Die Macht der Stimme in der Popmusik: Schwarze Sängerinnen mit Glatze und andere Stimmwunder

Die Stimme ist der Motor der Popmusik. Nicht nur, weil sie uns etwas erzählt, eine Botschaft transportiert, sondern vor allem, weil sie Gefühle übermittelt, wie es kein Instrument vermag.

In diesem Artikel werden wir uns einige der einflussreichsten Stimmen der Popmusikgeschichte ansehen, darunter:

  • Aretha Franklin
  • Freddie Mercury
  • Michael Jackson
  • Nina Simone
  • Kate Bush

Und wir werden einen besonderen Blick auf schwarze Sängerinnen mit Glatze werfen, die in den letzten Jahren die Musikwelt erobert haben. Eine von ihnen ist Cynthia Erivo.

Cynthia Erivo: Style-Ikone ohne Kompromisse

Cynthia Erivo ist der Inbegriff von Power, Eleganz und Style-Attitüde. Sie singt wie eine Göttin, schauspielert wie ein Star - und kleidet sich wie eine Queen.

Sie ist ausgebildete Musicaldarstellerin, Oscar-nominierte Schauspielerin, Grammy-Preisträgerin, Tony-Award-Gewinnerin - und das alles mit einer Stimme, die ganze Konzertsäle beben lässt. Ihren Durchbruch feierte Cynthia Erivo in "The Color Purple" am Broadway. Und spätestens mit dem Biopic "Harriet" sowie ihrer Rolle im intensiven Thriller "Widows" war klar: Diese Frau ist gekommen, um Hollywood - und die gesamte Filmwelt - zu prägen.

Ob Musical, Drama oder Action: Sie spielt in Filmen mit, die Eindruck hinterlassen. Geboren in London, lebt sie heute zwischen Filmsets und Red-Carpet-Auftritten. Und die Liste ihrer Awards? Lang.

Übrigens: Die gleiche Message steht hinter Cynthia Erivos erstem Soloalbum "I Forgive You", das sie gedroppt hat - und es ist ein Feuerwerk. Soul, Pop, Gospel, Funk - Cynthia singt sich durch Schmerz, Stärke und Selbstfindung. Musik, die Gänsehaut macht und unter die Haut geht.

Cynthia ist eine Repräsentantin. Eine schwarze, queere Frau mit Glatze, Tattoos, scharfer Meinung und weichem Herz. Sie bricht Rollenbilder auf - in der Filmbranche, auf Bühnen, in der Modewelt. Ihre Looks sind mehr als Styling. Sie sind Ausdruck. Haltung.

Damit steht Cynthia Erivo für Individualität, für Verletzlichkeit und Unantastbarkeit, für Luxus und Aktivismus. Und das feiern ihre Fans. Ihre Auftritte sind nie nur Auftritte, sondern Inszenierungen. Kunstwerke. Visuelle Gedichte.

Cynthia Erivo liebt Drama-Schnitte, oversized Strukturen, opulente Stoffe und metallische Texturen. Ihre Looks erzählen Geschichten. Oft futuristisch, oft retro-inspiriert, immer powerful. Ihr Make-up? Immer on point. Von sleek bis artsy. Die Nägel? Kunstwerke für sich. Schmuck? Bold, glänzend, kompromisslos.

Weitere Stimmwunder der Popmusik

Freddie Mercury

Die anhaltende Wirkmacht von Farrokh Bulsaras meist im Tenor gehaltener Singstimme lässt sich am besten an einem Minutenbruchteil nach seinem zu frühen Ableben festmachen: Beim Tribute-Konzert zu seinen Ehren am 20. April 1992 unterbricht der fast ebenso begnadete George Michael seine emotionale Fassung von „Somebody To Love“, gibt zum Ende des Breaks das Mikro an die Fans ab: 72 000 Besucher singen ihm das langgestreckte letzte „love“ notensicher entgegen.

Michael bezeichnete den Song später als den schwierigsten, den er je zu singen hatte und den Moment als den überwältigendsten seiner Karriere. Mercury selbst sagte einst über seine drei Oktaven umfassende Stimme, dass sie sich aus der Energie des Publikums speist: „Je besser sie sind, desto besser bin ich“, eine Aufwärtsspirale. Zuletzt stand ihr 1981 erschienenes GREATEST HITS in den Top 40 der UK-Charts, in seiner 815. Woche. Diesen Rekorderfolg hat die Gruppe in erster Linie Mercurys Stimme zu verdanken.

