Kosmetik selbst herzustellen klingt erst einmal aufwendig, muss es aber gar nicht sein. Inzwischen gibt es nämlich viele erprobte Möglichkeiten, die Haare ohne herkömmliches Shampoo zu waschen. Vieles davon ist gar nicht so neu, sondern viel mehr eine Rückkehr zu Großmutters Methoden. Natürliche Alternativen für eine sanfte Haarwäsche werden immer beliebter. Das Haarewaschen mit Mehl hat sich als einer der aktuellen DIY-Beautytrends hervorgetan.
Ein natürlich wirksames DIY-Shampoo aus Mehl lässt sich einfach selbst herstellen. Beim Haarewaschen mit Mehl geht es allerdings darum, ein Shampoo aus Mehl herzustellen. Dafür wird das Mehl nicht als Trockenshampoo-Ersatz oder Ansatz-Refresher verwendet.
Im Vorratsschrank in der Küche warten bereits viele Zutaten, die auch im Badezimmer Anwendung finden können. Gerade bei Shampoos, Conditioner und Kuren aus dem Drogeriemarkt sind die Zutatenlisten lang und voller unbekannter Begriffe. Ob das so gut für die Haare ist? Sicher ist jedenfalls, dass es für eine gute, stressfreie Haarpflege keiner bunten Fläschchen oder Döschen bedarf.
Roggenmehl-Shampoo ist eine natürliche Alternative zu konventionellem Haarshampoo mit synthetischen Inhaltsstoffen. Roggenmehl ist frei von schädlichen Zusatzstoffen und seine Proteine pflegen deine Haare. Konventionelle Haarpflegeprodukte enthalten zahlreiche synthetische Inhaltsstoffe. Von Tensiden und Parfüm über Glycerin bis hin zu Silikonen: All diese Stoffe sollen vermeintlich die Haare pflegen. Doch sie gelten als umstritten. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die No-Poo-Bewegung mit schonenden Alternativen - auch der Umwelt zuliebe. Eine beliebte Option ist Roggenmehl-Shampoo.
Roggenmehl ist natürlich und vegan. Es ist frei von synthetischen Tensiden, Parfüm, Silikonen und anderen fragwürdigen Zusatzstoffen. Zudem wird Mehl üblicherweise in Papiertüten verkauft. Roggenmehl-Shampoo hat denselben pH-Wert wie deine Haut (circa 5) und ist daher besonders gut verträglich. Das Getreide steckt voller Aminosäuren (wie etwa Glutaminsäure) und Mineralstoffen wie Kupfer, Kalium und Phosphor. Auch enthält es wertvolle Vitamine wie Folsäure. Nährstoffe wie diese werden konventionellen Shampoos häufig künstlich beigefügt. Im Roggenmehl sind sie natürlicherweise enthalten und pflegen deine Haare. Außerdem: Roggen gehört zu den Getreidesorten, die in Deutschland wachsen. Roggenmehl-Shampoo ist frei von Zusatzstoffen und pflegt deine Haare natürlich.
Jedoch eignet sich nicht jede Mehlsorte als Haarshampoo. Ein ganz wichtiger Punkt vorab: Nicht alle Getreidearten eignen sich zur Haarwäsche! Grund ist der Glutengehalt. Zuviel Gluten macht eine Haarwäsche unmöglich. Denn in Verbindung mit Wasser ‘klumpen’ glutenhaltige Mehle und sind kaum auswaschbar.
Helle oder fein vermahlene Mehlsorten wie Dinkel- oder Weizenmehl eignen sich zur Haarwäsche nicht besonders gut, da sie einen höheren Anteil an Gluten enthalten und deswegen zu sehr klumpen. Weizen- und Dinkelmehl etwa scheiden für die Haarwäsche aus, denn sie enthalten mit durchschnittlich etwa 8650 mg Gluten pro 100 g etwa 2,5-mal so viel Gluten wie Roggen mit nur 3450 mg/100 g. Dadurch können Rückstände im Haar verbleiben und der Abfluss verstopfen.
Roggenmehl ist wegen seines niedrigen Glutenanteils besonders gut geeignet, um sich damit die Haare zu waschen. Hingegen enthält Roggen etwa 2- bis 3-mal so viele Pentosane wie Weizen und Dinkel. Pentosane sind „Schleimstoffe“. Sie zählen zu den löslichen Ballaststoffen. Pentosane verfügen über eine hohe Wasserbindungskapazität, was auch für die Teigbildung beim Backen mit Roggen eine wichtige Rolle spielt. Denn Pentosane bilden - anders als Gluten - kein Klebergerüst.
Damit keine Mehlreste in deinen Haaren kleben bleiben, solltest du möglichst feines Roggenmehl verwenden. Optimal geeignet sind beispielsweise Roggenmehl Type 815 oder 1150.
