Kleiden sich Rechtsextremisten mit Bomberjacke, schwarzen Stiefeln und dazu einem kahlrasierten Schädel? Oder mit Trachtenhemd, Scheitel und Schnauzer? Das war einmal. Die Zeiten ändern sich. Moderne Rechtsextremisten kleiden sich heute nicht mehr martialisch wie Skinheads oder stolzieren in Uniformen zu Demonstrationen.
Rechtsextreme haben ihre eigenen Bekleidungsmarken. Sie sind oft dezent und unauffällig. Hier sind einige Beispiele für Frisuren und Kleidungsstile, die in der rechtsextremen Szene beobachtet werden:
Ihre Ideologie ist zwar der „Nationale Sozialismus“, doch ihr Lifestyle ist attraktiver und für viele Jugendliche salonfähig: Lehrer und Eltern stellen keine unangenehmen Fragen.
Rechtsextreme Akteure nutzen bestimmte Modemarken bewusst, jedoch lässt sich dadurch nicht schlussfolgern, dass die entsprechenden Modemarken selbst der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Oftmals erfolgte eine Instrumentalisierung der Modemarke. Es gibt Marken, die selbst ganz klar rechtsextreme Inhalte Teilen, andere setzten sich für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und werden dennoch von rechtsextremen Akteuren getragen.
Solche Marken haben keine direkten Bindungen an die rechtsextreme Szene.
Die Marketingkonzepte dieser Firmen sind auf Käufer aus „gewaltorientierten“ Szenen (Hooligans, Skinheads, Rocker) spezialisiert. Sie spielen und kokettieren mit dem Image gewaltbereiter „Gesetzloser“. Deshalb werden diese Bekleidungsmarken auch gerne von Rechtsextremisten getragen.
Diese gewinnorientiert arbeitenden Firmen haben zwar teilweise Verbindungen in die rechtsextreme Szene, gelten aber nicht als rechtsextreme Modemarken.
Verfassungsschützer bezeichnen diese Marken als „szenetypische Bekleidung“ und Erkennungsmerkmal von Rechtsextremisten. Die Firmen sind gewinnorientiert. Sie bemühen sich, keinen Anlass für Verbote ihrer Kollektionen zu liefern. Denn das würde ihrem Geschäft schaden.
Neonazis bei einer Demonstration. Quelle: Wikimedia Commons
Solche Eigenprodukte werden über den Versandhandel sowie bei Konzerten vertrieben und kaum über Ladengeschäfte verkauft.
Bezüge zu rechtsextremer Musik und Lifestyle: Weit verbreitet sind Merchandise Artikel von rechtsextremen Bands, beispielsweise der verbotenen Gruppe „Landser“ oder ihrem Nachfolger „Lunikoff Verschwörung“.
Logos rechtsextremistischer Organisationen: Sie wirken meist auch zur Einschüchterung des politischen Gegners. Dazu zählen die „White Power“-Faust sowie Hammer und Schwert als Erkennungszeichen von Rassisten. Die Kopie des Symbols der Antifaschistischen Aktion, eine schwarze und eine rote Fahne, werden von den „Autonomen Nationalisten" verwendet.
Rechte Symbole und Codes. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Eine besondere Vorliebe haben Rechtsextremisten für geheime Codes und (versteckte) Drohungen, die sie in vielfältiger Weise auch auf bedruckten Textilien zur Schau stellen. Beispielsweise werden T-Shirts mit dem Schriftzug „DIVISION 88“ (= „Division Heil Hitler“) getragen.
Wer sich besonders martialisch geben will, demonstriert Verbundenheit mit der Terrorgruppe „Combat 18" („C18“) (siehe auch Die „White Supremacy“-Nazis in Deutschland). Rechtsextreme Textilien sind beispielsweise mit dem Aufdruck „Combat 18 Actiongroup“, „TERRORMASCHINE COMBAT 18“ oder mit Motiv Bombe mit Zeitzünder versehen: „COMBAT 18 PARCEL SERVICE“ („Kampfgruppe Adolf Hitler Paket-Service“).
Nicht jeder Skinhead ist automatisch ein Rechtsextremer. Und die wenigsten Rechtsextremen kleiden sich heutzutage noch wie Skinheads.
