Sanfilippo-Syndrom: Symptome, Diagnose und Bedeutung buschiger Augenbrauen

Das Sanfilippo-Syndrom, auch bekannt als Mukopolysaccharidose Typ III (MPS III), ist eine seltene, angeborene Stoffwechselerkrankung. Sie gehört zu den lysosomalen Speicherkrankheiten und ist durch einen Mangel an bestimmten Enzymen gekennzeichnet, die für den Abbau von Glykosaminoglykanen (GAGs) benötigt werden. Diese Störungen führen zur Ansammlung von GAGs in den Zellen, was zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen führt.

Es gibt vier Untertypen des Sanfilippo-Syndroms (A-D), die jeweils durch den Defekt eines anderen Enzyms verursacht werden, das am Abbau von Heparansulfat beteiligt ist.

Die meisten Patient*innen erscheinen bei der Geburt gesund, aber die körperliche und/oder geistige Funktion lässt mit fortschreitender Akkumulation nach. Mit dem Progress der Krankheit können mehrere Organsysteme betroffen sein. Betroffene Personen sind bei der Geburt normalerweise noch unauffällig, aber sie erleben mit zunehmendem Alter einen Progress der Erkrankung.

Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Diagnose und Behandlung des Sanfilippo-Syndroms und geht speziell auf die Bedeutung von buschigen Augenbrauen als mögliches Anzeichen ein.

What Is Sanfilippo Syndrome?

Symptome des Sanfilippo-Syndroms

Bei Geburt sind die Kinder zunächst völlig unauffällig. Mit Beginn im zweiten bis vierten Lebensjahr bleiben sie zunehmend in ihrer Entwicklung zurück. Außerdem bekommen sie ein auffällig unruhiges, überaktives und oft auch aggressives, zerstörerisches Verhalten. In dieser Phase haben betroffene Patienten auch ausgeprägte Schlafstörungen.

Die Kinder hören auf zu Sprechen und verlieren das Sprachverständnis. Erst später kommen zunehmende Lähmungserscheinungen hinzu. Die Kinder laufen immer unsicherer und verlieren die Gehfähigkeit schließlich aufgrund einer spastischen Lähmung ganz. Dazu treten Schluckstörungen auf, die zunehmend zu Schwierigkeiten bei der Ernährung führen. Auch eine Epilepsie kann Ausdruck der zunehmenden Störung der Hirnfunktion sein.

Gegenüber den Symptomen von Seiten des Nervensystems sind die Krankheitserscheinungen an anderen Organen im Vergleich zu den übrigen Mucopolysaccharidosen gering ausgeprägt. Die Körperlänge erreicht fast normale Ausmaße, die Gesichtszüge werden erst mit ausgeprägtem Abbau der Gehirnfunktion etwas vergröbert. Lediglich das Haar ist auffallend dick und spröde. Auch die Augenbrauen sind so buschig, dass sie manchmal in der Mitte zusammenwachsen.

Weitere Symptome sind:

  • Verzögerte geistige Entwicklung
  • Hyperaktivität und aggressives Verhalten
  • Schlafstörungen
  • Sprachverlust
  • Lähmungserscheinungen
  • Schluckstörungen
  • Epilepsie
  • Vergröberte Gesichtszüge
  • Dickes, sprödes Haar
  • Buschige Augenbrauen

Klinische Merkmale der Mukopolysaccharidose IIIA:

Gesichtsdysmorphismus (grobe Gesichtszüge, leicht eingedrückter Nasenrücken, abstehende Augenbrauen, tief angesetzte Ohren, Malokklusion, volle Wangen, drahtiges und trockenes Haar und kurzer Hals) und Skelettsymptome (Genu Valga, Varusfüße und stämmige Hände). Bild: „Dysmorphic features of our patient” vom Department of Paediatrics, Medical University of Lublin, Racławickie 1, 20-059, Lublin, Poland.

Die Bedeutung buschiger Augenbrauen

Buschige Augenbrauen können ein charakteristisches Merkmal des Sanfilippo-Syndroms sein, insbesondere in Kombination mit anderen oben genannten Symptomen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dicke Augenbrauen allein kein Beweis für die Krankheit sind. Viele gesunde Kinder haben von Natur aus dicke Augenbrauen.

Wie sehen sie das? Sollte ich dem nach gehen ? Sonst ist sie ganz normal entwickelt. Ja das stimmt. Also mein Mann hatte als Kind auch einen „Busch“ ich nicht. Du meinst das Sanfilippo-Syndrom. Von einem einzigen Symptom kannst du nie auf eine Krankheit diagnostizieren, zumal andere Symptome beim Sanfilippo-Syndrom viel bedeutender sind. Dicke Augenbrauen sind im wahrscheinlichsten Fall ganz einfach nur dicke Augenbrauen.

Wenn jedoch bei einem Kind dicke Augenbrauen zusammen mit anderen Symptomen des Sanfilippo-Syndroms auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden, um eine mögliche Diagnose abzuklären.

Diagnose des Sanfilippo-Syndroms

Die Diagnose kann durch Messung der GAG-Konzentrationen im Urin und durch Durchführung von Enzymtests zur Identifizierung des Enzymmangels gestellt werden.

