Schädigt Haarefärben wirklich die Haarwurzeln? Eine umfassende Analyse

Viele Menschen färben ihre Haare, um ihr Aussehen zu verändern oder graue Haare zu überdecken. Doch oft stellt sich die Frage, ob dieser Prozess schädlich für die Haarwurzeln ist. Dieser Artikel untersucht die Auswirkungen des Haarefärbens auf die Haarwurzeln und gibt Tipps zur Minimierung von Schäden.

Jede Färbeaktion hat einen Einfluss auf das Haar. Das Haar ist beim Färben nass und wird gleichzeitig mit einer Pampe aus Pflanzenteilchen oder chemischen Substanzen behandelt. Klar, dass es da beschädigt werden kann.

Die Funktion und der Aufbau der Haare

Um die Auswirkungen des Färbens besser zu verstehen, ist es wichtig, die grundlegende Funktion und den Aufbau der Haare zu kennen.

Haare sind lange Hornfäden, die im Wesentlichen aus Keratin bestehen. Sie enthalten keine Nerven und Blutgefäße. Die Haarwurzeln in der Kopfhaut produzieren Haarzellen. Diese Zellen schieben sich nach oben und werden zu sogenannten Spindeln. Die klassische Funktion von Haaren ist der Schutz vor äußeren Einflüssen wie Kälte; beim Menschen schützen Kopfhaare vor Kälte und UV-Strahlung. Die Haare in Nase und Gehörgang verhindern, dass Staubpartikel eindringen.

Der Haaraufbau besteht aus drei Schichten:

  1. Cuticula: Die äußere, transparente Schuppenschicht. Bei gesundem Haar liegen die Schuppen glatt an, reflektieren das Licht und lassen das Haar glänzen. Alkalische Substanzen rauen die Schuppenschicht auf, saure Stoffe verschließen sie.
  2. Cortex: Die zweite Schicht, besteht aus feinsten Keratinfasern. Die Verkettung der Cortex-Zellen bestimmt über die Elastizität des Haares und hier befinden sich auch die Farbpigmente. Eine dauerhafte Haarfärbung oder Blondierung wirkt direkt hier.
  3. Medulla: Der Faserstamm umschließt die innere Schichte des Haares, Medulla genannt, oder das Haar Mark. Sie setzt sich zusammen aus Abbauprodukten der Cortex- Zellen, Fetten und Zellwandungen.

Was passiert beim Haarefärben?

Bei einer auswaschbaren Haartönung lagert sich die Farbe außen am Haar an. Eine Blondierung oder dauerhafte Haarfärbung funktioniert dagegen nur, wenn die Schuppenschicht mit Alkalisierungsmitteln aufgeraut wird, um direkt den pigmentierten Bereich des Haares zu beeinflussen.

Viele Färbemittel enthalten Ammoniak, das das Haar aufquellen lässt. Die Schuppenschicht öffnet sich und lässt Wasserstoffperoxid eindringen, das im Inneren die natürlichen Farbpigmente zerstört und das Haar bleicht. Erst dann können künstliche Farbpigmente ins Haar eindringen. Das Haar bleibt nach der Prozedur aufgeraut und wirkt stumpf und glanzlos.

Direkte Schädigung der Haarwurzeln?

Es ist ein Irrglaube, dass Haarefärbemittel die Haarwurzeln direkt schädigen. Die Analogie mit dem Blumenbeet, bei dem eine Folie verhindert, dass Substanzen in den Boden gelangen, verdeutlicht, dass die Kopfhaut eine Barriere bildet. Wenn Haare nach dem Blondieren ausfallen, brechen sie meist nur ab und wachsen gesund nach.

Man soll prinzipiell vermeiden, dass das Haarfärbemittel auf die Kopfhaut kommt, weil das Haarfärbemittel sehr stark krebserregend ist.

Mögliche indirekte Schäden

Obwohl die Haarwurzeln nicht direkt geschädigt werden, können indirekte Schäden entstehen:

  • Austrocknung: Gerbsäuren in vielen Färbemitteln können das Haar austrocknen und dauerhaft schädigen.
  • Mechanische Belastung: Das Färben selbst ist eine mechanische Belastung für das Haar.
  • Allergische Reaktionen: Akute Kontaktdermatitis der Kopfhaut kann zu Telogen Effluvium führen, einer Form von Haarausfall.

Telogen Effluvium durch Kontaktallergie

Allergische Kontaktdermatitis der Kopfhaut kann eine Ursache für akutes Telogen Effluvium sein. Eine Studie untersuchte Patientinnen mit akuter Kontaktdermatitis der Kopfhaut nach dem Haarefärben. Bei einigen Patientinnen wurde ein erhöhter Haarausfall festgestellt, der 2 bis 4 Monate nach der Episode der Kopfhautdermatitis auftrat. Die Pathogenese von Telogen Effluvium, verursacht durch Kontaktdermatitis, könnte mit der Freisetzung von Zytokinen während des Entzündungsprozesses zusammenhängen.

