Sind Haare tot oder lebendig? Eine umfassende Betrachtung

Lass dein Haar leben! Mit solchen Botschaften macht die Kosmetikindustrie Werbung für Shampoos, Spülungen und viele weitere Haarpflegeprodukte. Sie stärken die Lebenskraft der Haare, wird suggeriert. Doch steckt im Haar denn tatsächlich Leben so wie in anderen Teilen unseres Körpers? Das hat uns Andrea K. aus Freiburg gefragt.

Um diese Frage zu beantworten, muss man die Struktur und den Aufbau der Haare genauer betrachten. Was da aus unserer Kopfhaut sprießt, ist nicht einfach nur ein Haar. Unsere Haare sind lebendig und tot zugleich.

Die Anatomie des Haares

Als Einheit gesehen, besteht das Haar aus dem Haarschaft, der Haarwurzel und den Wurzelscheiden. Die Haarwurzel sitzt in der Haut und endet mit einer knollenartigen Verdickung, der Haarzwiebel. Sie ist wiederum mit der Haarpapille verbunden, die aus Bindegewebe besteht. Umschlossen wird die ganze Haarwurzel von den Wurzelscheiden. Die Haarwurzel und den Haarschaft zusammen nennt man Haarfollikel.

„Das kommt darauf an, was man zum Haar dazu zählt“, so die Dermatologin. „Schließt man die Haarwurzel mit ein, ist Haar etwas Lebendiges, denn hier sitzen wachstumsaktive Zellen. Sie produzieren den Haarschaft - der ist allerdings wiederum nicht lebendig - denn er besteht nur aus Hornsubstanz und besitzt keine lebenden Zellen“, erklärt Moll.

Die Haarwurzel: Der lebendige Teil

Die Haarzwiebel ist gleichsam die Fabrik des wachsenden Haars. Hier sitzen teilungsaktive Zellen, die durch Blutgefäße mit Nährstoffen versorgt werden. Sie produzieren fortlaufend neue Zellen, die sich schnell zu toten Hornzellen umwandeln.

Diese wandern dann durch den Schub der ständig nachwachsenden Zellen nach oben und bilden dadurch schließlich den Haarschaft. Solange sie sich, im Aufbau befindlich, noch in der Haarwurzel befinden, sind sie ein Abbild des blühenden Lebens. Kurz darauf aber, wenn sie in den sogenannten Haarschaft münden, den sichtbaren Teil der Haare, die soeben das Licht der Welt erblickt haben, wandeln sie sich in eine zellenlose Hornsubstanz, die schlicht und ergreifend mausetot ist.

Der Haarschaft: Der tote Teil

Der Haarschaft ist der offensichtlich herausragende Teil des Haares, der im Haarkanal, auch Wurzelscheide genannt, in der Haut versenkt ist und in der Haarzwiebel endet. Dort an der Basis angeschlossen ist die Haarpapille mit einem Blutgefäß, das die Nährstoffversorgung der Haarmatrix beziehungsweise der Haarwurzel ermöglicht und somit das Haarwachstum erlaubt.

Diese umfasst dabei drei Schichten: das Haarmark im Zentrum, die Haarrinde und einer äußeren Schuppenschicht. Letztere ist für den Glanz des Haars verantwortlich. An ihr setzen deshalb auch die meisten Haarpflegeprodukte an.

Die Rolle von Haarpflegeprodukten

Haarpflegeprodukte können also den leblosen Haarschaft nicht mit Stoffen versorgen, die in irgendeiner Weise seine Lebenskraft stärken oder Entwicklungen in Gang setzen. Sie können nur positiv auf die bestehende Struktur einwirken.

Sebum: Die natürliche Pflege

Ein ganz natürlicher Prozess sorgt dafür, unsere Haare schön aussehen zu lassen. Sebum ab. Die deutsche Entsprechung dieses Begriffes lautet ‚Hauttalg‘, wenngleich sie nur unzureichend und auch etwas verfälschend die eigentliche Zusammensetzung des Sebums widerspiegelt, denn als Talg werden ausschließlich Fette bezeichnet.

