühmt-berüchtigten Merkel-Raute. Dazwischen sieht man, wie sie ihre Briefwahlunterlagen ausfüllt, den zugehörigen Umschlag in den Händen hält und ihn schließlich in den Briefkasten wirft.
Ach so, eines muss natürlich noch erwähnt werden: Untenrum ist bei Schäfer dann doch alles beim Alten. Da trägt sie einen Spitzen-Slip, Strapse und hochhackige rote Schuhe. Man sieht sie auf der Couch, im Bett und sogar auf dem Klo.
Auch wenn Schäfers politisches Engagement aktuell zu neuen Höhenflügen ansetzt - zumindest ihr Merkel-Faible ist nicht ganz neu. Schon vor zehn Jahren posierte sie für einen Kalender in Gestalt der Altkanzlerin samt Raute und Perücke. Damals zog sie in dieser Aufmachung sogar komplett blank.
Angela Merkel: Frisuren im Wandel der Zeit.
| Politiker | Frisur | Bedeutung/Interpretation |
|---|---|---|
| Robert Habeck | Veränderte Frisur (von Strubbel zu Seitwärts) | Signal in die bürgerliche Mitte, Suche nach Vertrauen |
| Angela Merkel | Entwicklung von schlechten Haarschnitten zu einem Top-Schnitt | Metamorphose von "Kohls Mädchen" zur mächtigsten Frau der Welt |
| Gerhard Schröder | Vorwurf des Haarefärbens | Versuch, seriöser zu wirken, Abwehr des Vorwurfs |
| Karl Lauterbach | Strähnige, dünne Haare | Ewiger Oberprimaner-Streber, der alles besser weiß |
| Javier Milei | Wirr, dicht, ohne erkennbaren Schnitt | Botschaft: Nicht Teil des Establishments, authentisch, Wind der Veränderung |
tags: #trägt #angela #merkel #eine #perücke
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.