Skinheads sind eine subkulturelle Jugendbewegung, die um die 1970er Jahre in Großbritannien entstand und inzwischen weltweit verbreitet ist. Das englische Wort Skinhead bedeutet Kahlkopf und bezieht sich auf das wichtigste Erscheinungsmerkmale der Skinheads: die Glatze. Der Kleidungsstil der Skinheads lehnt sich an Arbeiterkleidung an: Sie tragen dicke Stiefel, Bomberjacken, Hosenträger und Jeans.
Weibliche Skinheads bezeichnen sich als Skingirls oder auch Renees. Auch sie haben rasierte Köpfe, lassen jedoch vorne einen Pony und an den Schläfen lange Haare stehen.
Skingirl mit typischer Renee-Frisur
Die Bewegung stammt aus den Londoner Arbeitervierteln, wo in den 1970er Jahren weiße Jugendliche auf Einwanderer vor allem aus Jamaika trafen. Gemeinsam hörten sie Ska- und Reggae-Musik, später auch Rockmusik. Die Vorläufer der Skinheads sind die Mods bzw. Hard Mods. Ihren Stil bezogen sie aber auch von den sog. Rude Boys, männlichen schwarzen Migrantenjugendlichen aus Jamaika, die sich in den Sechzigern ihre Haare durch Kurzscheren „glätteten“, um den Weißen ähnlicher zu sein, was nun wiederum die weißen Arbeiterjugendlichen kopierten, weil sie die Rude Boys „cool“ fanden.
Ende der 60er Jahre waren die Skinheads in britischen Arbeitervierteln die dominante Jugendkultur. Anfang der 70er Jahre ebbte diese Bewegung aber bereits wieder ab.
In den Folgejahren gelang es rechtsextremen Gruppen, gezielt Mitglieder aus der Skinhead-Szene zu rekrutieren. Als die Bewegung Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland schwappte, wurde sie bereits von Rechtsextremen dominiert und brachte dem Neonazi-Spektrum neuen Aufschwung. In der öffentlichen Wahrnehmung und insbesondere in der Medienberichterstattung werden Skinheads häufig mit Neonazis gleichgesetzt.
Dies ist in zweifacher Hinsicht falsch. Zum einen wird die jugendkulturelle Neonazi-Szene inzwischen kaum noch von der Skinhead-Kult geprägt: Der Großteil der Szene kleidet sich heute sportlich, modern und unauffällig, wie beispielsweise die Autonomen Nationalisten. Zum anderen gibt es auch Skinheads mit anderen politischen Orientierungen. So gibt es heute organisierte Rechtsextremisten in der Skinheadszene, aber auch organisierte Anarchisten, Autonome, Kommunisten und Antifaschisten. Es gibt rassistisch orientierte Skinheads, aber auch solche mit migrantischem Hintergrund oder jüdische Skinheads.
Um wirklich in dieser von schwarzer Musik und schwarzer Kultur geprägten Szene Fuß fassen zu können, bedurfte es allerdings erst einer Änderung der Musik. Bis weit in die 70er Jahre hinein waren quasi alle Idole, Musiker, DJs etc. der Skinheadszene „schwarz“. Das änderte sich erst mit dem Punk. Als der Punk nach seiner kurzen rebellischen, anti-kommerziellen Gründungsphase Teil der Populärkultur wurde, versuchte ein Teil der Punkszene, das Rad wieder zurückzudrehen und den Punk zu seinen Ursprüngen zurückzuführen.
Begriffe wie „Streetpunk“, „Realpunk“, „Working Class Punk“ kamen auf, die Musik dazu wurde härter, weniger artifiziell (als Abgrenzung zu New Wave). Um sich auch optisch von den „Modepunks“ abzugrenzen, änderten diese Punks auch ihren äußeren Stil: Sie stylten sich härter, „prolliger“, militanter; kurze Haare statt bunte Haare waren nun angesagt. Aus Punks wurden Skinheads und die Musik, die sie hörten, nannte sich nun „Oi!“ bzw. „Oi!-Punk“.
Skingirls oder "Renees" sind weibliche Angehörige der Skinhead-Szene. Besondere Kennzeichen der Skingirl-Frisur sind die langen Strähnen vor den Ohren, die bis auf die Schultern fallen. Der Pony ansich bedeckt nur die halbe Stirn und ist gerade geschnitten. Oftmals wird dieser Feathercut noch durch einen zusätzlich rasierten Schädel ergänzt.
