Haarausfall ist mehr als ein ästhetisches Problem. Gerade für Frauen kann der Leidensdruck sehr groß werden, wenn Tag für Tag Hunderte Haare im Abfluss liegen. Wenn bei Frauen die Haare ausfallen, ist der Leidensdruck riesig. „Besonders für Frauen sind Haare ein Ausdruck der Persönlichkeit und ein zentraler Schlüsselreiz für den ersten Eindruck“, sagt der Bonner Psychologieprofessor Reinhold Bergler.
Viele Frauen mit Haarausfall ziehen sich darum immer mehr aus dem Leben zurück und das endete nicht selten in sozialer Isolation. Denn der Gang zum Dermatologen ist für viele nicht selbstverständlich. Viele versuchen das Problem mit Kosmetika, Ernährungsumstellung oder Vitaminpräparaten auf eigene Faust in den Griff zu bekommen. „Bis die Betroffenen zu einem Arzt gehen, haben sie oft einen langen Weg von Versuch und Irrtum hinter sich“, sagt Bergler.
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen und Formen von Haarausfall bei Frauen, um ein besseres Verständnis für dieses oft belastende Problem zu schaffen.
„Die drei häufigsten Arten von Haarausfall bei Frauen sind der diffuse Haarausfall, der anlage- oder erblich bedingte Haarausfall und der kreisrunde Haarausfall“, sagt Finner. Die meisten Frauen werden durch die Hormonumstellung nach der Menopause erstmals mit dem Problem konfrontiert. Die zweite große Gruppe seien Frauen um die 30 nach der Geburt eines Kindes.
Von Haarausfall wird dann gesprochen, wenn täglich 100 Haare verloren gehen. Wenn über Wochen mehr Haar ausfallen als sonst, sollte die Ursache abgeklärt werden. Er rate den Patientinnen aber davon ab, die ausgegangenen Haare zu sammeln und zu zählen: Das verstärke nur die Panik.
Frauen seien von Haarausfall ohnehin emotional viel stärker betroffen als Männer. Besonders belastend seien das Gefühl, den Haarverlust nicht kontrollieren zu können, und die Angst vor der Glatze. Damit erklären Finner und Bergler auch die Tatsache, dass rund 70 Prozent Frauen in die Haarsprechstunden kommen, obwohl insgesamt deutlich mehr Männer von dem Problem betroffen sind.
Erblicher Haarausfall (Androgenetische Alopezie) ist die häufigste Ursache von Haarausfall - bei Männern und Frauen. Bei vielen Frauen liegt der Grund für den Haarverlust in den Genen. Man spricht dann von erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie). Die Haarwurzeln reagieren in diesem Fall besonders empfindlich auf bestimmte männliche Hormone, vor allem auf Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon ist eigentlich ganz normal im Körper vorhanden - auch bei Frauen.
Es kann aber bei einer genetischen Veranlagung dazu führen, dass die Haarwurzeln schrumpfen und dünnere Haare produzieren. Die Wirkung der männlichen Sexualhormone ist also unterschiedlich. Bei Männern zeigt sich der Haarausfall meist an den Schläfen und am Hinterkopf. Bei Frauen sieht das etwas anders aus: Hier wird das Haar zunächst im Scheitelbereich lichter. Die Haarlinie an der Stirn bleibt dagegen meistens bestehen. Mit der Zeit kann die Kopfhaut jedoch sichtbar werden, was viele Betroffene belastet.
Eine komplette Glatze ist bei Frauen durch erblich bedingten Haarausfall jedoch sehr selten. In vielen Fällen lässt sich das Fortschreiten der Alopezie mit bestimmten Medikamenten oder Hormonbehandlungen verlangsamen.
Hormonell bedingter Haarausfall (Alopecia androgenetica) betrifft die Kopfhaare von Männern und Frauen. Der Haarverlust beginnt allmählich und erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Besteht ein Ungleichgewicht zwischen weiblichem Östrogen und männlichem Testosteron, lassen die männlichen Hormone die Haarfollikel schrumpfen. Die Haarwurzel wird schwach. Hormonell bedingter Haarausfall entsteht, wenn im Körper bestimmte männliche Hormone (Androgene) aktiv werden. Deshalb lautet die medizinische Bezeichnung für hormonell bedingten Haarausfall Alopecia androgenetica (APA).
