Stressbedingter Haarausfall: Behandlung und Medikamente

Haarausfall betrifft viele Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, und kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Stress spielt hierbei oft eine entscheidende Rolle. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von stressbedingtem Haarausfall beleuchtet, einschliesslich medikamentöser Optionen und anderer hilfreicher Massnahmen.

Was ist Haarausfall?

Ein paar Haare im Kamm sind noch kein Grund zur Sorge. Jeder Mensch verliert bis zu hundert Kopfhaare pro Tag. Wenn jedoch mehr verloren gehen, liegt ein Haarausfall (Effluvium) vor. Davon sind etwa ein Drittel der Männer und jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen.

Formen von Haarausfall

Es gibt verschiedene Formen des Haarausfalls:

  • Hormonell-erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie): Hier liegt eine genetische Empfindlichkeit der Haarwurzel gegen Testosteron zugrunde.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata): An mehreren Stellen des Kopfes bilden sich kreisrunde, kahle Flecken. Als Auslöser wird ein gestörtes Immunsystem oder psychische Erkrankungen vermutet.
  • Diffuser Haarverlust: Das Kopfhaar dünnt sich insgesamt aus. Dies kann auf Infektionen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Mangelerscheinungen oder Hormonumstellungen zurückgehen.
  • Vernarbender Haarausfall (Alopecia cicatricalis): Tritt meist als unangenehme Begleiterscheinung von Krankheiten oder Infektionen der Kopfhaut auf.

Ursachen von stressbedingtem Haarausfall

Ein wichtiger Faktor, der die Haare ebenfalls schwinden lässt, ist anhaltender starker Stress. Unser Körper reagiert sensibel auf psychische und körperliche Belastungen. Dazu gehört auch das Haarwachstum. Der genaue Mechanismus ist nicht geklärt.

Vermutlich erhöht Stress die Konzentration von Botenstoffen wie etwa Noradrenalin am Haarfollikel, was über eine Reihe von Prozessen eine Entzündung in Gang setzt. Dies beendet die Wachstumsphase des Haares vorzeitig, und die Haarwurzel geht in eine Ruhephase über. Nach zwei bis drei Monaten fällt das Haar aus.

Zum einen schüttet der Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus, welches das Haarwachstum hemmt. Zum anderen erhöht sich die Anzahl der Nervenfasern, die jeden Haarfollikel umgeben. Über diese Nervenfasern werden verschiedene Botenstoffe, zum Beispiel Neuropeptide, freigesetzt. Diese Stoffe reizen Abwehrzellen (unter anderem die sogenannten Mastzellen). Es kommt zu einer neurogenen Entzündung und Zellen sterben vermehrt ab. Die Folge: Haarausfall. Diese entzündliche Reaktion kann sich auch als Juckreiz bemerkbar machen.

Besonders nach körperlichem Stress - z. B. einer Erkrankung, Operation oder einer Covid-Infektion - kann es 3 bis 6 Monate später zu starkem Haarausfall kommen.

Der Haarwachstumszyklus unter Stress

Stress kann den normalen Haarwachstumszyklus erheblich beeinflussen. Hier ist eine Übersicht der Phasen:

  1. Stressphase: Ein plötzliches oder anhaltendes Stressereignis bringt den Körper aus dem Gleichgewicht und beeinflusst das Immunsystem.
  2. Ruhephase (Telogenphase): Die Wachstumsphase vieler Haare wird vorzeitig beendet, und sie treten gemeinsam in die Ruhephase ein.
  3. Haarverlustphase: Nach der Ruhephase fallen die Haare plötzlich aus, meist 2 bis 3 Monate nach dem Stressereignis.
  4. Regenerationsphase: Sobald die Stressbelastung abnimmt, beginnt das Haar allmählich wieder zu wachsen.
  5. Langfristige Auswirkungen: Anhaltender Stress kann zu dünnerem Haar führen.

Symptome von Haarausfall

Dass die Haare ausfallen, bemerkt man übrigens erst, wenn bereits etwa zehn bis 20 Prozent der gesamten Haarpracht fehlen. Manche sehen es sogar erst, wenn deutlich mehr Haare verloren gegangen sind.

Weitere Symptome können sein:

  • Starkes Spannungsgefühl auf der Kopfhaut
  • Häufiger Juckreiz der Kopfhaut
  • Plötzlich viel mehr Schuppen
  • Das Gefühl, dass Haut und Haare viel fettiger sind als sonst
  • Veränderung der Haare im letzten Vierteljahr

Behandlung von stressbedingtem Haarausfall

Die effektivste Methode, stressbedingten Haarausfall zu therapieren, ist, Stress zu vermeiden. Hierfür gibt es kein Patentrezept, denn Stressbewältigung ist sehr individuell.

