Komplett kahle Stellen auf der Kopfhaut oder gar eine Glatzenbildung kommen in der Regel vor allem bei Männern vor - im Rahmen des sogenannten erblich bedingten Haarausfalls. Doch auch andere Formen des Haarausfalls können eine Rolle spielen. Im Folgenden werden verschiedene Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten beleuchtet.
Von 1.000 Personen erkrankt etwa eine im Laufe des Lebens am kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata). Meist werden dann auf der Kopfhaut kreisförmige oder ovale Bereiche sichtbar, in denen keine Haare mehr wachsen. Auch der Bart kann betroffen sein.
Im Anfangsstadium fällt meist eine etwa münzgroße, runde oder ovale Stelle auf, an der die Haare ausgefallen sind. Im Laufe einiger Wochen wird die Stelle größer. Auch können weitere kahle Bereiche hinzukommen. In den meisten Fällen betrifft der Haarausfall die Kopfhaut.
Die betroffenen Hautpartien sind komplett unbehaart und wirken "wie leergefegt". Sie sind klar von behaarten Partien abgegrenzt. Die kahlen Stellen weisen keine besonderen Auffälligkeiten auf, sondern wirken - abgesehen von den fehlenden Haaren - unverändert.
An den Rändern einer kahlen Stelle können kurze Haare zu finden sein, deren Form an ein Ausrufezeichen erinnert: Die Haare werden zur Wurzel hin schmaler. Sie lassen sich relativ leicht herausziehen.
Nicht nur auf dem Kopf, auch in der Region des Barts kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Für betroffene Männer können die gut sichtbaren Lücken im Bart sehr belastend sein - und unter Umständen bedeuten, sich zumindest vorübergehend vom Bart zu trennen.
Fachleute gehen davon aus, dass kreisrunder Haarausfall durch Autoimmunprozesse ausgelöst wird. Das bedeutet: Immunzellen greifen irrtümlich die Haarfollikel an und rufen dort eine Entzündung hervor. In der Folge stoppt das Haarwachstum und die Haare fallen im betroffenen Bereich aus. Die genauen Ursachen dafür sind unklar.
Viele Patientinnen und Patienten leiden zugleich unter anderen Autoimmunerkrankungen. Dazu zählen zum Beispiel:
Auch neigen Erkrankte häufig zu Allergien (Atopie).
Bis heute steht nicht fest, warum genau und wann kreisrunder Haarausfall entsteht. Offenbar spielt bei der Entstehung aber erbliche Veranlagung eine Rolle. Bis zu zwei von zehn Erkrankten haben mindestens eine Person im Verwandtenkreis, die ebenfalls mit kreisrundem Haarausfall zu tun hat oder hatte.
Fachleute diskutieren, ob psychischer Stress bei der Entstehung eine Rolle spielt. Demnach könnte der kreisrunde Haarausfall durch starke Stressphasen und/oder seelische Belastungen ausgelöst werden. Eindeutige Belege für diese Annahme gibt es jedoch bislang nicht. Möglicherweise sind auch Infektionen oder Umwelteinflüsse an der Entstehung beteiligt.
Bei Beschwerden mit Haut oder Haaren ist eine hautärztliche (dermatologische) Praxis die richtige Adresse. Erste Anlaufstelle kann aber auch zunächst die Hausärztin oder der Hausarzt sein.
Hinweise auf eine mögliche Alopecia areata ergeben sich im Gespräch. Die Ärztin oder der Arzt wird zum Beispiel wissen wollen:
Die Ärztin oder der Arzt wird sich anschließend die Haut genauer anschauen. Die typischen kahlen Stellen auf der (Kopf-)haut legen die Diagnose nahe. Möglicherweise lassen sich an den Rändern der kahlen Bereiche zudem die typischen sogenannten Ausrufezeichenhaare finden, die zur Haarwurzel hin schmaler werden.
