Ein Blick in den Spiegel zeigt es unverblümt: Die Haare fallen tief ins Gesicht, neuartige Löckchen drängen in den Nacken. In Zeiten des modischen Kurzhaarschnitts ist jeder Zentimeter Haarlänge eine Frage der Einstellung. Doch vor einem halben Jahrhundert war es anders. Der Artikel beleuchtet die Geschichte der Soldatenfrisuren, insbesondere den denkwürdigen Haarnetz-Erlass der Bundeswehr.
In diesem Monat jährt sich bei der Bundeswehr zum 50. Mal der Haar- und Barterlass, der es den Wehrpflichtigen erlaubte, lange Haare wie Bärte zu tragen und in der Öffentlichkeit als Reaktion auf den Zeitgeist angesehen wurde - folgt man den Ausführungen der Medien von damals.
Noch 1967 war für die Bundeswehrsoldaten „das Tragen einer schulterlangen oder sonst feminin wirkenden Haartracht (zum Beispiel Beatle-Frisur) unzulässig“. Insbesondere die Grundwehrdienstleistenden sahen es jedoch häufig nicht ein, für ihre begrenzte Zeit bei der Bundeswehr auf ihre gewohnte und liebgewonnene Frisur zu verzichten. Als Verteidigungsminister (1969-1972) der neuen sozial-liberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt wollte Schmidt auch in der Bundeswehr „mehr Demokratie wagen“. Dazu gehörte es, das Recht der Soldaten auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit ernst zu nehmen. Mit dem Haarnetz-Erlass läutete Schmidt moderne Zeiten ein. Im Detail schrieb der Erlass vor, dass Haar und Bart gepflegt zu sein hatten und dass im Dienst ein Haarnetz getragen werden musste, falls das lange Haar den Soldaten bei seinen Aufgaben behindere. Auf keinen Fall dürfe ein ausufernder Bartwuchs die abdichtende Funktion der ABC-Schutzmaske beeinträchtigen.
Flugs beschaffte die Bundeswehr daraufhin in zwei Tranchen für mehr als 350.000 D-Mark die erforderlichen Haarnetze - und sorgte sowohl bei den Langhaarigen als auch bei deren Vorgesetzten monatelang für einen Sturm der Entrüstung. „Rollschinken, olivgrün eingewickelt“, „Scheißding, […] die Haare fangen an zu beißen“, urteilten die Soldaten, die sich durch das Haarnetz eingeengt fühlten und mit angeblichen Kopfschmerzen zum Truppenarzt liefen, um sich vom Dienst befreien zu lassen.
Indessen empörte sich ein Brigadegeneral der Bundeswehr: „Eine Vernachlässigung im Anzug und im Benehmen des Soldaten ist für jedermann der Beweis für eine schlechte Disziplin. Mit ihr steht und fällt aber der Abschreckungswert und damit der Friedensbeitrag der Truppe.“ Andere Offiziere meinten sogar angesichts der zunehmend längeren Haare, ihre Mannschaft werde zur Aufsässigkeit ermuntert, berichtete der Spiegel im März 1972.
Fraglos: Das Thema beschäftigte nicht bloß die Stammtische der Republik, sondern wurde auch von der Presse dankbar aufgegriffen: So nutzte der von der CSU herausgegebene Bayernkurier die Steilvorlage treffsicher, indem er spottete, mit dem Haarnetz-Erlass habe Schmidt sich „unschätzbare Verdienste um die Verbreitung der Kopflaus“ erworben. In der Süddeutschen Zeitung kam eine besorgte Mutter zu Wort, die ihren Sohn Holger als bisher immer ordentlich und fleißig beschrieb: „Nun muss er zur Bundeswehr. Ich habe so Angst, dass er da verlottert.“ Auch von der „Haar-Höhe“ als verballhornte Bezeichnung für den Sitz des Bundesverteidigungsministeriums auf der Bonner Hardthöhe war die Rede.