Zwar sind diese reichlich im Sebum enthalten, hinzu kommen aber noch bestimmte Öle, die Squalene (zirka 15 Prozent) und das Cholesterin (knapp fünf Prozent). Doch wie gelangt das Sebum in unsere Haare? Ganz einfach: durch das Bürsten.

Nun raten einige Experten dazu, grundsätzlich mit dem Bürsten der Spitzen zu beginnen und sich dann stufenweise nach oben vorzutasten. Um die Entstehung von Haarbruch und Spliss zu vermeiden, ist diese Vorgehensweise durchaus richtig, weil durch das Bürsten vom Ansatz her die Gefahr besteht, aufgrund der relativ zügigen Geschwindigkeit, mit der von oben nach unten gebürstet wird, feine Knoten, die sich über Nacht oder im Laufe eines langen Tages im Haar gebildet haben, unbeabsichtigt zu zerreißen.

Mit einer samtweichen Naturhaarbürste hingegen wird es Ihnen nicht gelingen, einen noch so feinen Knoten zu zerreißen, auch dann nicht, wenn Sie vom Ansatz her bürsten. Das aber sollten Sie in jedem Falle tun, denn nur auf diese Weise wird das Sebum, das die Talgdrüsen unmittelbar in den Haar-Ansatz absondern, auf die gesamten Haare verteilt.

Zum besseren Verständnis noch einmal: Sind Ihr Haare zehn Zentimeter lang, dann genügt es, die Länge gedanklich in zwei horizontale Passés zu unterteilen. Bürsten Sie dann vom Ansatz her zehn Mal rundum Ihren Kopf auf der halben Länge. Sind Ihre Haare zwanzig Zentimeter lang, dann sollten Sie, am Ansatz beginnend, rundum (pro Passé) fünfzehnmal bürsten - und so weiter.

Das Sebum versorgt unsere Haare - so will es die Natur - mit allem, was sie benötigen: mit Feuchtigkeit in Form von Ölen, mit Fetten, die sie geschmeidig halten und mit Wachsen, die sie ein Stückweit versiegeln.

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Kopfhautschmerzen und Trichodynie

Kopfschmerzen kennen alle - aber Kopfhautschmerzen? Ich verrate dir, was es mit der sogenannten Trichodynie auf sich hat. Und was du bei Schmerzen an den Haaransätzen unbedingt unterlassen solltest.

Manchmal wird Haarekämmen zur unmöglichen Übung und jede Berührung deiner Kopfhaut zur Qual. Falls du solche Schmerzen kennst, hast du wahrscheinlich Trichodynie, auch Haarwurzelschmerzen genannt.

Auch wenn es sich dabei manchmal so anfühlt, sind es natürlich nicht die Haare selbst, die schmerzen. Schließlich handelt es sich bei Haaren um totes Horngebilde der Oberhaut aus Keratin - das eine Weiterentwicklung der Reptilienschuppen ist und in ähnlicher Form bereits bei den Dinosauriern vorhanden war. So beschreibt es zumindest Gerald Staguhn in seinem Buch «Und ewig lockt das Haar».

Das tote Horngebilde selbst ist nicht schmerzfähig. Vielmehr tut bei der Trichodynie etwas anderes weh: Der gesamte Haarapparat ist überreizt. Haarwurzel, Haarzwiebel und Haarbalg sind entzündet, die umliegende Kopfhaut besonders empfindlich. «Das Haar führt ein Doppelleben» schreibt Staguhn. «Es ist lebendig und tot zugleich».

Ursachen und Symptome der Trichodynie

Gründe für die Kopfhautschmerzen gibt es viele - von der falschen Pflege bis zum Parasitenbefall. Apropos: Ob Kopfläuse hinter dem Juckreiz stecken, lässt sich auf einen (genauen) Blick erkennen. Dann heißt es: Haare mit speziellem Anti-Läuse-Shampoo waschen.

Ich habe mit Malte Schmelter, Experte für Dermatologie der Kliniken Skinmed, über die Ursachen von Trichodynie gesprochen, welche Symptome klassisch sind, woran du ernsthafte Kopfhauterkrankungen erkennst und wie man die Erkrankung behandelt.