Da Menschen mit kreisrundem Haarausfall oft weitere Autoimmunerkrankungen haben, sollten diese ausgeschlossen beziehungsweise diagnostiziert werden. Wichtig ist zudem, Erkrankungen auszuschließen, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können. Zum Beispiel können kahle Hautstellen auch im Rahmen eines Pilzbefalls entstehen.
Heilbar ist kreisrunder Haarausfall nicht. Jedoch bildet er sich in vielen Fällen von allein wieder zurück. Ist der Haarausfall nur gering ausgeprägt und/oder fühlt sich die Person dadurch nicht sehr belastet, kann daher zunächst Abwarten sinnvoll sein. Was aber tun, wenn der kreisrunde Haarausfall immer weiter voranschreitet?
Gegen kreisrunden Haarausfall stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine Erfolgsgarantie bieten sie allerdings nicht. Auch helfen sie oft nur kurzzeitig, sodass der Haarausfall wieder auftritt, sobald die Behandlung beendet ist.
Kreisrunder Haarausfall wird häufig mit kortisonhaltigen Präparaten (Glukokortikoiden) behandelt, etwa mit Cremes, Lösungen oder Injektionen. Glukokortikoide sollen die Entzündung der Haarwurzeln stoppen, sodass die Haare wieder nachwachsen. Allerdings hält die Wirkung meist nur vorübergehend an und die Medikamente sollten nicht länger als einige Wochen verwendet werden. Nur in Einzelfällen können kortisonhaltige Tabletten zum Einnehmen sinnvoll sein.
Ebenfalls antientzündlich sollen Zinkpräparate wirken. Da sie kaum mit Nebenwirkungen verbunden sind, kommen sie häufiger bei Kindern und Jugendlichen mit kreisrundem Haarausfall zum Einsatz. Ihre Wirkung ist jedoch nicht gesichert.
Als relativ wirksame Behandlungsmethode gilt die Immuntherapie (Reiztherapie). Ziel ist, mit Wirkstoffen wie Diphenylcyclopropenon (DCP) oder Quadratsäuredibutylester (SADBE) absichtlich ein Kontaktekzem auszulösen. Die Wirkstoffe werden als Lösung auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen. Auf diese Weise soll das fehlgeleitete Immunsystem sozusagen "abgelenkt" werden und sich nicht mehr gegen die Haarfollikel richten. Gelingt dies, können die Haare nach ein bis sechs Monaten wieder wachsen.
Wie lange der Haarausfall bei einer Alopecia areata anhält und wie gut die Prognose ist, lässt sich nicht vorhersehen. Vielmehr verläuft die Erkrankung bei jedem anders.
Die Chancen, dass die Haarpracht auch ohne Therapie zurückkehrt, stehen jedoch gut - allerdings ist dabei Geduld gefragt. Bei etwa einem Drittel der Patentinnen und Patienten wachsen die Haare innerhalb von sechs Monaten wieder. Zwischen fünf bis acht von zehn Patientinnen und Patienten haben nach einem Jahr keine Beschwerden mehr. In manchen Fällen sind die Haare dann oft zunächst dünner als vorher und weniger pigmentiert.
Bei einem Teil der Erkrankten treten die kahlen Stellen jedoch nach kurzer Zeit erneut auf. Und bei manchen bleibt das Haarwachstum über Jahre aus. Insgesamt ist die Chance auf eine Spontanheilung vor allem bei den schweren Verlaufsformen des kreisrunden Haarausfalls geringer. Der Verlauf der Alopecia areata ist also sehr unterschiedlich.
Die Aussichten auf Heilung gelten als ungünstiger, wenn:
Die mit Abstand häufigste Form von Haarausfall ist der erblich bedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt. Er ist bei 95 Prozent der von Haarausfall Betroffenen die Ursache des übermäßigen Haarverlusts.
Bei Männern nimmt der Haarausfall einen typischen Verlauf. Auch im Bereich der Tonsur kann sich eine kahle Stelle bilden. Das Ausmaß des Haarausfalls ist bei jedem Menschen individuell. In extremen Fällen kann dieser Haarkranz nur noch drei bis vier Zentimeter breit sein. Der Beginn liegt meist um die Menopause, also ab dem 50. Das typische männliche Muster mit Geheimratsecken tritt bei Frauen meist nicht auf.
