Die Werbung für Haarshampoos verspricht oft wahre Wunder. Doch was steckt wirklich hinter diesen Behauptungen? Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit von Koffein-Shampoos und anderen Haarprodukten, basierend auf Expertenmeinungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Viele Haarshampoos gegen Haarausfall enthalten Koffein, dessen anregende Wirkung das Haarwachstum stimulieren soll. Koffein ist in der Lage, das Enzym Phosphodiesterase zu hemmen, wodurch weniger Testosteron in seine aktive Form Dihydrotestosteron umgewandelt wird. Die Forschung hat gezeigt, dass hohe Konzentrationen von Koffein im Körper die Konzentration von Dihydrotestosteron (DHT) verringern.
DHT ist der Hauptverursacher der häufigsten Form von Haarausfall, der androgenetischen Alopezie. Dabei handelt es sich um die erblich bedingte Form des Haarausfalls, die bei etwa 70 % aller Männer auftritt. Die Haarwurzeln sind genetisch überempfindlich gegenüber Dihydrotestosteron. Dieses Abbauprodukt des männlichen Hormons Testosteron lässt die Haarfollikel schrumpfen, sodass weniger Haare wachsen können.
Dr. med. Uwe Schwichtenberg, Facharzt für Dermatologie und Allergologie, erklärt: "In Folge können die Haare verstärkt ausfallen und/oder unzureichend nachwachsen. Da die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den Androgenen mit dem Alter zunimmt, verstärkt sich dann auch der Haarausfall - und wird zunehmend sichtbar".
Es gibt mehrere Inhaltsstoffe mit DHT-hemmenden Wirkungen wie Sägepalme, Ecklonia Cava und Grüntee-Extrakt.
Koffein soll das Männerhaar bis ins hohe Alter sprießen lassen. "Völlig abwegig ist die Idee mit dem Koffein gegen Haarausfall nicht", sagt Stephan Grabbe, Direktor der Universitäts-Hautklinik in Mainz. Zumindest auf manche Zellen hat der Stoff einen Einfluss. Im Gehirn verhindert Koffein etwa, dass sich müde machende Moleküle an Nervenbahnen anlagern. Auf diese Weise hält es uns wach.
Ansatzpunkt für die Behandlung sind die Haarfollikel, längliche Einstülpungen in der Kopfhaut, in denen der Körper das Haar aus mehreren Lagen abgestorbener Zellen und Proteinfasern zusammenbaut. Von Geburt an trägt jeder Mensch etwa fünf Millionen von ihnen auf dem Kopf. Aus jedem wächst zwei bis sieben Jahre lang ein Haar, bevor es ausfällt und ein neues entsteht. So verlieren wir bis zu 150 Haare pro Tag.
Studien aus dem Labor haben zwar gezeigt, dass Koffein tatsächlich durch die Kopfhaut in die Haarwurzeln wandert. Allerdings konnte man in der Praxis bislang nicht nachweisen, dass es das Haarwachstum wirklich anregt. Hinzu kommt: Viele Shampoos, die mit Koffein werben, enthalten kaum Koffein. Das ist vor allem bei günstigeren Produkten der Fall.
Ob Koffein die Wirkung des DHT auf die Haarfollikel unterdrücken kann, prüften 2014 zuletzt Forscher um Tobias Fischer, Oberarzt der Klinik für Dermatologie an der Uniklinik Schleswig-Holstein. Sie weichten Kopfhautproben in einer Testosteron- oder einer Testosteron-Koffein-Lösung ein . Tatsächlich ließ die Koffein-Mischung das Haar trotz Testosteron wieder sprießen.
Allerdings ist die Wirksamkeit von Koffein wissenschaftlich nicht ausreichend erwiesen, sagt Dr. Thomas Koppmann, Projektleiter Ernährung, Kosmetik und Gesundheit bei der Stiftung Warentest. Zumindest ist nicht belegt, dass der Wirkstoff genetischen Haarausfall stoppen könnte.
