Die Haare sind für viele Menschen ein natürlicher Schmuck und Ausdruck der Persönlichkeit. Sie bedecken fast die gesamte äußere Haut des Menschen, jedoch nicht die Schleimhäute. Neben einer ästhetischen Rolle, die Haare für viele Menschen spielen, erfüllen sie auch einige wichtige Funktionen für unseren Körper. Bis auf wenige Stellen, zum Beispiel den Handinnenflächen und Fußsohlen, ist die gesamte Körperoberfläche behaart.
Dabei unterscheidet man die feinen, kurzen Wollhaare am Körper und die sogenannten Lang- oder Terminalhaare. Dazu gehören die Haare am Kopf, die Barthaare, Wimpern, Augenbrauen, Schamhaare und auch die männliche Körperbehaarung, etwa an Brust oder Bauch. Die Verteilung von Woll- und Langhaaren ist individuell unterschiedlich und alters- wie geschlechtsabhängig. Zum Beispiel ist bei Kindern der Körper vorwiegend von Wollhaaren bedeckt.
Die chemische Haarsubstanz, das Keratin, setzt sich aus Aminosäuren zusammen. Es gibt rd. 20 verschiedene Aminosäuren, die sich zu Großmolekülen (Makromolekülen) zusammenlagern und die Gruppe der Eiweiß-Proteine bilden. Beim Haarkeratin ist ein Teil der Makromoleküle schraubenförmig aufgebaut. Keratin-Makromoleküle bilden eine sogenannte “Helix” (griech.-lat. “Spirale”). Neben diesen sehr regelmäßig angeordneten schraubenförmigen Makromolekülen ist vermutlich im Haarkeratin noch eine zweite Art vorhanden, bei denen die Makromoleküle in ungeordneter Form vorliegen -man spricht von “amorphen Zonen” im Keratin und ordnet diesen die Rolle einer Art “Kittsubstanz” zu (manchmal auch “Zement” genannt), die die Fasern der Faserschicht (des Cortex) und die Schuppenzellen der Schuppenschicht (Cuticula) fest zusammenkittet.
Jedes Haar besteht aus einem Haarschaft und einer Haarwurzel. Der Schaft ist der sichtbare Teil des Haares, der aus der Haut herausragt. Die Haarwurzel steckt in der Haut und reicht bis in das Unterhautgewebe. Sie ist von Haut- und Bindegewebe eingehüllt - dem Haarfollikel, in den auch eine Talgdrüse mündet. An jedem Haarfollikel setzt zudem ein kleiner Muskel an, der das Haar aufrichten kann. Am Haarfollikel enden auch viele Nervenfasern. Dadurch können wir Haarbewegungen wahrnehmen und selbst einen leichten Luftzug gut spüren.
Am unteren Ende ist die Haarwurzel kugelig verdickt und wird deshalb an dieser Stelle Haarzwiebel genannt. In die Haarzwiebel reicht von unten die sogenannte Haarpapille hinein, ein gut durchblutetes Knötchen. In der Haarzwiebel werden ständig neue Zellen gebildet, die miteinander verkleben und dabei verhornen. Aus diesem Hornstrang setzt sich das gesamte Haar zusammen. Weil sich von unten immer neue verhornte Zellen an das Haar ankleben, schiebt es sich allmählich aus der Haut heraus. Ein Haar am Kopf wird auf diese Weise pro Monat etwa einen Zentimeter länger. Die Barthaare, aber vor allem Wimpern, Augenbrauen und die Körperbehaarung wachsen langsamer.
Als Haarwurzel bezeichnet man den Teil des Haares, der unter der Haut steckt. In der Regel reicht die Wurzel von der obersten Schicht der Haut bis zur Lederhaut, aber manchmal sogar bis zum Fettgewebe der Unterhaut! Also richtig tief! Die Haarwurzel befindet sich in einer röhrenförmigen Einstülpung der Haut, dem sogenannten Haarfollikel.
