Starker Haarwuchs bei Kindern: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

In den letzten Jahren gab es vermehrt Berichte über ungewöhnlich starken Haarwuchs bei Kindern, was bei Eltern Besorgnis auslöst. In einigen Fällen wird in den Medien bereits von der "Werwolf-Krankheit" gesprochen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für verstärkten Haarwuchs bei Kindern und bietet einen Überblick über mögliche Behandlungsansätze.

Kind mit Hypertrichose. Quelle: Wikimedia Commons

Ursachen für übermäßiges Haarwachstum

Übermäßiger Haarwuchs bei Kindern kann verschiedene Ursachen haben, die von genetischen Faktoren bis hin zu äußeren Einflüssen reichen. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um die geeignete Behandlung zu bestimmen.

1. Hypertrichose: Das "Werwolfsyndrom"

Das Werwolfsyndrom, medizinisch als Hypertrichose bekannt, ist eine Erkrankung, die durch übermäßigen Haarwuchs an ungewöhnlichen Körperstellen, wie dem Gesicht, gekennzeichnet ist. Die von Hypertrichose betroffenen Personen werden im Volksmund auch "Wolfsmenschen" genannt.

Hypertrichose führt zu übermäßiger Behaarung am gesamten Körper. Die Überbehaarung kann durch Gendefekte angeboren sein, was sehr selten vorkommt, aber auch von Medikamenten wie Minoxidil ausgelöst werden.

2. Medikamenten-induzierte Hypertrichose

Ein in der Behandlung von Haarausfall eingesetztes Mittel namens Minoxidil steht unter Verdacht, bei Kleinkindern schwere Nebenwirkungen zu verursachen. In Spanien wurden elf Fälle des sogenannten „Werwolfsyndrom” registriert. „El Economista“ berichtet.

In den spanischen Medien wird schon von der „Werwolf-Krankheit“ gesprochen, mindestens 17 Kinder sind von der Nebenwirkung eines falschen Medikamentes betroffen: Die Einnahme eines bestimmten Mittels lässt bei den Konsumenten den Haarwuchs rapide zunehmen. Folge im aktuellen Fall: Kleine Kinder, auch Babys, mit besonders vielen Haaren auf Gesicht, Rücken und anderen Körperstellen.

Die spanische Behörde für Pharmakovigilanz vermutet, dass die Haut von kleinen Kindern durch die geringere Hornschichtdichte besonders durchlässig ist und so das Medikament leichter aufgenommen wird.

Laut „El Economista“ reagierte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auf die jüngsten Vorfälle mit einer Empfehlung, Warnhinweise auf den Packungsbeilagen von Minoxidil-Produkten anzubringen, um auf die Risiken einer unbeabsichtigten Exposition bei Kleinkindern hinzuweisen.

Ein auffälliger Fall ereignete sich im April 2023 in Navarra, als ein Säugling über zwei Monate hinweg ungewöhnlichen Haarwuchs entwickelte, nachdem der Vater Minoxidil angewendet hatte. Sobald der Kontakt mit dem Mittel gestoppt wurde, verschwanden die Symptome.

Betroffene Eltern erklärten gegenüber „El País“, nach Absetzung des falschen Medikaments gehe der Haarwuchs langsam zurück. „Die Haare fallen aber sehr langsam ab, der Arzt meinte, es könne Monate dauern, bis es wieder normal ist“, sagte eine Mutter, die ihrem Baby monatelang unwissentlich das falsche Medikament gegen Sodbrennen gegeben hatte.

Haarwuchs bei Minoxidil als Nebeneffekt: Minoxidil ist ein vasodilatierendes Mittel, das ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt wurde. Es führte in klinischen Studien als Nebeneffekt zu Haarwuchs, was seine Anwendung bei Haarausfall popularisierte.

3. Genetische Ursachen

Die Veranlagung für übermäßigen Haarwuchs kann autosomal dominant vererbt werden, sodass es zu einer familiären Häufung der Erkrankung kommt. Die betroffenen Kinder werden bereits mit einer übermäßigen Behaarung geboren, da die Lanugohaare, die den Fetus im Mutterleib bedecken, nicht wie normalerweise vor der Geburt (etwa im 8. Schwangerschaftsmonat) zurückgebildet werden.

Beim Ambras-Syndrom handelt es sich um eine sehr seltene Hypertrichose, die den ganzen Körper betrifft und autosomal-dominant vererbt wird. Die Erkrankung ist geprägt von einem exzessiven Wachstum der Vellushaare des ganzen Körpers mit Ausnahme der Handflächen, Fußsohlen, Fingerspitzen, Lippen und der Penisspitze. Die seidigen, silbergrauen bis hellblonden Vellushaare können bis zu 25 cm lang werden.