Die Ursache für erblich bedingten Haarverlust ist hormonell. Im Körper eines Mannes befindet sich das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Durch das Enzym 5-alpha-Reduktase wird Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt - eine biologisch sehr wirksame Form. Bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu erblich bedingtem Haarausfall reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf das Hormon DHT.
DHT verkürzt die Wachstumsphase der Haare und sorgt dafür, dass sie vorzeitig in die Ruhephase eintreten. Dadurch fallen die Haare früher aus, können nicht mehr so lang wachsen und werden dünner. Außerdem geht man davon aus, dass Frauen durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen vor Haarausfall geschützt werden. Wenn aber der Östrogenspiegel sinkt, zum Beispiel nach den Wechseljahren, oder starken Schwankungen unterworfen ist, zum Beispiel bei einer Schwangerschaft oder dem An- und Absetzen der Pille, kann der Haarausfall bei Frauen ebenfalls zum Tragen kommen.
Die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber DHT wird durch mehrere genetische Faktoren beeinflusst und ist deshalb bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt. Außerdem ist es so, dass die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem DHT nicht überall auf der Kopfhaut gleich ist. Die Haarwurzeln im Bereich der Schläfen reagieren sehr stark darauf, die Haarwurzeln im Bereich des Hinterkopfs sehr viel weniger. Dadurch bedingt sich das Muster des Haarverlusts: An den Schläfen fallen die Haare zuerst aus, während sie am Hinterkopf in der Regel stehen bleiben.
Die Annahme, dass erblich bedingter Haarausfall nicht verhindert bzw. behandelt werden kann ist falsch. Der Haarverlust ist bis zu einem gewissen Grad sogar reversibel, kann also rückgängig gemacht werden. Durch Stärkung der Haarwurzeln kann das Fortschreiten des Haarausfalls verlangsamt werden - dies führt zu einer höheren Haardichte. Hierfür kommen u.a. folgende Medikamente und regenerative Therapieansätze in Frage.
Daneben sollte jeder von Haarausfall Betroffene auf eine gesunde Ernährung achten. Denn nur wenn die Haarwurzeln ausreichend Proteine, Vitamine und Spurenelemente erhalten, können sie ein gesundes Haar wachsen lassen.
All dies sind Möglichkeiten, den Haarausfall zu verlangsamen, im besten Fall zu stoppen und inaktive Haarwurzeln zu reaktivieren. Sie sind jedoch nur wirksam, wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Im Verlauf des Haarausfalls degenerieren die Haarwurzeln zunehmend.
Diffuser Haarausfall bei Frauen & Männern zählt zu den weniger bekannten, aber nicht seltenen Formen des Haarverlusts. Anders als beim genetischen Haarausfall dünnt das Haar gleichmäßig am gesamten Kopf aus - ohne kahle Stellen, aber mit sichtbarer Lichtung.
Die Auslöser für diffusen Haarausfall sind vielfältig: Hormonelle Veränderungen, Nährstoffmängel wie Eisen- oder Vitamin-D-Defizite, chronischer Stress, bestimmte Medikamente oder auch Schilddrüsenstörungen. Besonders Frauen sind durch Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre häufiger betroffen.
Oft handelt es sich bei diffusem Haarausfall um eine vorübergehende Reaktion des Körpers. Das bedeutet: Wird die zugrunde liegende Ursache erkannt und gezielt behandelt, können sich die Haarwurzeln wieder regenerieren.
Diffuser Haarausfall bei Frauen & Männern ist häufig eine Folge dieser modernen Lebensumstände und tritt in vielen Fällen zeitverzögert auf.
