Sophia Loren, eine der größten Ikonen des italienischen Kinos, hat über Jahrzehnte hinweg die Welt mit ihrer Schönheit, ihrem Talent und ihrem unverwechselbaren Stil verzaubert. Dieser Artikel beleuchtet ihr Leben, ihre Karriere und ihren Einfluss auf die Filmgeschichte und die Mode.
Sophia Loren im Jahr 1959
Was ein wirklicher Star ist, konnte ich vor neun Jahren am eigenen Leib spüren. Sophia Loren besuchte die Berlinale, um einen Ehrenbären entgegenzunehmen. Ich stand zufällig am Eingang. Der Star kommt, die Eingangshalle des Zoo-Palasts verwandelt sich augenblicklich in ein Magnetfeld, in dem alle magisch erstarren. Irgendwie blitzt es.
Mit jedem Schritt, den die Loren nun tut, bündeln sich die Kräftewellen im Raum zu einem Menschenwirbel, zu jenem berüchtigten Star-Twister, von dem modernes Tanztheater noch etwas lernen könnte. Ein konzentrischer Respekt-Wirbelsturm um den Star. Im Auge dieses Loren-Wirbels, durch alle Absperrungen und Sicherheitsspaliere hindurch, wurde ich unwillkürlich in den Saal gesogen. Da stand ich, obwohl ich gar nicht hinein wollte. Der Film war übrigens auch gut.
Dabei hat Sophia Loren ihre Herkunft als Fotomodell, das sie einst war, nie verleugnet. Ihr war der Film eine Art Catwalk zur Unsterblichkeit. Bis heute scheint sie ein Ausdruck von hoheitsvoller Selbstbeherrschung - hinter dem freilich gefährliche Temperamentsausbrüche lauern. Sie war das Aschenputtel, das es ablehnte, nach der Party beim Prinzen zu den hässlichen Schwestern zurückzukehren. Man möchte gern mal einen Wutanfall von ihr miterleben.
Seit ihrer ersten Hauptrolle (1952 im Unterwasserfilm "Africa sutto i mari") war sie ganz da. 1953 begegnete ihr der Filmproduzent Carlo Ponti, den sie kurz danach heiratete. Im Lauf von Jahrzehnten entwarf sie so etwas wie einen Gesamtkatalog der italienischen Frau. Sie wurde das schillernde Klischee ihrer selbst, nie langweilig oder gar platt. Lag es daran, dass Sophia Loren stets eine zu gute Darstellerin war?
Niemand hat eine Pizzabäckerin temperamentvoller mit Mehl bestäubt als Loren in Vittorio di Sicas "Das Gold von Neapel" (1954). Ob kratzbürstig auf dem "Hausboot" (1958 neben Cary Grant) oder als Mutter, die in "La Ciociara" (1960) Belmondo der eigenen Tochter ausspannt: So erhaben war diese Frau, dass nicht einmal jene Unzahl mittelmäßiger Filme, die ab Mitte der 60er-Jahre entstanden, ihr etwas anhaben konnte. Die Unberührbare blieb sie. Und das, so schien es, als Star zum Anfassen.
Robert Altman bewies 1995 in "Prêt-à-Porter", dass man, um Eindruck zu machen, nicht mehr braucht als Sophia Loren und einen Hut. Den trägt sie mit unbeschreiblicher Würde und Ausstrahlung über eine Wiese. Selbst Mastroianni konnte dagegen nicht an.
Über zehn Jahre ist es her, dass Sophia Loren zuletzt in einem großen Film zu sehen war, und dass ihr Auftritt im gefloppten Hollywood-Musical "Nine" kaum in Erinnerung geblieben ist, sagt mehr über den Film von Rob Marshall als über ihren recht kurzen Auftritt darin aus. Doch nun meldet sich die Legende des italienischen Kinos zurück, bei Netflix statt auf der großen Leinwand und mit einer Rolle, die nicht so ohne weiteres zu übersehen oder vergessen ist. Die Madame Rosa, die die 86-jährige Oscar-Gewinnerin hier verkörpert, mag nicht die uneingeschränkte Hauptrolle dieses Films sein. Das Zentrum aber ist sie allemal.
Vom unverwechselbaren Glamour-Look Lorens - auftoupierte rote Haare, tiefes Dekolleté, tiefbraune Haut - ist in "Du hast das Leben vor dir" nichts zu sehen. Doch auch in grauer Langhaarperücke und dezentem Alltags-Makeup weiß Regisseur Edoardo Ponti seinen Star in Szene zu setzen, der obendrein seine Mutter ist.
Am 25.09.2023 wurde bekannt, dass Sophia Loren sich bei einem Sturz die Hüfte gebrochen hat. Die 89-Jährige wurde erfolgreich operiert und befindet sich in der Genesungsphase.
Sophia Loren, das war von Beginn an eine explosive Mischung aus Kleopatra und Anna Magnani. Sie verband Küchendüfte mit dem Glamour der Ewigkeit. Und blieb so immer ein Mädchen aus dem Volk.
Als Reiseführerin und einziges Exponat gleichermaßen führt die Loren durch die modischen Abgründe der 60er- bis 80er-Jahre: Persiana-Kappe und Nylon-Perücke, hüftschwenkendes Edel-Flittchen und brokatstrotzende Grand Dame eröffnen ein Pandämonium modischer Vergangenheit. Der Band offenbart Sophia Loren als die Felsen-Madonna des Mittelmeers. Sie lässt die Fülle und Last ihrer (zum Teil weniger guten) Filme verblassen. So dass am Ende nur eines übrig bleibt: die überzeitlich strahlende Ikone.
