Rex Gildo: Ein Leben zwischen Schein und Sein

Um Rex Gildo ranken sich bis heute zahlreiche Mythen und Spekulationen. Er war zu seiner Zeit, also von den frühen sechziger bis in die späten siebziger Jahre, ein deutscher Megamonstersuperstar, kommerziell auf allen Kanälen, also Radio, Fernsehen und im Kino, ein Gigant seiner Branche, ein Schlagersänger, der der - also seiner - Kundschaft wie nur wenige andere den Stoff lieferte, den sie sich wünschte: Unterhaltung.

Rex Gildo auf einer Autogrammkarte

Karriere und Erfolge

Seine große Zeit waren die 1960er und 1970er, als er zunächst an der Seite von Partnerinnen wie Conny Froboess oder Gitte Haenning in der Unterhaltungsbranche reüssierte, bevor er als Solo-Künstler zu einem der größten Schlagerstars seiner Zeit aufstieg. Ludwig Franz Hirtreiter, so sein richtiger Name, war nach seiner geschönten Biographie bei seinem Tod 60 Jahre alt, tatsächlich aber 63 Jahre. Obwohl sein erster Nummer-1-Hit "Speedy Gonzales" da schon 37 Jahre alt war, sein letzter Top-Ten-Hit "Der letzte Sirtaki" auch schon 24 Jahre zurücklag und die meisten seiner 25 Millionen verkauften Platten schon längst bei seinen Fans verstaubten, war Rex Gildo noch immer ein Zugpferd.

Im Übrigen hat Rex Gildo sich niemals auch nur eine Sekunde als schwul geoutet, abgesehen von den Kolleg*innen, für die Gildo & Miekley ein Paar waren. Mir gegenüber schwor er noch 1995 in einem Gespräch, nichts sei abwegiger - sein heteronormatives Gerüst saß in ihm wie der festgetackerte Fiffi auf dem Kopf, inklusive zweier Ehen als Konzession an die Schlüpfriges witternde „Skandalpresse“.

Das Doppelleben und die Spekulationen

Spekulationen über seine angebliche Homosexualität gab es immer wieder. Offiziell war er verheiratet, allerdings mit seiner Cousine. Inoffiziell waren wohl er und sein Manager Fred Miekley ein Paar. Dass der Schlagersänger im Jahr 1974 seine Cousine Marion Ohlsen heiratete, das Verwandtschaftsverhältnis jedoch verheimlichte und die Braut als eine reine Zufallsbekanntschaft darstellte, gab Gerüchten über eine mutmaßliche Scheinehe weitere Nahrung.

So verkettelt Praunheim diese Bilder mit der Biographie Gildos, der völlig zutreffend sehr früh als junger Mann lernen musste, dass offen homosexuell zu sein das gesellschaftliche Aus, wenn nicht gar Gefängnis bedeuten würde. Zu jener Zeit dürften also nicht nur schwule Schlagersänger ein Doppelleben geführt haben.

Am 18. November 1972 trat Rex Gildo erstmals in der DDR auf, und zwar in der TV-Show Ein Kessel Buntes. Die Aufklärung erfolgte nun - für mich nach Jahren und Jahrzehnten - auf den Fuß, Rex trug nämlich eine Perücke.

Der Abstieg und die letzten Jahre

Mit zunehmendem Alter kam dem stets braungebrannten Sänger mit dem strahlend weißen Lächeln und dem pechschwarzen Toupet zunehmend sein einstiger Nimbus als hüftenschwingender "Sexy Rexy" abhanden. Die Boulevardpresse machte sich über den alternden "Sexy Rexy" lustig, der ein pechschwarzes Toupet trug und Alkohol- und Medikamentenprobleme hatte. In den letzten Jahren trat er in Baumärkten und Möbelhäusern auf.

Auch sein letzter Auftritt missglückte. Mit der Begründung, Gildo habe einen Virusinfekt, hatten die Veranstalter schon vorsorglich die geplante Autogrammstunde abgesagt. Seinen Gesangsauftritt brachte der Sänger mehr schlecht als recht über die Bühne. Als er mit seinem Geliebten Dave, den der mit einer Cousine verheiratete Frauenschwarm als seinen Chauffeur ausgab, in München ankam, eskalierte die Lage.

Rex Gildo im Jahre 1964

Der Tod und die offenen Fragen

Am zehnten Jahrestag seines Todes bestehen jedoch Zweifel an einem vorsätzlichen Selbstmord. Am 23. Oktober 1999 stürzte Rex Gildo zwei Stockwerke tief aus dem Fenster seiner Münchner Wohnung, drei Tage später erlag er im Krankenhaus seinen schweren inneren Verletzungen. Ob der Sänger sich nach einem Streit mit seinem Assistenten das Leben nahm oder versehentlich im Alkohol- und Medikamentenrausch abstürzte, ist bis heute unklar.

