Bei einem unangenehmen Juckreiz oder Brennen in und an der Scheide kann es schnell passieren, dass die Gedanken Achterbahn fahren. “Was kann das sein? Ist es etwas Ernstes?”, fragst Du Dich vielleicht. Möglicherweise verzichtest Du sogar auf Sex, weil Du Schmerzen empfindest. Oft sind die Gründe harmlos und lassen sich leicht in den Griff bekommen.
Viele Frauen gehen zunächst davon aus, dass es sich um einen Pilz handelt, wenn es im Intimbereich juckt. Das ist aber nicht immer der Fall - und eine falsche Behandlung kann die Symptome verschlimmern.
Juckreiz im Intimbereich ist ein unspezifisches Symptom und kann viele unterschiedliche Ursachen haben:
Mit Waschgel, Intimlotionen, Intimdeos und der Rasur möchtest Du besonders gepflegt sein. Aber Vorsicht, denn die gute Absicht könnte mehr schaden als nutzen. Rasier- und Waschgel können Deine Haut austrocknen und sogar Allergien auslösen. Beides kann zu einem unangenehmen Juckreiz führen.
Scheidenpilz wird häufig durch Hefepilze der Gattung Candida verursacht, insbesondere Candida albicans. Diese Hefepilze befinden sich natürlicherweise im Körper, einschließlich in der Vaginalflora. Normalerweise verursachen sie keine Probleme, aber bestimmte Bedingungen wie die Einnahme von Antibiotika, hormonelle Veränderungen, ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes sowie Feuchtigkeit und Wärme können das Wachstum dieser Hefepilze und damit Scheidenpilz fördern.
Du erkennst Scheidenpilz an einem intensiven Juckreiz und einem brennenden Gefühl in der Vagina und der Vulva, die gerötet und geschwollen sein kann. Beim Wasserlassen kann es brennen und auch Sex kann schmerzhaft sein.
Für viele Frauen ist die Rasur der Intimregion fester Bestandteil der täglichen Hygiene. Nicht wenige entfernen regelmäßig alle Haare der Scheidenregion. Dies hat allerdings nicht nur einen optisch positiven Effekt, sondern es gehen auch negative Aspekte einher: kleine Pickelchen und Entzündungen entstehen, das natürliche Schutzschild der Scheide ist dahin.
Zwar gibt es keinen Nachweis für ein erhöhtes Risiko einer Pilzinfektion durch Haarentfernung, allerdings sollte darauf geachtet werden, dass Sie sich bei der Intimrasur nicht verletzen, um das Eindringen von Keimen zu vermeiden. Zudem sollte eine Trockenrasur vermieden werden. Da weiche Haut resistenter gegen Verletzungen ist, empfehlen wir die Rasur während des Duschens. Durch Wärme werden die Poren geöffnet und das Entfernen der Haare fällt leichter. Rasierschaum erleichtert zusätzlich das Entfernen der Haare.
ACHTUNG: den Rasierschaum nur in den äußersten Bereichen der Vagina anwenden, da ansonsten das Scheidenmilieu angegriffen wird.
Infektionsrisiko Rasur : Eine Rasur sorgt für glatte Haut - kann aber auch gefährliche Infektionen verursachen. Kleine Schnitte oder Hautreizungen können unbemerkt zu ernsthaften Infektionen führen.
Um die empfindliche Haut vor Verletzungen und nachfolgenden Entzündungen, Rötungen und Pickeln zu schützen, bieten sich beispielsweise flexible Einmalrasierer an. Unter der Dusche kann die Verwendung einer pH-neutralen Intimwaschlotion die Rasur vereinfachen, ohne die Haut durch weitere chemische Zusätze unnötig zu reizen.
Vor der Rasur: Eine warme Dusche oder ein entspanntes Bad können die Haut vorbereiten und das Rasieren erleichtern (die Poren öffnen sich und die Haare werden weicher). Die Haut vor der Rasur gründlich reinigen, um zu verhindern, dass auf der Haut befindliche Erreger bei Verletzungen in die Wunde gelangen.
