Die Kurzgeschichte „Schönes goldenes Haar“ von Gabriele Wohmann, verfasst im Jahr 1968, thematisiert die schwierigen Beziehungsverhältnisse innerhalb einer Familie. Sie reflektiert das gestörte Verhältnis zweier älterer Menschen, deren Beziehung sich aufgrund von Kommunikationsproblemen zum Negativen gewandelt hat. Die Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar"von Gabriele Wohmann thematisiert die...
Wie bei Kurzgeschichten üblich, so beginnt auch „Schönes goldenes Haar“ unvermittelt, die maßgebende Handlung setzt schon ein bzw. hat bereits eingesetzt. Im Szenarium eines Wohnzimmers, das von Kleinbürgerlichkeit und Spießertum zeugt, sitzt Socken stopfend eine Frau, gemeinsam mit ihrem Ehemann. Dieser betrachtet unentwegt die Zeitung, die er aufgeschlagen vor seinem Gesicht hält.
Die Mutter von Laurela sitzt dabei im Wohnzimmer zusammen mit ihrem Mann. Sie hatte ihm gerade etwas zu essen gemacht und stopft nun die Löcher in den Socken, während er Bier trinkt und Zeitung liest. Dabei ist die Mutter der Meinung, dass ihre Tochter nicht alleine mit einem Freund abends ungestört in ihrem Zimmer sein dürfte, sie hat Angst davor, dass die beiden sich näher kommen (Geschlechtsverkehr?). So versucht sie ihren Mann davon zu überzeugen, der ihr allerdings nur sehr wenig zuhört und im Grunde nur seine Zeitung lesen will. Das die Tochter Geschlechtsverkehr haben könnte versucht die Mutter ihrem Mann mit “ weisst du noch als du jung warst“ zu sagen.
Insgesamt ist er sehr passiv im Gespräch und hat eigentlich gar kein Interesse am Thema. In der Kurzgeschichte deuten sich zwei verschiedene Konflikte an.
Zum einen ist der Konflikt der Eltern um die richtige Erziehung der Tochter. So hat die Mutter vorbehalte dagegen, dass diese alleine mit einem Jungen auf ihrem Zimmer ist, während der Vater dies als nicht schlimm betrachtet. Der Konflikt wird allerdings nicht gelöst, nicht zuletzt aufgrund des eigentlichen Desinteresse des Vaters.
Der zweite, eigentlich viel größere Konflikt, ist das Verhältnis von Mutter und Vater. So sieht sie nur die ganze Zeit seine „dicken klauenartigen „Hände und seinen dicken Bauch, was darauf schließen lässt, dass sie ihn nicht mehr attraktiv findet. Er ist dagegen recht genervt von ihr und hat überhaupt kein Interesse sich mit seiner Frau zu unterhalten, empfindet ihre Versuche als störend beim Zeitung lesen und Bier trinken.
Dies lässt darauf schließen dass die Beziehung der Eltern schon lange nur noch augenscheinlich und zweckdienlich ist.
Die Handlung spielt an einem typischen Abend des Ehepaares in ihrer Wohnung. Während der Mann sich von seiner Frau bedienen lässt, stopft sie Socken und denkt über ihr Liebesleben nach.
Die Geschichte kann man in drei Teile einteilen. Im ersten Teil wird dargestellt wie die Frau verzweifelt versucht mit ihrem Mann ein Gespräch über die eigene Beziehung zu führen. Die Tochter hält sich währenddessen zusammen mit ihrem Freund im Obergeschoss auf. Später, im zweiten Teil, wird die Sichtweise des Mannes dargelegt. Er reagiert genervt und wirkt deutlich desinteressiert.
In der ganzen Kurzgeschichte liegt ein Er-/Sie-Erzähler vor, welcher das Geschehen im personalen Erzählverhalten an den Leser vermittelt. Während anfangs die Situation aus der Sicht der Frau geschildert wird, erfolgt später ein Perspektivwechsel und der Leser erhält einen Einblick in die Gedanken des Mannes. Außerdem ist Wohmanns Kurzgeschichte im Präteritum und enthält viel direkte Rede als auch erlebte Rede.
Die Erzählperspektive in "Schönes goldenes Haar" ermöglicht es dem Leser, die Gedanken und Gefühle der Frau nachzuvollziehen. Ihr innerer Monolog offenbart ihre Ansichten und Meinungen, wie zum Beispiel: "Ist es überhaupt ein Vergnügen für Frauen" (Z.
