Mittel gegen Haarausfall im Test: Was hilft wirklich?

Jede*r, der schon einmal von Haarausfall betroffen war, weiß, wie belastend es ist, wenn die Haare immer lichter werden und die Kopfhaut durchschimmert. Auf dem Markt gibt es daher unzählige Mittel, die den Haarausfall stoppen und gleichzeitig das Haarwachstum anregen sollen. Doch gerade bei anlagebedingtem Haarausfall wirken Koffeinpräparate, Haarvitamine und Co. leider oft kaum bis gar nicht.

Stiftung Warentest hat diverse Mittel gegen Haarausfall unter die Lupe genommen, die vor allem bei einem anlagebedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) eingesetzt werden. Dabei wurden sowohl rezeptfreie als auch verschreibungspflichtige Arzneimittel berücksichtigt. Im September 2023 wurden insgesamt zehn Mittel gegen Haarausfall im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und mithilfe von Arzneimitteltester*innen beurteilt.

Das Ergebnis: Nur die Wirkstoffe Minoxidil und Finasterid zeigen einen Effekt. Doch es gibt erhebliche Risiken.

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Ursachen von Haarausfall

Haarausfall kann unterschiedliche Ursachen haben. Nach Angaben des Deutschen Endokrinologischen Versorgungszentrums handelt es sich sowohl bei Männern als auch Frauen in 95 Prozent der Fälle um eine androgenetische Alopezie, also einen erblich bedingten Haarausfall.

Hierfür sind in erster Linie männliche Sexualhormone, die sogenannten Androgene, verantwortlich. Die männlichen Hormone, allen voran das DHT-Hormon, verkürzen unter anderem die Wachstumsphase, die Haare fallen also früher und vermehrt aus, und die Haarfollikel werden aufgrund einer unzureichenden Durchblutung überempfindlich. Bei Männern erkennt man eine ausgeprägte androgenetische Alopezie oft am berüchtigten Haarkranz.

Zudem können folgende Ursachen Haarausfall auslösen:

  • Hormonelle Schwankungen (Schwangerschaft, Wechseljahre, etc.)
  • Mangelernährung
  • Stress
  • Überstandene Virusinfektion
  • Einnahme bestimmter Medikamente
  • Pilzinfektionen auf der Kopfhaut
  • Falsche Pflege (z. B. häufiges Haare glätten oder färben)
  • Chronische Erkrankungen
  • Starke UV-Strahlung sowie Chlor- oder Salzwasser

Stellt ihr bei euch über einen länger anhaltenden Zeitraum einen unüblichen Haarverlust (deutlich mehr als 100 Haare pro Tag) fest, solltet ihr zuallererst euren Hausarzt oder eine Dermatologin bzw. einen Dermatologen aufsuchen.

Denn die Therapieform richtet sich danach, ob es sich um einen genetischen, diffusen oder kreisrunden Haarausfall handelt. Aufgrund von unterschiedlichen Diagnoseverfahren, wie Blutuntersuchungen sowie eine Analyse der Kopfhaut, kann zum Beispiel ein Nährstoffmangel oder ein Hautpilz festgestellt und demensprechend behandelt werden.

Die Testsieger der Haarausfall-Mittel im Detail

Stiftung Warentest hat im September 2023 insgesamt zehn Mittel gegen Haarausfall im Hinblick auf ihre Wirksamkeit beurteilt. Wir stellen euch nachfolgend die vier Präparate vor, die am besten abgeschnitten haben:

Produkt Anwendung bei Enthaltener Wirkstoff Art Menge Für Rezeptfrei Verfügbar bei
Regaine Frauen Lösung anlagebedingtem Haarausfall 2 % Minoxidil Lösung 3 x 60 ml Frauen Ja Aponeo
Regaine Männer Schaum anlagebedingtem Haarausfall 5 % Minoxidil Schaum 3 x 60 g Männer Ja Aponeo
Finasterid-ratiopharm 1 mg anlagebedingtem Haarausfall 1 mg Finasterid Filmtabletten 28 Stück Männer Nein Shop Apotheke
MSD Propecia 1 mg anlagebedingtem Haarausfall 1 mg Finasterid Filmtabletten 28 Stück Männer Nein Shop Apotheke

Im Folgenden werden die einzelnen Präparate detaillierter beschrieben:

Regaine-Lösung für Frauen

Die im Regaine-Frauen Lösung enthaltenen 2 % Minoxidil sollen bei erblich bedingtem Haarausfall die Blut- und Nährstoffversorgung im Bereich der Kopfhaut ankurbeln, den Haarverlust dadurch stabilisieren und inaktive Haarwurzeln zum Wachsen anregen. Zwar kann eure Haarroutine wie gehabt fortgeführt werden, allerdings müsst ihr die geruchslose Regaine-Lösung zweimal täglich auftragen, um nach ca. drei bis vier Monaten erste Resultate zu sehen.