Die Wahl des Rasierers: Ein flexibler Einmalrasierer passt sich den Konturen an. Auch verfügt er über eine scharfe Klinge, sodass das Risiko von Verletzungen minimiert wird. Zudem können sich bei der Verwendung von Eimalrasierern weniger Krankheitserreger ansammeln, die wiederum zu Entzündungen führen könnten.
Lange Haare im Intimbereich vor der Rasur vorsichtig einige Millimeter stutzen, beispielsweise mit einer gereinigten Nagelschere. Für die Nassrasur warmes Wasser, eine seifenfreie Waschlotion oder ein geeignetes Rasiergel verwenden. Haut beim Rasieren mit einer Hand straffziehen, um Verletzungen vorzubeugen.
Nach der Rasur: Kurz mit kaltem Wasser abbrausen: die Gefäße ziehen sich wieder zusammen und das Eindringen von Erregern wird erschwert. Nach der Rasur kann der Intimbereich mit Feuchtigkeit und Pflege versorgt werden. Leichte Hautirritationen und kleine Rasierpickel können dennoch entstehen. Wichtig ist, die Haut nach der Rasur zu schonen.
Hautschonenden und atmungsaktiven Textilen, die nicht zu eng am Körper anliegen, sollte jetzt der Vortritt gegeben werden. Meiden Sie direkt nach der Rasur Sonne, Sport und Chlor, also z.B. einen Schwimmhallen- oder Freibadbesuch oder ein Sonnenbad. Sowohl UV-Strahlen als auch Schweiß, Salz und Chlor können die Haut reizen und Irritationen wie Rötungen und Juckreiz begünstigen.
Nach der Rasur auftretende Rötungen und Pickelchen werden als Rasierpickel bezeichnet. Durch die Rasur wird die Haut geschädigt und kleinste Mikroverletzungen können entstehen. Auch nachwachsende oder eingewachsene Haare beschädigen die Haarfollikel, sodass auf der Haut lebende Mikroorganismen in diese eindringen und zu Entzündungen führen können.
Nach der Rasur sollten hautreizende Stoffe ferngehalten und auf weite, atmungsaktive Wäsche geachtet werden. Auch auf Sport gilt es eine Weile zu verzichten. Schweiß kann die Haut reizen, zudem können in einem feucht-warmen Milieu Bakterien sehr gut gedeihen. Zinkhaltige Pflegeprodukte können die Wundheilung beschleunigen. Eine erneute Rasur ist erst nach vollständiger Heilung der entzündeten Hautbereiche ratsam.
Beim Vorbeugen von Vaginalpilz spielt vor allem die richtige Intimhygiene eine entscheidende Rolle. Dabei sollte auf möglichst alles verzichtet werden, was die Schleimhäute der Vagina angreift. Vor allem erkranken sehr gepflegte Frauen des Öfteren an einem Vaginalpilz, weil sie es in Sachen Hygiene schlichtweg übertreiben. Zu häufiges Waschen mit aggressiven Waschlotionen oder Seifen schädigen die Scheidenflora aufgrund ihrer Duft- und Konservierungsstoffe.
Man sollte zum Reinigen des Intimbereichs lediglich lauwarmes Wasser in Kombination mit einer leichten Intimwaschlotion, die Milchsäure enthält, verwenden. Viele Frauen wenden Scheidenspülungen an, um auch die letzten Winkel des Körpers zu erreichen. Dabei werden mittels Gummiballon Wasser oder auch bestimmte Waschlotionen in die Scheide gespritzt. Das sollten Sie nach Möglichkeit unterlassen.
Wascht nur den äußeren Intimbereich - und das am besten nur mit warmem Wasser. Wenn ihr nicht auf Reinigungshilfen verzichten möchten: Benutzt eine speziell für den Intimbereich ausgewiesene Intim-Waschlotion (pH-Wert<5).