Schon am Anfang fällt auf, dass weder Frau noch Mann beim Namen genannt werden, ein Hinweis auf Emotionslosigkeit und die Distanz zwischen den Eheleuten. Die Kurzgeschichte beginnt mit dem Satz „Ich verstehe dich nicht“ (V. 1), welchen die Frau zu ihrem Mann sagt. Typisch für Kurzgeschichten wird der Leser ohne Einleitung mitten ins Geschehen hineingeworfen. Seine Aufmerksamkeit wird so bereits am Anfang angeregt. Die Frau wirft ihrem Mann vor, er blicke der Zukunft seiner Tochter emotionslos und gleichgültig entgegen. So wird das Desinteresse des Ehepartners schon angedeutet.
Während die Frau damit beschäftigt ist seine Socken zu stopfen, liest der Mann die Zeitung. Hier wird die Rollenverteilung bereits angedeutet, indem die Frau deutlich die Rolle der Hausfrau übernimmt. Immer wieder möchte sie ihren Mann zur aktiven Teilnahme am Gespräch anregen (vgl. Z. 11, Z. 21), doch anstatt eine Antwort zu erhalten, reagiert der Mann nur mit Knistern der Zeitung (vgl. Z. 8). Als sie ihn beobachtet, fällt ihr auf, dass neben seinen „fetten Krallen“ (V. 9) nicht mehr von ihm da ist. Der Mann zeigt keinerlei Gefühlsregung und geht weder emotional noch verbal auf seine Ehefrau ein. Man kann fast sagen, er geht dem Gespräch absichtlich aus dem Weg und versteckt sich hinter der „Wand der Zeitung“ (V. 8). Die „Wand“ stellt hier deutlich eine Blockade zwischen den Eheleuten dar, welche nicht fähig sind, miteinander zu kommunizieren.
Es scheint, als hätte der Mann bereits mit seiner Jugend abgeschlossen (vgl. V. 12). Außerdem wird unterstrichen, dass die beiden Partner bereits früher andere Vorstellungen einer Beziehung hatten. Seine damaligen Wünsche werden als deutlich abwertend, komisch und dreist (vgl. V. 13) beschrieben. Zwischen den Ehepartnern gibt es so kaum Gefühlsregung, da sie offensichtlich andere Auffassungen einer Beziehung haben. Womöglich macht es der Mutter deshalb Mühe „sich Laurela vorzustellen“ (V. 28). Außerdem auffällig ist, dass der Freund von Laurela im kompletten Gegenteil zu dem Ehemann steht, denn dieser wird als nett und höflich (vgl. V. 16) beschrieben. Selbst der Freund, Herr Fetter wird namentlich erwähnt, während die beiden Protagonisten namenlos bleiben.
Als der Ehemann weiterhin nicht antwortet, beginnt die Frau über ihre Rolle in einer Beziehung nachzudenken, dabei sieht sie sich als Opferlamm (vgl. V. 18) und verdeutlicht klar, dass sie keine Freude und kein Vergnügen mehr verspürt (vgl. V. 17). Erst nachdem die Frau schon jammert (vgl. Z. 21) um ihre emotionale Leere zum Ausdruck zu bringen, äußert sich der Mann zum ersten Mal, jedoch reagiert er deutlich wütend und genervt von der Situation, so knüllt er die Zeitung zusammen (vgl. Z. 23) und bringt sein Unverständnis zum Ausdruck (vgl. Z. 25). Der Mann möchte am liebsten in Ruhe gelassen werden und der Gesprächssituation entkommen. Als die Frau dann aber wieder versucht ins Gespräch zu kommen, hebt er schnell „wieder die Zeitung vors Gesicht“ (Z. 30). Er distanziert sich so sichtlich. Das fällt auch seiner Frau auf, so versucht sie ihre Wut abzubauen, indem sie mit der „heißen Faust“ (V. 28) die Wolle bündelt. Die Faust steht deutlich für ein Symbol von Wut und Aufregung.
Das Verhältnis zwischen den Eheleuten muss sich verändert haben, so scheint die Erinnerung nur noch „ausgeblichen“ (V. 28). Den Mann beschreibt die Frau sehr abwertend und anwidernd, so rülpst er Zufriedenheit aus dem prallen Stück Bauch. Die Darstellung als „Hausfrau“ wird an dieser Stelle gut verdeutlicht, so versorgt die Frau ihren Mann immer gut, schmückt sogar sein Fleisch (vgl. V. 27) und stopft ihm die braunen Socken. Diese Farbbeschreibung deutet offensichtlich die schon abgekühlte und triste Atmosphäre zwischen den Eheleuten an.