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Färbe-Fallen und wie man sie vermeidet

Auch wenn die DIY-Produkte alle eine „einfache Anwendung“ versprechen, kann einiges schief gehen. Hier sind einige typische "Färbe-Fallen":

  1. Ausgangshaarfarbe falsch einschätzen: Vergleicht die Haarfarbe mit den Abbildungen auf den Verpackungen. Im Zweifelsfall den Friseur fragen.
  2. Zu hohe Erwartungen: Extreme Farbwechsel erfordern professionelle Hilfe. Für leichte Veränderungen kann man es auch zu Hause tun.
  3. Schlechte Vorbereitung: Nehmt euch vor dem Haare selber färben Zeit für eine gute Vorbereitung.
  4. Zu wenig Färbemittel: Spätestens ab Schulterlänge braucht ihr zwei Packungen Färbemittel, um beim Auftragen nicht in die Bredouille zu kommen.
  5. Pflanzenfarben vs. Chemiefarben: Haare, die einmal mit Naturhaarfarben gefärbt wurden, dürfen anschließend nicht wieder mit chemischen Färbemitteln behandelt werden.
  6. Das ganze Haar färben: Massiert in die Längen und Spitzen etwas Haarspülung, bevor ihr den Ansatz färbt.
  7. Anleitung nicht gelesen: Auch wenn ihr schon Routine darin habt, eure Haare selbst zu färben: Ihr solltet euch die Anleitung genau durchlesen!

Tipps für eine schonende Haarpflege

Wer mit seinen Haaren behutsam umgeht, die Zeichen gut erkennt und frühzeitig seinen Haaren auch mal eine Pause gönnt und sie pflegt, der wird meiner Meinung nach auch keine Probleme haben.

  • Pause gönnen: Gönnen Sie Ihrem Haar zwischen den Färbungen eine Pause.
  • Feuchtigkeitspflege: Verwenden Sie feuchtigkeitsspendende Shampoos und Conditioner.
  • Hitzeschutz: Vermeiden Sie hohe Temperaturen beim Föhnen, Locken oder Glätten.
  • Sonnenschutz: Verwenden Sie im Sommer spezielle Pflegeprodukte mit Sonnenfilter.

Haarausfall: Diagnose und Ursachen

Das Haarwachstum unterliegt einem dreiphasigen Zyklus: der anagenen Wachstumsphase, der katagenen Ruhephase und der telogenen Ausfallphase. Normal ist, dass wir stets Haare in verschiedenen Phasen und Längen auf dem Kopf tragen. Auch das Ausfallen von bis zu 100 Haaren pro Tag ist nicht ungewöhnlich.

Häufige Varianten des Haarausfalls sind:

  • Diffuser Haarausfall: Der Haarverlust findet verteilt über den ganzen Kopf statt und sorgt für lichte Stellen.
  • Erblich bedingter Haarausfall: Je nach genetischer Disposition zeigen sich die bekannten „Geheimratsecken“ oder eine Hinterkopf- oder Stirnglatze.
  • Kreisrunder Haarausfall: Der sogenannte „kreisrunde Haarausfall“ zeigt sich in runden, oft münzgroßen kahlen Stellen auf der Kopfhaut.
  • Haarausfall bei Vernarbung der Kopfhaut: Diese Form des Haarausfalls tritt eher selten auf und meist in Folge von Infektions- oder Autoimmunerkrankungen.

Es ist wichtig, bei anhaltendem Haarausfall einen Dermatologen zu konsultieren, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung zu beginnen.

Fallbeispiele

Eine 50-jährige Frau entwickelte nach dem Auftragen einer Haarfarbe eine akute Kopfhautentzündung und anschließend starken Haarausfall. Patch-Tests zeigten eine positive Reaktion auf Paraphenylendiamin, einen Inhaltsstoff der Haarfarbe. Nach sechs Monaten normalisierte sich der Haarausfall, aber die Kopfhaut blieb weiterhin gereizt.

Eine 32-jährige Frau erlitt nach einer restriktiven Diät und später nach einer Haarfärbung eine Episode von Telogen Effluvium. Sie klagte über spürbaren Haarausfall und Kopfhautparästhesien. Die Symptome verschwanden nach sechs Monaten.

Fazit

Haarefärben kann das Haar schädigen, aber die Haarwurzeln sind in der Regel nicht direkt betroffen. Indirekte Schäden wie Austrocknung, mechanische Belastung und allergische Reaktionen können jedoch zu Haarausfall führen. Eine sorgfältige Haarpflege, die Vermeidung von "Färbe-Fallen" und die Beachtung der individuellen Haarstruktur sind entscheidend, um die Gesundheit der Haare zu erhalten.

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