Auch die Angst vieler Frauen, ihre Scheide könne ohne gut duftende Seife oder gar Intimdeo einen unschönen Geruch haben, ist unbegründet: Der gesunde, natürliche Ausfluss ist nahezu geruchlos - und auch die Flora im Inneren der Scheide entwickelt keinen wahrnehmbaren Geruch.
Nicht jede Pilzinfektion muss mit Medikamenten behandelt werden. Manche Infektionen verschwinden auch mehr oder weniger von selbst. Damit sich ein Pilzbefall nicht stärker ausbreitet, sollten im Genitalbereich nur ph-neutrale Seifen verwendet und die Haut regelmäßig eingefettet werden.
Da Pilze eine feucht-warme Umgebung für ihr Wachstum brauchen, kann man sie mit luftdurchlässiger Unterwäsche, Trocknen und Einfetten der Haut nach jedem Toilettengang „aushungern". Auch Sitzbäder mit Kamille bringen manchmal Linderung. In jedem Fall ist es ratsam, die Schamhaare etwas zu kürzen und während des Pilzbefalls die Haut im Genitalbereich zu schonen (evtl. auf Geschlechtsverkehr verzichten).
Ist dem Pilz auf die oben genannte Weise nicht beizukommen, stehen Antipilzmitte zur Verfügung. Es gibt weltweit bisher keine Resistenz von Candida albicans auf die üblichen Medikamente! In der Apotheke gibt es eine Reihe von rezeptfreien Antipilzmitteln (Antimykotika). Besonders wirksam und gut verträglich sind die Imidazole (z. B. Clotrimazol, Miconazol, Fenticonazol). Manchmal kommt es während der Behandlung allerdings zu brennenden Schmerzen. Spätestens, wenn nach den drei Tagen keine Besserung eintritt, muss der Arzt aufgesucht werden. Meist lag dann keine Pilzinfektion vor.
Wenn die Behandlung zu früh beendet wird, kann sie erfolglos bleiben. Wenn der Geschlechtspartner ebenfalls an einer Pilzinfektion am Penis leidet, muss er mitbehandelt werden. Eine routinemäßige Partnertherapie hat sich jedoch nicht bewährt. Bei stark immungeschwächten Frauen kann sich der Pilz unter Umständen im ganzen Körper ausbreiten und innere Organe befallen. Das ist aber selten!
Wichtig: Wenn Juckreiz in der Scheide auftritt, immer ärztliche Beratung einholen, um die genaue Ursache festzustellen und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
Eine fälschlicherweise durchgeführte Pilzbehandlung kann den Intimbereich noch weiter reizen. Die tatsächliche Ursache des Juckreizes kann weiter fortschreiten oder sich sogar verschlimmern und Komplikationen wie Irritationen, Entzündungen oder allergische Reaktionen auslösen. Dadurch wird nicht nur die Behandlung der eigentlichen Ursache verzögert, sondern auch die Genesung.
Wann zum Arzt? Zum Arzt gehen sollte Betroffene auf jeden Fall dann, wenn der Juckreiz mehrere Tage lang anhält und sich nicht verbessert. Auch ein sehr unangenehmer und intensiver Juckreiz sollte besser abgeklärt werden. Ein anderer Hinweis kann sein, dass das Jucken von anderen Symptomen wie Rötungen, Schwellungen, Ausfluss, Brennen oder Schmerzen begleitet wird.
Auch wenn der Intimbereich immer wieder juckt oder das Jucken chronisch wird, ist das ein Grund, zum Arzt zu gehen. Dort folgt eine körperliche Untersuchung. Je nach den Symptomen und Verdachtsdiagnosen können auch weitere Untersuchungen des Blutes oder des Urins veranlasst werden, um Infektionen oder andere zugrunde liegende Gesundheitszustände auszuschließen.
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