An jedem Haarfollikel sitzt ein Muskel, der sorgt dafür, dass uns „die Haare zu Berge“ stehen wenn wir z.Bsp. Gänsehaut bekommen. Die feinen Nervenfasern, die in nächster Umgebung der Follikel liegen, arbeiten als Rezeptoren und reagieren hoch empfindlich auf äußere Reize. Die Haarzwiebel oder auch Haarbulbus ist der breiteste Abschnitt unserer Haarwurzel. In der ragt von unten die Haarpapille hinein. Die Haarzwiebel umfasst quasi die Papille wie eine Klaue und bekommt so über sie alle Nährstoffe und den Sauerstoff, den unser Haar braucht.
In der Haarpapille teilen sich die Zellen und werden zu toten Hornzellen, die machen dann die eigentliche Haarsubstanz aus. Diese Substanz wird kontinuierlich neu gebildet und durch einen Kanal zur Hautoberfläche gedrückt. In Verlauf dieses Prozesses verhornen die Zellen und bilden den Haarschaft. Also das was wir als Haar verstehen. Es besteht ausschließlich aus toten, keratinisierten Zellen. Die Haarpapille wird von Nervenfasern und feinen Blutgefäßen durchzogen und diese Blutkapillaren sind eben für die Ernährung des Haares sehr wichtig!
Ob das Haar glatt oder lockig ist, hängt mit dem Querschnitt des Haares zusammen. Ist er rund, wächst das Haar glatt aus der Haut. Je ovaler sein Querschnitt, desto lockiger sind die Haare. Die Haarfarbe entsteht durch den unterschiedlichen Gehalt des Farbstoffs Melanin in den verhornten Zellen. Sie kann von Person zu Person stark variieren und sich im Laufe des Lebens verändern. Mit zunehmendem Alter nimmt der Melaningehalt bei den meisten Menschen ab, gleichzeitig wird vermehrt Luft in das Haar eingeschlossen - es verliert seine Farbe und wird weiß.
Die Substanz, aus welcher das fertige Haar besteht, wird auch als Keratin bezeichnet; aus diesem Stoff bestehen auch die Finger und Fußnägel.
Aufbau der Haare:
Das Haar besteht hauptsächlich aus:
Die für das Haarwachstum benötigten Nährstoffe sind zum Beispiel Vitamine wie Vitamin A, C, D, E und verschiedene B-Vitamine, Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Selen und Kupfer und Mineralien wie Calcium und Magnesium. Da die Haare zu über 90 Prozent aus der Eiweißverbindung Keratin bestehen, ist auch eine ausreichende Versorgung mit Proteinen wichtig, die sich vor allem aus Fisch, magerem Fleisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten aufnehmen lassen.
Die Wachstumsrate, Haardicke, Farbe, sowie die Anzahl der Haare sind genetisch bedingt und bei jeder Person ganz individuell.
Solange in der Haarzwiebel immer neue Hornzellen entstehen, wächst das Haar in die Länge. Diese Wachstumsphase nennen Fachleute auch anagene Phase. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich etwa 90 Prozent aller Haare eines Menschen in der Wachstumsphase. Je nachdem, wo am Körper ein Haar wächst, ist die Wachstumsphase unterschiedlich lang: Bei den Haaren der Kopfhaut kann sie zum Beispiel mehrere Jahre dauern. Deshalb können Kopfhaare, wenn sie nicht abgeschnitten werden, weit über einen Meter lang werden. Besonders kurz ist die Wachstumsphase bei Wimpern, Augenbrauen oder den Haaren am Eingang von Ohr und Nase. Sie wachsen nur etwa 100 bis 150 Tage lang. Darum können diese Haare auch nicht so lang werden.
