Ruxolitinib bei kreisrundem Haarausfall: Hoffnung oder Hype?

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata, AA) kann für Betroffene eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Jahrelang gab es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten, besonders für mittelschwere bis schwere Formen der Erkrankung. Doch das Blatt wendet sich!

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) weist auf gute Behandlungsergebnisse bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata, AA) und Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) durch JAK-Inhibitoren (JAKi) hin. Gleichzeitig sieht die Fachgesellschaft aber auch offene Fragen bei diesen Präparaten.

JAK-Inhibitoren, kurz für Januskinase-Inhibitoren, sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten, die das Immunsystem modulieren. Bei Alopecia Areata greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Haarfollikel an. JAK-Inhibitoren wirken, indem sie spezifische Signalwege blockieren, die für diese Autoimmunreaktion verantwortlich sind.

In den letzten Jahren haben klinische Studien mit JAK-Inhibitoren beeindruckende Ergebnisse gezeigt. Insbesondere bei mittelschwerer bis schwerer Alopecia Areata, einschließlich Alopecia totalis (kompletter Kopfhaarverlust) und Alopecia universalis (kompletter Körperhaarverlust), konnten signifikante Verbesserungen des Haarwachstums erzielt werden. Baricitinib (Olumiant®): Dies war der erste zugelassene orale JAK-Inhibitor für Erwachsene mit schwerer Alopecia Areata in der EU und den USA.

Typisches Erscheinungsbild von Alopecia Areata

Was ist Ruxolitinib und wie wirkt es?

Ein Orphan Drug könnte zur neuen Hoffnung für Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) werden. Der Kinasehemmer Ruxolitinib (Jakavi® von Novartis), bislang in der EU zu­ge­lassen gegen Myelofibrose, scheint auch hier zu helfen.

Eine Creme mit 1,5%igem Ruxolitinib kann einem kreisrunden Haarausfall nicht entgegenwirken, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Zwar stellten die Autoren initial einen gewissen Effekt fest, dieser bewahrheitete sich aber im 2.

„Mit der seit einigen Jahren erhältlichen neuen Substanzklasse der Januskinase (JAK)-Inhibitoren verbessern sich die Therapieergebnisse. Die positiven Effekte bei der Therapie der schwer ausgeprägten Vitiligo und der AA sind beachtlich“, schreibt die DDG in einer Mitteilung.

Die Wirkstoffgruppe der JAK-Inhibitoren wurden zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen entwickelt, zu denen der kreisrunde Haarausfall gezählt wird. Bei einer Autoimmunerkrankung greift das körpereigene Abwehrsystem eigene Zellen an und zerstört sie versehentlich, weil es sie für Krankheitserreger hält - in diesem Fall die Zellen der Haarwurzeln. JAK-Inhibitoren haben eine sogenannte immunsuppressive Wirkung, das heißt, sie unterdrücken das gesamte Abwehrsystem. Die Folge ist eine allgemeine Abwehrschwäche - das kann große Anfälligkeit für Infektionen aller Art bedeuten.

Die Columbia University of New York hat eine neuere Studie mit zwölf Patienten durchgeführt, diese erhielten über zwölf bis vierundzwanzig Wochen täglich Tofacitinib. Vorläufiges Ergebnis: Bei nur drei Probanden wuchs wieder dichtes Haar, es wurde aber festgestellt, dass Tofacitinib Anämie (Blutarmut) hervorrufen kann.

JAK-Inhibitoren in beiden Medikamenten bremsen diese Enzyme und verhindern, dass sie Schaden anrichten. Tofacitinib und Ruxolitinib wirken nur bei Alopecia areata, bei anderen Formen des Haarausfalls helfen sie nicht. Beide Medikamente werden gegen völlig unterschiedliche Krankheiten eingesetzt, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: sie enthalten Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren). Januskinasen sind Enzyme, die im Körper von Alopecia areata-Patienten vorhanden sind und den kreisrunden Haarausfall verursachen.

Ergebnisse klinischer Studien mit Ruxolitinib

Raphael Clynes und Kollegen von der Columbia-Universität in New York haben jetzt erste Ergebnisse einer laufenden Studie mit zwölf Patienten im Fachmagazin «Nature Medicine» veröffentlicht. Sie konnten zeigen, dass der selektive Hemmer der Janus-assoziierten Kinasen JAK1 und JAK2 die Autoimmunkrankheit Alopecia areata stoppt.

Nachdem Tofacitinib bei den Tieren eine Alopecia areata verhindert hatte und die topische Behandlung zu einem Haarwachstum an den kahlen Stellen führte, sahen Christiano und Clynes den Zeitpunkt für den Beginn einer klinischen Studie gekommen. Insgesamt 12 Patienten nehmen derzeit im Rahmen einer Pilotstudie über 12 bis 24 Wochen zweimal täglich 20mg Ruxolitinib ein. Bei den ersten drei Patienten hat der aktuellen Publikation zufolge der Haarwuchs die vormals kahlen Stellen bereits mit einem dichten Haarwuchs überdeckt.

Das positive Ergebnis überprüften die Wissenschaftler bei zwölf Patienten mit mäßiger bis schwerer Alopezie. Sie nahmen zweimal täglich 20 mg Ruxolitinib über zwölf bis 24 Wochen ein. Erste Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Haare bei drei Patienten innerhalb von vier bis fünf Monaten vollständig nachwuchsen.

