Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata): Ursachen, Symptome und Behandlungen

Der kreisrunde Haarausfall, beziehungsweise Alopecia areata, gehört zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen mit Haarverlust. Obwohl in Deutschland über eine Million Menschen davon betroffen sind, ist die Ursache noch nicht völlig geklärt. Bei der Erkrankung mit Alopecia areata entstehen meist plötzlich runde kahle Stellen auf dem Kopf. Die Erkrankung kann allerdings auch in Schüben verlaufen.

Manchmal tritt kreisrunder Haarausfall außerdem im Gesicht auf, wie an den Wimpern, den Augenbrauen, im Bart oder an der Behaarung des Körpers. Außerdem kann beim sogenannten Ophiasis-Typ, einer Sonderform des kreisrunden Haarausfalls, der Haarverlust im Nacken beginnen und sich rundherum um den Haaransatz entlangziehen.

Typische Erscheinung von kreisrundem Haarausfall.

Symptome und Verlauf

Dabei entstehen typischerweise auf dem Kopf - es können aber auch andere Körperstellen wie etwa der Bart betroffen sein - eine oder mehrere münzgroße, haarlose Stellen, wie Christoph Liebich, Hautarzt in München und Mitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen, erläutert. Im Prinzip kann jeder unabhängig vom Alter und vom Geschlecht jederzeit erkranken.

Mitunter kann der Haarausfall auf dem Kopf sich weiter ausbreiten - dann ist von einer Alopecia totalis die Rede. Ist der ganze Körper betroffen, spricht man von einer Alopecia universalis. „Es muss nicht in eine totale Form des Haarausfalls übergehen“, betont Liebich.

Alopecia totalis und Alopecia universalis.

Der Haarausfall - egal, ob Kopf- oder Körperbehaarung - kann relativ schnell gehen, sich aber auch über einen Zeitraum von mehreren Monaten ziehen. Dabei fallen die Haare an einer lokal begrenzten, runden oder fleckenförmigen Stelle aus, wo vorher noch Haare waren. Bei einigen bilden sich die betroffenen Stellen von alleine wieder zurück. Bei anderen bleibt der kreisrunde Haarausfall. In den meisten Fällen ist das Auftreten unbedenklich.

Ursachen

Die Ursachen sind weitgehend unklar. Nach derzeitigem Stand der Forschung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Die genauen Ursachen für Alopecia areata sind noch nicht eindeutig geklärt. “Als sicher gilt, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt”, so Professor Dr. Gerhard Lutz. Dabei greift der Körper seine eigenen Zellen an - in diesem Fall an den Haarzwiebeln. In Untersuchungen fand man dort massive Entzündungszeichen und eine Häufung eines bestimmten Typs weißer Blutkörperchen, den sogenannten T-Lymphozyten.

“Diese Lymphozyten greifen aus noch unbekannten Gründen die Haarzwiebeln an”, sagt der Experte über die häufig vorkommende Autoimmunerkrankung. Die T-Lymphozyten sind so etwas wie die Polizei im Körper. Lutz sagt: “Sie streifen durch den gesamten Körper. Wenn es beispielsweise einen Eindringling gibt, dann bekommen sie den Befehl, ihn anzugreifen.” Es kommt zur Attacke, die beim kreisrunden Haarausfall an den Haarzwiebeln allerdings fehlgeleitet ist und dazu führt, dass die Haare an dieser Stelle ausfallen.

Als häufigsten Auslöser Alopecia areata sieht man in der Medizin nicht Stress, sondern die Gene. Für erblich bedingten Haarausfall gibt es immer mehr Anzeichen. “Ich habe immer wieder festgestellt, dass es eine familiäre Häufung gibt”, sagt Lutz.

Bislang sind vierzehn genetische Auffälligkeiten bekannt, die bei der Krankheit eine Rolle spielen. Ohnehin ist Alopecia areata auf der ganzen Welt verbreitet - und das auch schon sehr lange: “Das erste Mal wurde diese Art des Haarausfalls definitiv 400 vor Christus in der griechischen Medizin beschrieben.”