Nach dem Perspektivwechsel (V. 31) gewinnt der Leser einen Einblick in die Gefühlswelt des Mannes. Er vergleicht die Frauen mit Hühnern (vgl. V. 32), welche dauernd gackern und immer jemandem zum Reden brauchen. Als ihm jedoch auffällt, die Frau könnte womöglich keinen mehr zum Reden haben, wenn die Tochter auszieht (vgl. V. 33 ff.), wird ihm unwohl und er schaltet schnell das Radio an, um dieser Vorstellung zu entkommen (vgl. V. 35).
Nachdem der Mann sich der Konversation entzogen hat, presst die Frau „das Stopfei gegen den Magen“ (V. 37). Sie zeigt so ihre Wut und Enttäuschung. Das Einzige, was ihr noch Freude bereitet, ist ihre Tochter. Sie repräsentiert Lebensfreude, was die Beschreibung ihrer goldenen Haare sowie die des blauen Kleids (vgl. V. 39) verdeutlicht. Die Farbe „Blau“ kann ihr deutlich ihre Sehnsucht nach einer leidenschaftlichen Beziehung symbolisieren.
Die Mutter ist stolz auf ihre Tochter, aber obwohl beide Elternteile diesen Stolz teilen könnten, zeigt sich der Vater erneut emotionslos (vgl. V. 46). Die Distanz der beiden Ehepartner wird schließlich erneut durch die Beschreibung „seine und ihre Tochter“ (V. 49) unterstrichen. Die Geschichte endet mit einem gespaltenen Gefühl der Mutter, so verspürt diese Mitleid und stolze Verwunderung zugleich (vgl. Z.
Die Frau klagt, wie ihr Mann nur so in aller Seelenruhe herumsitzen und es gleichgültig hinnehmen könne, dass „da oben“ - sie zeigt mit dem Finger auf die Decke des Zimmers - seine Tochter sei, die sich in diesem Moment offenbar mit einem jungen Mann vergnügt. Der Mann rührt sich jedoch nicht, er scheint in die Zeitung vertieft, und das einzige, was seine Frau von ihrem Gatten wahrnehmen kann, sind die Fingerkuppen, die links und rechts der Zeitung hinter dieser herausschauen; seine „fetten Krallen“, die sich um die „Zeitungswand krampften“.
Im gleichen Satz wirft sie dem Gatten nun an den Kopf, dass er wohl vergessen habe, wie es ist, jung zu sein. Weil er ihr wieder nicht antwortet, verfällt die Frau nun in Gedanken, denen sie anschließend nachhängt. Was die wohl oben trieben, denkt sie, und wenn es das ist, was sie glaubt, ob es der Tochter auch Spaß bereitet? Sie ist sich unsicher, da sie Frauen in dieser Beziehung nur als Opfer sieht.
Wieder sagt sie dem Mann, dass sie das Verhalten der Tochter nicht nachvollziehen kann. Wieder spricht sie den Gatten an und konfrontiert ihn mit den gleichen Vorwürfen wie zu Beginn, weswegen er so gleichgültig ist, doch mehr als ein Wispern ist ihm nicht zu entlocken. In Gedanken wirft sie ihm auch vor, dass ihr eigenes Leben unerfüllt sei. Wieder sagt sie, sie verstehe ihn nicht.
Sie entgegnet ihm daraufhin, dass er selbst nie wirklich jung gewesen sei, während er vorgibt wieder Zeitung zu lesen, doch nun ist es der Mann, den die Gedanken umtreiben, wie die Jugend denn gewesen war, doch bald kommt er zu dem Schluss, dass er nur seine Ruhe haben möchte. Dabei schaltet er aus Verlegenheit vor seiner eigenen Stummheit das Radio ein. Die Frau erkennt, dass fortan jeder einzelne Abend in ihrem Leben so verlaufen wird, und sie fürchtet sich, dass die Tochter bald auf eigenen Füßen stehen wird.
Sie muss nun fortwährend an die geliebte Tochter denken, wie hübsch diese ist und prächtig ihr Haar, ihr blondes Haar. Diesen Gedanken teilt sie ihrem Mann mit, der daraufhin die Seiten seiner Zeitung beiseiteschiebt, um der Frau zu antworten. Weil er vom Schweigen einen trockenen Rachen hat, greift er sich nun das mit Bier gefüllte Glas und trinkt schmatzend daraus. Davon angeekelt, versinkt die Frau wieder in Gedanken an das goldene Haar der Tochter und fährt mit dem Stopfen der Socken fort.