Helmut Schmidt, dessen eigener Scheitel immer akkurat gezogen war, bekam für den Haarnetz-Erlass am 8. Februar 1972 in Aachen sogar einen Orden verliehen - den Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst“, den Berkhan - vermutlich aus politischen Erwägungen - stellvertretend für ihn entgegennahm.
Staatsbürger in Uniform Die Geschichten um den Haarnetz-Erlass, der Spott und die Häme, blieben letztlich nur eine Anekdote. Im Vordergrund stand für Schmidt die Reform der Bundeswehr, getreu seinem Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ und dem Prinzip der „inneren Führung“. Während seiner Amtszeit als Bundesminister der Verteidigung trat er für die Modernisierung der Parlamentsarmee ein. Als wichtiges Instrument für die Bundeswehrreform ließ Schmidt zwei Weißbücher über den Zustand der Streitkräfte veröffentlichen. Penibel wurden der Truppenumfang, deren Ausstattung und Verteidigungsfähigkeit, die Qualität der Ausbildung und der Beförderungsstau innerhalb der Bundeswehr erfasst. Überdies gehörte die Verbesserung der Wehrgerechtigkeit zu Schmidts zentralen Anliegen. Die beständig wachsende Zahl der Kriegsdienstverweigerer war ihm ein Dorn im Auge.
Ein Blick zurück: „Die Bundeswehr kann in ihrem Erscheinungsbild die Entwicklung des allgemeinen Geschmacks nicht unberücksichtigt lassen.“ Dieser Satz stammt aus einem Erlass des damaligen Bundesverteidigungsministers Helmut Schmidt vom 8. Februar 1971. Elvis Presley und die Beatles dienten als Vorbilder. Schmidt kommentierte die Neuregelung pragmatisch: „Die modischen Äußerlichkeiten und Attitüden haben auf ihrem schnellen Marsch durch alle Gesellschaftsgruppen vor dem Kasernentor nicht haltgemacht.“ Längeres Männerhaar als Zeichen der Abgrenzung von der konformen Restgesellschaft etablierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst in den USA. Stilbildend in den fünfziger Jahren war die pomadisierte Stirnlocke von Tony Curtis. Mit Elvis Presley und den pilzköpfigen Beatles kamen längere Haare auch bei den Männern in Mode. Lange Haare wurden in allen Teilstreitkräften getragen.
Als Regel für das Kopfhaar galt von nun an: „Haare und Bart müssen sauber und gepflegt sein. Soldaten, deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit durch ihre Haartracht beeinträchtigt wird, haben im Dienst ein Haarnetz zu tragen.“ Die Innere Führung wollte den Staatsbürger in Uniform und der sollte über seine Haarlänge selbst bestimmen. Zur „inneren Haarführung“ schaffte man rund 750.000 Haarnetzen an, die sich die Bundeswehr 1971 und im Jahr darauf etwa 360.000 D-Mark kosten ließ.
Das brachte zum Ausdruck, was nicht nur die weitgehend konservative militärische Führung dachte, sondern auch weite Teile der Bevölkerung irritierte: „Eine Vernachlässigung im Anzug und im Benehmen des Soldaten ist für jedermann der Beweis für eine schlechte Disziplin. Mit ihr steht und fällt aber der Abschreckungswert und damit der Friedensbeitrag der Truppe.“ Die Süddeutsche Zeitung zitierte damals eine besorgte Mutter: „Unser Holger war immer fleißig und ordentlich. Nun muss er zur Bundeswehr. Ich habe so Angst, dass er da verlottert.“ Spott erntete die Bundeswehr auch unter den Nato-Verbündeten. Unter der Hand hieß es bald „German Hair Force“ - das Ansehen der Armee im Ausland litt. Doch gut gemeint ist nicht gut gemacht, dass bewahrheitete sich besonders im Truppenalltag. Hier traten Probleme auf, die auf lange Haare zurückzuführen waren.
Feierliches Gelöbnis im BMVg - die Frisur muss sitzen.
