Seit wann gibt es Rasierer? Eine Geschichte der Rasur

Bartwuchs und generell der Haarwuchs am Körper hat Menschen seit jeher entweder gestört oder inspiriert. Die Menschen haben schon immer ihre Körper verschönert, schon seit der Steinzeit. Hier sind die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Schönheit, der Haarpflege und der Rasur.

Deutschland durch die Jahrtausende – Von der Steinzeit bis heute | Geschichte einfach erklärt

Die Anfänge: Steinzeit und Antike

  • 164 000 v. u. Z.: Die Männer der Steinzeit legten nicht wirklich Wert auf Rasur und Haarpflege - sie waren zu beschäftigt mit dem Erlegen von Mammuts und der Abwehr von Säbelzahntigern. Es gibt allerdings archäologische Beweise, dass die ersten Menschen im südlichen Afrika zermahlenen roten Stein als Make-up verwendeten.
  • 11 000 v. u. Z.: In der Eiszeit verursachte ein starker Bart oft Erfrierungen, wenn der Wasserdampf aus der Atemluft an der Gesichtsbehaarung anfror. Die Männer verwendeten scharfe Steine und Muscheln um ihre längeren Haare abzurasieren. Höhlenzeichnungen aus dieser Zeit, die in der heutigen Ukraine entdeckt wurden, zeigen Männer mit kurzen Bartstoppeln.
  • 10 000 v. u. Z.: Die alten Ägypter verwendeten duftendes Öl, um die Haut zu pflegen, Körpergerüche zu überdecken und sich gegen die Wüstensonne und den Sand zu schützen. Um unerwünschte Körperhaare zu entfernen, verwendeten die Frauen Bimssteine, Bienenwachs und Pinzetten aus Muscheln.
  • Vor 3000 Jahren: Dienten in der Bronzezeit dann bereits erste Messer aus Metall für die Rasur.
  • Auch im alten Rom war das Rasieren verbreitet. Einerseits galt die erste Rasur eines jungen Mannes als religiöses Ritual des Erwachsenwerdens, andererseits existierte dort bereits der Berufsstand des Barbiers. Da die armen Römer natürlich nicht unseren Blog über das richtige Rasieren lesen konnten, entstand die eine oder andere Schnittverletzung. Diese behandelte man mit Spinnweben.

Das Mittelalter und die frühe Neuzeit

Vom Fall des Römischen Reiches bis zur Renaissance fanden im Bereich Schönheits- und Haarpflege nur sehr wenige technologische Fortschritte statt.

  • Um das Jahr 1200 jedoch wurden zum ersten Mal Parfüme vom Nahen Osten nach Europa importiert von Soldaten, die von den Kreuzzügen zurückkehrten.
  • Blondes Haar war unter den Frauen sehr beliebt, also färbte man die Haare mit Safran, Zwiebelschalen und Schafsurin. Die meisten Frauen bedeckten ihr Haar jedoch, da es als sexualisierend angesehen wurde. Es war üblich, das Haar zusammenzubinden, um seine Stirn zu zeigen. Manche Frauen rasierten sogar ihren Haaransatz, um diese noch größer erscheinen zu lassen.
  • Etwa um das 11. Jahrhundert begann man im Heiligen Römischen Reich, dichte Bärte und langes Haar als Symbole des Heidentums zu betrachten und propagierte Christen dazu, sich zu rasieren und die Haare zu schneiden.
  • 1560: Zur Zeit von Königin Elisabeth verwendeten Frauen Eiweiß, um ihren Teint weißer erscheinen zu lassen. Gebräunte Haut wurde um jeden Preis vermieden, da sie Bauern auszeichnete, die auf den Feldern arbeiteten.
  • 1680: Das erste Rasiermesser wurde in der britischen Stahlstadt Sheffield hergestellt.

Die Entwicklung des Rasiermessers

In der frühen Neuzeit war die Rasiermesserherstellung schon auf sehr hohem Niveau. Die Messer waren keilförmig geschliffen, an der Spitze breit und verjüngten sich zum Erl hin.

  • Als sich Modegott Ludwig XIV. rasierte, sprach man sogar vom Untergang des Bartes im Abendland.
  • Mit der Erfindung des Silver Steels geht das 19. Jahrhundert als die Goldene Ära des Rasiermessers in die Geschichte ein. Vor allem Klingen aus Sheffield und Solingen waren sehr gefragt.
  • Der Anfang des 20. Jahrhunderts ist für uns in Solingen ein absolutes Schlüsseldatum, denn die Firma DOVO wurde 1906 gegründet.

Die Erfindung der Wegwerfklinge durch King Camp Gillette

Die Erfindung der Wegwerfklinge durch King Camp Gilette im 19. Jahrhundert ist ein Meilenstein in der Kulturgeschichte der Rasur.