Ende der 70er-Jahre habe ich mir bei Kaufhof die glänzenden Plastikteile auf den farbigen Styroporköpfen angeguckt und gedacht: "Shit! Die sehen ja aus wie Mützen aus gefärbten Anglerschnüren." Doch die Qualität der Perücke hat sich in den letzten dreißig Jahren stark verändert. Nur die Prominenz hat's wohl mitbekommen, aber nichts verraten. Darum ging ich bis vor Kurzem total blauäugig davon aus, dass Sophia Loren, Raquel Welch, Lady Gaga oder Tyra Banks von Natur aus mit wunderbar vollem, schnell zu variierendem, immer perfekt sitzendem Haar beschenkt wurden.
Die auftoupierte Hochsteckfrisur, die starke Frauen wie Sophia Loren und andere in jener Ära trugen, wurde damals alltagstauglich. Locken waren immer angesagt. Zu jener Zeit wurden die XXL-Wellen jedoch vor allem in die Spitzen gelegt. Nichts lief damals ohne Toupierkamm und ganz viel Haarspray.
Drei Schauspieler stehen mit Perücken (von Annett frisiert) auf der Bühne. „Stefan Erdmann als Vater Sperlich sieht mit der Perücke einfach jünger aus, und Nina Wierzbitza wirkt als Mutter Sperlich damit mehr wie Mami. „So wie es die Rolle vorgibt“, erklärt Annett Boy.
„Alles, was Sie sehen, verdanke ich Spaghetti“, soll die berühmte Leinwandschönheit Sophia Loren gesagt haben - in Anspielung auf ihre Kurven, die sie zu einem der größten Sexsymbole der Filmgeschichte gemacht haben. Aber mindestens so berühmt ist ihre Leidenschaft für die italienische Küche. Ikonographisch festgehalten in einer Reihe Fotografien aus den 1950er Jahren von ihr und der Gabel voll Pasta vor dem Mund, die bis heute in kaum einem italienischen Restaurant fehlen.
Ihrer Liebe für die italienische Küche hat die Schaupielerin längst selbst ein Denkmal gesetzt, mit ihrem Kochbuchschlager von 1974, In cucina con amore (auf deutsch zuletzt 2014 neu aufgelegt im Verlag GU). Den Knoblauch als ganze Zehen oder in feinen Scheiben in Öl anschwitzen, die Tomaten hinzuzufügen und ca. 10 Min.
Sophia Loren in der Küche
Durch ihn hatte Loren 1964 auch den Fotografen Tazio Secchiaroli kennen gelernt. Für über 20 Jahre wurde der "mein persönlicher Fotograf" - so Loren über Secchiaroli, der 1998 starb. Sie nahm ihn zu allen Dreharbeiten mit - und rächte sich ironisch dafür, indem sie ihn im Schlaf fotografierte.
Der neue Foto-Band über Sophia Loren versammelt jetzt die besten Arbeiten Secchiarolis. Ähnlich wie Loren selber, die in den Armenvierteln von Neapel aufwuchs, hatte sich Secchiaroli aus dem Unrat eines Paparazzo-Daseins emporgearbeitet. Fellini, Pasolini und Mastroianni waren seine Arbeitgeber. In Sophia Loren entfesselte er nicht nur die Lust zum Pokern. (Sie gewann.)
Secchiarolis Leben im Haus der Loren war das Zeichen dafür, dass sich ein Star dafür entschieden hatte, für die Kamera, für das Foto zu leben. Secchiaroli war gleichsam Sophia Lorens Big Brother. Auf Schritt und Tritt mit dabei - und das durch Jahre. Freilich auf einer Basis respektvollen Vertrauens, ja vasallenhafter Treue (er hat Loren stets gesiezt).
Das Verhältnis war derart eng, dass sich auch Unterschiede zwischen privatem und öffentlichem Foto spektakulär verwischen. Sophia mit Kind neben einer Plüschgiraffe, mit Moravia und Antonioni auf dem Sofa, dann wieder im Negligee am Set: Zwischen Gestelltheit und Spontaneität, Schnappschuss und Komposition wird nicht getrennt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Lorens Gesichtszüge immer vorbereitet und präsentabel wirken - übrigens niemals ungeschminkt. So kann man sich nicht vorstellen, dass diese Frau, wenn sie zerwühlt aus dem Bett steigt, einmal hässlich wäre.
Gina Lollobrigida war - neben ihrer Kollegin und Konkurrentin Sophia Loren - die Inkarnation dieses italienischen Typs der Leinwandgöttin. Wie sonst nur in der Welt der Oper ersetzte ein selbstverständliches „die“ ihren Vornamen, und wem vier Silben zu lang für den Rest waren, sagte schlicht: „la Lollo“. Oder, wie es in ihrer Heimat, durchaus patriotisch, üblich war: Gina Nazionale.
Denn genau das war es letztlich, was sie, ebenso wie ihre sieben Jahre jüngere Rivalin Loren, wirklich auszeichnete: Beide Stars entwischten der Aschenputtel-Schublade bereits im Augenblick ihrer ersten Erfolge.
Sophia Loren und Gina Lollobrigida
Sophia Loren bleibt eine unvergessliche Ikone des Films und der Mode. Ihr Talent, ihre Schönheit und ihre Leidenschaft haben sie zu einer Legende gemacht, die auch in Zukunft Generationen inspirieren wird.
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