Immer wieder kommen besorgte Eltern mit der Frage in die Arztpraxen: „Warum verliert mein Kind plötzlich Haare?“ Gerade in den letzten Wochen wurde das vermehrt erlebt. Haare spielen für das Selbstbild und das Selbstbewusstsein eine wichtige Rolle, auch bei Kindern und noch mehr bei Teenagern. Darum kann Haarausfall sie verunsichern, während die Eltern besorgt nach Gründen und Behandlungsmöglichkeiten suchen.
Manchmal kann er harmlos sein, in anderen Fällen stecken Mangelerscheinungen oder Krankheiten dahinter. Welche Formen des kindlichen Haarausfalls sind die häufigsten und was kann man dagegen tun? Kinder können aus verschiedenen Gründen Haare verlieren. Häufig ist es ein sogenannter postinfektiöser Haarausfall - also ein vorübergehender Haarausfall nach einer fieberhaften Infektion oder einer Magen-Darm-Erkrankung.
Der Körper konzentriert sich in dieser Zeit auf wichtigere Aufgaben, und die Haarwurzeln treten vorübergehend in eine Ruhephase. Auch Stress, ein Nährstoffmangel (z. B. Eisenmangel) oder hormonelle Veränderungen (z. B. Pubertät) können zu Grunde liegen.
Wenn der Kamm voller Haare ist oder sich plötzlich kahle Stellen auf dem Kopf zeigen, ist der Schreck erst einmal groß. Haare zu verlieren ist völlig normal. Erst wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausfallen, spricht man von krankhaftem Haarverlust.
Falls Sie unsicher sind oder der Haarausfall Sie verunsichert - sprechen Sie Ihren Arzt gerne an. Er nimmt sich Zeit, Ihr Kind genau anzusehen und gemeinsam zu entscheiden, ob eine Abklärung notwendig ist.
Grundsätzlich unterscheidet man einerseits zwischen diffusem Haarausfall, bei dem die Haare über den Kopf verteilt mehr oder weniger gleichmäßig ausfallen und dünner werden, und kahlen Stellen andererseits. Die folgenden Formen des Haarausfalls sind bei Kindern die häufigsten:
Diese oberflächliche Pilzerkrankung tritt hauptsächlich bei Kindern vor der Pubertät auf und wird von unterschiedlichen Erregern ausgelöst. Die häufigste Infektion ist die Tinea capitis. Man erkennt sie an runden kahlen Stellen und schuppigen Hautveränderungen, die oft entzündlich aussehen können, sowie vielen abgebrochenen Haaren rund um die kahlen Stellen oder typischerweise abgebrochenen Haaren.
Die häufigste Pilzerkrankung ist Tinea capitis, die von unterschiedlichen Erregern ausgelöst werden kann und meist vor Beginn der Pubertät auftritt. Stark juckende, schuppige Kopfhaut (z. B. Tinea capitis) ist die häufigste Infektion. Im Trichogramm finden sich kaum Haare in der Ruhephase (Telogen). Die Kopfhaut ist dabei oft nur noch von kurzen Stoppeln bedeckt.
Die Diagnose erfolgt durch Nachweis der Erreger in Nativpräparaten oder in Kultur. Bei der Behandlung kommen Antimyotika zur Pilzbekämpfung zum Einsatz. Lokaltherapeutika eignen sich Präparate mit Ciclopirox oder Imidazole.
Abhängig vom Erreger kann eine systemische Therapie mit Antimykotika wie Griseofulvin oder Itraconazol behandelt werden. Griseofulvin kann bereits bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden, Itraconazol ist erst ab 18 Jahren zugelassen. Nach abgeschlossener Therapie wachsen die Haare wieder gesund nach.
Wichtig zu wissen: Diese Pilzerkrankung ist ansteckend. Andere sollten nicht direkt mit der betroffenen Region in Kontakt kommen. Handtücher und Kämme sollten nicht gemeinsam benutzt werden und Textilien und Bettwäsche muss man gründlich reinigen, damit der Haarausfall nicht zurückkehrt.
Kreisrunden Haarausfall erkennt man an kreisrunden oder ovalen kahlen Stellen mit völlig glatter Haut. Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich der Körper fälschlicherweise gegen die körpereigenen Haarwurzeln zur Wehr setzt. Die Haare fallen ganz plötzlich aus - der Grund ist eine Fehlfunktion des Immunsystems, bei dem die Haarwurzeln vom Körper fälschlicherweise als Gefahr eingestuft werden, die abgewehrt werden muss.
Die Alopecia Areata zeigt sich bei fast der Hälfte der Betroffenen mit ihrer Erstmanifestation vor dem 20. Lebensjahr, nicht selten sogar mit einem ersten umschriebenen haarlosen Areal bereits vor Erreichen des 10. Lebensjahres. Die Krankheit kann schubweise rasch progredient verlaufen kann. Die Inzidenz wird auf 0,03 bis 0,1 Prozent geschätzt.