  • 1903: Der amerikanische Handelsvertreter King Camp Gillette begann, Nassrasierer zu produzieren. Sie waren äußerst teuer - etwa die Hälfte des durchschnittlichen Wochenlohns eines Mannes -, aber dennoch sehr beliebt. 1915 hatte er weltweit bereits 70 Millionen Klingen verkauft.
  • King Gillette arbeitete als Handlungsreisender, das war so eine Art Vertreter, der den Menschen verschiedene Dinge zu verkaufen versuchte. Um möglichst erfolgreich zu sein, wollte er immer wie aus dem "Ei gepellt" aussehen. Wahrscheinlich musste er sich jeden Morgen irgendwie rasieren und wollte Zeit sparen.
  • Man(n) musste auch nicht mehr zum Barbier gehen, sondern konnte sich problemlos selbst zuhause rasieren. Die typische Rasierklinge: scharf und flach. Damit hatte er etwas erfunden, dass nur einmal benutzt wurde und dann immer wieder produziert werden musste, die Wegwerfklinge.
  • Zunächst war es nicht ganz einfach, eine dünne, flache, aber auch extrem scharfe Stahlklinge herzustellen. Doch auch dieses Problem wurde gelöst.
  • Seine Erfindung war nicht von Anfang an erfolgreich, nur wenige Klingen wurden in den ersten Jahren verkauft, doch bald wurden es mehr und mehr. Den Durchbruch erlangte der neue Apparat im Ersten Weltkrieg, als die amerikanische Regierung 36 Millionen Rasierklingen für ihre Soldaten bestellte.
  • Auch wenn es mittlerweile elektrische Rasierapparate gibt, noch heute sieht der einfache Rasierer fast genauso aus, wie ihn King Camp Gillette um die Jahrhundertwende erfunden hat.

Der Elektrorasierer: Jacob Schick revolutioniert die Rasur

Aber erst ein US-Soldat namens Jacob Schick schafft den Quantensprung: einen elektrisch betriebenen Rasierer, der den Stoppeln mit Hilfe beweglicher Schneiden den Garaus macht.

  • Der Gründungsmythos der Elektrorasur besagt, dass Schick, am Ende des 1. Weltkriegs in Alaska stationiert, nicht mehr jeden Morgen eine Zentimeter dicke Eisdecke aufhacken will, um an das Wasser für seine Nassrasur zu gelangen.
  • Fünf Jahre arbeitet er an einem geeigneten Elektromotor, dann ist der Durchbruch da. Eine noch längere Zeit vertrödelt der junge Mann damit, einen Geldgeber für seine revolutionäre Erfindung zu gewinnen. Niemand will sie haben. Schließlich nimmt Schick eine Hypothek auf sein Haus auf und geht 1931 selbst in Produktion.
  • 1923: Oberstleutnant Jacob Schick verkaufte den ersten elektrischen Rasierer.
  • Am 18. März 1931 waren die ersten Exemplare des "Schick" in den Läden von New York City erhältlich - und waren sofort ausverkauft. 25 Dollar - das entspricht heute rund 300 Euro - legten die von der täglichen Rasur geplagten Herren für den elektrischen Trockenrasierer hin.

Nass oder trocken? Eine Frage der Philosophie

Nass oder trocken? Diese Frage spaltet seit 1931 die Gemüter. Für viele ist es eine persönliche Frage der Philosophie. Für andere wiederum eine Frage der vorhandenen Zeit.

  • Wer allerdings die Trockenrasur bevorzugt, kann sich in erster Linie bei Jacob Schick bedanken.
  • In den meisten Badezimmern der Republik findet sich heute sowohl ein Nass- als auch ein Trockenrasierer. Einfach, weil es in unterschiedlichen Situationen sinnvoll sein kann, auf das eine oder das andere Modell zurückzugreifen.

Moderne Rasierapparate und ihre Vielfalt

Heute ist der Elektrorasierer mehr als ein Rodungsgerät für schmerzfreie Kinnhygiene. Heute ist er ein optisches wie akustisches Gesamtkunstwerk. Zum einen gibt es natürlich verschiedene Modelle unterschiedlicher Marken und Hersteller.

  • So gibt es beispielsweise die ganz klassischen Rasierapparate, die in der Hauptsache für die Pflege oder Beseitigung des Barts vorgesehen sind.
  • Außerdem gibt es inzwischen auch eine Reihe von Hybrid-Geräten. Hier haben Sie einen elektrischen Rasierer, der mit einer zusätzlichen Klinge für eine manuelle Nassrasur versehen ist.
  • Zusätzlich gibt es auch Rasierer, die denen für eine normale Nassrasur komplett ähnlichsehen, die aber von Batterien betrieben, zusätzlich kleine Vibrationen bei der Rasur durch die Klinge laufen lassen.
  • Mancher elektrische Rasierapparat ist inzwischen auch komplett wasserdicht und kann auch unter einer Regendusche oder einer Dampfdusche genutzt werden.

Wenn Sie einen Rasierapparat kaufen möchten, macht es auf jeden Fall Sinn, sich vorher den einen oder anderen Test zu Rasierapparaten durchzulesen. Denn die elektrischen Rasierer kommen teilweise mit sehr unterschiedlichen Qualitätsstandards daher. Auch die Zahl der Klingen macht sich bei der Sauberkeit der Rasur und beim anschließenden Hautgefühl bemerkbar. Besonders praktisch sind elektrische Rasierer natürlich dann, wenn sie auch beim Duschen verwendet werden können. Dazu muss der Rasierapparat komplett wasserdicht sein. Außerdem sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie immer eine Steckdose in der Nähe haben oder ob Sie nicht lieber auf einen Akku-Rasierapparat zurückgreifen möchten.

Beispiele für moderne Rasierapparate

Hier sind einige Beispiele für moderne Rasierapparate, die auf dem Markt erhältlich sind:

Produkt Besondere Merkmale
Philips Shaver Series 3000X SkinProtect-Technologie, Edelstahlklingen, Nass- und Trockenrasur möglich
Philips Multigroomer Series 7000 14 Aufsätze für verschiedene Bedürfnisse, BeardSense-Technologie
Philips OneBlade Schnelle Schneideeinheit, Zweifach-Schutzsystem
Philips Series 3000 SkinProtect-Technologie, 5-dimensional bewegliche Flex-Scherköpfe

Egal wie jeder Einzelne sich nun im Glaubenskrieg zwischen Trocken oder Nass entscheidet: Wichtig scheint nur zu sein, dass man sich rasiert.

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