Die Trichodynie beschreibt die Missempfindung der Kopfhaut beziehungsweise des Haarapparats. Die klassischen Ursachen sind zum Beispiel zu häufiges Haarewaschen oder zu fest gebundene Zöpfe, die an den Haaren ziehen und den Haarwurzelapparat irritieren. Auch das Färben der Haare führt häufig zu Hautirritationen. Daneben können verschiedene Allergien - zum Beispiel auf Haarfärbemittel -, aber auch Erkrankungen der Kopfhaut, Neurodermitis, Schuppenflechte oder Pilzinfektionen der Auslöser sein.

Die häufigsten Symptome sind die trockene, gereizte Kopfhaut und Kopfhaut-Schmerzen.

Trichodynie und Stress

Auch seelische Leiden werden als Ursache diskutiert. In welchem Zusammenhang steht die Trichodynie mit Stress?

Das ist eine schwierige Frage. Stress selbst ist selten der Auslöser, sondern eher die Mechanismen, mit Stress umzugehen: Trichodynie tritt zum Beispiel dann auf, wenn sich Menschen unter Stress öfter die Kopfhaut kratzen, an den Haaren zupfen oder sich öfter durch die Haare streichen - das irritiert die Kopfhaut. Die Kopfhautschmerzen können aber auch durch Verspannungen des Nackens entstehen, die sich dann nach oben ziehen, was auch ein Stresssymptom sein kann.

Risiken und Behandlung der Trichodynie

Die Trichodynie ist in den meisten Fällen relativ ungefährlich. Wird eine schwere Infektion verschleppt, zum Beispiel bei Pilzbefall oder einer Bakterieninfektion, kann es im schlimmsten Fall zu einer Sepsis - einer Blutvergiftung - kommen. Wird sie aber durch Verspannungen, Stress oder durch häufiges Haarewaschen ausgelöst, ist die Trichodynie nicht weiter gefährlich.

Ob es sich um ernstere Entzündungen handelt, kann man im ersten Schritt selbst erkennen: Ist die Kopfhaut gerötet? Dann ist ein Entzündungsprozess im Gang oder es liegt ein Erregerbefall vor. Generell gilt: Liegt eine Rötung der Kopfhaut vor und halten die Kopfhautschmerzen länger als sechs Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Liegt eine Entzündung vor, muss man entzündungshemmend behandeln, zum Beispiel mit Cortison. Bei einer allergischen Reaktion sollte man die Trichodynie zusätzlich antientzündlich behandeln. Werden die Haarwurzelschmerzen durch eine bakterielle Infektion verursacht, versuchen wir mit Seifen und Lösungen, im Notfall mit Antibiotika vorzugehen.

Falls ja, sollte man direkt zum Arzt gehen. Wenn nur der Juckreiz gegeben ist, kann man Lösungen mit Urea in Kombination mit Polydocanol auf die Kopfhaut auftragen oder als Shampoo verwenden. Auch Öle können helfen, Schmerzen und Juckreiz an der Kopfhaut zu beruhigen.

Was man bei Trichodynie zuhause tun kann

Ansonsten gilt es bei Trichodynie, die Haare seltener zu waschen, bei starken Schmerzen keine Zöpfe zu binden und die Haare nicht sehr heiß zu föhnen. Zusätzlich sollte man es vermeiden, häufig mit den Händen durch die Haare zu fahren. Stattdessen kann die Kopfhaut ganz leicht und gezielt massiert werden. So wird die Kopfhaut wieder besser durchblutet und mit wichtigen Nährstoffen versorgt, was die Beschwerden zusätzlich lindert.

Weitere Aspekte der Haare

Das Haar ist nicht nur der Hornfaden, der nach außen hin sichtbar ist. Vielmehr verbirgt sich dahinter ein ganzes Organ. Der Haarschaft ist der offensichtlich herausragende Teil des Haares, der im Haarkanal, auch Wurzelscheide genannt, in der Haut versenkt ist und in der Haarzwiebel endet. Dort an der Basis angeschlossen ist die Haarpapille mit einem Blutgefäß, das die Nährstoffversorgung der Haarmatrix beziehungsweise der Haarwurzel ermöglicht und somit das Haarwachstum erlaubt.