Ganz Realist, nahm Schmidt den Erlass im Mai 1972 wieder zurück. „Jemand, der aus Erfahrung nicht lernt, ist ein Scheißkerl“, soll er dazu geäußert haben. Von da an galt der bis heute bestehende Haar- und Barterlass mit den Vorgaben: Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt sein. Das Haar ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden. Für weibliche Soldaten gilt: Die Haartracht von Soldatinnen darf die Augen nicht bedecken. Haare, die bei aufrechter Körper- und Kopfhaltung die Schulter berühren würden, sind am Hinterkopf komplett gezopft auf dem Rücken oder gesteckt zu tragen. Dabei sind Form und Farbe der Haarspangen/Bänder dezent zu halten. Das Experiment einer Liberalisierung des Erscheinungsbildes der Bundeswehr war gescheitert.
Doch jetzt wäre er fast wiedereingeführt - durch die Hintertür. Die Schließung der Frisöre seit Anfang November macht’s möglich. Doch ab dem 1. März ist es mit der ungewollten Langhaarfrisur vorbei, dann dürfen wieder Schere und Kamm geschwungen werden. Ob es mal wieder Zeit wird, zum Friseur zu gehen?
Abschreckung gehört zum militärischen Handwerk, seit es das Militär gibt. Je höher das Abschreckungspotential einer Armee, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, von einer anderen Armee angegriffen zu werden. Abschreckend ist eine Armee dann, wenn sie gut ausgerüstet ist. In den Siebzigern ist Abschreckung bereits seit Jahrzehnten die zentrale Strategie der Nato, um sich den Ostblock vom Leib zu halten. Nur wie genau ein zackiger Soldat auszusehen habe, darüber gingen die Meinungen auseinander. Denn in der Bundeswehr darf ab 1971 unterm Stahlhelm auch schulterlang getragen werden. Was fortan über deutsche Kasernenhöfe schlurft, lässt traditionsbewussten Militärs das Blut in den Adern gefrieren. Soldaten mit langen Haaren, die Mähne nur notdürftig zusammengehalten - mit einem Haarnetz. Die Verbündeten reagieren entsetzt. Offiziere genervt.
In einem Erlass des Bundesverteidigungsministers Helmut Schmidt vom 8. Februar 1971 heißt es: "Die Bundeswehr kann in ihrem Erscheinungsbild die Entwicklung des allgemeinen Geschmacks nicht unberücksichtigt lassen." Lange Matte war künftig erlaubt, mit einer Einschränkung: "Haare und Bart müssen sauber und gepflegt sein. Soldaten, deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit durch ihre Haartracht beeinträchtigt wird, haben im Dienst ein Haarnetz zu tragen."
Die Auswirkungen des Schmidtschen Haarnetz-Erlasses bekamen als Erste die zumeist freiberuflichen Friseure in den Kasernen zu spüren: Die Zahl ihrer Kunden sank rapide. Kritik kam auch vom konservativen Teil der Bevölkerung, der befürchtete, dass nun die Kampffähigkeit der Truppe empfindlich leide. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte eine besorgte Mutter, die ihren Sohn als stets fleißig und ordentlich beschrieb. "Nun muss er zur Bundeswehr. Ich hab so Angst, dass er da verlottert."
Noch schlimmer aber war: Die Bundeswehr gab nun ein herrliches Ziel für beißenden Spott ab. Der Aachener Karnevalsverein 1972 verlieh Helmut Schmidt den Orden wider den tierischen Ernst, und auch im Ausland zündete Gelächter - vor allem wegen des entsprechenden Bildmaterials zum Erlass. Schnell war der Spottspruch von der German Hair Force geboren.
Nicht weniger als 740.000 Stück Haarnetze hatte man auf der Hardthöhe bestellt. Doch trotz solcher Großzügigkeit beschwerten sich Rekruten. Das etwas grob daherkommende Haarkleid hatte schnell seinen Spitznamen als Zwiebelsack weg. Andere fühlten sich an einen Rollschinken erinnert. Überdies glauben 1971 nicht nur einfache Soldaten, dass dauerhaftes Tragen des Netzes der Gesundheit schaden könnte.