Experten wie die Hamburger Dermatologin Dr. Julia Maerker-Stroemer zweifeln derartige Werbesprechen stark an: "Ein Haar hat einen Wachstumszyklus, der bei jedem Menschen unterschiedlich, ungefähr zwischen drei und sechs Jahren liegt, und den wird ein Shampoo nicht verändern können." Das Haar könne außerdem durch ein Shampoo oder eine Spülung nicht zum Wachstum angeregt werden, da es aus seiner Wurzel herauswächst, die unter der Hautoberfläche liegt. "An diese Stelle kommt so ein Präparat gar nicht heran," erklärt die Dermatologin.
Laut Haarmediziner Timm Golüke sollte man die Haare regelmäßig mit Koffein-Shampoo waschen, um den Haarwurzeln seine durchblutungsfördernde Wirkung sukzessive zuzuführen. Lassen Sie das Shampoo dafür mindestens zwei Minuten einwirken.
Laut Experte hat Koffein-Shampoo keinerlei Nebenwirkungen. Allerdings kann es sein - wie bei allen Shampoos - dass man individuell auf Inhaltsstoffe allergisch reagieren kann.
Laut Hautarzt Timm Golüke sollte man sich die Mühe machen, die Inhaltsstoffe der Produkte zu checken: „Achten Sie darauf, dass das Koffein kombiniert ist mit anderen Inhaltsstoffen. Etwa pflanzliches Kreatin, das die Haarstruktur verbessert oder Antioxidantien, die gut sind für die Kopfhaut.“ Der Stoff Kreatin, wichtig ist für den Aufbau und die Gesamtqualität der Haare, ist etwa enthalten in den Koffein-Shampoos von Alpecin, Plantur, Balea oder sebamed.
Die bekanntesten koffeinhaltigen Shampoos auf dem Markt sind Alpecin Coffein Liquid, Isana Coffein Shampoo, Cien Coffein Shampoo und Ahuhu Coffein Shampoo. Shampoos, die Sie in den meisten Supermärkten und Drogerien finden können.
Es ist jedoch nicht realistisch, Ihr Haar über einen längeren Zeitraum in Koffein zu tauchen. Die Wirksamkeit von Koffein in einem Shampoo ist daher in der Praxis etwas anders als in der kontrollierten Umgebung eines Reagenzglases. Darüber hinaus enthalten Shampoos wie Alpecin Stoffe, die die Haut reizen können.
Einige Shampoos, wie das Matas Natur Shampoo, enthalten zusätzlich Inhaltsstoffe wie Lactobacillus Ferment, Mikroalgenextrakt, Bio-Aloe Vera, Vitamin E und Provitamin B5, die die natürliche Wachstumsphase des Haares unterstützen, Haarausfall reduzieren und die Kopfhaut pflegen.
Für jedes Haarproblem scheint es ein Shampoo im Drogerie-Regal zu geben: gegen trockene Haare, gegen Schuppen und sogar gegen Haarausfall.
Kopfschuppen können mehrere Ursachen haben. In manchen Fällen steckt ein Hefepilz dahinter. Auch Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte können zu Schuppen führen. In diesen Fällen ist der Hautarzt oder die Hautärztin die erste Anlaufstelle.
Die enthaltenen Wirkstoffe können durchaus Abhilfe schaffen: „Die Stoffe beruhigen und pflegen die Kopfhaut und lindern den Juckreiz“, sagt Stefanie Knarr, Apothekerin in Oettingen. Man muss das Shampoo allerdings regelmäßig anwenden und jeweils einige Minuten einwirken lassen. Nach zwei bis drei Wochen sollten die Schuppen weniger sein.
Geschädigtes Haar dauerhaft reparieren können die Shampoos zwar nicht. Aber manchen Haartypen bieten sie dennoch Schutz. „Repair-Shampoos lohnen sich zum Beispiel bei gefärbten Haaren, die meist sehr strapaziert sind“, sagt Stefanie Knarr.
„Repair-Shampoos enthalten oft Substanzen, die sich wie ein Film um das geschädigte Haar legen und dessen Struktur verstärken“, sagt Thomas Koppmann. Das gebe einen gewissen Schutz. Viele Hersteller setzen dafür auf Silikone.
Sie wollten platten Haaren mehr Volumen schenken? Glaubt man der Werbung, reicht dafür der Griff zur richtigen Shampooflasche. Ganz von der Hand zu weisen ist dieses Versprechen nicht: „Volumenshampoos enthalten hauptsächlich Silikone, Proteine oder Tenside, die dem Haar mehr Standkraft geben“, sagt Apothekerin Knarr.