Für das Roggenmehl-Shampoo benötigst du nichts weiter als Roggenmehl und warmes Wasser.
Zum Haarewaschen wird aus Mehl und Wasser eine Paste hergestellt, die als Shampoo-Ersatz dient. Dazu wird das Mehl mit gerade so viel Wasser vermengt, dass das Mehl überall bedeckt ist und beim Vermischen eine shampoo-ähnliche Konsistenz entsteht. Die Mehl-Mischung ähnelt dann zwar einem klassischen Shampoo, ist aber meist noch etwas flüssiger. Das angerührte Shampoo wird nach dem Anmischen einfach partienweise im Haar und auch auf der Kopfhaut verteilt und gut einmassiert.
Anders als bei klassischem Shampoo aus dem Handel, ist ein Shampoo aus Mehl mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Beim Anrühren musst du darauf achten, dass das Mehl nicht verklumpt. Zudem musst du Wasser und Mehl erst vermischen und dann zehn Minuten stehen lassen, damit sich beide Inhaltsstoffe vermengen. Das erfordert eine gewisse Planung und Geduld.
Pflegend auf Haar und Kopfhaut sollen auch die Mineralstoffe und Vitamine des Roggens wirken. Da Roggen den gleichen pH-Wert wie unsere Haut hat, ist er in der kosmetischen Anwendung besonders schonend, denn der hauteigenen Schutzfilm wird nicht zerstört.
Dieses selbstgemachte Shampoo ist zudem nicht für alle Haartypen geeignet. Zwar wirkt es sich auf leicht fettiges Haar positiv aus. Bei sehr fettiger Kopfhaut besteht jedoch die Gefahr, dass sich Schmutzpartikel mit dem Fett verbinden und das Mehlshampoo es nicht schafft, die Kopfhaut ausreichend zu reinigen und gänzlich vom Fett zu befreien.
Das Ausspülen der Haare dauert deutlich länger und verbraucht viel Wasser. Zugleich besteht die Gefahr, dass der Abfluss auf Dauer verstopft, da sich Mehlklumpen darin absetzen können.
Hier ist es sehr wichtig, dass du wirklich gründlich wäscht und deine Kopfhaut und Haare von der Mehlmischung befreist. Unsere Haarschicht öffnet sich bei Wärme und das Roggenmehl kann das Haar reinigen und nähren.
Viele Menschen versuchen möglichst „cleane“ Kosmetik zu verwenden, sprich Zusatzstoffe wie Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe zu vermeiden. Oder sie lassen die Hände ganz weg von „fertiger“ Kosmetik und machen ihre eigene mit einfachen Haushaltsprodukten. Dabei spielt auch der Zero-Waste-Gedanke eine Rolle: Denn wer seine Kosmetik selbst macht, also frisch anrührt und in wiederverwendbare Gefäße füllt, vermeidet Verpackungsmüll.
Wie bei der klassischen Haarwäsche solltest du im Anschluss noch eine Spülung nutzen. In diesem Fall heißt das: eine sogenannte saure Spülung! Sie sorgt dafür, dass sich die haareigene Schuppenschicht glättet. Dadurch verleiht sie dem Haar einen besonders schönen Glanz und mehr Fülle. Ideal für eine Spülung nach der Haarwäsche mit Mehl eignet sich beispielsweise Apfelessig.
Aus diesem Grund solltest du deine Haarwäsche mit einer sauren Rinse abschließen. Dies schüttest du über dein Haar und die Haarstruktur schließt sich durch die Säure des Apfelessigs. Für die Rinse kannst du zum Beispiel statt des Wassers auch mit Kamillentee bei hellen Haaren oder Schwarztee bei dunklen Haaren arbeiten.
Nach der Haarwäsche mit Roggenmehl-Shampoo keine weitere Spülung anwenden, um den pH-Wert auszugleichen. Eine gelegentliche saure Rinse mit Apfelessig kann aber hilfreich sein, um das Mehl vollständig aus deinen Haaren zu entfernen.
Es ist durchaus möglich, seine Haare mit Mehl zu waschen. Jedoch ist der Aufwand im Vergleich zur Anwendung eines herkömmlichen Shampoos deutlich höher. Auch wenn ein Ausprobieren dieses Trends deinen Haaren nicht unbedingt schadet, ist ein Shampoo aus Mehl für den täglichen Einsatz nur bedingt geeignet. Stattdessen solltest du lieber auf Shampoos, die die Haarstruktur reparieren, oder Volumen-Shampoos für mehr Fülle setzen.
Jeder Mensch ist einzigartig - Haare benötigen deshalb oft individuelle Pflege. Nicht für jede:n ist Roggenmehl-Shampoo die richtige Wahl.
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