Starkes Schwitzen am Haaransatz: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Beim Sport, bei Hitze oder auch vor Aufregung - jeder Mensch schwitzt. Zum Glück! Denn das schützt den Körper vor Überwärmung. Die Schweißdrüsen geben das wässrige Sekret ab und der Schweiß verdampft auf der Haut. Das kühlt den Körper. Dafür können täglich mehrere Liter Schweiß nötig sein.

Manche schwitzen aber ganz ohne Einflüsse von außen übermäßig stark. Die Erkrankung Hyperhidrose ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene stark schwitzen, ohne dass sie gerade Sport treiben oder es draußen heiß ist. Das Schwitzen steht bei ihnen also nicht im Zusammenhang mit der Regulation der Körpertemperatur. Stattdessen werden diese bei ihnen durch das vegetative Nervensystem zu stark stimuliert.

Was ist Schwitzen?

Schwitzen ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers zur Regulierung der Temperatur: Es dient der Abgabe überschüssiger Körperwärme, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Wenn die Umgebungstemperatur steigt oder der Körper durch körperliche Aktivität Wärme produziert, aktivieren die Schweißdrüsen die Produktion von Schweiß. Dieser besteht hauptsächlich aus Wasser und Salzen und wird auf die Hautoberfläche abgegeben.

Durch die Verdunstung des Schweißes wird Wärme von der Haut abgeführt, was zu einer Abkühlung des Körpers führt. Neben der thermoregulatorischen Funktion kann Schwitzen auch durch emotionale Faktoren wie Stress, Angst oder Aufregung ausgelöst werden, da das autonome Nervensystem auf solche Reize reagiert.

Formen von normalem Schwitzen

Mediziner unterscheiden folgende Formen von normalem Schwitzen:

  • Thermoregulatorisches Schwitzen: Dieser Mechanismus hilft, eine erhöhte Körpertemperatur zu senken, die durch hohe Umgebungstemperaturen oder körperlicher Aktivität entsteht.
  • Emotionales Schwitzen: Nervöse Erregung, wie sie bei Befangenheit, Prüfungsangst, Lampenfieber, Wut oder Schreck auftreten kann, führt bei den meisten Menschen zu Schwitzen, insbesondere an den Handflächen Achseln, Fußsohlen und der Stirn. Dieses Schwitzen wird durch das autonome Nervensystem ausgelöst, das auf emotionale Reize reagiert.
  • Gustatorisches Schwitzen (Geschmacksschwitzen): Der Verzehr von sauren oder scharf gewürzten Speisen sowie Alkoholkonsum kann den Stoffwechsel und die Wärmeproduktion anregen, was vor allem zu Schwitzen im Gesicht (Stirn, Wangen, Oberlippe) und seltener am Oberkörper führt.

Schwitzen nach dem Konsum von heißen Speisen oder Getränken zählt nicht zum gustatorischen Schwitzen im engeren Sinne, da es durch die Hitze und nicht durch einen Geschmacksreiz ausgelöst wird.

Schwitzen Sie stark? Abnormal viel Schweiß durch Ursachen wie Stress, Hormone & Fettanteil

Formen von krankhaftem Schwitzen

Bei manchen Menschen ist die Schweißproduktion gestört - die Betroffenen schwitzen entweder gar nicht, reduziert oder übermäßig stark. Mediziner sprechen von:

  • Anhidrose: Die Schweißsekretion ist vollständig unterbunden, sodass die Betroffenen überhaupt nicht schwitzen.
  • Hypohidrose: Die Schweißsekretion ist vermindert, die Patienten schwitzen also weniger als normal.
  • Hyperhidrose (auch Hyperhidrosis): Diese Störung ist durch eine gesteigerte Schweißabsonderung gekennzeichnet. Allerdings leidet nicht jeder, der stark schwitzt, aus medizinischer Sicht an Hyperhidrose. Hyperhidrose wird nicht allein durch die Menge des produzierten Schweißes definiert, sondern durch eine Fehlfunktion des Schwitzens, die über die notwendige Wärmeregulierung hinausgeht.