Die militärische Führungsebene schickte sich deshalb umgehend an, die gesundheitlichen Auswirkungen zu prüfen: mittels einer Haarnetz-Kommission. Die Ergebnisse ließen selbst Verteidigungsminister Schmidt an seiner Entscheidung zweifeln: Die befragten Truppenärzte beklagten, dass eine zu lange Mähne vor allem unter Manöverbedingungen kaum vorschriftsmäßig zu pflegen sei. Daneben wurde noch ein weiteres Problem diagnostiziert: Wegen der durch den Dienst verursachten "Unregelmäßigkeit des Stuhlgangs" litten laut Kommission viele Soldaten unter Aknepusteln. Die Verbreitung trat "beim Tragen von Bärten und langen Haaren" noch häufiger auf. Schließlich führte die Kommission - neben ihrer Sorge um die Truppengesundheit - auch knallharte ökonomische Fakten ins Feld: "Vermehrter Wasserverbrauch, größere Kalibrierung der Zu- und Abflussleitungen und spezielle Trocknungsmöglichkeiten für das Haupthaar" drohten den Etat zu belasten.
Fünfzehn Monate nach dem Erlass, im Mai 1972, bekamen die Friseure wieder Arbeit: Der Verteidigungsminister hatte entschieden, dass Haare künftig weder Uniform- noch Hemdkragen berühren dürften und auch Augen und Ohren der Soldaten müssten freigeschnitten sein.
Vor allem Soldaten mit Halblang waren sauer auf die Vollmähnenträger. "Das haben uns die Kollegen mit den wallenden Haaren versaut", zitierte der SPIEGEL einen Rekruten.
Staatssekretär Karl Wilhelm Berkhan antwortete im Juni '72 im Bundestag:"Was mich besonders nachdenklich gemacht hat, war der erhöhte Krankheitsbefall durch nass gewordene Haare im Dienst, die dann zu erhöhten Erkältungserscheinungen führten."
Seitdem wird in der Bundeswehr wieder akkurat geschnitten und rasiert, zumindest bei den Männern.
Die neue Dienstvorschrift sah vor, dass die Haare maximal auf zwei Zentimeter dem Kragen nahekommen durften. Etwa 80.000 der 460.000 Soldaten mussten daraufhin zum Truppenfriseur.
Trotzdem kassierte das Verteidigungsministerium den Haarnetzerlass nach knapp 16 Monaten wieder - noch unter Schmidt. Die offizielle Begründung lautete, dass es in der Truppe zu erhöhten Krankmeldungen wegen Verkühlung durch nasses Haar gekommen sei.
Natürlich wurde gegen den neuen Haarerlass geklagt. Nach zwei Jahren entschied das Oberlandesgericht Koblenz in einem Musterprozess, dass die Frisurregeln das Recht der freien Entfaltung der Persönlichkeit von Soldaten nicht verletze.
Das Bundesverwaltungsgericht stellte zwar fest, dass der Haar- und Bart-Erlass der Bundeswehr keine Rechtsgrundlage hat. „In angemessener Zeit“ müsse der Bundestag eine gesetzliche Leitentscheidung treffen.
Im Dienst trägt er, trotz seines IT-Arbeitsplatzes, Uniform. Privat ist er Anhänger der Gothic-Szene und würde sich gerne die Haare wachsen lassen. Das aber darf er nicht, weil er ein Mann ist. Geregelt ist das im Erlass über das „äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten“, umgangssprachlich „Haar- und Bart-Erlass“ genannt. Dort heißt es: „Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt sein. Das Haar ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden.“ Für Soldatinnen gelten aber andere Regeln: „Die Haartracht von Soldatinnen darf die Augen nicht bedecken. Haare, die bei aufrechter Körper- und Kopfhaltung die Schulter berühren würden, sind am Hinterkopf komplett gezopft auf dem Rücken oder gesteckt zu tragen.
Der Bundeswehr-Vertreter Oberst Carsten Bullwinkel meinte zwar, „mit Uniform ist das gesamte äußere Erscheinungsbild der Soldaten gemeint“. Das ließ das Gericht aber nicht gelten.