Bei Silikon handelt es sich um einen Kunststoff, der aus Erdöl gewonnen wird. Er wirkt zwar in den Haaren wie ein Füllstoff, der für mehr Volumen sorgt, ist aber biologisch schwer abbaubar. Das belastet die Umwelt. In der Liste mit den Inhaltsstoffen werden Silikone oft als Dimethicone oder Methicone angegeben.
Feste Shampoos sind besser für die Umwelt: Sie sind in Papier verpackt, enthalten weniger Wasser und haben eine bessere CO2-Bilanz.
Eines können Shampoos im Allgemeinen: für ein gutes Haargefühl, leichte Kämmbarkeit, einen verbesserten Glanz und weniger Haarbruch und Spliss sorgen. Das Haarwachstum beschleunigen können sie nicht.
"Das Haar hat seinen ganz natürlichen Wachstumszyklus. Es wächst in der Regel etwa einen Zentimeter pro Monat und fällt nach einigen Jahren natürlicherweise aus und ein neues Haar wächst nach. Sie können dies nicht durch ein Shampoo beeinflussen, etwa das Wachstum beschleunigen, indem Sie beispielsweise Koffeinshampoo auf die Kopfhaut auftragen", sagt Schwichtenberg.
Shampoos, die kaputte Haare reparieren oder sogar vor Haarausfall schützen sollen, gibt es inzwischen viele. Schönes Haar scheint heute weniger eine Gabe der Natur als eine Frage der richtigen Kaufentscheidung zu sein. Tatsächlich sind Shampoos mittlerweile hoch entwickelte Hightech-Produkte mit patentierten Wirkstoffen.
Repair-Shampoos bilden also nur eine Schicht um die Fasern, sodass das Haar glatter erscheint. Dieser Effekt hält nur bei regelmäßiger Anwendung an.
Wichtig: Bei Shampoos und ähnlichen Produkten wird zwischen aktiven und unterstützenden Inhaltsstoffen unterschieden. In einem Koffein-Shampoo ist natürlich Koffein der Wirkstoff, der in anderen Substanzen wie Ethanol und Propylenglycol aufgelöst wird, um das richtige Verhältnis zu erreichen. Das Shampoo enthält auch Natriumlaurethsulfat. Dadurch entsteht Schaum. Aber diese drei Stoffe haben eine reizende Wirkung auf die Haut.
Neben Koffein-Shampoos gibt es auch andere Mittel und Maßnahmen, die bei Haarausfall helfen können:
Es gibt mehrere Inhaltsstoffe mit DHT-hemmenden Wirkungen wie Sägepalme, Ecklonia Cava und Grüntee-Extrakt.
Hairgivers hat verschiedene haarwuchsfördernde Shampoos im Sortiment, die Koffein als Inhaltsstoff enthalten. Bei den Shampoos von Neofollics, DS Laboratories und Veta ist Koffein jedoch nicht der Hauptwirkstoff. Diese Shampoos bekämpfen Haarausfall auf vielfältige Weise. Das Neofollics Shampoo zum Beispiel enthält mehrere Inhaltsstoffe, die nachweislich eine DHT-hemmende Wirkung haben. Dabei handelt es sich um Ecklonia Cava, Pirocton-Olamin und Grüntee-Extrakt. Veta enthält das wichtige Vitamin Biotin, zusammen mit Koffein als einem seiner Wirkstoffe.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Punkte zusammen:
| Shampoo-Typ | Wirkung | Inhaltsstoffe |
|---|---|---|
| Koffein-Shampoo | Kann die Durchblutung der Kopfhaut verbessern und DHT hemmen | Koffein, Kreatin, Antioxidantien |
| Anti-Schuppen-Shampoo | Beruhigt und pflegt die Kopfhaut, lindert Juckreiz | Wirkstoffe gegen Hefepilze, pflegende Substanzen |
| Repair-Shampoo | Legt sich wie ein Film um das Haar und verstärkt dessen Struktur | Silikone, Proteine |
| Volumen-Shampoo | Gibt dem Haar mehr Standkraft | Silikone, Proteine, Tenside |
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