2016 ging ein Forscher-Team deren Zauber nach und kam zu dem Ergebnis, dass bei Mercurys Gesang die sogenannten Untertöne aktiviert wurden, die eine Oktave unterhalb des eigentlichen Tons erklingen und durch Kehlgesang entstehen. Die Studie bewies auch, dass Mercurys Stimmbänder mit 7,04 Hz deutlich mehr Schwingungen pro Sekunde als gewöhnlich erzeugten.

Roger Daltrey nannte ihn den größten Rock’n’Roll-Stimmvirtuosen aller Zeiten: „Er konnte seinen Stil von Zeile zu Zeile wechseln.“ Mercury überzeugt im Metal, im 50s-Rock, im Funk, in der Falsett-Disco, in der Music Hall, im Musical, in der Oper. Freddie Mercury war als Sänger alles, was jeder andere gerne gewesen wäre.

Aretha Franklin

Es gibt Sätze, die sich ganz von selbst sagen, wenn man Aretha Franklin heißt. Sätze wie: „Sänger zu sein, ist eine natürliche Begabung.“ Bei ihr war das wohl so: eine Gabe von irgendeinem Gott oder kosmischen Wesen. Die ungeheure Kraft ihrer Stimme hat ihr den unanfechtbaren Titel als „Queen Of Soul“ eingebracht.

Diese Kraft - das ist nicht nur die Lautstärke. Das ist auch die blitzsaubere Technik, mit der sie von einem dunklen Raunen in die dünnen Lüfte eines vibrierenden Falsetts hinaufschießen kann. Die Feinheiten in der Intonierung. Ohne sie wäre keine Whitney Houston und keine Alicia Keys denkbar. Die Art und Weise, wie sie ihre Seele nach außen, in den Hall ihrer Stimme zu stülpen schien, erzählt von einer großen, verbindenden weiblichen Superkraft.

Es macht etwas mit einer Frau (vielleicht auch mit einem Mann), wenn Aretha im Refrain von „Think“ singend skandiert: „Freedom, oh freedom, give yourself freedom!“ Eine Power, die sich wie in einem Energiestrahl auf uns überträgt.

Michael Jackson

Welcher Künstler kann schon von sich behaupten, einzig und allein mit seiner Stimme einen eigenen und zugleich eigentümlichen Signature-Sound erfunden zu haben? Anstatt diese Frage nun mit einem enttäuschend schmächtigen Ergebnis zu beantworten, lohnt es sich, doch gleich der eigenen Kehle ein enthusiastisches „Ouh!“ zu entlocken. Michael Jackson zwickt sich dazu sogar noch öffentlichkeitswirksam und stimulierend in den Schritt. Hell yeah, so schreibt man Pop­geschichte!

Nicht umsonst wird dieser Mann als King bezeichnet, seine Herrschertugenden werden schon früh auf die Probe gestellt: Als in den 70er-Jahren Disco geboren wird, muss Michael sich an den Erfolgen anderer Wahnsinnskünstler des legendären Motown-Labels messen. Den Erfolg der Kollegen stellt Michael Jackson trotzdem in den Schatten. Von Natur aus scheint er das zu besitzen, wonach Jahrzehnte später in Castingshows krampfhaft gesucht wird: ein Gesamtpaket.

Seine Karriere beginnt in den 60er- und 70er-Jahren kraftvoll mit Afro und paillettenbesetzter Schlaghose in Soul und Disco. Er erfindet den R’n’B der 80er, füllt in den 90er-Jahren schließlich die ganz großen Stadien mit epochalem Weltverbesserer-Pop und zarter Engelsstimme - sie wird später von Kritikern zu Unrecht als seelenloses Pop-Produkt angeprangert.

So düster manches Lebenskapitel des zerbrechlichen, widersprüchlichen Michael auch sein mag, sein musikalisches Schaffen wurde dadurch am Ende, auch postum, niemals in Misskredit gebracht.

Al Green war der letzte Soulstar der alten Schule. Seine Musik war zunächst ein Abziehbild von Sam Cooke und Co., wurde aber in den 70er-Jahren weicher, zärtlicher - und damit passgenauer zu seiner Stimme. Er legte so den Grundstein zu dem, was später als Modern Soul bezeichnet wurde. Wo der Soul in den 60er-Jahren kraftvoll gesungen zu werden hatte, mindestens intensiv, war bei Green: alles easy, gerne auch länger als bis dahin üblich in der Kopfstimme.