Regaine-Schaum für Männer

Die im Regaine-Schaum für Männer enthaltenen 5 % Minoxidil sollen bei erblich bedingtem Haarausfall die Blut- und Nährstoffversorgung im sogenannten Tonsurbereich der Kopfhaut ankurbeln, den Haarverlust dadurch stabilisieren und inaktive Haarwurzeln zum Wachsen anregen. Die Anwendung ist hingegen denkbar einfach: Wie ein herkömmlicher Haarschaum tragt ihr den Schaum morgens und abends auf die betroffenen Stellen eurer Kopfhaut auf.

Im Anschluss könnt ihr eure Haare wie gewohnt frisieren und stylen, denn der Schaum verbleibt auf eurer Kopfhaut und muss nicht ausgespült werden.

Finasterid-ratiopharm

Die Tabletten mit 1 mg Finasterid werden einmal täglich und längerfristig über Monate oder gar Jahre hinweg eingenommen. Stiftung Warentest bescheinigt den Tabletten immerhin eine eingeschränkte Wirksamkeit bei Männern im Alter von 18 bis 41 Jahren mit einem leichten bis mäßigen Haarverlust.

MSD Propecia

Propecia enthält ebenfalls den Wirkstoff Finasterid und wirkt auf die gleiche Weise wie Finasterid-ratiopharm.

Welche Wirkstoffe konnten bei Stiftung Warentest überzeugen?

Nichtsdestotrotz konnten im Test lediglich zwei Wirkstoffe - und das auch nur bedingt - bei einem anlagebedingten Haarausfall bzw. einer sogenannten androgenetischen Alopezie therapeutisch wirksam sein: Minoxidil und Finasterid.

Wir wollen euch kurz erklären, was es mit den beiden Wirkstoffen auf sich hat und wie diese Haarverlust reduzieren und das Haarwachstum anregen sollen:

  • Minoxidil: In Lösungen sowie Schaum zum Auftragen auf die betroffene Kopfhaut ist häufig Minoxidil enthalten. Mittel gegen Haarausfall mit diesem Wirkstoff sind ohne Rezept erhältlich und werden ausschließlich äußerlich auf der Haut angewendet. Sowohl bei Frauen als auch Männern kann mit Minoxidil erblich bedingter Haarausfall gestoppt werden, da der Wirkstoff bei einer regelmäßigen Anwendung die Blutgefäße auf der Kopfhaut erweitert und die Haarwurzeln wieder besser mit Blut und Nährstoffen versorgt werden. Auf diesem Wege werden vorhandene Haare gestärkt und gleichzeitig wird der Haarausfall reduziert. Doch Vorsicht: Mittel gegen Haarausfall mit Minoxidil müssen permanent angewendet werden, um den Haarausfall langfristig zu stoppen.
  • Finasterid: Der Wirkstoff Finasterid ist ausschließlich für Männer geeignet und soll den DHT-Spiegel senken. So werden verkrümmte Haarwurzeln wieder aktiviert und das Fortschreiten von erblich bedingtem Haarausfall verlangsamt. Um seine Wirkung zu entfalten, müssen die Tabletten täglich und langfristig eingenommen werden. Zudem sind Präparate mit Finasterid nur auf Rezept erhältlich. Bei Frauen konnte mit Finasterid keine positive Wirkung festgestellt werden, im Gegenteil: In der Schwangerschaft kann die Einnahme von Finasterid unter anderem zu Fehlbildungen beim ungeborenen Baby führen. Bei Männern kann die Einnahme hingegen Nebenwirkungen wie dem Verlust der Libido oder Depressionen hervorrufen.