Der Skingirl-Style eignet sich vor allem für jüngere, sportliche Frauen, die in der Szene auch als "Renee" oder "Byrds" bezeichnet werden. Diese Kurzhaarfrisur sieht betont "ungestylt" aus, muss aber exakt geschnitten werden.
Skinhead-Mädchen mit langen Haaren und traditioneller Kleidung posiert für ein Foto
Zu Unrecht werden Skinheads meist nur mit der rechtsradikalen Neonazi-Szene in Verbindung gebracht, dabei gibt es in dieser Bewegung viele Strömungen. Skinheads identifizieren sich stark über Frisuren und Mode. Die Frisur der männlichen Skinheads wird auch als "Crop" bezeichnet. Dabei gibt es, je nachdem, für welche Länge bzw. Aufsatz der Schermaschine man sich entscheidet, unterschiedliche Nummerierungen.
Bei den "Boneheads" wird der gesamte Kopf kahl geschoren, sodass die Knochen ("Bones") durch die Kopfhaut schimmern. Die "Glatze" wirkt bei einer schönen Kopfform besonders gut.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Skinhead automatisch ein Rechtsextremer ist. Aber auch wenn es in den Medien vielfach falsch dargestellt wird, hattten Skinheads und Skingirls ursprünglich nichts mit Rechtsextremismus zu tun. Anfang der 70er Jahre begann jedoch die rechtsextreme britische National Front gezielt, die Skinheadszene zu vereinnahmen.
Die Skinheadszene ist eine typische Männerkultur. Der Anteil der Frauen - in der Szene „Skinheadgirls“ oder auch nach ihrer Pony-Frisur mit den langen Fransen „Renees“ genannt - liegt bei maximal 20 Prozent. Die Gründe für den geringen Frauenanteil liegen einmal in der hohen Gewaltbereitschaft und dem ebenso hohen Alkoholkonsum der Szene, aber auch daran, dass vor allem junge Frauen immer noch familiär und gesellschaftlich deutlich mehr Widerstände überwinden müssen, wenn sie sich einer Jugendszene anschließen wollen.
Weibliche rechtsextreme Skinheads nennen sich Renees oder Skingirls. Erkennungzeichen ist der Haarkranz: Rasierter Schädel mit einem Kranz aus langen Strähnen um das Gesicht herum. Rechtsextreme Skinheads pflegen in der Regel ein antiquiertes wie sexistisches Frauenbild: Frauen sind nicht gleichberechtigt, sondern dem Mann und seinen Wünschen - sexueller und sonstiger Art - unterworfen.
Inzwischen wollen viele Renees und Skingirls allerdings mehr als Anhängsel der Männer sein und ihre "nationale Pflicht" nicht nur als "deutsche Mutter" erfüllen. Sie sehen sich als "moderne, anständige, revolutionäre, selbstbewusste, nationale deutsche Frauen" (so Aktivistinnen der Skinhead-Kameradschaft "Fränkischen Aktionsfront").
Die Größe der Skinhead-Szene liegt in Deutschland seit Ende der 80er Jahre relativ konstant zwischen 8.000 und 15.000. Das Alter der Skinheads liegt in der Regel zwischen 14 und 30 Jahren, wobei es inzwischen aufgrund der fast 30-jährigen Geschichte in Deutschland auch Skinheads jenseits der 40 gibt. Entgegen dem öffentlichen Image ist nur ein Teil der Skinheadszene rechtsorientiert. Letztlich geht es bei den Skinheads um die gleichen Dinge wie in allen anderen Jugendszenen auch: verbindliche Freundschaften, Abgrenzung zum langweiligen, spießigen Rest des Universums, etwas Besonderes zu haben und zu sein, Partys, Musik, Mode, Spaß.
| Strömung | Merkmale |
|---|---|
| Original Skinheads | Antirassistisch, Ska, Reggae, Soul |
| SHARP-Skins | Antirassistisch, gegen rechte Tendenzen |
| Redskins | Links, sozialistisch |
| Hammerskins/Boneheads | Rechtsextrem, rassistisch |
tags: #Skinhead #Frisur #Frauen #Informationen
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