Björk

Man wird kaum ein Live­video finden, in dem sie jeden Ton genau trifft. Björk war nie das Kind, das schön geübt hat. Das Ex-Hippie-Mädchen, den Ex-Punk, die Pop-Avantgardistin singen zu hören, ist immer eine Grenzerfahrung, weil sie keinen Song kennt, der sie nicht an ihre Grenzen bringt. Vor ihr versteckt sich die Routine in einem Unterwasservulkan.

Nina Simone

Nicht nur hatte Nina ­Simone eine der unverkennbaren Stimmen des Jazz, sie setzte ihr Instrument auch so ein, dass sie sich niemals einem musikalischen Stil anpasste. Ein Song von Nina Simone ist immer ein Song von Nina Simone, dann erst ist er Jazz, Rhythm & Blues, Gospel oder Soul.

In den 60er-Jahren wird sie eine der ersten Bürgerrechtlerinnen der Popmusik: Klagelieder in den Tiefen ihres Baritons. In ihrem weiteren Leben erweist sich Nina Simone aber als größter Feind ihrer selbst. Auf der Bühne wie im Leben ist sie zu erratisch und konfrontativ. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2003 bleibt sie auf diese Weise aber immer auch black and proud, sie selbst.

Kate Bush

„Wuthering Heights“, der erste selbstverfasste Song, mit dem eine Sängerin je auf Platz eins der UK-Charts stand, gleicht einem Wunder: Wie konnte Kate Bush mit 18 Jahren so einen komplexen Song schreiben (gut, die Hook mag sie zuvor in Barry ­Manilows ­„Mandy“ gehört haben)? Vor allem: Wie konnte sie so früh einen derart eigenwilligen Gesangsstil haben? Es schien, als drängten die Geister aus Jahrhunderten durch Bushs Lippen, alle zur selben Zeit! Diese Brüche mit Hörgewohnheiten imponierten Johnny Rotten so sehr, dass er Bush ein Lied schrieb, das sie dankend ablehnte „Bird In Hand“.

Otis Redding

Er hatte nur ein paar wenige Jahre, um die Wucht einer ganzen Lebensspanne in die Tonspuren einer Handvoll Studioalben zu pressen, bevor er mit 26 bei einem Flugzeugabsturz starb. Sein Gesang - das war nicht einfach eine schöne Stimme. Das waren pure, heiß eingeschmolzene Gefühle.

Es liegt etwas Angreifbares in seiner rauen und zugleich raspelweichen Stimme, das einen ohne jede Vernunft trifft: Etwas, das einen beim Hören von „These Arms Of Mine“ wieder in einen dünnhäutigen, gefühlsdurchfluteten Teenager verwandeln kann. Bei jedem anderen Sänger wäre diese Stehblues-Ballade schnulzig gewesen. Bei ihm ist sie ein erhabener Klassiker.

Frank Sinatra

Einer, dessen erstes Studioalbum THE VOICE OF FRANK SINATRA heißt, sollte auch abliefern. Sogar in „My Way“, wo er vorm finalen Vorhang seines Lebens steht, reizt er die Stimme nicht voll aus. Bescheiden singt er von seinen „Regrets“, die Stimme immer im Gleichschritt mit den Streichern. Wie ein Rennradler, der nur auf 80 Prozent seiner Kraft fährt und deshalb erholt ins Ziel kommt, bereit für ein Gläschen.

Stevie Wonder

Quer durch die 70er-Jahre riss Stevie Wonder (nicht nur) für Soul, Funk und R’n’B neue Horizonte auf - musikalisch, auch inhaltlich. Doch tatsächlich sind uns seine Gesangsperformances der 60er, herausgestellt im Motown-Sound, beinahe geläufiger. Dabei entfaltete sich mit seiner künstlerischen Freiheit auch seine Stimme.

Man kann ihn auf Alben wie SONGS IN THE KEY OF LIFE oder ­TALKING BOOK damit experimentieren hören, er lässt sie klingeln, fliegen, presst sie, setzt Punches, überführt Techniken aus Jazz und Gospel. Aber egal welche Farbe, und das ist das wahre Wonder-Wonder, am Ende vermag sie nie etwas anderes auszudrücken als Lebensfreude.

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