Die Übergänge zwischen dem "normalen" (physiologischen) Schwitzen und dem krankhaften (pathologischen) Schwitzen sind fließend, da die Schweißabgabe von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist.

Primäre Hyperhidrose

Die primäre Hyperhidrose, auch als essenzielle oder idiopathische Hyperhidrose bekannt, ist eine Form des übermäßigen Schwitzens, bei der keine zugrundeliegende Erkrankung oder äußere Ursache identifiziert werden kann. Diese Art der Hyperhidrose ist deutlich häufiger als die sekundäre Form und tritt meist während der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter auf. Charakteristisch für die primäre Hyperhidrose ist, dass das starke Schwitzen nachts nicht auftritt.

Die primäre Hyperhidrose ist auf bestimmte Körperstellen begrenzt (fokale Hyperhidrose). Typische Bereiche sind der Kopf, das Gesicht, der Schritt sowie Hände und Füße.

Neben der fokalen Hyperhidrose gibt es auch die generalisierte Hyperhidrose, bei der das starke Schwitzen den gesamten Körper betrifft.

Sekundäre Hyperhidrose

Sekundäre Hyperhidrose ist eine Form des übermäßigen Schwitzens, die häufig als Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung auftritt. Mögliche Auslöser sind Infektionen wie Grippe oder Malaria, Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, hormonelle Störungen wie bei Schilddrüsenüberfunktion oder in den Wechseljahren oder neurologische Krankheiten wie Morbus Parkinson. Auch bestimmte Medikamente wie Antidepressiva können verstärktes Schwitzen verursachen.

Im Gegensatz zur primären Hyperhidrose kann bei der sekundären Hyperhidrose auch nächtliches Schwitzen auftreten. Man spricht dann von nächtlicher Hyperhidrose. Lässt sich keine Ursache für das nächtliche Schwitzen finden, sprechen Ärzte von idiopathischem Nachtschweiß.

Nächtliches Schwitzen kann bei der Frau durch hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren entstehen. Bei Männern kann ein sinkender Testosteronspiegel im Alter ebenfalls zu starkem nächtlichem Schwitzen führen.

Wird das starke Schwitzen von einem unangenehmen Geruch (ranzig, muffig, käsig etc.) begleitet, liegt eine sogenannte Bromhidrose vor.

Schwitzen am Kopf: Ursachen und Behandlung

Nasse Haare, Schweiß auf der Stirn und Wassertropfen, die abperlen: Wer vermehrt unter Schweißausbrüchen am Kopf oder im Gesichtsbereich leidet, kennt solche Probleme. Oft hilft nur noch der Griff zum Taschentuch, um sich die feuchte Stirn zu trocknen.

Ursachen für Schwitzen am Kopf

Vergleichsweise harmlose Ursachen für starkes Schwitzen am Kopf können zum Beispiel emotionale Zustände (Angst, Nervosität), hohe Außentemperaturen, zu dicke Kleidung, körperliche Anstrengung oder scharfe Lebensmittel sein. Zu den ernsten Ursachen für Schwitzen am Kopf zählen etwa Infektionskrankheiten, eine Schilddrüsenüberfunktion, neurologische Krankheiten (wie Morbus Parkinson), starkes Übergewicht (Adipositas) oder Tumorerkrankungen.

Behandlung von starkem Schwitzen am Kopf

Ist eine Grunderkrankung für das Schwitzen am Kopf verantwortlicht, fokussiert sich die Behandlung in erster Linie auf diese Krankheit. Wenn keine konkreten Ursachen vorliegen, behandeln Ärzte zum Beispiel medikamentös (mit Anticholinergika, Betablockern oder Antidepressiva), durch das Einspritzen von Botox unter die Haut oder durch Operationen (etwa bei der Blockade des Sympathikusnervs).

