Eine Steißbeinfistel (medizinisch Sinus pilonidalis, umgangssprachlich oft „Steißbeinabszess“ oder „Haarnestfistel“ genannt) ist eine chronische Entzündung in der Gesäßfalte. Meist entsteht sie dadurch, dass Haare nach innen statt nach außen wachsen.
Die Entwicklung erfolgt in drei Stufen und wird oft zunächst gar nicht bemerkt. Zu gering sind die Beschwerden und sie können daher nicht recht zugeordnet werden. Man hat das Gefühl einen Pickel oder eine Prellung zu haben oder es schmerzt einen, wenn man auf härteren Stühlen sitzt.
Schematische Darstellung einer Steißbeinfistel
Für die Entstehung einer Steißbeinfistel kann es drei Ursachen geben. Bei einer gestörten Haarentwicklung schiebt sich ein neues, nachwachsendes Haar nicht wie üblich aus der Haarwurzel. Im Follikel selbst staut sich dann das Keratin, aus dem das Haar besteht, und lagert sich dort ab.
Auch bei einer normalen Haarbildung kann sich ein Sinus pilonidalis entwickeln. Das kann passieren, wenn Haare abbrechen und sich in den Haarfollikel spießen oder wenn lose Haare, die am Kopf oder Rücken ausgefallen sind, sich in die Gefäßfalte der Pobacken einwachsen. Haare gleichen in ihrer Oberflächenstruktur nämlich einem Pfeil mit Widerhaken. Sind sie einmal ins Gewebe eingedrungen, bleiben sie dort stecken und lassen sich nicht einfach durch Waschen entfernen.
Eine Steissbeinfistel kann auch auftreten, wenn durch eine Entwicklungsstörung Haare unter der Hautoberfläche wachsen und einen Abszess verursachen.
Experten sind sich einig, dass eingewachsene Haare die Ursache für Steißbeinfisteln sind.
Begünstigt wird die Bildung einer Steissbeinfistel durch einen starken Haarwuchs. Aber auch zu langes Sitzen, zu enge Unterwäsche in Verbindung mit starkem Schwitzen und eine mangelhafte Hygiene können zu Steißbeinfisteln führen. Übergewicht und ein geschwächtes Immunsystem sind weitere Risikofaktoren.
Sinus pilonidalis tritt bei Männern rund doppelt so oft auf wie bei Frauen, und dies vorwiegend im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.
Eindeutig zu erkennen ist eine Steißbeinfistel an einer millimetergroßen Öffnung des Haarfollikels oder an einem kleinen schwarzen Punkt, der auch als „Pit“ bezeichnet wird.
In der akuten Form bildet sich im Zeitraum von wenigen Tagen ein sogenannter „Pilonidalabszess“. Die gerötete, schmerzhafte Beule am Po oder im Bereich des Steissbeins ist nun meist gleich zu sehen. Bisweilen sind diese von außen erkennbaren Symptome aber auch weniger auffällig und die Patienten leiden dennoch unter starken Schmerzen. Bei einer näheren Untersuchung der Haut lässt sich jedoch eine Verhärtung ertasten. Mitunter sind die Pits wegen der Schwellung durch den Abszess nicht zu sehen.
Auch in der chronischen Form berichten manche Patienten nur von geringen Schmerzen. Die chronische Entzündung der Fistel wird dann eher zufällig bemerkt, etwa weil Blut oder Eiter aus ihr ausgetreten ist. Dies kann sehr unangenehme Gerüche hervorrufen. In diesem Stadium stecken in der Kapsel bereits viele Kollagenfasern. Sie ist nun hart wie ein Knorpel. Dies spürt man beim längeren Sitzen, selbst wenn keine wirklichen Schmerzen auftreten.
Bei einem akuten Sinus pilonidalis kommt es zu folgenden Krankheitszeichen:
Der Abszess kann platzen, so dass sich der ganze eitrige Inhalt auf einmal entleert.
Vor allem, wenn eine Steißbeinfistel nicht behandelt wird, können Entzündungen dauerhaft sein oder immer wiederkehren. Da bei einem chronischen Sinus pilonidalis das Sekret über bereits bestehende Fisteln abfließen kann, kommt es bei dieser Form selten zu Schwellungen und Schmerzen. Stattdessen ist ein beständiger leichter Austritt von Flüssigkeit aus den Fistelöffnungen typisch.
Bei einer Schwellung, Schmerzen oder Sekretabsonderung in der Gesäßfalte muss ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Das kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein, wenn aber starke Schmerzen oder sogar Fieber auftreten, empfiehlt sich der Weg in die Notaufnahme.
Selbst wenn kaum oder nur geringe Schmerzen zu spüren sind, sollte man einen Facharzt der Proktologie zu Rate ziehen. Denn die Behandlungsmöglichkeiten sind umso besser, desto früher eine Steissbeinfistel diagnostiziert wird.
Symptomatische entzündete Steißbeinfisteln heilen nicht von selbst ab und müssen immer behandelt werden. Eine Heilung ist nur durch einen operativen Eingriff möglich. Andere begleitende Behandlungsformen wie die Gabe von Antibiotika oder schmerzstillenden und entzündungshemmenden nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen können die Beschwerden lindern, beseitigen aber die Erkrankung nicht.