Neben Minoxidil und Finasterid hat Stiftung Warentest unter anderem Mittel gegen Haarausfall mit dem Wirkstoff 17-alpha-Estradiol (ein synthetisches Östrogen) sowie rezeptpflichtige Kombi-Präparate aus Glukokortikoiden und Östrogenen getestet. Diese wurden im Test allerdings nur mit „Wenig geeignet" beurteilt.

Was ist mit Koffein?

Um Haarausfall und lichter werdenden Haaren den Kampf anzusagen, wird häufig zu Präparaten mit Koffein gegriffen. Das enthaltene Koffein soll die Haarfollikel unter anderem stimulieren und vor dem DHT-Hormon (Dihydrotestosteron) schützen, das maßgeblich für erblich bedingten Haarausfall verantwortlich ist.

Ob Koffein wirklich Haarverlust stoppen und vorbeugen kann, ist laut Stiftung Warentest nicht bestätigt, da hierzu schlicht und ergreifend keine ausreichenden Studien vorhanden sind und wissenschaftlich fundierte Belege fehlen. Schaden tun Koffeinshampoos bzw. Tonika mit Koffein jedoch auch nicht und bekanntlich geht Probieren über Studieren!

Welche Vitamine und Hausmittel können bei Haarverlust helfen?

Das ultimative Wundermittel gegen Haarausfall gibt es zwar leider (noch) nicht, allerdings könnt ihr eure Haare von innen heraus stärken und die Haargesundheit mit Vitaminen sowie altbewährten Hausmitteln unterstützen:

  • Biotin: Das B-Vitamin Biotin ist maßgeblich an der Herstellung des Proteins Keratin beteiligt, das wiederum den Grundbaustein unserer Haare sowie Nägel darstellt.
  • Zink: Sorgt aufgrund entzündungshemmender Eigenschaften für eine gesunde Kopfhaut und neutralisiert freie Radikale an den Haarwurzeln.
  • Eisen: Ein Eisenmangel führt nicht selten zu Haarausfall sowie glanzlosen und ungesund aussehenden Haaren. Liegt bei euch ein Eisenmangel vor, kann ein Eisenpräparat oder eisenhaltige Lebensmittel für eine Verbesserung sorgen.
  • Weitere Vitamine: Auch Nährstoffe wie Kupfer, Selen, Silizium sowie Kalzium können das Haarwachstum verbessern und die Haare kräftiger wachsen lassen.
  • Kopfmassage: Eine gut durchblutete Kopfhaut ist Voraussetzung für ein gesundes Haarwachstum und kann Haarverlust vorbeugen. Und das Beste ist: Regelmäßige Kopfmassagen fühlen sich nicht nur gut an, auch die Kopfhaut wird besser durchblutet und die Haarwurzeln werden mit mehr Sauerstoff sowie Nährstoffen versorgt, was eure Haare zum Wachsen anregt.
  • Spülung mit Apfelessig: Vielleicht kennt ihr das altbewährte Hausmittel noch von eurer Oma. Und was sollen wir sagen, Omas wissen einfach, was gut ist! Eine Haarspülung mit Apfelessig stellt den Säureschutzmantel der Haare wieder her und verschließt die obere Haarschicht. Das Ergebnis sind widerstandsfähigere und glänzende Haare.
  • Haarkur mit Rizinusöl: Rizinusöl ist ein wahrer Geheimtipp in Sachen Haarpflege, denn es regt mitunter das Haarwachstum an, stärkt Haare, Wimpern sowie Augenbrauen und sorgt für einen unvergleichlichen Feuchtigkeitskick. Für die Haar- und Hautpflege benötigt ihr jedoch nicht das herkömmliche Rizinusöl, das unter anderem als natürliches Abführmittel bekannt ist, sondern kaltgepresstes Rizinusöl.
  • Kollagen: Das Eiweiß-Protein ist mittlerweile in aller Munde und als Shampoo und Co. auf aller Kopfe. Und das zu Recht, denn Kollagen hat eine positive Wirkung auf die Haut und hilft bei diversen Gelenkproblemen. Doch das ist noch nicht alles: Auch in Sachen Haarausfall und Haargesundheit kann die Einnahme von Kollagen sinnvoll sein, da es unter anderem für die Keratin-Produktion benötigt wird und freie Radikale bekämpft. Zudem reduziert Kollagen den Abbau von Melanin, was ein frühzeitiges Ergrauen vorbeugt.

tags: #testsieger #haarausfall

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