4. Hormonelles Ungleichgewicht

Wenn sich die Art oder der Ort des Haarwuchses bei Erwachsenen signifikant ändert, kann dies ein Zeichen von hormonellen oder Stoffwechselstörungen sein. Selbst durch die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Behaarung an Kopf und Körper zunehmen.

Alle Frauen haben eine bestimmte Menge an männlichen Hormonen, jedoch leiden Frauen, die einen hohen Anteil an männlichen Hormonen produzieren, manchmal an einer Erkrankung, die als PCOS oder Polycystic Ovary Syndrome bekannt ist. Bei dieser Krankheit werden die Hormonschwankungen durch Zysten an den Eierstöcken verursacht.

Eine weitere Erkrankung, die bei Frauen zu übermäßigem Haarwuchs führen kann, ist das Cushing-Syndrom. Das Cushing-Syndrom verursacht Tumore in den Nebennieren und auch hormonelle Ungleichgewichte. Andere hormonelle Veränderungen wie bei Frauen, die sich in einem Stadium vor und nach der Menopause befinden, können ebenfalls zu einem Anstieg der männlichen Hormone oder des Testosteronspiegels führen. Auch hier kann die Folge ein zunehmendes Haarwachstum am Körper und im Gesicht sein.

5. Weitere Ursachen

  • Stress: In Stressphasen werden die Nebennieren hyperaktiv und pumpen Stresshormone aus, was zu übermäßigem Haarwuchs führen kann.
  • Bestimmte Krankheitssyndrome: Neben der präpuberalen Hypertrichose bei gesunden Kindern gibt es eine Reihe von Krankheitssyndromen, die neben einer Hypertrichose zu weiteren Veränderungen führen.
  • Magersucht (Anorexia nervosa).

Diagnose

Sobald ein Verdacht auf eine Hypertrichose besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser rekonstruiert zunächst in einer Patientenbefragung (Anamnese) den Krankheitsverlauf und die Entwicklung der Symptome.

Zur richtigen Einordnung möglicher Ursachen müssen in der Anamnese und der darauffolgenden Untersuchung das Alter der Patienten beim Auftreten der Hypertrichose, die Haarart, die Lokalisation der Behaarung bzw. Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung verschiedener Hormonkonzentrationen (Androgene, Schilddrüsen-, Hypophysen- und Nebennierenrinden-Hormone) kann Aufschluss über die Ursachen der Hypertrichose liefern. Differentialdiagnostisch ist insbesondere bei Frauen ein hormonell bedingter Hirsutismus auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. In medikamenteninduzierten Fällen verschwinden die Symptome oft nach dem Absetzen des auslösenden Mittels. Die Abklärung der genauen Ursachen ist unerlässlich, um die richtige Therapieform zu wählen. Abhängig von den Gründen und dem Ausmaß der Hypertrichose, kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden in Frage.

Auch wenn bei Minoxidil verschiedene Nebenwirkungen auftreten können, müssen sich die Eltern nach Angaben von Behörden und Ärzten im Prinzip keine großen Sorgen wegen dauerhafter Schäden machen.

Behandlungsansätze:

  • Kurzfristige Methoden: Gewöhnliche Rasur, Epilation, Laserepilation oder eine elektrische Verödung der Haarwurzeln (Elektroepilation).
  • Medikamentöse Behandlung: Liegt der Verdacht auf bestimmten Medikamenten als Auslöser der Hypertrichose, stehen häufig alternative Medikationspläne zur Verfügung, dies sollte dann in Absprache mit dem behandelnden Spezialisten abgeklärt werden.
  • Chirurgische Therapie: Wurde ein hormonproduzierender Tumor diagnostiziert, kommt je nach seiner Art und Lage über eine chirurgische Therapie in Betracht.
  • Laser-Haarentfernung: Als effektivste und dauerhafte Lösung der Haarentfernung gilt die Laser-Behandlung.

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Ursachen und Behandlungen von übermäßigem Haarwachstum bei Kindern zusammenfasst:

Ursache Beschreibung Behandlungsmöglichkeiten
Hypertrichose Übermäßiger Haarwuchs an ungewöhnlichen Stellen Abhängig von der Ursache, z.B. Lasertherapie, Elektroepilation
Medikamenten-induziert Ausgelöst durch Medikamente wie Minoxidil Absetzen des Medikaments
Genetische Ursachen Vererbung der Veranlagung für übermäßigen Haarwuchs Kosmetische Behandlungen zur Haarentfernung
Hormonelles Ungleichgewicht Ungleichgewicht der Geschlechtshormone Medikamentöse Behandlung zur Regulierung des Hormonspiegels

Haar-Diagnostik: Klinische Schlüssel zur Behandlung von Alopezie ❘ TECH Universidad

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