Dabei denkt sie, dass der Mann den Ruhm einer hübschen Tochter nicht verdiene, schließlich habe sie die Erziehung allein zu verantworten und auch noch den Mann durchzufüttern gehabt. Voller Selbstmitleid stellt sie fest, dass das Schicksal es mit ihr nicht gut meinte, doch sich vom Mann trennen?
Die Frau denkt über ihre Jugend nach und ihr fällt auf, dass sie nur noch dazu da ist, ihren Mann zu verpflegen und dass ihre Wünsche und sie selbst dabei viel zu kurz kommen.
So fokussiert sich die Ehefrau gedanklich auf ihr eigenes Selbstmitleid und stellt immer mehr fest, wie sie und ihr Mann sich voneinander entfernt haben (vgl. Z. 24). Ihre Aussage zu Laurelas schönem Haar scheint eher ein lauter Gedanke als ein aktiver Kommunikationsversuch zu sein, jedoch reagiert ihr Mann hier ein zweites Mal. Sein „Na klar“ (Z.
Die sprachlichen Mittel in "Schönes goldenes Haar" sind charakteristisch für eine Kurzgeschichte. Beispiel: Die Frau wiederholt mehrfach den Satz "Ich versteh's nicht" (vgl. Z.
Die Analyse der sprachlichen Mittel in "Schönes goldenes Haar" zeigt, wie Wohmann die innere Zerrissenheit der Protagonistin durch den Kontrast zwischen ihren Gedanken und ihrem äußeren Handeln darstellt. Die Symmetrie zwischen Gedankenwelt und körperlichen Reaktionen wird deutlich: "fleckt Aufregung ihr Gesicht" Z.3/4Z.
Charakterisierung: Der Mann wird als passiv und desinteressiert dargestellt, mit einem "prallen Stück Bauch" (Z.
Die Analyse der Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar" von Gabriele Wohmann setzt sich auf der zweiten Seite mit der detaillierten Betrachtung der Kommunikationsprobleme fort. Das dritte Axiom Watzlawicks, welches besagt, dass jede Kommunikation aus einer Inhalts- und einer Beziehungsebene besteht, wird in der Geschichte deutlich. Die Frau versucht auf der Beziehungsebene zu kommunizieren, indem sie auf ihre gemeinsame Vergangenheit anspielt.
Das vierte Axiom, das sich auf digitale und analoge Modalitäten der Kommunikation bezieht, findet sich im Verhalten der Frau wieder.
Beispiel: Digital: "Man könnte meinen du hättest deine eigene Jugend vergessen" Z.9/10Z.
Beispiel: Analog: Sie "lächelt steif, schwitzend zu ihm hin" Z.32−33Z.
Die Charakterisierung des Mannes wird durch seine knappen Antworten und sein Fluchtverhalten vervollständigt. Zitat: "Na was denn, Herrgott noch mal, du stellst dich an" (Z.
Die Kommunikation in dieser Geschichte läuft analog über alle drei Kanäle ab. Besonders wichtig sind die paraverbale Kommunikation der Frau und die nonverbale Kommunikation des Mannes. Das Ziel aufseiten der Frau ist es, sich mit ihrem Mann an die gemeinsame Jugend zu erinnern, allerdings werden ihre Appelle nicht angemessen decodiert. In dieser Kommunikationssituation liegt die Rolle des Senders fast ausschließlich bei der Frau und die des Empfängers dementsprechend beim Mann.
Allerdings sendet auch Letzterer durch das Verdecken des Gesichts und die demonstrative Nichtbeachtung seiner Frau einen Code (erstes Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren): Er möchte nicht gestört werden und scheint die gemeinsame Ehe (noch) nicht als gescheitert wahrzunehmen. Er scheint generell die Beziehung zu dominieren, was in Bezug auf die Entstehungszeit des Textes noch plausibler erscheint. Man kann also davon ausgehen, dass zwischen den Eheleuten schon seit längerer Zeit ein komplementäres Verhältnis entstanden ist, in dem die Frau um Aufmerksamkeit buhlen muss (vgl. Z. 17) (fünftes Axiom: Es gibt symmetrische und komplementäre Kommunikationen). Generell lässt sich auch aus den Gedanken der Frau lesen, dass sie selbst in der Beziehung zu kurz zu kommen scheint und sich hauptsächlich darum kümmert, ihren Mann zufriedenzustellen (vgl. Z. 22, 23). Vor diesem Hintergrund verhält sich die Frau zwar aufdringlich, wirkt aber trotzdem durch die fehlende Zurkenntnisname zunehmend verunsichert und eingeschüchtert.