Alopecia androgenetica ist keine hormonelle Erkrankung: Der erblich bedingte Haarausfall entsteht nicht durch einen Überschuss von Hormonen. Wenn Sie unter hormonell bedingtem Haarverlust leiden, reagieren auf Ihrem Kopf bestimmte Zellen überempfindlich auf das männliche Sexualhormon Testosteron. Es wird in geringerer Menge auch im weiblichen Organismus gebildet. Ein Abkömmling dieses Hormons mit dem Namen Dihydrotestosteron (DHT) bewirkt eine Verkleinerung der Haarwurzeln (Follikel).
Die Überempfindlichkeit der Haarwurzeln wird vererbt. Forscher und Forscherinnen haben eine Reihe von Genen ermittelt, die am anlagebedingten Haarausfall beteiligt sind. Eines der hauptverantwortlichen Gene ist das Androgenrezeptor-Gen. Doch nicht nur Gene und männliche Sexualhormone sind an der Entstehung der androgenetischen Alopezie beteiligt. Viele andere Faktoren kommen hinzu.
Bei Frauen zeigt sich der erblich bedingte Haarausfall eher im Bereich des Mittelscheitels. Die weibliche Form der Alopecia androgenetica (APA) endet nur selten mit komplettem Haarverlust. Der hormonell bedingte Haarausfall kann jederzeit nach der Pubertät einsetzen. Wie der Haarverlust in den weiteren Lebensjahren verlaufen wird, lässt sich nicht vorhersagen.
Beim kreisrunden Haarausfall fallen die Haare plötzlich büschelweise aus. Auf der Kopfhaut entstehen dann runde, kahle Stellen, die oft scharf abgegrenzt sind. In manchen Fällen können auch Augenbrauen oder Bartstellen betroffen sein. Kreisrunder Haarausfall - auch Alopecia areata genannt - kann in nahezu jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus. Die Krankheit kann neben dem Kopfhaar auch die übrige Körperbehaarung betreffen. Fallen die Haare komplett aus, sprechen Experten von einer Alopecia areata universalis. Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit.
Die genaue Ursache ist bisher nicht eindeutig geklärt. Fachleute vermuten, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Das bedeutet: Das Immunsystem des Körpers richtet sich fälschlicherweise gegen die eigenen Haarwurzeln. Diese werden angegriffen, wodurch die Haare ausfallen.
Oft wachsen die Haare nach einigen Monaten von selbst wieder nach - meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. In manchen Fällen kann der Haarausfall jedoch wiederkehren oder über längere Zeit bestehen bleiben. Stress, Infektionen oder hormonelle Veränderungen können Rückfälle begünstigen.
Bei diffusem Haarausfall fallen die Haare gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt aus. Also nicht nur an einer bestimmten Stelle. Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form von Haarverlust. Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Ursachen sind vielfältig. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente, chronische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, schwere Infekte wie eine Grippe, Mangelernährung (beispielsweise Eisen, Zink, Selen, Vitmin D oder Vitamin A) oder eine Chemotherapie.
Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Häufig sind hormonelle Veränderungen die Ursache, zum Beispiel während der Wechseljahre oder nach dem Absetzen der Pille. Aber auch Stress, schwere Infekte, Mangelernährung, chronische Krankheiten oder die Einnahme bestimmter Medikamente können den Haarausfall auslösen. Selbst eine Chemotherapie kann vorübergehend zu starkem Haarausfall führen.
Meist beginnt der diffuse Haarausfall einige Wochen oder Monate nach dem auslösenden Ereignis. Die gute Nachricht: In vielen Fällen wächst das Haar wieder nach, sobald die Ursache behoben ist.
„Die Ursache für den diffusen Haarausfall kann bis zu drei Monate zurückliegen“, sagt Finner. Denn so lange dauere die Ruhephase eines Haares, die sich mit der Wachstumsphase abwechselt. Nach dieser Ruhephase fallen viele Haare dann gleichzeitig aus.
Diese Form des Haarausfalls entsteht durch mechanische Belastung - durch Zug oder Druck auf die Haare über längere Zeit. Besonders häufig tritt sie bei Menschen auf, die regelmäßig enge Frisuren tragen, etwa straffe Zöpfe, Pferdeschwänze oder Dreadlocks. Auch Extensions, Haarspangen oder zu enge Kopfbedeckungen können die Haarwurzeln dauerhaft strapazieren.
Typische Anzeichen sind kurze, abgebrochene Härchen, ein zurückweichender Haaransatz oder allgemein dünner werdendes Haar. Wenn die Haare entlastet werden, also lockerer getragen oder die Extensions entfernt werden, kann sich das Haarwachstum normalisieren. Es ist aber wichtig, dass die Durchblutung der Kopfhaut stets gut ist.