Es kommt zu einer Entzündungsreaktion an der Haarwurzel, die zu einem Haarverlust führt. Die Alopecia Areata, eine Autoimmunerkrankung mit genetischer Prädisposition und familiär gehäuftem Auftreten tritt assoziiert mit Autoimmunerkrankungen und gehäuft mit einer atopischen Diathese auf.
Meistens entstehen mehrere kreisrunde kahle Areale, die von gesundem Haar umgeben sind. Man spricht in diesem Fall von einer Alopecia areata circumscripta. Im Extremfall kommt es zum Verlust der gesamten Kopfbehaarung. Man spricht dann von einer Alopecia totalis. Alopecia areata totalis betrifft die Kopfhaare fast komplett, Alopecia areata universalis den gesamten Körper.
Die Erstmanifestation der Alopecia Areata erfolgt bei fast der Hälfte der Betroffenen vor dem 20. Lebensjahr, oft schon vor dem 10. Lebensjahr. Manchmal ist die Neigung zu Autoimmunerkrankungen wie dieser erblich bedingt. Als mögliche Auslöser werden aber auch Stress und Schock, eine gestörte Darmflora, bestimmte Medikamente oder Ernährungsfehler in Betracht gezogen. Häufige Auslöser für Alopecia areata ist Stress, in physischer oder psychischer Form.
Kreisrunder Haarausfall heilt oft spontan und ohne Behandlung wieder ab - allerdings kann er auch zum Dauerzustand werden, immer wieder für kahle Stellen in unterschiedlicher Anzahl und Größe sorgen. Allerdings ist die Rezidivquote hoch. Bei etwa 30 bis 40 Prozent der Kinder heilt die Krankheit innerhalb eines halben Jahres spontan aus.
Es ist wichtig, die prognostischen Faktoren abzuprüfen und den Patienten auf assoziierte Autoimmunerkrankungen, speziell eine Schilddrüsenfehlfunktion und insbesondere im Kindesalter nach Entzündungsherden (Nasennebenhöhlen, Zähne, rezidivierende Atemwegserkrankungen, etc.) zu suchen, da letztere als Triggerfaktoren für einen Schub der AA wirken können. Es ist sinnvoll eine ausführliche Diagnostik einmalig bei Erstmanifestation zu veranlassen, auffällige Befunde wenn nötig zu behandeln bzw. zu kontrollieren.
Behandlung:
Es ist sinnvoll bei Haarausfall bei Kindern, frühzeitig einen Arzt zu Rate zu ziehen, denn je länger die kahlen Stellen bestehen, desto hartnäckiger sind sie oft. Zusätzlich ist es sinnvoll, das Immunsystem und die Darmflora gezielt zu stärken und stark verarbeitete und zuckerhaltige Lebensmittel zu meiden.
Straffe Zöpfe und Pferdeschwänze können auf Dauer so stark an den Haaren zerren, dass sie stellenweise dünner werden. Lokalisiertem, bandförmigen Haarausfall ist die Traktionsalopezie. Bei der Traktionsalopezie entsteht ein Haarverlust durch regelmäßige feste Frisuren, die an den Haaren ziehen.
Auch Dreadlocks, das Tragen von Haarextensions, Wimpernextensions oder zu fest sitzende Haargummis können die Ursache für den Haarverlust sein. Vermeiden werden kann das Problem durch lockere Frisuren oder wenn das Haar öfter mal offen getragen wird. Die lichten Stellen entstehen dabei vor allem an den Haarrändern, insbesondere an der Stirn und an den Schläfen.
Lass das Kind die Haare also lieber offen tragen und schneide sie gegebenenfalls kürzer, damit sie wieder voller wirken, bis sie nachgewachsen sind. Grundsätzlich spricht nichts gegen Pferdeschwänze und Flechtfrisuren, allerdings sollten sie nicht zu stramm frisiert werden.
Gesundes Haar braucht Vitamine und Nährstoffe, um zu wachsen, beispielsweise Vitamin E für die Haarfollikel und Vitamin A für das Sebum (Hauttalg), das der Selbstreinigung der Kopfhaut dient und das Haar geschmeidig hält. Sehr häufig führen auch Nährstoff- oder Vitaminmangel zu einem Haarausfall. Die Ursache kann in einer Bulimie, Magersucht oder in einer einseitigen Ernährung liegen.
Bei einer einseitigen oder unzureichenden Ernährung fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe. Insbesondere zu wenig Eisen oder Zink im Körper können das Haarwachstum beeinträchtigen und für Haarausfall bei Kindern sorgen.
Sehen die Haare dünn und schwach aus, sollte man sich fragen, wie die Ernährung aussieht.