Bei Verdacht auf Vorliegen eines Sanfilippo-Syndrom kann zunächst eine Bestimmung der Glykosaminoglykane (GAG) im Urin erfolgen. Die Ausscheidung kann aber beim Sanfilippo-Syndrom nur grenzwertig oder mild erhöht sein. Größere Sicherheit bietet daher eine Elektrophorese, bei der die erhöhte Ausscheidung von Heparansulfat sicher erkannt wird.

Die pränatale Diagnostik kann mit der Amniozentese und Chorionzottenbiopsie durchgeführt werden.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, andere lysosomale Speicherkrankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen:

  • Mukolipidose: lysosomale Speicherkrankheit mit übermäßiger Lipidspeicherung. Kinder mit Mukolipidose können einige klinische Merkmale aufweisen, die mit dem MPS in Verbindung stehen (Gesichtsmerkmale, knöcherne/strukturelle Anomalien, Gehirnanomalien). Die Diagnose wird durch Labortests gestellt, um einen Enzymmangel nachzuweisen.
  • Gaucher-Krankheit: häufigste lysosomale Speicherstörung; resultiert aus einem Glucocerebrosidase-Mangel. Die drei Typen haben unterschiedliche Präsentationen und Schweregrade. Thrombozytopenie, leichte Blutergüsse, Frakturen und fortschreitende neurologische Verschlechterungen umfassen. Die Diagnose wird durch DNA- oder Enzymanalyse gestellt.
  • Tay-Sachs-Krankheit: lysosomale Speicherstörung aufgrund eines Hexosaminidase-A-Mangels. Die 3 Typen haben variable Anfänge. Krampfanfälle im Kindesalter und Psychosen aufweisen. Die Diagnose wird mit Enzymaktivitätstests und molekularer Analyse gestellt.
  • Niemann-Pick-Krankheit (NPD): seltene vererbte, lysosomale Speicherkrankheit, die auf der Grundlage der genetischen Mutation klassifiziert wird. Die NPD-Typen A und B führen zu einem Mangel an saurem Sphingomyelinase-Enzym. Die Diagnose kann durch Messung der Sphingomyelinase-Aktivität oder Biomarker, Gentests und Biopsie bestätigt werden.

Behandlung des Sanfilippo-Syndroms

Da es sich beim Sanfilippo-Syndrom um eine erblich bedingte Erkrankung handelt, ist keine ursächliche Behandlung möglich.

Es gibt keine Heilung für MPS. Organtransplantation.

Eine Gentherapie ist aber zumindest für die Mucopolysaccharidose Typ II (Hurler) schon in klinischer Erprobung beim Menschen. Bei einigen Formen der Mucopolysaccharidosen kann unter bestimmten Umständen eine Knochenmarktransplantation den Verlauf der Erkrankung abmildern, insbesondere wenn sie vor Eintritt der Skelettveränderungen durchgeführt wird. Für das Sanfilippo-Syndrom ist diese prinzipiell nicht empfohlen. Dennoch gibt es einzelne Berichte über ein vermindertes Ausmaß der Behinderungen nach einer Knochenmarktransplantation auch bei diesem Krankheitsbild.

Eine Enzymersatztherapie, wie sie für andere Typen der Mucopolysaccharidosen schon zugelassen ist, existiert für den Typ III ebenfalls noch nicht.

Symptomatisch können die Hyperaktivität und die Schlafstörungen medikamentös behandelt werden. Allerdings reagiert jedes Kind anders auf die verschiedenen Medikamente und diese können nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung auch wieder verlieren, so dass für jeden Patienten eine individuelle Behandlung herausgefunden werden muss. Bei ausgeprägt überaktivem und aggressiven Verhalten sind entsprechende Schutzmaßnahmen in der häuslichen Umgebung nötig, damit sich die Kinder nicht selbst verletzen. Treten Schluckstörungen auf kann nach einem Übergang auf breiige Kost auch eine Ernährung über eine Magensonde nötig werden. Mit zunehmendem Verlust der Gehfähigkeit kann es vermehrt zu Versteifungen der Gelenke kommen.

ABO-101: Ein Hoffnungsschimmer

ABO-101 ist eine neuartige Gentherapie in Phase I/II der Entwicklung für das Sanfilippo-Syndrom Typ B (MPS IIIB), eine seltene lysosomale Speicherkrankheit ohne zugelassene Therapie, die hauptsächlich das Zentralnervensystem (ZNS) betrifft. ABO-101 wird in einer einmaligen intravenösen Infusion unter Verwendung des NAV AAV9-Vektors dosiert, um eine funktionelle Kopie des NAGLU-Gens an Zellen des ZNS und der peripheren Gewebe abzugeben. Die Therapie zielt darauf ab, den zugrunde liegenden Mangel am NAGLU-Enzym zu bekämpfen, der für die abnormale Anreicherung von Glykosaminoglykanen im Gehirn und im gesamten Körper verantwortlich ist, was wiederum zu einer fortschreitenden Zellschädigung sowie zur Beeinträchtigung der Nervenentwicklung und zur körperlichen Verschlechterung führt.

Hinweis: Die hier dargestellten Informationen dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Bedenken sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

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