Wird der Zug jedoch über viele Jahre aufrechterhalten, können die Haarwurzeln dauerhaft geschädigt werden. In solchen Fällen ist ein Nachwachsen der Haare nicht mehr möglich.
Auch Erkrankungen der Kopfhaut können zu Haarausfall führen. Eine häufige Ursache ist eine Pilzinfektion der Kopfhaut, die Tinea capitis genannt wird. Sie ist ansteckend und kann kreisrunde kahle Stellen verursachen. Betroffene bemerken oft zusätzlich Rötungen, Schuppenbildung und Juckreiz.
Neben Pilzen können auch Ekzeme wie Neurodermitis oder seborrhoische Dermatitis (eine entzündliche Hautkrankheit) den Haarausfall begünstigen. Durch die Entzündungen werden die Haarfollikel gereizt und geschwächt. Starker Juckreiz führt außerdem dazu, dass Betroffene häufig kratzen, was wiederum die Kopfhaut verletzt und Haarbruch fördert.
Eine frühzeitige Behandlung beim Hautarzt ist wichtig, um die Entzündung zu stoppen und den Haarwuchs wieder anzuregen.
Haarausfall bei Frauen kann viele verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen liegt eine genetische Veranlagung vor, welche durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen der Hormonhaushalt, Nährstoffdefizite und eine generell unausgewogene Lebensweise. Oft ist eine bewusstere Ernährung ausreichend, um die Probleme in den Griff zu bekommen.
„Entscheidend für die Behandlung des Haarausfalls ist aber erst mal die exakte Diagnose“, sagt Andreas Finner, Facharzt für Hautkrankheiten aus Berlin. Erst wenn die Diagnose stehe, könne mit einer individuellen Therapie begonnen werden. Grundsätzlich machen die Experten den Betroffenen Mut: Die Behandlung von diffusem Haarausfall, der bei Frauen am häufigsten auftrete, sei meist erfolgreich. „Man muss wissen, dass diffuser Haarausfall sehr selten chronisch ist“, sagt Finner.
Bei der Untersuchung fragen Ärztin oder Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern. Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie.
Es gibt zwei Wirkstoffe, die dem Haarausfall wirksam entgegensteuern können. Der Blutdrucksenker Minoxidil lässt bei erblich bedingtem Haarausfall in einigen Fällen neue, kräftigere Haare nachwachsen. Allerdings kann das Medikament Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden und Haarwuchs im Gesicht verursachen.
Koffein-Präparate: Bei diagnostiziertem Haarausfall können Hautärzte als Therapie die Injektion koffeinhaltiger Präparate in die Kopfhaut verschreiben. Anti-Androgene: Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten. Haartransplantation: Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate.
Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust "aktiv" zu bekämpfen - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft von oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum durchgeführten Herstellerstudien.
Grundsätzlich gilt: Wer sich ausgewogen und ausreichend ernährt, muss in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall einnehmen. Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können. Mittlerweile haben sich einige Friseurinnen und Friseure darauf spezialisiert.
Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen. Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.
Um das Haar natürlich zu stärken, helfen einfache Tipps. Einige haben wir hier für Sie zusammengetragen:
Haarausfall bei Frauen ist ein sehr komplexes Thema und kann unterschiedliche und mehrere Ursachen haben: Genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen, Mangel an bestimmten Nährstoffen, Stress, Krankheiten und andere Faktoren.
Hausmittel helfen nur dann, wenn sie auch die Ursache des Haarausfalls bekämpfen. Shampoos können bei der Behandlung von Haarausfall bei Frauen helfen. Entscheidend ist, dass die Inhaltsstoffe des Shampoos auf die Ursache des Haarausfalls abgestimmt sind.
Tabelle: Übersicht über Haarausfallarten, Ursachen und Behandlungen| Art des Haarausfalls | Ursachen | Behandlungen |
|---|---|---|
| Androgenetische Alopezie | Genetische Veranlagung, hormonelle Faktoren | Minoxidil, Anti-Androgene, Haartransplantation |
| Alopecia areata | Autoimmunerkrankung | Kortison, Immuntherapie |
| Telogenes Effluvium | Stress, Medikamente, Mangelernährung | Behandlung der Ursache, Nahrungsergänzungsmittel |
| Traktionsalopezie | Mechanische Belastung durch Frisuren | Vermeidung enger Frisuren |
Abschließend ist es wichtig zu betonen, dass Haarausfall bei Frauen ein vielschichtiges Problem darstellt, das eine individuelle Diagnose und Therapie erfordert.
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