Operative Eingriffe werden sowohl bei akuten als auch chronischen Steißbeinfisteln durchgeführt. Bei chronischen Verläufen operieren Ärzte und Ärztinnen in der Regel die gesamte Steißbeinfistel mit allen Hohlräumen und Gängen komplett heraus. Bei akuten Abszessen ist es manchmal zunächst ausreichend, den Abszess nur aufzuschneiden und die Hohlräume zu entleeren und zu säubern. Allerdings besteht die Gefahr, dass es zu einer erneuten Entzündung kommt. Deswegen wird üblicherweise einige Tage nach der Öffnung des Abszesses und dem Abklingen der akuten Entzündung die Steißbeinfistel entfernt.
Konservative Therapien wie Teersalben oder spezielle Sitzbäder können die Beschwerden bei einer akuten Entzündung lindern. Wenn diese jedoch zu stark belasten oder eine chronische Entzündung eintritt, ist eine Steißbeinfistel OP erforderlich.
Hierzu stehen unterschiedliche Methoden in der Chirurgie zur Verfügung, wie etwa die radikale Entfernung oder die Operation mittels Pit-Picking.
Eine Methode, Sinus pilonidalis nicht radikal zu entfernen, ist das zunehmend in der Proktologie und Chirurgie angewandte, minimal-invasive und ambulante Operationsverfahren des Pit Picking, auch Operation nach Bascom genannt. Nach der örtlichen Betäubung entfernt der operierende Spezialist dabei erheblich weniger Gewebe. Dazu schneidet der Operateur die einzelnen Entzündungsgänge (Pits) nur kleinräumig heraus. Zudem werden seitlich jeweils zwei Zentimeter lange Schnitte gesetzt, so dass entzündliches Sekret nach außen abfließen kann.
Pit-Picking kann auch als Laser-Operation durchgeführt werden. Bei diesem sehr feinen Verfahren der Chirurgie erfolgt eine Verödung der Entzündungskanäle sowie eingewachsener Haare. Durch die schonenden Eingriffe verläuft die Heilung schneller. Die Patienten können dementsprechend früher und länger schmerzfrei sitzen.
Pit-Picking Operationsverfahren
Chirurgen und Chirurginnen markieren zunächst die Fistelgänge, meistens mit einer speziellen blauen Lösung. Anschließend schneiden sie das eingefärbte Gewebe vollständig heraus. Diese Operation wird sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt. Je nach Größe und Beschaffenheit der Wunde gibt es verschiedene Methoden des Wundverschlusses. Davon hängt ab, wie lange die Wundheilung dauert. Die am häufigsten angewendete Methode stellt die offene Wundheilung dar, bei der die Wunde langsam von selbst verheilt. Der Heilungsprozess ist in diesem Fall langwierig, dafür hat man aber seltener Wundheilungsstörungen und Wundinfekte.
| Verfahren | Beschreibung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Pit-Picking | Entfernung der Pits (Fistelöffnungen) | Minimalinvasiv, schnelle Heilung | Geeignet nur für kleine Befunde |
| Sinusektomie | Entfernung einzelner Fistelgänge | Lokal betäubung möglich, offene Wundheilung | Längere Heilungsdauer |
| Laser-basierte Techniken | Verödung der Fistelgänge mit Laser | Optimaler Heilungserfolg bei kleinem Eingriff | Wissenschaftliche Datenlage noch dünn |
| Mediane Exzisionsverfahren | Herausschneiden des Pilonidalsinus | Traditionelle Methode, häufig angewendet | Längere Heilungsdauer, höhere Rückfallquote |
| Plastische Verfahren | Abdeckung der Wunde mit Hautlappen | Keine "Kuhle" im Gewebe | Vollnarkose oder "Teilnarkose" nötig |
Es gibt außerdem sogenannte minimalinvasive Eingriffe, die mit nur kleinen Einschnitten auskommen, sich aber nur für kleine Befunde eignen. Zum Beispiel gibt es das „Pit Picking“ und die „Sinusektomie“. Beide Verfahren konzentrieren sich auf einzelne Fistelgänge („Pits”), die herausgeschnitten werden. Die Fisteln verschließen sich später durch Narbenbildung, wodurch ein Wiedereindringen von Bakterien verhindert werden soll.
Nach der OP ist es sehr wichtig, eine gute Körperhygiene einzuhalten. Nur so lässt sich vermeiden, dass sich die Wunde entzündet und ein Rezidiv (Rückfall) auftritt. Schweißtreibende körperliche Aktivitäten sollten der Hygiene halber vermieden werden.
Wer zu starkem Haarwuchs am Steißbein neigt, sollte eventuell eine dauerhafte Haarentfernung erwägen, um ein Steißbeinfistel Anfangsstadium zu vermeiden. Menschen, die stark schwitzen, sollten weite Unterwäsche tragen. Bei längerem Sitzen auf harten Flächen oder bei Übergewicht steigt ebenfalls das Risiko, an einer Steissbeinfistel zu erkranken.
Hygiene zur Vorbeugung einer Steißbeinfistel
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