Am Ende der Wachstumsphase löst sich die Haarwurzel von der Papille ab. Dieser Abschnitt wird als Übergangsphase bezeichnet und dauert etwa 2 bis 4 Wochen. Ist das Haar gänzlich von der Papille und damit von der Blutversorgung abgetrennt, beginnt die Ruhephase des Haares - auch telogene Phase genannt. Das Haar wird dabei langsam aus der Haut gedrückt und fällt schließlich aus. Weil immer wieder Haare in die Ruhephase übergehen und dann ausfallen, verliert ein Mensch ständig Haare. Bei einem gesunden Erwachsenen können es am Kopf etwa 70 bis 100 Haare am Tag sein. Weil aber gleichzeitig immer neue Haare nachwachsen, bleibt dieser natürliche Haarausfall unbemerkt.
Grundsätzlich durchläuft das Kopfhaar auf seinem „Lebensweg“ drei Phasen:
Der Haarzyklus gilt nicht nur für Kopfhaare, sondern verläuft bei allen anderen Körperhaaren auf die gleiche Weise.
Die einzelnen Phasen des Haarzyklus werden durch Hormone gesteuert. Das Wachstumshormon IGF-1 (Insulin like Growth Factor 1) zum Beispiel verlängert die Wachstumsphase der Haare und aktiviert die Zellteilung in der Haarwurzel.
Der Zyklus der einzelnen Haare verläuft nicht synchron, sodass zu jeder Zeit Haare in unterschiedlichen Zyklusphasen vorhanden sind. Dadurch bleibt der Haarbestand immer gleichmäßig. Wie lange genau die einzelnen Phasen dauern und wie oft ein Haarfollikel einen Haarzyklus durchlaufen kann (normalerweise etwa 10 bis 30 Mal), ist genetisch bedingt und dadurch individuell unterschiedlich.
Wenn die Haarwurzeln aber während der Wachstumsphase geschädigt werden oder viele Haare auf einmal in die Ruhephase übergehen, kommt es zu einem verstärkten Haarausfall (Effluvium). Wachsen keine neuen Haare mehr nach, entsteht eine kahle Stelle. Unabhängig davon, ob die Stelle klein ist, die gesamte Kopfhaut oder die Körperbehaarung betrifft, bezeichnet man diese Haarlosigkeit als Alopezie. Manche Alopezie-Formen können wieder verschwinden, und die Haare wachsen wieder nach.
Eine Störung im Haarzyklus kann zu übermäßigem Haarausfall führen. Die Haarwurzeln können nur dann ein neues Haar produzieren und wachsen lassen, wenn dazu ausreichend Nährstoffe zu Verfügung stehen. Manche Menschen haben eine unzureichende Nährstoffzufuhr durch chronische Erkrankungen oder mangelnde Aufnahme über die Ernährung. Gefährdete Personen sind zum Beispiel Patienten mit chronischen Magen- oder Darmkrankheiten, Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie Sportler oder Schwangere oder Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten oder -störungen wie Vegetarier, Veganer und Patienten mit Magersucht oder Bulimie. Damit die Nährstoffe auch bis zum Haar gelangen können, ist eine gute Durchblutung der Kopfhaut wichtig. Sie kann zum Besipiel durch Kopfhautmassagen verbessert werden.
Auch Stress kann den Haarzyklus stören und für vermehrten Haarausfall sorgen. Dafür verantwortlich sind vermutlich Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol.
Es gibt übrigens viele Gründe dafür, warum gerade Haare so empfindlich auf innere und äußere Einflüsse reagieren. Zum einen sind sie sehr sensibel, zum anderen befinden sie sich ganz außen am Körper und sind daher im Vergleich zu anderen Körperstrukturen eher von der Nährstoffversorgung abgeschottet. Außerdem kann sich ein Haar nicht erholen - ist es einmal in die Ausfallphase eingetreten, fällt es unwiederbringlich aus.
Um den Haarwurzeln ihre optimale Arbeit zu ermöglichen, sollte die Versorgung und Pflege der Haare gesichert sein. Dazu gehören eine ausreichende Nährstoffversorgung der Haare sowie der Verzicht auf schädigende Einflüsse wie Rauchen, Färben oder starken Stress. Die verwendeten Haarpflegemittel sollten frei sein von Silikonen, Parabenen und künstlichen Duftstoffen.