Diejenigen, die Rex Gildo am Samstagabend des 23. Oktober 1999 nach dem Sprung aus einem Toilettenfenster sahen, waren entsetzt. Auf dem Rasen vor dem Appartmenthaus in der Münchner Ottostraße lag der Schlagersänger blutüberströmt, das Toupet vom Kopf gerutscht. Rex Gildo lebte in diesem Moment noch. Doch obwohl in den folgenden Stunden bis zu 20 Ärzte in der Münchner Uniklinik um sein Leben kämpften, starb er drei Tage später an einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Warum Rex Gildo wirklich sprang, weiß niemand eindeutig. War es seine Angst vor Ärzten? War es ein Beziehungsstreit? Wusste er nicht mehr, was er tat? Sängerin Cornelia Froboess, die zusammen mit Rex Gildo in einigen seiner 30 Filme spielte, bezweifelte in einer Dokumentation der ARD Suizidabsicht: "An Selbstmord glaube ich überhaupt nicht."

Wenn Rex Gildo hätte Selbstmord begehen wollen, dann hätte der so um sein Aussehen besorgte Sänger seinen Freitod inszeniert, sagte Schulte. "Er hätte sich geschminkt und sein schickstes Jacket angezogen und vorher noch zehn Minuten überlegt, ob er lieber das rote oder das blaue nehmen soll." Solch ein Tod, bei dem sein Toupet verrutscht und seine Kleidung blutverschmiert ist, das hätte er nie ertragen, glaubt der Konzertveranstalter.

Der Film "Rex Gildo - Der letzte Tanz"

Nachdem es lange Jahre ruhig um Rex Gildo war, entfachte im Jahr 2022 der Regisseur Rosa von Praunheim mit seinem semi-dokumentarischen Filmdrama "Rex Gildo - der letzte Tanz" den Diskurs um dessen sexuelle Orientierung aufs Neue. Regisseur Rosa von Praunheim, der das Biopic Rex Gildo - Der letzte Tanz mit sichtbar wenig (materiellem) Aufwand produzierte und auch für das Drehbuch mitzeichnete, lässt das viel zu kurze Leben des von ihm Behandelten in einer für ihn typisch handwerklichen Mischung aus Archivaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und nachgestellten Spielszenen Revue passieren.

Es geht um die Verlogenheit einer Branche, die der bundesrepublikanischen Gesellschaft genau das vorspielte, was sie von ihr erwartete. Ihre Stars lebten in einer heilen Welt, waren freundlich und lächelten immer, durften nicht altern oder andersartig sein.

Zur Beglaubigung holte sich der Regisseur eine schier unglaubliche Schar an ultrarelevanten Showpromis in ihren Zeiten zum Gespräch: Vera Tschechowa, Cindy (die mit Bert) Berger, Cornelia Froboess oder Gitte Haenning, die auf Praunheims boshaft-klare Eingangsfrage, „Hattest Du jemals Sex mit Rex?“ keine Antwort gibt.

Als Rahmenhandlung dient dem Praunheim übrigens ein Damen-vom-Grill-Trio mit Christiane Ziehl, Eva-Maria Kurz und Monika Hanser, die am Grabstein "ihres" Rex partout nicht wahrzuhaben bereit sind, dass ihr Traumidol halt nicht auf Frauen, sondern mehr auf Männer stand; am Ende geben sie dann allerdings ihren absurden Widerstand zu Ehren des Verblich'nen auf.

Legenden: Rex Gildo [Dokumentation]

Beratung und Seelsorge in schwierigen Situationen

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Wir gestalten unsere Berichterstattung über Suizide und entsprechende Absichten bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. Falls Sie sich dennoch betroffen fühlen, lesen Sie bitte weiter: Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten - hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote.

  • Telefonseelsorge - Unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de
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  • Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung unterstützen werden Betroffene aller Nationalitäten rund um die Uhr anonym und kostenfrei unterstützt.
  • Psychische Gesundheit - Die Neurologen und Psychiater im Netz empfehlen ebenfalls, in akuten Situationen von Selbst- oder Fremdgefährdung sofort den Rettungsdienst unter 112 anzurufen. Darüber können sich von psychischen Krisen Betroffene unter der bundesweiten Nummer 116117 an den ärztlichen/psychiatrischen Bereitschaftsdienst wenden oder mit ihrem Hausarzt Kontakt aufnehmen.

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