Retinol für Haarwachstum und Gesicht: Was du wissen musst

Viele Menschen, die unter Haarausfall leiden, suchen nach schnellen und einfachen Lösungen. Wenn du zu den mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung gehörst, die schon einmal irgendeine Form von Haarausfall erlebt haben, ist es völlig verständlich, dass du jeden Trick und Tipp ausprobieren möchtest, der dir schnelle Hilfe verspricht - vor allem die günstigen und einfach umsetzbaren.

In diesem Artikel erfährst du, ob Retinol tatsächlich eine Lösung für Haarwachstum und Hautprobleme sein kann, und welche Aspekte du dabei beachten solltest.

Retinol, Vitamin A, Retinoide? Die Grundlagen

Das fettlösliche Retinol gehört in die Reihe der Vitamin A Abkömmlinge. Vitamin A ist ein essenzielles Vitamin, das ausschließlich in Tieren und im menschlichen Organismus vorkommt. Es wird typischerweise über tierische Produkte aufgenommen: Eier, Milchprodukte oder Fisch. Vitamin A aus pflanzlichen Quellen stammt weitestgehend aus den sogenannten Carotinoiden. Diese fungieren als Vorläufer-Vitamin und werden daher auch Provitamin A genannt.

Wird über die Nahrung zu wenig Vitamin A aufgenommen, so zeigt sich ein Mangel neben Nachtblindheit oftmals auch anhand des Hautzustandes: schuppige, faltige und fahle Haut, die zu Verhornungsstörungen neigt. Nicht umsonst nennt man Vitamin A deshalb auch den Restaurateur der Haut.

Was ist der Unterschied zwischen Retinol und Tretinoin?

Es geht hierbei spezifisch um 0,1-prozentiges Tretinoin. Tretinoin ist insofern mit Retinol verwandt, als dass sie beide Abwandlungen von Vitamin A sind, die für denselben Zweck verwendet werden, aber nicht gleichwertig sind. Tretinoin ist ein potenter synthetischer Stoff, den du nur mit ärztlichem Rezept bekommst, wohingegen Retinol natürlich gewonnen wird und frei erhältlich ist.

Wirkung von Retinol auf die Haut

Retinol ist ein hoch geschätzter Inhaltsstoff in der Kosmetikbranche. Seine vielfältige Wirkung geht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Hauttypen ein. Retinol gehört zu den am besten erforschten Stoffen der Dermatokosmetik und ist einer der wenigen Stoffe, der langfristig angewendet zu einer sichtbaren Faltenreduktion beiträgt. Es regt die Kollagenbildung an.

Auch wenn Retinol oftmals mit Vitamin A gleichgesetzt wird, versteht man unter Vitamin A genau genommen einen Sammelbegriff für eine Reihe natürlicher und synthetischer Stoffe. Je nach Kriterien und Einteilung werden diese Stoffe oftmals auch unter dem Begriff Retinoide zusammengefasst. Ob nun Vitamin A oder Retinoide, gemeinsam ist ihnen der fettlösliche Charakter sowie die Grundstruktur.

Erklären lässt sich der unterschiedliche Wirkeintritt, wenn man versteht, dass die einzelnen Verbindungen im Körper stufenweise zur eigentlichen Wirkform umgewandelt werden.

Retinol in der Hautpflege: So funktioniert es

In Hautpflegeprodukten werden in erster Linie Retinolester und Retinol (INCI: Retinol) verwendet. Retinsäure hingegen ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung von Akne und sollte nur nach ärztlicher Verordnung verwendet werden. Aus dieser Situation heraus hat sich übrigens die vermehrte Anwendung von Retinol in der kosmetischen Hautpflege etabliert. Seither ist Retinol aus der Anti-Aging Pflege nicht mehr wegzudenken.

Anwendungsempfehlungen

  • Retinol ist ein potenter Inhaltsstoff, daher die Anwendung in niedriger Konzentration beginnen und nur langsam steigern.
  • Vor allem Erstanwender sollten ihre persönliche Retinolschwelle nach und nach austesten, um Reizungen und Rötungen zu vermeiden. Dazu eignet sich beispielsweise ein Zeitraum von ca.
  • Retinol bevorzugt abends anwenden, da es unter Lichteinfluss seine Wirksamkeit verlieren kann.
  • Retinol ist kein Produkt mit Soforteffekt, daher sollten entsprechende Pflegeprodukte regelmäßig und langfristig angewendet werden.

Denn viele Prozesse, die durch Retinol angestoßen werden, zeigen ihren Effekt mit einer gewissen Zeitverzögerung.