Wenn Sie bei sich selbst oder einem Familienmitglied diffusen Haarausfall bei Frauen & Männern bemerken, ist der Hausarzt oft die erste Anlaufstelle. Im Rahmen eines ausführlichen Anamnesegesprächs werden aktuelle Beschwerden, die Krankengeschichte und familiäre Vorbelastungen erfragt. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der Haut und Haare genau betrachtet werden. Der Arzt achtet auf Rötungen, Schuppen, kahle Stellen oder Entzündungszeichen auf der Kopfhaut.
Zusätzlich werden Blutwerte und oft auch eine Urinprobe angefordert, um mögliche Mängel an Eisen, Zink, Vitamin D, Folsäure oder Biotin zu erkennen.
Für eine genauere Diagnose kann ein Hautarzt weiterführende Tests veranlassen. Dazu gehört der sogenannte Zupftest, bei dem etwa zehn Haare mit gleichmäßigem Zug herausgezogen werden. Fallen dabei mehr als drei bis vier Haare aus, gilt das als Hinweis auf relevanten Haarausfall. Ein Trichogramm liefert noch präzisere Ergebnisse: Dabei werden 50-100 Haare ausgezupft und unter dem Mikroskop auf Wachstumsphasen und Wurzelveränderungen untersucht. In seltenen Fällen kann eine Kopfhautbiopsie notwendig sein.
Da diffuser Haarausfall bei Frauen & Männern häufig durch zugrunde liegende Erkrankungen oder Nährstoffmängel ausgelöst wird, besteht der erste Therapieschritt in der sorgfältigen Ursachenforschung.
Die Behandlung von diffusem Haarausfall richtet sich stets nach der identifizierten Ursache. In vielen Fällen, wie etwa nach einer Schwangerschaft oder einer abgeschlossenen Chemotherapie, normalisiert sich der Haarwuchs von selbst. Bei nachgewiesenem Nährstoffmangel können gezielte Nahrungsergänzungsmittel oder eine Ernährungsumstellung helfen. Hormonelle Störungen wie Schilddrüsenstörungen lassen sich meist medikamentös gut einstellen. Pilzinfektionen oder bakterielle Entzündungen der Kopfhaut werden je nach Schweregrad topisch (lokal) oder systemisch (innerlich) mit Antimykotika oder Antibiotika behandelt.
Wenn die Ursache des diffusen Haarausfalls erfolgreich behandelt oder ausgeschlossen wurde, setzt das Haarwachstum in vielen Fällen wieder ein. Dennoch kann es vorkommen, dass das neue Haar feiner, brüchiger oder in geringerer Dichte nachwächst.
Es gibt verschiedene Methoden, um das Haarwachstum anzuregen:
Wenn der Haarausfall gestoppt wurde, kann eine Haartransplantation der letzte Schritt sein, um vorhandene Lücken aufzufüllen. Da die Haare am Hinterkopf, die selbst in fortgeschrittenen Stadien noch stehen, deutlich resistenter gegenüber DHT sind, können diese gut als Spenderhaare verwendet werden. Aber auch andere Körperhaare kommen dafür in Betracht.
Wer noch über genügend Spendermaterial verfügt, hat gute Chancen, mit der Haartransplantation wieder das gewünschte Aussehen zu erreichen.
Das Wichtigste bei einer Haartransplantation ist, dass der Haarverlust vorher gestoppt wurde. Wer unter einem sehr ausgeprägten Haarverlust leidet, sollte sich von einem Haarausfallexperten genau beraten lassen, ob eine Haartransplantation für ihn infrage kommt. Denn nur bei ausreichend Spenderhaar, sei es vom Hinterkopf oder von anderen Teilen des Körpers, kann eine Transplantation erfolgreich sein.
Die Kosten einer Haartransplantation hängen stark vom Aufwand und der Anzahl der benötigten Transplantate ab. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung, wird also nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt eine Vielzahl an medikamentösen, bioregenerativen oder natürlichen Methoden, um Glatzenbildung zu stoppen oder zu verlangsamen. In den meisten Fällen können dadurch gute Erfolge erzielt und das Haarbild deutlich verbessert werden.
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