Schlecht fürs Haar:
Gut fürs Haar:
Nährstoffe für gesundes Haar:
Ob Angst vor der Schule, ein Trauerfall, Anspannung durch ein neues Geschwisterkind oder Trennung der Eltern - auch Kinder leiden unter Stress. Unter artifiziellen Alopezien versteht man einen selbst herbeigeführten Haarverlust. Es handelt sich dabei weniger um ein Problem der Haare selbst als um ein psychologisches Krankheitsbild.
Das kann dazu führen, dass sie aus Nervosität an den Haaren ziehen oder Ticks entwickeln, beispielsweise konstantes Zwirbeln von Haarsträhnen und Zerren an Zöpfen oder Haarsträhnen. Im Extremfall reißen Kinder sich selbst die Haare aus. Die Betroffenen klagen dann aber über Haarausfall.
Das Bekannteste davon ist die Trichotillomanie. Dabei reißen sich die Kinder zwanghaft ihre eigenen Haare aus. Es entstehen unscharf begrenzte lichte Stellen. Diese Impulsstörung sollte man mit Verständnis und Zuwendung begegnen.
Oft ist eine Trichotillomanie von weiteren Symptomen wie Nägelkauen oder Lippenbeißen begleitet. Ein Kinderarzt oder -psychologe kann zusätzlich helfen, dem Problem auf den Grund zu gehen. Hört das Kind auf, an der Haaren zu zupfen, wachsen sie wieder nach.
Wichtig: Diese Art von Störung ist häufig ein Anzeichen für eine seelische Überbelastung und gehört in die Hände eines Psychiaters. PTA und Apotheker sollten Eltern daher zu diesem Schritt ermutigen.
Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu Haarausfall bei Kindern führen können:
* **Hormonelle Probleme:** Hormonelle Veränderungen im Teenageralter können das Haarwachstum beeinträchtigen.* **Genetischer Haarausfall:** Sog. genetischer Haarausfall wird von den Eltern auf die Kinder vererbt.* **Medikamente:** Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Haarausfall verursachen.* **Erkrankungen:** Einige medizinische Bedingungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen können Haarausfall verursachen.* **Stress:** Starker Stress kann sich ebenfalls auf das Haarwachstum auswirken.Wenn ein Kind unter Haarausfall leidet, sollte zur Diagnose und Behandlung ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt kann eine körperliche Untersuchung durchführen und Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte, der Ernährung, dem Lebensstil und der Familiengeschichte stellen.
Mögliche Untersuchungen:
Es ist wichtig, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und die Ursache des Haarausfalls so schnell wie möglich abzuklären. Von Selbstversuchen sollte Abstand genommen werden, da vor der richtigen Behandlung die zugrunde liegende Ursache gefunden werden muss.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Haarausfalls. In den allermeisten Fällen wachsen die Haare bei Kindern wieder nach, wenn die Ursache des Haarausfalls behandelt wird.
Behandlungsmöglichkeiten:
Wichtig: Obwohl einige Verkaufsstellen auch Behandlungsmöglichkeiten in Aussicht stellen, wenn Kinder Haarausfall erleiden, so sind die beworbenen Produkte ausschließlich auf Erwachsene getestet. Bekannte Haarwuchsmittel wie Minoxidil sind deshalb ungeeignet bei Haarausfall bei Kindern und sollten erst ab 18 Jahren verwendet werden.
Haarausfall kann Kinder und ihre Familien stark belasten und ratlos machen. Dichte und gepflegte Haare werden oft als wichtiger Punkt für Gesundheit und Schönheit angesehen. Sie sind wichtig zum Wohlfühlen und sind oft ein wichtiges Merkmal des individuellen Aussehens. Ein Haarverlust kann für Kinder extrem schlimm sein.
Sie fühlen sich nicht mehr hübsch und können an Selbstbewusstsein verlieren. Die Reaktionen des Umfelds können die Situation weiter verschlimmern. Auch Mobbing in der Schule ist keine Seltenheit bei Kindern, die unter Haarverlust leiden, da sie sich optisch von ihren Klassenkameraden unterscheiden.
Kleinere Kinder können mit dem Haarverlust oft noch besser umgehen als Teenager in der Pubertät, die sich häufig sehr über die Bewertungen ihres Umfelds definieren.
Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist der Haarausfall meistens ein Schock, der durch die Reaktionen des Umfelds noch verschlimmert wird. Wichtig ist daher insbesondere, die Kinder auf dem Weg der Therapie seelisch zu begleiten und zu unterstützen. Sie sollten verstehen, dass ein Haarverlust kein Weltuntergang ist und dass sie sich trotzdem schön und wertvoll fühlen können.
Es ist zudem wichtig, dass Eltern ihr Kind in dieser schwierigen Phase unterstützen, indem sie ihm helfen, gesunde Gewohnheiten beizubehalten, ihm Mut zusprechen und das Selbstbewusstsein stärken.
Praktische Hilfe, Adressen spezialisierter Ärzte und Kontakte zu anderen Betroffenen bieten Selbsthilfegruppen.
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