Sie versucht ihrem Mann mitzuteilen, dass sie sich mit ihm ebenfalls die Intimität und Leidenschaft, welche sie in diesem Augenblick bei ihrer Tochter vermutet, wünscht. Dies versucht sie über die Beziehungsebene auszudrücken. Indem sie den Satz „Nein, ich versteh’s nicht“ (Z. 17) häufig wiederholt, möchte sie ihrem Mann klarmachen, dass sie sich durch seine - vermutlich nicht nur in dieser Situation stattfindende - Gleichgültigkeit gestört und einsam fühlt. Auf der Beziehungsebene sagt sie etwas wie „Wir waren doch auch mal so, warum hast du dich so verändert?“. Ihr Mann zeigt jedoch mit seiner ersten verbalen Reaktion „Na was denn, was denn, Herrgott du stellst dich an“ (Z. 21), dass er nicht auf dem Beziehungs - sondern auf dem Sachhinweisohr gehört hat und untermauert sein Unverständnis vermutlich paraverbal durch einen gereizten Unterton. Auf der Beziehungsebene drückt er damit, vermutlich eher unterbewusst aus, dass aus seiner Sicht in der Beziehung alles in Ordnung ist.
Betrachtet man den historischen Hintergrund, lässt sich schließen, dass der Text deutlich die Rollenklischees und die Rollenverantwortung in einer Beziehung kritisiert. Wohmann ist bekannt dafür die gesellschaftlichen Erwartungen und die Tradition zu kritisieren. Oft stellt sie den Konflikt zwischen dem eigenen Willen und dem der Tradition dar. Ihre Werke sind oft von Kommunikationsproblemen geprägt.
An der Tatsache, dass das Kommunikationsverhalten in der Geschichte komplimentär ist, lässt sich auch das eigentliche Kommunikationsproblem des Ehepaares erkennen. Die Frau redet überwiegend und will ihren Mann zum Reden und Nachdenken anregen, dieser jedoch geht kaum darauf ein, da es für ihn keinen Grund dazu gibt. Er versteht die Appelle seiner Frau nicht und fühlt sich angegriffen. Die Frau will jedoch lediglich an ihren Mann appellieren, sich noch einmal an damals zu erinnern und wieder ein bisschen so zu werden wie früher. Damit offenbart sie außerdem über sich selbst, dass sie mit der Ehe und der Situation unzufrieden ist. Dies bemerkt ihr Mann jedoch nicht und offenbart ihr lediglich, dass er zu frieden ist, so wie es ist.
Es gibt jedoch nicht nur bei diesen Aspekten der Kommunikation Probleme zwischen den beiden, sondern auch auf der Beziehungs- und Inhaltsebene. Mit dem Satz „als wärst du nie jung gewesen“, drückt die Frau über ihre Beziehung aus, dass sie sich eine Veränderung zwischen sich und ihrem Mann wünscht. Der Mann scheint jedoch gar nichts aus dieser Aussage über die Beziehung der beiden zu verstehen und registriert nur den Sachinhalt, dass er wohl nie jung gewesen wäre. Erst nachdem er zu seiner Frau schaut und „[…] in ihr redseliges Gesicht […]“ (Z.41.) blickt, wird ihm die Verzweiflung seiner Frau klar, und dass sie nach dem Auszug der Tochter niemanden mehr richtig zum reden haben wird. An dieser Stelle befindet sich auch der Wendepunkt der Geschichte, da der Mann zum ersten Mal die Probleme seiner Frau ein wenig versteht.
Insgesamt beschreibt Gabriele Wohmann in dieser Erzählung die gescheiterte Kommunikation zweier Eheleute besonders anschaulich. Mittels vielen ausdrucksstarken Begriffen, dem Perspektivwechsel zur Sicht des Mannes sowie der verwendeten erlebten Rede, gelingt es ihr dem Leser einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt beider Eheleute zu geben.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar" von Gabriele Wohmann ein eindringliches Porträt einer Ehe zeichnet, in der Kommunikation und gegenseitiges Verständnis fehlen.
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