Die unterschiedlichen Haarfarben entstehen durch die Menge und Art der Pigmente, die in den Haarfollikeln produziert werden. Diese Pigmente, bekannt als Melanine, gibt es in zwei Haupttypen: Eumelanin, das für schwarze und braune Farbtöne verantwortlich ist, und Phäomelanin, das rote und gelbe Farbtöne erzeugt.

Haare bestehen aus abgestorbenen Zellen, die aus dem Keratinprotein gebildet werden. Die Haarfollikel, winzige Vertiefungen in der Haut, produzieren kontinuierlich Keratinzellen, die allmählich verhornen und zu den Haarschäften werden. Während dieser Verhornungsprozess fortschreitet, verlieren die Zellen ihre Zellorganellen und ihren Kern, was zu ihrer Funktionslosigkeit führt. Die Haare werden schließlich aus der Follikelöffnung geschoben und sind nicht mehr lebendig.

Haarwachstum und Haarausfall

Das Haar wächst in Zyklen: Es ruht, fällt aus und wird neu gebildet. Alle Haaranlagen werden bereits im Mutterleib in ihrer finalen Zahl angelegt. Die Haarwurzeln werden nach und nach aktiv und bilden Haare - eine Haarwurzel bildet aktiv ca.

Jedes menschliche Haar hat einen eigenen Wachstumsrhythmus. Es wächst rund zwei bis sechs Jahre lang, und zwar jeden Tag um etwa 0,35 Millimeter. Wenn diese aktive Phase endet, beginnt eine zweiwöchige Übergangsphase.

Nicht jeder Haarausfall ist krankhaft bedingt. So können hormonelle Veränderungen im Körper, beispielsweise nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren, zu Haarausfall führen. Das Haar regeneriert sich in diesen Fällen aber meistens von selbst, wenn sich der Hormonspiegel wieder normalisiert.

Die soziale und kulturelle Bedeutung der Haare

Die wichtigste Funktion der Kopfbehaarung liegt im sozialen und sexuellen Bereich. Volles Haar war seit jeher ein mythisches Symbol für Kraft, Erotik, Gesundheit und Jugend. Im Spiegel der Weltkulturen gilt volles Haar als schön, während dünnes, schütteres Haar sich wenig Beliebtheit erfreut. Es ist eher die Ausnahme, dass ein Sympathieträger schütteres Haar oder gar eine Glatze hat.

Haare kommunizieren, sie senden Botschaften und schaffen Identitäten”, sagt Bettin. In Essen zu sehen sind die strengen, artigen Frisuren von Frauen auf der Schwelle ins 20. Jahrhundert und die Nachkriegs-Bubiköpfe, die Frauen auch optisch mehr und mehr männliche Bereiche erobern ließen.

Die Essener Schau zeigt auch viele Bilder von People of Color - mit Braids, also eng geflochtenem Haar, und Afros, Bärten und geglättetem Haar. “Hairstylistinnen haben einen enormen Einfluss auf die Menschen, die in ihren Stühlen sitzen”, wird die US-amerikanische Popsängerin Beyonce im Ausstellungskatalog zitiert. “Sie erschaffen einen heiligen Raum, in dem wir uns zeigen können, wie wir wollen, und uns durch unser Haar ausdrücken können.”

Laut einer Statistik der deutschen Online-Plattform Statista herrscht allerdings ein großes Ungleichgewicht zwischen den Mengen von Wimpern, Körperhaaren und Kopfhaaren. So besitzt ein Mensch rund 420 Wimpernhärchen, 25.000 Körperhaare und zwischen 90.000 und 150.000 Kopfhaaren. Die genaue Anzahl variiert je nach Haarfarbe. Blonde Personen haben mit durchschnittlich 150.000 Haaren das meiste Haupthaar - aber das dünnste -, gefolgt von brünetten (110.000 Haare) und schwarzhaarigen (100.000 Haare) Personen.

Haarfarbe Durchschnittliche Anzahl der Haare
Blond 150.000
Brünett 110.000
Schwarz 100.000

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