Vermeiden sollte man alles, was die Haare schädigen kann. Dazu gehören zum Beispiel aggressive Shampoos oder Spülungen, häufiges Haarefärben, Dauerwelle, Lockenstab und Glätteisen. Wer Haare färbt, sollte dies von einem Profi durchführen lassen, damit möglichst wenig Farbe auf die Kopfhaut gelangt und diese schädigt.
Die Temperatur des Wassers sollte nicht zu heiß sein; das verwendete Shampoo möglichst mild und weitgehend frei von Duft-und Konservierungsstoffen. Die Haare sollten nicht zu oft, sondern am besten nur alle 2-3 Tage gewaschen werden.
In den Sommermonaten bietet es sich an, die Haare an der Luft trocknen zu lassen; hierdurch wird die natürliche Haarwelle gefördert! Wird gefönt, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Lufttemperatur nicht zu heiß eingestellt wird; spätestens der Geruch nach verbranntem Horn sollte diesbezüglich Warnung sein! Gleiches gilt natürlich für Fönhauben und elektrische Lockenstäbe.
Kämme sollten nicht zu enge und spitze Zinken haben und möglichst aus Naturmaterial sein (Horn); Bürsten sollten weiche Borsten mit abgerundeten Enden haben. Während des Kämmens oder Bürstens hält man bei langen Haaren die kopfnahen Anteile fest, insbesondere wenn nach der Wäsche die Enden der Haare miteinander verfilzt sind.
Es gibt durchaus Hausmittel wie Bier oder Ei, die einen pflegenden Effekt besitzen sollen. Schädlich sind sie für die Kopfhaut oder das Haar nicht, sie leisten aber auch keinen bahnbrechenden Beitrag zur Haarpflege. Ein Hausmittel, das sich für fast jeden Kopf eignet und durchaus sinnvoll erscheint, ist Heilerde. Einmal bis zweimal im Monat angewendet, entfernt sie überschüssiges Fett und kann die Kopfhaut beruhigen.
Um übermäßigen Haarverlust zu beheben, ist es essenziell, die Ursache zu finden. Nur dann kann eine passende Therapie eingeleitet werden und unnötige, zeitraubende blinde Therapieversuche vermieden werden. Es ist deshalb wichtig, einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufzusuchen - je früher, desto besser, denn je länger der Haarzyklus gestört ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haarwurzeln irreversibel geschädigt werden.
Ist die Ursache des Haarausfalls gefunden, können die Haarwurzeln durch eine entsprechende Behandlung wieder aktiviert werden. Dazu kann zum Beispiel eine Infusionstherapie infrage kommen, bei der gezielt die fehlenden Nährstoffe in die Blutbahn gegeben werden. Auch bioregenerative Therapien sind begleitend möglich, beispielsweise eine PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma oder Plättchenreiches Plasma). Die möglichen Therapieoptionen sind bei jedem Patienten individuell und können durch ein persönliches Beratungsgespräch ermittelt und geklärt werden.
| Faktor | Einfluss auf das Haarwachstum |
|---|---|
| Vitamine und Mineralstoffe | Wichtig für die Aktivität des Haarfollikels |
| Hormone | Steuern die verschiedenen Phasen des Haarzyklus |
| Stress | Kann den Haarzyklus stören und zu Haarausfall führen |
| Rauchen | Kann Durchblutungsstörungen an der Haarwurzel verursachen |
Es ist wichtig zu beachten, dass die Informationen in diesem Artikel nur zu Informationszwecken dienen und keine professionelle medizinische Beratung ersetzen. Bei spezifischen Fragen oder Bedenken bezüglich Ihrer Haare oder Kopfhaut sollten Sie sich immer an einen qualifizierten Arzt oder Dermatologen wenden.
tags: #Haarsubstanz #Definition
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.