Stressbewältigung

Stress abbauen lässt sich zum Beispiel durch Sport, Hobbys, Sozialkontakte und vor allem Ruhephasen. Gegen Zeitdruck hilft ein geeignetes Zeitmanagement und eine klare Strukturierung des Tages. Erholung für den Körper bringen ausreichender Schlaf und eine ausgewogene Ernährung.

Zusätzlich gibt es eine Reihe von Entspannungstechniken, die beim Stressabbau helfen. Diese reichen von Akupunktur über Bachblütentherapie bis hin zur Streicheltherapie. Die bekanntesten Methoden sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson und die Atemtherapie. Aber auch Yoga, Tai-Chi und Meditation helfen beim Entspannen, weshalb entsprechende Kurse von vielen Krankenkassen finanziell unterstützt werden.

Wenn es sich um Stress handelt, sollten Betroffene zunächst überlegen, um welche Art von Stress es sich handelt. Je nach zugrundeliegendem Problem gibt es unterschiedliche Ebenen, auf denen der Stress bearbeitet werden kann. Die Therapieoptionen reichen von dem Erlernen einer Entspannungstechnik über Konfliktbewältigungstechniken und Verhaltenstherapie bis hin zur tiefenpsychologischen Therapie und Psychoanalyse.

Tipps zur Stressbewältigung: So kannst du den Stress im Alltag reduzieren

Medikamentöse Behandlung

Daher ist eine medikamentöse Therapie beim diffusen Haarausfall nicht erforderlich. Es existiert aber eine Reihe von Präparaten, die den Haarwuchs verbessern sollen. Bei vielen ist die Wirkung wissenschaftlich nicht gut bewiesen. Dennoch kann eine Therapie im Einzelfall hilfreich sein.

So sollen Biotin (Vitamin H), Thiamin (Vitamin B1), Pantothensäure (Vitamin B5) sowie das Spurenelement Zink das Haarwachstum fördern. Bei den Zinkpräparaten ist darauf zu achten, dass sie organisches Zink in genügend hoher Dosierung enthalten sollten (zum Beispiel Zink Verla 10 mg). Das Haarwachstum verbessern können auch Kombinationen von Zink, Biotin und Panthothensäure (zum Beispiel Sanhelios Zink plus).

Auch schwefelhaltigen Aminosäuren wie Cystein und Methionin und Kombinationen mit Vitaminen (zum Beispiel Pantovigar) wird diese Wirkung zugeschrieben. Bei der androgenetischen Alopezie wird häufig ein Hirseextrakt zusammen mit Weizenkeimöl (Priorin) eingesetzt. Da das Präparat die schwefelhaltige Aminosäure L-Cystin in Kombination mit Vitamin B5 enthält, kann sein Einsatz auch bei diffusem Haarausfall helfen. Das Nahrungsergänzungsmittel »Bockshorn plus Mikronährstoff Haarkapseln« hat in einer klinischen Studie das Haarwachstum verbessert.

Zwei der wirksamsten Medikamente zur Behandlung von Haarausfall sind Minoxidil und Finasterid. Minoxidil regt die Durchblutung der Kopfhaut an, Finasterid blockiert das für Haarausfall mitverantwortliche DHT-Hormon.

Weitere Produkte und Behandlungen

Es gibt noch weitere Produkte, die bei der Behandlung von stressbedingtem Haarausfall helfen können:

  • Revita.SOD Tabletten: Diese enthalten alle Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, die für gesundes Haarwachstum wichtig sind, sowie Superoxid-Dismutase, ein Antioxidans gegen Stress.
  • Neofollics Shampoo: Stimuliert das Nachwachsen der Haare und bringt Kopfhaut und Haare in einen optimalen Zustand.
  • Spectral.F7 Lotion: Entwickelt, um Haarausfall zu bekämpfen, der durch gesundheitliche Probleme oder Medikamente verursacht wird.

Biotin kann als Nahrungsergänzungsmittel deine Haarstruktur stärken und das Haarwachstum zusätzlich unterstützen - besonders, wenn durch Stress eine Mangelversorgung besteht.

Medikamente, die Haarausfall verursachen können

Häufig unbekannt ist, dass auch einige Medikamente zu Haarausfall führen können, so zum Beispiel Methylphenidat, Allopurinol, Heparin, Valproinsäure oder Clofibrat.

Bei der Einnahme von Medikamenten können Wirkstoffe innerhalb der Wachstumsphase über das Blut in die Haarwurzeln gelangen und dort das Haarwachstum bremsen oder sogar stoppen.