Mögliche Ursachen für Alopecia Areata.

Behandlungsmethoden

Nichtsdestotrotz sollten Betroffene zum Dermatologen gehen, wenn sie eine oder mehrere kahle Stellen bemerken - auch um andere Erkrankungen auszuschließen. In der Regel bekommt man zunächst für drei bis sechs Monate Zinktabletten. Dass das hilft, sei nicht wissenschaftlich belegt, betont Wolff.

Auch eine Behandlung mit Kortison komme infrage, wenn das Haar plötzlich und büschelweise ausfällt. Die Behandlung sei allerdings in der Regel mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme verbunden und führe fast nie zu einem nachhaltigen Haarwachstum, sagt Wolff.

Derzeit geht eine Welle neuer Presse­berichte zu möglichen Heilungschancen der Alopecia Areata durch sogenannte „JAK-Inhibitoren“ durch die Medien sowie das Internet. Autoimmunerkrankungen wie die Alopecia areata (AA), der kreisrunde Haarausfall, kann man bis heute nicht heilen. Aber es gibt in Deutschland zugelassene moderne Medikamente, mit denen Symptome gelindert werden können. Dazu gehören neben anderen die JAK-Inhibitoren (JAKi).

Für die Behandlung der schweren Alopecia areata stehen mit den Januskinase-Inhibitoren Baricitinib (für Erwachsene) sowie Ritlecitinib (ab dem Alter von zwölf Jahren) neue, zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung. Allerdings muss die Behandlung als Dauermedikation stattfinden, sonst kommt es zu einem erneuten Haarausfall. Es ist nur ein vorübergehender Effekt.

Kaum ein Mittel verkörpert den Einstieg in die medikamentöse Therapie der Alopecia Areata so sehr, wie Kortison. Vielfach werden bei kleinen Herden von kreisrundem Haarausfall, oftmals zu Beginn der Erkrankung, kortisonhaltige Medikamente in Form von Lösungen oder Cremes eingesetzt. Die Wirkung äußerlich aufgebrachter Glukokortikoid-Präparate ist bei der Alopecia Areata allerdings wegen eingeschränkter Eindringtiefe in die Haut sehr begrenzt.

Zusätzlich gibt es auch noch die Kortison-Injektionen in die Kopfhaut, sowie intravenöse Infusion (Pulstherapie). Die topische Immuntherapie besteht im wiederholten Auftragen eines speziellen Kontaktallergens am Kopf. Hierdurch wird ein allergisches Kontaktekzem erzeugt und unterhalten. In der so behandelten Kopfhaut wird neues Haarwachstum angeregt.

Die Zink-Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass es sich bei der Alopecia Areata um eine Störung des Immunsystems handelt. Aufgrund einer „Fehlinformation“ des Immunsystems versucht der Organismus, die Haarwurzel mit einer Entzündung zu zerstören. Das dem Körper zugeführte Zink wirkt als Immunstimulator und sorgt über komplizierte biochemische Reaktionen für einen Ausgleich eines Zell-Missverhältnisses im Immunsystem, das mit dem Auftreten der „Fehlinformation“ in Zusammenhang zu stehen scheint.

Manchmal bilden sich die haarlosen Stellen von selbst zurück, aber das ist nicht immer der Fall - vor allem nicht, wenn Sie eine genetische Veranlagung haben. “Ich rate immer zu einer Behandlung”, sagt der Experte Professor Dr. Gerhard Lutz. “Je länger die Haarzwiebeln angegriffen worden sind, desto geringer ist die Chance, dass sich dort neue Haare bilden.” Zur Behandlung gibt es unterschiedliche Methoden - einige davon sind wissenschaftlich anerkannt, andere nicht. Im Grunde zielen sie alle darauf ab, die Entzündung einzudämmen.

