Die Schlümpfe und der Ursprung von Schlumpfines blauen Haaren

Vor 60 Jahren eroberten die Schlümpfe das Comic-Genre im Sturm. Bis dahin dominierte der US-Markt die Welt der gezeichneten Helden.

Die geheimnisvollen Wesen mit leuchtend-blauer Haut, weiß farbenen phrygischen Mützen und größtenteils einheitlich weißen, die Füße umschließenden Hosen, sind wohl mit die berühmtesten europäischen Comicfiguren aller Zeiten.

Erstmals erschienen die blau-weißen Wesen des Belgiers Peyo am 23. Oktober 1958 in der neunten Episode der Serie "Johann und Pfiffikus".

Peyo, der mit bürgerlichem Namen Pierre Culliford hieß, wurde am 25. Juni 1928 in Brüssel geboren. Der Vater war englischer Herkunft, die Mutter Belgierin.

Von seiner Kindheit ist überliefert, dass er sich schon früh für das Lesen von Comics begeisterte und auch liebend gern zum Zeichenstift gegriffen hatte. Vor allem die Arbeiten seines belgischen Landmanns Hergé, der ab 1929 mit den Comicfiguren „Tim und Struppi" für Furore gesorgt hatte, und die von Walt Disney hatten es ihm besonders angetan.

Nach dreimonatigem Studium an der Brüsseler Akademie der Schönen Künste fand er im Alter von 17 Jahren eine Anstellung beim Brüsseler Trickfilmstudio CBA. Ähnlich wie sein etwa gleichaltriger Landsmann und Kollege Morris, dem Schöpfer von „Lucky Luke", debütierte Culliford als Trickfilmzeichner.

Neben Morris lernte er bei CBA auch seinen besten Freund und späteren Förderer André Franquin kennen, der direkt nach dem Krieg zum Star-Zeichner des beim Verlag Dupuis im französischen Charleroi erscheinenden Comic-Magazins „Spirou" werden sollte und dem die Comic-Welt Figuren wie „Spiro und Fantasio" zu verdanken hat.

Auf das Pseudonym Peyo war er durch Zufall gekommen, weil sein englischsprachiger Neffe seinen Vornamen Pierrot nur in genau diesem Wortklang über die Lippen bringen konnte.

Dank der Fürsprache von André Franquin erhielt Peyo 1952 das ersehnte Engagement bei „Spirou", wo er ganz unterschiedliche Genres wie Western- oder Piraten-Comics bearbeiten musste, bevor ihm die Verlagsleitung 1954 freie Hand für seine erste richtige Erfolgsserie „Johann und Pfiffikus" erteilte.

Die Leser waren von den blauen Wichten so begeistert, dass der legendäre „Spirou"-Chefredakteur Yvan Delporte Peyo den Auftrag erteilte, eine eigene Schlümpfe-Serie zu kreieren. Die ersten sechs Geschichten wurden nur in „Mini-récit" getauften, vierseitigen Bastelbüchern publiziert, weil Delporte anfangs nicht glaubte, dass es eine dauerhafte Nachfrage für Schlümpfe-Geschichten geben könnte. Er sollte eines Besseren belehrt werden, weshalb die Serie ab 1962 zum festen Bestandteil des Magazins „Spirou" wurden und die Schlumpfwelt bald auch albenfüllend vermarktet wurde konnte.

Bis zum Todesjahr Peyos 1992 erschienen 16 Alben, inzwischen ist die Zahl auf 36 angestiegen. Die letzten beiden trugen die Titel „Die Schlümpfe und die lila Bohnen" sowie „Die Schlümpfe und der Drache vom See", die vom Bielefelder Splitter Verlag publiziert wurden, der seit 2011 alle Alben in großformatigem Hardcovern komplett wiederveröffentlicht hat. Früher waren deutsche Linzenzausgaben von Kauka, Carlsen und Bastei herausgebracht worden.

Obwohl Peyo mit den Schlüpfen arbeitsmäßig voll ausgelastet war, hatte er 1960 auch noch die Superhelden-Parodie „Benoît Brisefer", die in Deutschland unter dem Titel „Benni Bärenstark" bekannt werden sollte, an den Start gebracht. Wie die Schlümpfe-Serie, so zeichneten sich all seine Comics durch einen poetisch-humoristischen Erzählstil aus.

Die Welt der Schlümpfe

In der Serie dreht sich alles um Papa Schlumpf (oben), der das Leben der Schlümpfe ordnet. Alles dreht sich in der reinen Männergemeinschaft, mit Ausnahme von Schlumpfine, um den weißbärtigen Papa Schlumpf. Nachwuchs wird nicht geboren, sondern vom Storch gebracht. Die Mitglieder unterscheiden sich nur durch ihre spezifischen Fähigkeiten oder Eigenschaften, beispielsweise Brillenschlumpf, Finanzschlumpf oder Doktorschlumpf. Das größte Ungemach droht Schlumpfhausen durch den Zauberer Gargamel.