Ein einheitliches Erscheinungsbild sei für das Selbstverständnis und das äußere Auftreten der Bundeswehr wichtig.
Marcus G. hält das Urteil nicht für überzeugend. „Die Bundeswehr hat nicht nur einen Mangel an Frauen, sondern auch an Männern. Ohne diese bürokratischen Vorgaben an die Haartracht, könnte sie viel mehr männliche Soldaten gewinnen“, betonte er.
Seit dem Beginn der Zivilisation ist der Männerbart ein Symbol für Machtträger, mächtige Eroberer oder sogar Götter gewesen. Trotz seiner historischen Bedeutung waren Bärte nur für gewöhnlich kurze Zeiten beliebt und akzeptiert.
Die Männer des alten Mesopotamiens färbten ihre Bärte mit Henna und Goldstaub und erfanden gleichzeitig auch das Bartöl, da Bärte mit Sesamöl gepflegt und gestaltet wurden.
Die Ägypter schätzten insbesondere Haarlosigkeit, da man glaubte, Dämonen und böse Geister könnten durch langes Haar oder einen Bart Macht über eine Person erlangen.
Barbiere waren in der ägyptischen Gesellschaft hoch angesehen und wohlhabend, da sie spirituelles Wohlbefinden bewahrten und das Böse von den Menschen fernhielten.
Im alten Griechenland wurden Bärte sehr geschätzt. Ein üppiger und langer Bart war ein Zeichen von Männlichkeit und unvergleichlicher Intelligenz. Der Ober-Gott Zeus und sein Sohn Herakles waren die größten Stilikonen ihrer Zeit, und auch in der Bildhauerkunst wurden Männer oft mit prächtigen und langen Bärten dargestellt. Griechische Männer lockten ihre Bärte mit heißen Zangen und ölten sie mit dem auch heute noch in der Kosmetik beliebten Rizinusöl.
Im Gegensatz dazu war für die durch ihre Feldzüge bekannten Römer Haarlosigkeit damals nicht nur eine Stilfrage, um sich von Feinden zu unterscheiden, sondern auch ein strategischer Vorteil. Der makedonische Feldherr Alexander der Große etablierte während seiner Regierungszeit von 336 bis 323 v. Chr. die Bartlosigkeit als neue Norm in seiner Armee, da er fürchtete, dass es leicht sei, im Schwert- und Speerkampf einen Soldaten am Bart zu packen. Bald wurde ein glatt rasiertes oder kurz geschorenes Gesicht zur üblichen Praxis in der römischen Armee, und der Trend verbreitete sich bald auch in der griechischen Armee.
Gewöhnliche Römer waren sich des Begriffs des Barbers oder der Rasur vor dem Jahr 296 v. Chr. kaum bewusst. Damals kam der sizilianische Barbier Ticinius Mena nach Rom und gründete den ersten Barbierladen der Stadt, aus dem sich eine lange blühende römische Grooming-Kultur entwickelte. Reiche Römer verbrachten bald mehrere Stunden täglich beim Barbier in verschiedenen Behandlungen, die unter anderem Rasieren, Haarschneiden, Kopfmassagen und das Einreiben von exotischen Ölen in Bart und Kopfhaut umfassten. Geschickt geschnittene und gestylte Bärte galten als Zeichen von Reichtum und Wohlbefinden, die freie Männer von Sklaven und Armen unterschieden. Barbierläden waren wie Badehäuser Treffpunkte, an denen Männer sowohl ihr Wohlbefinden als auch ihre sozialen Beziehungen pflegten.
Während der Regierungszeit von Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) waren Bärte unter allen römischen Männern sehr beliebt, da der Kaiser selbst einen Bart bevorzugte, um seine im Kampf vernarbten Gesichter zu verdecken. Hadrian hat wahrscheinlich gleichzeitig die Grundlage für die Verbindung zwischen Bart und Männlichkeit in der männlichen Mode geschaffen.