Vorbeugung von starkem Schwitzen am Kopf

Um Schwitzen am Kopf vorzubeugen, eignen sich beispielsweise Maßnahmen wie das Auftragen von Babypuder oder Natron, das Einmassieren von Apfelessig, Wechselduschen, der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol oder Nikotin, Entspannungsübungen sowie das Tragen von möglichst leichter und temperaturangepasster Kleidung.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie häufig und übermäßig schwitzen, und dies unabhängig von Temperatur, körperlicher Aktivität oder dem Genuss scharfer Speisen auftritt und Ihren Alltag beeinträchtigt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Möglicherweise leiden Sie an einer Hyperhidrose, die medizinisch behandelt werden sollte.

Immer zum Arzt sollten Sie:

  • wenn plötzliches starkes Schwitzen einsetzt, ohne erkennbare Ursache
  • bei plötzlichen Schweißausbrüchen, die Sie sich nicht erklären können
  • wenn Sie wiederholt nachts schwitzen, ohne erkennbaren Grund (etwa durch zu hohe Zimmertemperatur)
  • bei Schwitzen mit Fieber, das über 40 °C ansteigt, länger als drei Tage anhält oder unklarer Ursache ist

Rufen Sie sofort den Notarzt bei:

  • Schweißausbruch mit Unruhe und Bewusstseinstrübung bei Diabetikern
  • plötzlichem Schweißausbruch mit Schwindel und Bewusstlosigkeit, wenn die Ohnmacht länger als eine Minute anhält oder der Betroffene häufiger ohnmächtig wird
  • Schock mit kaltem Schweiß, grauer, kühler Haut, Zittern, Unruhe, Angst und eventuell Benommenheit oder sogar Bewusstlosigkeit

In solchen Fällen deutet das Schwitzen in Kombination mit den anderen Symptomen auf eine ernste Ursache hin, die sehr rasch behandelt werden muss!

Was tun gegen Schwitzen?

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um das Schwitzen zu reduzieren:

  • Deos und Cremes: Sogenannte Antiperspirante oder Antitranspirante können als Deo in den Achseln und als Creme an den Händen und Füßen aufgetragen werden. Die enthaltenen Aluminiumsalze verschließen die Schweißdrüsen vorübergehend. Eine andere Möglichkeit, wenn die Achseln betroffen sind, sind Anticholinergika.
  • Gleichstrombehandlung: Sind die Hände oder Füße betroffen, kommt die Gleichstrombehandlung (Leitungswasser-Iontophorese) infrage. Dabei werden die betroffenen Stellen mehrmals wöchentlich für 20 bis 30 Minuten in Stromwasser gebadet.
  • Botox-Spritzen: Vor allem für die die Achseln betreffende Hyperhidrose kommen Botox-Spritzen infrage. Die Injektion in 15 bis 20 Punkte unter der Achsel unterbricht die Nervenbahn zu den Schweißdrüsen für mehrere Monate. Die Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A gilt als eine der effektivsten Therapien bei fokaler Hyperhidrose. Die Behandlung ist grundsätzlich auch an anderen Körperstellen möglich, allerdings gibt es hierzulande für die Botox-Injektionen zur Behandlung von Hyperhidrose etwa an Händen oder Füßen keine Zulassung.
  • Radiofrequenz, Mikrowellen, Ultraschall: Ziel dieser Behandlungen ist es, die Schweißdrüsen unter der Haut durch Wärme so zu schädigen, dass sie weniger Schweiß absondern. Da auch andere Haut- und Nervenstrukturen geschädigt werden können, ist die Behandlung nur für Hyperhidrose unter den Achseln zugelassen. Die Wirksamkeit ist noch nicht gut durch Studien belegt.
  • Medikamente: Die Behandlung mit Tabletten ist bei Hyperhidrose eher selten und wird kaum als dauerhafte Behandlung verordnet.
  • Chirurgische Therapien: Bei der axillären Hyperhidrose können mit verschiedenen sogenannten subkutanen Kürretage-Methoden die Schweißdrüsen abgetragen werden. Bei schwerer Hyperhidrose an den Händen oder am Kopf kommt die Thorakale Sympathektomie infrage: Dabei wird ein Nervenstrang des sympathischen Nervensystems in einem Eingriff unterbrochen.

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