Die Schlümpfe haben eine eigenartige Sprache, in der wahlweise Verben oder Substantive durch Abwandlungen des Wortes „Schlumpf" ersetzt werden. Die Storys folgen einer schlichten Konzeption und sind daher genau richtig für Kinder.

Ende der 60er-Jahre waren Schlümpfe schon so erfolgreich, dass Peyo die Arbeit nicht mehr allein schaffen konnte, weshalb er ein eigenes Studio gründete und Nachwuchszeichnern die Umsetzung der von ihm ausgetüftelten Abenteuer überließ.

Den großen internationalen Durchbruch verdankte Peyo dem 1975 erschienenen Kinofilm „Die Schlümpfe und die Zauberflöte". Der Niederländer Vader Abraham schrieb „Das Lied der Schlümpfe". Auch der legendäre, weltweit erfolgreiche Song „Das Lied der Schlümpfe" des Niederländers Vader Abraham aus dem Jahr 1977, der sich 48 Wochen lang in der deutschen Hitparade behaupten konnte, trug zur weiteren Popularisierung der Schlümpfe bei, die als „Tekkno-Schlümpfe" musikalisch auch 20 Jahre später noch die Kinderzimmer durch schlumpfige Cover-Versionen bekannter Hits stürmen sollten.

Geradezu sensationell war schließlich der Erfolg der europäischen Comic-Serie in den USA. Natürlich waren diese auch jahrzehntelang auf verschiedenen deutschen Kanälen, beginnend mit dem ZDF im April 1983, zu sehen.

Schlumpfines besondere Rolle

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Lange war Schlumpfine als eine der Hauptfiguren die einzige Frau bei den Schlümpfen. Bis dahin waren alle Schlümpfe männlich, denn Schlümpfe werden nicht geboren sondern von Störchen gebracht. Weibliche Schlümpfe, wie zum Beispiel Oma Schlumpf oder Sassette, konnten nur durch blaue Tonerde und einen Zauberspruch entstehen.

Schlumpfine war die erste weibliche Figur im Schlumpfdorf und wurde vom bösen Zauberer Gargamel erschaffen, um die Schlümpfe zu verführen und zu entzweien.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie kurze, struppige, schwarze Haare und eine große Nase. Papa Schlumpf verwandelte sie in Schlumpfine, eine Schlumpf-Frau mit langen, blonden Haaren, weißem Kleid und weißen Stöckelschuhen.

Als einzige Schlumpf-Frau wurde Schlumpfine natürlich von vielen Schlümpfen umschwärmt. In der neuen Serie ist Schlumpfine nicht mehr wiederzuerkennen. Sie ist stark, mutig und liebt Kung Fu, sie stellt sich Konflikten und hat keine Angst vor gefährlichen Situationen.

Die Idee für die markante Schlumpfsprache kam dem Erfinder Peyo bereits einige Jahre vor den ersten Comics. Sie entstand während eines Mittagessens mit einem befreundeten Künstler. Als er diesen fragen wollte, ob er ihm das Salz reichen könne, fiel ihm nicht das passende Wort ein und er sagte: „Gib mir mal… das… Schlumpf.“ Sein Freund stieg bei dieser witzigen Bezeichnung direkt ein und entgegnete mit: „Wenn du fertig geschlumpft hast, schlumpf es mir rüber.“ Peyo behielt sich das Wort im Kopf und notierte es.

Die erste eigene Geschichte erhielten die Schlümpfe im Jahr 1959. Diese wurde zunächst als Comic, im selben Jahr aber auch als Kurzfilm veröffentlicht. Das erste Abenteuer trägt den Titel „Die schwarzen Schlümpfe“.

Die Schlümpfe haben viel zu erzählen, denn sie sind mit einem besonders langen Leben gesegnet. Sie werden als Baby vom Storch gebracht und können mehrere hundert Jahre alt werden.

Nachdem die Figuren zunächst hauptsächlich in Belgien und Frankreich Beliebtheit fanden, kamen die Comichefte Ende der 60er-Jahre auch in Deutschland auf den Markt und begeistern bis heute viele Menschen.

Im Jahre 1975 wurde das erste Abenteuer aus dem Comicheft „Johann und Pfiffikus“ als Kinofilm in die Kinosäle gebracht. Dabei spielten die Schlümpfe aber nicht mehr die Nebenrolle, sondern sind die Hauptcharaktere.

Damals waren die Schlümpfe auf der Leinwand in 2D zu sehen, heute nehmen sie uns in einem modernen 3D-Design mit nach Schlumpfhausen. Weltweiten Erfolg erreichten die Figuren mit ihrer eigenen Fernsehserie, die ab 1981 gesendet wurde. In Deutschland wurden die ersten Folgen ab dem 15. April 1983 im ZDF gezeigt.