Die stärkste Anti-Aging-Wirkung können Produkte erzielen, in denen auch wirklich auf Retinol als Inhaltsstoff gesetzt wird. Retinolester wirken schwächer, bieten dafür aber auch den Vorteil, dass sie verträglicher sind. Formulierungen mit Retinolestern sind daher eine gute Alternative bei sensiblerer Haut oder können einen guten Einstieg in die Retinolpflege bieten.

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Retinol für verschiedene Hauttypen

Es empfiehlt sich, zu einem Serum mit Retinol zu greifen, wenn die Haut an Straffheit verliert, Zeichen der Hautalterung aufweist oder mit Akne zu kämpfen hat. Serum mit Retinol, einem Derivat des Vitamin A, ist besonders für Menschen mit reifer, fettiger und zu Akne neigender Haut zu empfehlen. Dieser Wirkstoff unterstützt Anti-Aging-Prozesse und normalisiert die Talgproduktion.

Auch bei einem ungleichmäßigen Hautton lohnt es sich, zu Seren zu greifen - Retinol hilft, die Haut aufzuhellen. Diese Art von Serum kann auch von Menschen mit trockener, empfindlicher oder vaskulärer Haut verwendet werden. In diesem Fall ist es notwendig, ein Präparat mit einer niedrigen Retinolkonzentration zu wählen.

Man beachte, dass die Verwendung von Seren mit diesem Wirkstoff die Epidermis reizen kann. Daher sollten Produkte mit Retinol in der richtigen Menge verwendet werden. Retinol hat lichtsensibilisierende Eigenschaften. Daher sollten Seren mit diesem Inhaltsstoff nachts aufgetragen und tagsüber eine Creme mit UV-Filtern verwendet werden. Sie tragen dazu bei, die Haut vor den schädlichen Strahlen der Sonne zu schützen.

Retinol und Haarwachstum: Was sagt die Forschung?

Viele von uns verwenden bereits irgendeine Form von Retinoid auf unserer Gesichtshaut. Daher stellt sich nun die Frage: Wenn wir von Haarausfall betroffen sind, sollten wir den Stoff dann auch am Haaransatz und oberhalb davon benutzen?

Helfen Tretinoin und Minoxidil gegen Haarausfall?

Um das direkt vorweg zu sagen: Ganz sicher lässt sich diese Frage noch nicht beantworten. Die Behauptung fußt auf einer Handvoll Studien zum Haarausfall, bei denen Menschen mit androgenetischer Alopezie (einer genetischen Form des Haarverlusts) mit Kombi aus Tretinoin und Minoxidil behandelt wurden.

Einige vielversprechende Ergebnisse zeigten, dass das Tretinoin die Wirkung vom Minoxidil bei Betroffenen der androgenetischen Alopezie verstärken könnte. Das Tretinoin könnte der Kopfhaut dabei helfen, das Minoxidil zu absorbieren. Allerdings befassten sich diese Studien eben nur mit einer sehr spezifischen Form von Haarausfall sowie einer spezifischen Form von Retinoid.

Hochkonzentriertes Minoxidil wird ausschließlich Betroffenen der androgenetischen Alopezie als Haarausfallmittel verschrieben. Daher wird es - ob nun allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen - vermutlich auch nicht gegen stressbedingten Haarausfall oder Traktionsalopezie helfen. Traktionsalopezie ist ein Rückgang des Haaransatzes, der zum Beispiel durch Hitzeschäden oder Belastungen der Haarwurzel entsteht (zum Beispiel, wenn du jeden Tag einen strengen Zopf trägst und damit an deinen Haaren zerrst).

„Wenn du keine androgenetische Alopezie hast, hat Minoxidil keinen Zweck“, meint die Trichologin Helen Reavey, Gründerin der Haar- und Kopfhautpflegemarke Act+Acre. Und selbst, wenn du diagnostizierte androgenetische Alopezie hast, verspricht Minoxidil keinen garantierten Erfolg. „Ungefähr 50 Prozent aller Männer sehen eine Verbesserung, die andere Hälfte nicht“, bestätigt auch die Trichologin Angela Onuoha. „Bei Frauen ist der Prozentsatz sogar kleiner. Nur rund 30 bis 40 Prozent bemerken einen Unterschied.“

Retinol und Minoxidil: Eine sichere Kombination?

Wenn du zu denen gehörst, die mit Minoxidil ihre androgenetische Alopezie behandeln, stellst du dir jetzt vielleicht die Frage: Solltest du ein Retinoid (wie Tretinoin) benutzen, um die Wirkung zu verstärken? Du kannst dir dazu die Meinung deines Arztes oder deiner Ärztin einholen - doch ist das vermutlich ein „Nein“. Es gibt bisher einfach nicht genug Forschungsergebnisse, die die kombinierte Anwendung befürworten würden.