Hier sind einige Beispiele:

  • Verschreibungspflichtige Beta-Blocker (Metoprolol und Propanolol)
  • Ibuprofen (bei häufiger Einnahme)
  • Blutverdünner (Heparin)
  • Arzneimittel gegen Akne (Retinoide)
  • Antidepressiva (Imipramin, Doxepin oder Fluoxetin)

Oft hilft es bereits, die Problematik mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Dieser kann häufig einfach ein anderes Medikament verschreiben und die Umstellung kann den Haarausfall bereits regulieren. Auch alternative Schmerztherapien sind ein möglicher Weg, um die Wirkstoffe, die als Haarausfall Ursachen identifiziert wurden, zu vermeiden.

Weitere Tipps zur Haarpflege bei Haarausfall

Eine geeignete Haarpflege ist bei Haarausfall unumgänglich. Zudem können Pflegefehler sogar Haarverlust auslösen.

  1. Gönnen Sie Ihren Haaren Ruhe! Häufiges Waschen schadet dem Haar und strapaziert es zusätzlich!
  2. Benutzen Sie milde und kopfhautschonende Waschsubstanzen! Ein Coffein Shampoo pflegt nicht nur Haare und Kopfhaut, sondern fördert auch das Haarwachstum, schützt die Haarwurzeln, wirkt Haarausfall entgegen und fördert die Durchblutung der Kopfhaut.
  3. Wählen Sie eine pflegeleichte Frisur oder lassen Sie Ihre Haare kürzen!
  4. Binden Sie die Haare nicht streng nach hinten (Zug an den Haarwurzeln) und vermeiden Sie schwere Frisuren!
  5. Verzichten Sie unbedingt auf chemische Anwendungen, wie Dauerwellen, Haare färben, Glättungsmittel oder intensives Föhnen! Belastungen vermeiden: Um die Haarstruktur zu schonen, reduzieren Sie zudem häufiges Färben oder Tönen sowie den Einsatz von Glätteisen, Lockenstab und heißem Föhnen.
  6. Verwenden Sie keine Haarbürsten, sondern breitgezinkte Kämme!

Vitamine und Mineralstoffe gegen Haarausfall

Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen sowie Spurenelementen ist entscheidend für eine gesunde und widerstandsfähige Haarpracht. Ein einfacher Bluttest beim Dermatologen gibt Aufschluss, ob bei brüchigem Haar oder Haarausfall ein Nährstoffmangel vorliegt.

Hier ist eine Übersicht wichtiger Nährstoffe:

  • Eisen: Fördert die Sauerstoffversorgung im Blut und die Blutbildung.
  • Zink: Wichtig für starkes und geschmeidiges Haar, das Immunsystem und die Bildung von Hautzellen sowie Haaren.
  • Vitamin C: Unterstützt die Durchblutung der Kopfhaut und fördert die Bioverfügbarkeit von Eisen.
  • Vitamin E: Schützt die Haut sowie die Haare und macht sie widerstandsfähiger.
  • B-Vitamine: Essentiell für das Haarwachstum und die Gesundheit der Kopfhaut.

Gesunde Ernährung ist Pflicht für alle, die sich gesundes und kräftiges Haar wünschen. Auch wenn man annimmt, dass Mangelerscheinungen in Deutschland nicht vorkommen, gehören sie mit zu den häufigsten Gründen für diffusen Haarausfall. Man sollte deshalb auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten sowie ggf. nach ärztlicher Rücksprache bestimmte Vitamine und Spurenelemente zusätzlich substituieren.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum vermehrt Haare verlieren oder Schmerzen an der Kopfhaut spüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der richtige Ansprechpartner ist hier ein Dermatologe. Er kann eine gesicherte Diagnose stellen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht: Wenn die Belastung, und damit der Stress, vorbei ist, wächst das Haar auch wieder - häufig sogar kräftiger und stärker pigmentiert als vorher. Doch dafür müssen Betroffene zunächst herausfinden, was sie belastet, und eine Lösung dafür finden.

Anhaltender Stress kann auch zu Haarausfall führen. Anders als der hormonell bedingte, ist diese Form aber umkehrbar. Lässt der Stress nach, wachsen auch die Haare wieder. Wenn der Stress nachlässt, wächst das Haar in der Regel im Laufe von sechs bis neun Monaten wieder nach. Haarausfall durch Stress ist belastend - aber oft nicht dauerhaft.

Zusammenfassung

Stressbedingter Haarausfall ist eine reversible Form des Haarverlusts, die durch anhaltenden Stress ausgelöst wird. Die Behandlung umfasst Stressbewältigungstechniken, eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung durch einen Dermatologen sind entscheidend, um bleibende Schäden zu vermeiden.

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