Nicht nur mit Serien und Filmen feiern die Schlümpfe großen Erfolg. Bereits ab 1978 wird auch Musik im Namen der liebevollen blauen Figuren veröffentlicht.

In der neuen 3D-Optik begeisterten die Schlümpfe das erste Mal 2011. Mit weiteren Teilen 2013 und 2017 gibt es so insgesamt drei Kinofilme, die in dem modernen Animationsstil produziert wurden.

In Anlehnung an den Film „Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf“ (2017) erscheint nun bei KiKA in einer internationalen Ko-Produktion die neue Serie "Die Schlümpfe".

Gargamel und seine Katze Azrael hegen einen Hass gegen die liebenswerten blauen Schlümpfe. Warum das so ist, wird 1960 im zweiten Comic erklärt. Gargamel hat nämlich den Traum, Eisen in Gold zu verwandeln, um reich zu werden. Das klappt aber nur mit einem speziellen Zaubertrank mit einem Schlumpf als Geheimzutat. Die Schlümpfe sind also Gargamels Schlüssel zu Reichtum, doch er schafft es einfach nicht, sich einen der Schlümpfe zu schnappen. Denn die kleinen Wesen entwischen ihm einfach immer wieder.

Die Schlümpfe sind so groß wie drei aufeinander gestapelte Äpfel.

Die Schlümpfe sind Vegetarier*innen. Sie ernähren sich zum Großteil von ihrer Lieblingspflanze Sarsaparille und Kuchen. Die Pflanze gibt es sogar in echt, sie wächst vor allem in Mexiko.

Die männlichen Schlümpfe haben keine Haare. Papa Schlumpf, der einzige Schlumpf mit Bart und roter Mütze, ist der liebevolle Anführer der Schlümpfe. Die blauen Kerlchen können sich jederzeit darauf verlassen, dass Papa ihnen aus der Klemme hilft. Trotzdem lässt sich Papa Schlumpf nicht auf der Nase herum schlumpfen und spricht auch ab und an ein Machtwort.

Schlumpfine wurde ursprünglich von Gargamel als einziger weiblicher Schlumpf geschaffen, um die männlichen Schlümpfe aufzumischen.

Papa Schlumpf nahm sich ihrer an und verwandelt sie in eine wahre Schönheit mit langem blonden Haar und aufreizendem Augenaufschlag.

Die zweite Albumgeschichte ‚Schlümpfe in Not‚ beginnt mit der Lebensmittelbeschaffung für den kommenden Winter. Die Schlümpfe sammeln alles, was sie für die Wintermonate benötigen. Als schließlich der Schnee die Landschaften erfüllt, geschieht das Unglück. Ein Feuer zerstört die Vorratskammer, wodurch die Nahrung im Dorf knapp wird.

Beide Abenteuer in diesem SCHLÜMPFE Album sind absolute Klassiker, wobei gerade ‚Schlumpfine‚ ein Meilenstein durch die Einführung einer Figur, die bis heute ein wichtiger Bestandteil der Schlümpfe Welt ist.

Beide Geschichten sind nicht nur gut konstruiert, sondern auch erwachsen und emotional aufgebaut. Es werden ernste Themen angegangen, was heutzutage in Jugendcomics weit seltener ist.

In ‚Schlümpfe in Not‚ ist hungern und arm sein Bestandteil der Botschaft. Bei ‚Schlumpfine‚ geht es nicht nur um Lebenswille, auch um ein Teil der Gemeinschaft zu sein, egal ob hübsch oder hässlich. Peyo verharmlost nicht, so will Schlumpfine sogar sterben, weil sie unglücklich ist.

Es herrscht Zwietracht im Schlumpfdorf, was es in den modernen Geschichten nur noch abgeschwächt gibt. Am Ende der Geschichte verlässt Schlumpfine das Dorf, um nur gelegentlich in einseitigen Sketschen zurückzukehren. Vielleicht wollte Peyo dadurch erst einmal die alte Ordnung wiederherstellen, doch später lebt sie fest im Dorf.

Wie einige der ersten Schlumpfabenteuer wurde ebenfalls ‚Schlümpfe in Not‚ nach seiner Veröffentlichung im Spirou-Magazin 1961 für das Album 1967 neu gezeichnet. Abgesehen von einigen zeichnerischen Details gab es keine Änderungen. ‚Schlumpfine‘ erhielt 1966 seine Magazin- und ein Jahr später eine unveränderte Album Veröffentlichung.

Merkmal Beschreibung
Ursprüngliches Aussehen von Schlumpfine Kurze, struppige, schwarze Haare und eine große Nase
Verwandlung durch Papa Schlumpf Lange, blonde Haare, weißes Kleid und weiße Stöckelschuhe
Erschaffung Von Gargamel erschaffen, um Unruhe zu stiften
Aktuelle Darstellung Stark, mutig, liebt Kung Fu

tags: #schlumpfine #blaue #haare #herkunft

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