Noch dazu hat nicht nur Minoxidil, sondern auch Tretinoin eine hautreizende Wirkung. So würdest du zwei Reizstoffe miteinander kombinieren. „Minoxidil entsteht zu rund 80 Prozent aus Alkohol. Es irritiert die Haut so schon genug“, meint Helen. „[Mit Tretinoin] würdest du dann bloß etwas potenziell ebenfalls Reizendes darüber auftragen.“

Klar kannst du dein Retinol, das du ohnehin schon im Gesicht verwendest, Schritt für Schritt auch auf der Kopfhaut verwenden. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Indizien dafür, dass das dem gesunden Haarwachstum hilft. „Wir wissen schon vom Gebrauch von Retinol im Gesicht, dass es die Erneuerung der Hautzellen beschleunigt“, erklärt Angela. „Es könnte auch dabei helfen, dass andere Wirkstoffe besser in die Kopfhaut eindringen können. Daher kommt dieser Trend zur Kombination mit Minoxidil ja überhaupt. Ich habe aber noch keine Studien dazu gesehen, dass sich Retinol wirklich auf das Haar und Haarwachstum auswirken könnte.“

Helen ergänzt, dass Retinol sogar mehr Schaden anrichten als helfen könnte. „Wenn du Retinol auch auf die Kopfhaut aufträgst, musst du deine Kopfhaut umso besser vor der Sonne schützen“, sagt sie. In diesem Fall wäre ein Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor ein Muss, weil Retinoide deine Haut anfälliger für Sonneneinstrahlung machen. „Ihr Nachteil ist, dass deine Haut dadurch empfindlicher wird. Wenn du ohnehin schon eine empfindliche oder gar entzündete Kopfhaut hast, kann das Retinol sogar das Gegenteil von dem bewirken, was du dir wünschst, und für Entzündungen oder gar Haarausfall sorgen.“

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wenn du es ausprobieren möchtest, gilt: Immer langsam. Auch deine Kopfhaut muss, wie deine Gesichtshaut, erstmal an ein Retinoid gewöhnt werden. „Ansonsten kann es zu Irritationen kommen, und diese Irritationen können Entzündungen hervorrufen.“

Alternativen für besseres Haarwachstum

Helen und Angela empfehlen dazu Wirkstoffe wie Salicylsäure und Peptide. „Wenn meine Patient:innen nicht gewillt sind, viel Geld in ihre Kopfhautpflege zu investieren, rate ich ihnen immer, einfach das zu verwenden, was sie vielleicht schon in ihrer Hautpflege benutzen“, sagt Helen. Sie empfiehlt, auf Retinoide zu verzichten und stattdessen Salicylsäure zu verwenden. „Salicylsäure ist sanfter“, erklärt sie. „Sie befreit die Haarwurzeln von Verstopfungen und stimuliert den Blutfluss. Es ist ein ähnlicher Mechanismus [wie bei Retinoiden], aber Retinol hat mehr Nachteile.“

Du möchtest Salicylsäure in deine Kopfhautpflege integrieren? Helen empfiehlt das Act+Acre Cold Processed Scalp Renew mit niedrig konzentrierter Salicylsäure, das du vor der Haarwäsche einwirken lässt und dann einfach wieder auswäscht. Für die besten Ergebnisse empfiehlt sie, danach das entzündungshemmende Act+Acre Cold Processed Stem Cell Serum aufzutragen.

Wenn es um „schnelle und einfache“ Hacks zum Haarwachstum geht, denk dran: Wenn es sich zu einfach oder zu gut anhört, um wahr zu sein, ist es das vermutlich auch.

Zusammenfassung

Retinol kann ein wertvoller Bestandteil deiner Hautpflege sein, insbesondere zur Bekämpfung von Falten und Akne. Ob es jedoch das Haarwachstum fördert, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt. Bei der Anwendung auf der Kopfhaut ist Vorsicht geboten, und Alternativen wie Salicylsäure können eine sanftere Option darstellen.

Wie dir alle Ärzt:innen, Dermatolog:innen und Tricholog:innen (Haar- und Kopfhautspezialist:innen) bestätigen werden, geht es im Kampf gegen Haarausfall nämlich mehr um die Diagnose als um die Behandlung. Wenn du selbst betroffen bist, ist es am besten, erstmal herauszufinden, woher dein Haarausfall überhaupt kommt.

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