Bomberjacken, Tattoos, Springerstiefel und Glatze - das gemeinsame Identifikationsmerkmal von Skinheads ist Männlichkeitskult und ein martialisches Auftreten. Aber auch wenn es in den Medien vielfach falsch dargestellt wird, hattten Skinheads und Skingirls ursprünglich nichts mit Rechtsextremismus zu tun.
Die Skinheadbewegung entstand Ende der 60er Jahre in London. Weiße Jugendliche aus Arbeiterfamilien entdeckten zu dieser Zeit ihre Liebe zur Reggae-Musik der jamaikanischen Einwanderer. Sie tanzten gemeinsam mit schwarzen Jugendlichen in den Klubs zu Ska und Reggae-Rhythmen.
Anfang der 70er Jahre begann jedoch die rechtsextreme britische National Front gezielt, die Skinheadszene zu vereinnahmen. Mit rassistischen und demokratiefeindlichen Parolen schafften die Rechtsextremen das vorhandene Wut- und Gewaltpotential in der Skinheadszene in ihrem Sinne zu kanalisieren. Nicht zuletzt durch die starke Medienberichterstattung über Naziskinheads bekam die Szene aus dieser Richtung immer mehr Zulauf.
Als Resultat gilt bis heute für viele Menschen die gesamte Skinhead-Bewegung als rechtsextrem. Dabei gibt es viele unterschiedliche Strömungen innerhalb der Szene: linksradikale „Red Anarchist Skinheads“ (RASH), antirassistische „SHARP-Skins“ (Skinheads Against Racial Prejudice), unpolitische „Oi-Skins“, aber eben auch rechtsextreme „Hammerskins“ und „Boneheads“.
Gemeinsam haben die verschiedenen Strömungen nur das Interesse an Musik, Konzerten, Alkohol und das Ausleben eines Männlichkeitskults, verbunden mit dem selbst erschaffenen „Outlaw“-Gefühl.
Weibliche rechtsextreme Skinheads nennen sich Renees oder Skingirls. Erkennungzeichen ist der Haarkranz: Rasierter Schädel mit einem Kranz aus langen Strähnen um das Gesicht herum.
Männer-Bands besingen Frauen hauptsächlich als Sexualobjekte, weibliche Musikerinnen stellen sich als gleichberechtigte Kameradinnen dar. Sexismus in Musiktexten wird von den Frauen meist ausgeblendet - sie setzen sich nicht gleich mit den abgewerteten Frauenbildern der Texte.
Viele Renees entsprechen dem männlichen Bild, halten sich gern im Hintergrund und sehen ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung der Männer.
Rund ein Drittel der rechtsextremen Szene besteht aus Frauen. Sie teilen und vertreten dieselben rassistischen, völkischen, antisemitischen und nationalistischen Ansichten wie die Männer, wenn bisher auch weniger gewalttätig.
Bei rechtsextremen Frauen steht nach wie vor die Mutterrolle und die Versorgung der Familie an erster Stelle. Inzwischen wollen viele Renees und Skingirls allerdings mehr als Anhängsel der Männer sein und ihre "nationale Pflicht" nicht nur als "deutsche Mutter" erfüllen. Sie sehen sich als "moderne, anständige, revolutionäre, selbstbewusste, nationale deutsche Frauen" (so Aktivistinnen der Skinhead-Kameradschaft "Fränkischen Aktionsfront"). Völkische Feministinnen beziehen sich oft auch auf heidnisch-germanische Mythen.
Seit 1999 organisieren sich rechte Frauen zunehmend, diskutieren in Gruppen ihre Frauenrolle und planen gemeinsame Aktionen. Ziel ist es, innerhalb der Szene sichtbarer zu werden, ihre rassistischen, antisemitischen oder nationalistischen Aktivitäten explizit als Erfolge der Frauen zu verbuchen und so Anerkennung in den eigenen Reihen zu erhalten.
Die rechtsextreme Szene nutzt verschiedene Frisuren, Kleidungsstile und Marken, um ihre Ideologie auszudrücken und sich von anderen abzugrenzen. Diese Codes und Symbole können sowohl offen als auch subtil sein. Es ist wichtig, sich dieser Zeichen bewusst zu sein, um rechtsextreme Tendenzen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.
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