Auch wenn noch weitere klinische Studien notwendig sind, so stimmen die bisherigen Ergebnisse zuversichtlich, dass mit Ruxolitinib (und möglicherweise auch mit anderen JAK-Inhibitoren) ein wirksames Mittel gegen diese Autoimmunkrankheit gefunden worden sein könnte. Da das Risikopotential von Ruxolitinib bekannt ist, könnte die Zulassung für die neue Indikation wesentlich schneller erfolgen als bei einer völlig neuen Substanz.

Allerdings müsse die Behandlung als Dauermedikation stattfinden, sonst komme es zu einem erneuten Haarausfall.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten - was einerseits gut wirkt, hat oft starke Nebenwirkungen.

Massive Nebenwirkungen von Tofacitinib und Ruxolitinib Häufig auftretende Nebenwirkungen von Ruxolitinib sind Kopfschmerz, Schwindel und eine Erhöhung des Blutdrucks. Auch eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) und weißer Blutkörperchen (Leukozyten) wurde in Studien beschrieben.

Wenn die Thrombozyten vermindert sind, funktioniert die Blutgerinnung nur unzureichend, es kann durch geringfügige Verletzungen zu starken Blutungen kommen. Fehlen Leukozyten, besteht Abwehrschwäche gegen Infektionen (besonders der Bronchien und Lungen), da diese weißen Blutkörperchen für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind.

Die Nebenwirkungen von Tofacitinib sind noch deutlich schwerer. Auch hier kann eine allgemeine Abwehrschwäche gegen alle Arten von Krankheitserregern auftreten. Tofacitinib ist in den USA erst seit November 2012 zugelassen zur Behandlung von rheumatoider Arthritis, wird aber auch gegen Schuppenflechte (Psoriasis) mit Haarausfall und kreisrunden Haarausfall eingesetzt.

Zu den häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen zählen Thrombozytopenie, Anämie, Blutergüsse, Schwindel, Kopfschmerzen, erhöhte Leberwerte und Hypercholesterinämie.

Kreisrunder Haarausfall kann psychisch sehr belastend sein.

Alternativen und ergänzende Behandlungen

Neben Ruxolitinib gibt es auch andere Therapieansätze für Alopecia Areata. Hierzu zählen:

  • Topische Kortikosteroide: Entzündungshemmende Wirkung, aber oft nicht ausreichend wirksam.
  • Injektionen von Glukokortikoiden: Direkt in die betroffenen Hautareale, jedoch schmerzhaft und nicht für Kinder geeignet.
  • Topische Immuntherapie: Auslösung einer allergischen Reaktion, um die T-Lymphozyten umzulenken.
  • Systemische Behandlungen: Bei schweren Fällen, z.B. mit Sulfasalazin oder Cyclosporin, aber mit potenziellen Nebenwirkungen.

Die einmal tägliche Einnahme von Zink als Zinkhistidin, Zinkaspartat, Zinksulfat oder Zinkorotat unter Kontrolle der Zinkkonzentration im Blut kann hilfreich sein, da Zink als Regulator des Immunsystems wirkt. Aufgrund des geringen Risikos für Nebenwirkungen eignet sich die Gabe von Zink vor allem auch für erkrankte Kinder.

Fazit: Ruxolitinib - Ein vielversprechender Ansatz, aber keine Wunderheilung

JAK-Inhibitoren haben die Behandlung von Alopecia Areata revolutioniert und bieten vielen Betroffenen eine effektive Möglichkeit, ihr Haarwachstum zurückzugewinnen.

In weiteren Studien sollte aber beispielsweise untersucht werden, wie die derzeit noch hohe Non-Responder-Rate gesenkt werden könnte. Da die neuen Medikamente auch Nebenwirkungen verursachen können, sei es wichtig, Kriterien zu finden, die dabei helfen zu entscheiden, bei welchen Patientinnen und Patienten diese immunmodulierenden Therapien erfolgversprechend erscheinen.

Allerdings sind die neuen Therapeutika laut DDG teuer, was bei Behandlern auf zusätzliche Skepsis stößt.

Individuelle Entscheidung: Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit JAK-Inhibitoren sollte immer in enger Absprache mit einem erfahrenen Dermatologen getroffen werden.

Keine Heilung: JAK-Inhibitoren unterdrücken die autoimmune Reaktion, heilen die Alopecia Areata jedoch nicht im eigentlichen Sinne. Das bedeutet, dass ein Absetzen der Therapie zu einem Rückfall führen kann.

Nebenwirkungen: Wie bei jedem potenten Medikament können auch JAK-Inhibitoren Nebenwirkungen haben, darunter ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Kostenübernahme: In einigen Ländern, wie Deutschland, ist die Kostenübernahme durch die Krankenkassen noch nicht immer unkompliziert.

Es ist wichtig zu betonen, dass Ruxolitinib und andere JAK-Inhibitoren keine Wunderheilung darstellen, sondern eine vielversprechende Option mit potenziellen Risiken und Nebenwirkungen sind. Eine sorgfältige Abwägung und individuelle Beratung durch einen Facharzt sind unerlässlich.

Haben Sie Fragen zu JAK-Inhibitoren oder möchten Sie Ihre Erfahrungen teilen?

Kreisrunder Haarausfall: Neue Therapie mit JAK-Inhibitoren macht Hoffnung

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