Überblick über die Behandlungsmethoden

Behandlungsmethode Beschreibung Wirkung
JAK-Inhibitoren Moderne Medikamente wie Baricitinib und Ritlecitinib Linderung der Symptome, Förderung des Haarwachstums
Kortison Medikamente in Form von Lösungen, Cremes oder Injektionen Eingeschränkte Eindringtiefe, kurzfristige Wirkung
Topische Immuntherapie Wiederholtes Auftragen eines Kontaktallergens Anregung des Haarwachstums durch allergisches Kontaktekzem
Zink-Therapie Zufuhr von Zink als Immunstimulator Ausgleich eines Zell-Missverhältnisses im Immunsystem

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) - Ursache & Behandlung - Einfach erklärt von Dr. Durani

Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos. Die verschiedenen Therapien entfalten ihre Wirkung entweder lokal (vor Ort) oder systemisch (im ganzen Körper) und sollen das Haarwachstum wieder anregen:

Hautreizende Stoffe

Die älteste Behandlungsform bei Alopecia areata ist es, hautreizende Substanzen auf die kahlen Stellen aufzutragen - mit der Absicht, dass durch die ausgelöste Hautirritation neue Haare wachsen. Dazu kommt etwa 0,5- oder einprozentiges Anthralin (Cignolin) zum Einsatz, das auf die kahlen Stellen aufgetragen und nach kurzer Einwirkzeit mit einem Tuch wieder entfernt wird (das verhindert eine Verfärbung der Haut). Bei manchen Patienten lässt diese Behandlung nach einiger Zeit tatsächlich die Haare wieder wachsen.

Minoxidil

Lösungen mit dem Wirkstoff Minoxidil sind eigentlich für die äußerliche Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall zugelassen. Er fördert das Haarwachstum, indem er die Durchblutung rund um die Haarfollikel anregt. Meist kommt Minoxidil unterstützend zu anderen Therapiemethoden (wie Kortison) zum Einsatz, da sonst bei kreisrundem Haarausfall keine durchschlagenden Erfolge zu erwarten sind.

Glukokortikoide ("Kortison")

Kreisrunder Haarausfall wird heute vielfach mit Glukokortikoiden (kortison-artigen Wirkstoffen) in Form von Cremes oder Lösungen behandelt. Die Langzeiterfolge variieren, und es kommt häufig zu Rückfällen. In maximal der Hälfte aller Fälle lässt diese lokale Behandlungsmethode die Haare wieder wachsen. Zwar hat eine Glukokortikoid-Therapie auf der Haut wenig Nebenwirkungen, jedoch spielt sich das Entzündungsgeschehen zwei bis drei Millimeter unter der Hautoberfläche ab - bis hierhin dringen die Wirkstoffe meist nicht gut vor.

Topische Immuntherapie

Als wissenschaftlich erwiesen gilt die Wirksamkeit einer lokalen Immuntherapie mit dem Wirkstoff Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DPCP) bei kreisrundem Haarausfall. Diese Methode kommt aber nur bei größeren kahlen Herden zum Einsatz. Experten gehen davon aus, dass diese allergische Hautentzündung auf den kahlen Kopfhautstellen bestimmte Immunzellen anlockt, die jene Immunzellen "verdrängen", welche die Haarwurzelzellen angreifen.

PUVA

Die Abkürzung PUVA steht für Psoralen plus UV-A. Diese photochemische Behandlungsmethode kommt bei verschiedenen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz, und in manchen Fällen auch bei kreisrundem Haarausfall. Auf die betroffenen Hautstellen bringt der Arzt ein phototoxisch wirksames Psoralen (wie Methoxalen) auf. Nach einer Viertelstunde bestrahlt er die Stelle mit UV-A-Licht. Das hemmt in vielen Fällen die Schädigung der Haarfollikel durch Immunzellen.

Zink und Vitamin D

Oft werden bei kreisrundem Haarausfall (oder sonstigem Haarausfall) Zink-Präparate empfohlen. Das Spurenelement ist unter anderem wichtig für ein starkes Immunsystem sowie für gesunde Haut und Haare. Die Einnahme von Zink hilft bei kreisrundem Haarausfall allerdings vermutlich nur dann, wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht. Auch eine Einnahme von Vitamin D hat möglicherweise positive Effekte bei kreisrundem Haarausfall. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings noch nicht.

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