Bärtigkeit oder das Fehlen eines Bartes waren in Rom Möglichkeiten, freie Männer von Sklaven zu unterscheiden. In bestimmten Epochen wurden Sklaven gezwungen, ihre Gesichter glatt zu rasieren, damit die Natürlichkeit und griechische Traditionen respektierenden freien Männer sich von ihnen abheben konnten.
Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches und der Etablierung des Christentums als dominierender Religion in Europa änderte sich auch die allgemeine Einstellung zu Bärten und folgte hauptsächlich den verschiedenen Strömungen des Christentums. Im Mittelalter war Bartlosigkeit üblich, da insbesondere die katholische Kirche Bärte bei Männern als sündig verurteilte.
Im viktorianischen England wurde Bartlosigkeit nicht nur als weiblich und verpönt angesehen, sondern auch das Rasieren oder Stylen eines Bartes galt als unpassendes Verhalten für Männer.
Sowohl in Europa als auch in Asien wurden über Jahrhunderte bärtige Männer wegen ihrer Gesichtsbehaarung besteuert. Der chinesische Kaiser Ming-Taizu Hongwu führte bereits im 14. Jahrhundert eine Bartsteuer ein, und der englische König Heinrich VIII begann 1535, Bärte zu besteuern. Der russische Zar Peter der Große verbot Bärte als Teil seiner Reformen, um das russische Reich zu westernisieren. In anderen Gegenden war das Bartwachsen sogar unter Androhung von Strafen obligatorisch.
Die lange Ära der populären Bärte erreichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts und mit den Weltkriegen ein bedeutendes Ende, als der amerikanische Geschäftsmann King Camp Gillette gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein erschwingliches, massenproduziertes Rasiermesser mit austauschbarer Klinge erfand.
Der bald darauf ausgebrochene Erste Weltkrieg und der Einsatz chemischer Waffen machten Glattwangigkeit zur praktischen Norm im Militär, da eine Gasmaske nicht dicht ist, wenn dazwischen Bart- oder Schnurrbart-Haare sind. Der bekannteste Fall eines an die Gasmaske angepassten Schnurrbartstils fand sich bei dem österreichischen Aquarellmaler Adolf Hitler.
Erst im 21. Jahrhundert erlebte der Bart ein Comeback und ist seitdem aus der Mode nicht mehr wegzudenken.
Die militärische Führungsebene schickte sich deshalb umgehend an, die gesundheitlichen Auswirkungen zu prüfen: mittels einer Haarnetz-Kommission. Die Ergebnisse ließen selbst Verteidigungsminister Schmidt an seiner Entscheidung zweifeln: Die befragten Truppenärzte beklagten, dass eine zu lange Mähne vor allem unter Manöverbedingungen kaum vorschriftsmäßig zu pflegen sei. Daneben wurde noch ein weiteres Problem diagnostiziert: Wegen der durch den Dienst verursachten "Unregelmäßigkeit des Stuhlgangs" litten laut Kommission viele Soldaten unter Aknepusteln. Die Verbreitung trat "beim Tragen von Bärten und langen Haaren" noch häufiger auf. Schließlich führte die Kommission - neben ihrer Sorge um die Truppengesundheit - auch knallharte ökonomische Fakten ins Feld: "Vermehrter Wasserverbrauch, größere Kalibrierung der Zu- und Abflussleitungen und spezielle Trocknungsmöglichkeiten für das Haupthaar" drohten den Etat zu belasten.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Argumente der Haarnetz-Kommission zusammen:
| Argument | Details |
|---|---|
| Gesundheitliche Bedenken | Schwierige Pflege langer Haare unter Manöverbedingungen, Zunahme von Aknepusteln durch "Unregelmäßigkeit des Stuhlgangs" |
| Ökonomische Faktoren | Vermehrter Wasserverbrauch, größere Kalibrierung der Zu- und Abflussleitungen, spezielle Trocknungsmöglichkeiten für das Haupthaar |
tags: #Soldaten #Frisur #kurz #Geschichte
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