Rasierer Akku Wechseln: Eine Detaillierte Anleitung

Die Schwachstelle aller kabellosen Rasierapparate ist der eingebaute Akku. Er ist meistens das lebensdauerbestimmende Bauelement des Rasierers. Nach acht zuverlässigen Jahren machte der Akku meines Rasierers schlapp.

Für viele ist das ein Zeichen dafür, dass das Gerät nun wirklich wegmuss. Doch es gibt eine Lösung: Der Akku kann ausgetauscht werden, was nicht nur Geld spart, sondern auch die Umwelt schont. Denn für neue Elektrogeräte wird grundsätzlich sehr viel Energie und wertvolles Material verbraucht und Schadstoffe fallen an.

Wenn du dich mit Elektrik auskennst und Löten für dich kein Problem ist, ist der Akkutausch beim Rasierer sogar eine Aufgabe, die du zu Hause selbst erledigen kannst. Hier ist eine detaillierte Anleitung, wie du den Akku deines Rasierers selbst wechseln kannst.

Hinweis: Andere Rasierer mit rotierenden Scherköpfen werden einen ähnlichen Aufbau besitzen.

Vorbereitung und Werkzeuge

Bevor Sie mit der Reparatur des Geräts beginnen können, benötigen Sie geeignete Ersatzakkus. Original verbaut sind im Modell 5520 NiMH-Akkus in der Bauform Mignon (auch als AA bezeichnet). Wichtig ist, daß Sie Akkus mit angeschweißten Lötstreifen kaufen.

Benötigte Werkzeuge:

  • Lötkolben
  • Entlötpumpe
  • Kleiner Schraubendreher
  • Kleines Messer mit dünner Klinge
  • Seitenschneider
  • Flachzange
  • Isolierband
  • Haushaltsuniversalkleber

Ersatzteile:

  • NiMH-Akkus mit angelöteten Lötfahnen (Bauform Mignon/AA)

Wählen Sie als Ersatz möglichst Zellen von bekannten Markenherstellern. Bei absoluten Billigzellen kann es oft vorkommen, daß Sie einen relativ hohen Innenwiderstand besitzen und damit der Rasierer nur lustlos brummt, daß es große Unterschiede zwischen 2 Zellen gibt und daß die Lebensdauer gering ist. Maximal 1 € Preisunterschied pro Zelle sind den möglichen Ärger einfach nicht wert!

Absolut empfehlenswert sind NiMH-Akkus mit niedriger Selbstentladung wie z.B. Sanyo eneloop, Panasonic Infinium oder GP Recyko+, die man von auf Akkus spezialisierten Firmen auch mit angeschweißten Lötstreifen beziehen kann.

Warnen möchte ich ausdrücklich davor, Akkus ohne angeschweißte Lötstreifen zu verwenden. Der Grund ist der, daß Akkus eine hohe Wärmekapazität besitzen, wodurch man die Pole kräftig erhitzen muß, um eine elektrische Verbindung anlöten zu können. Tut man dies, überhitzt man den Akku heftig, wodurch er vorgeschädigt wird, was beim langen Rumbraten bis zum sofortigen Totalschaden führen kann. Die Lötstreifen werden hingegen vom Hersteller mittels Punktschweißung angebracht.

Schritt-für-Schritt Anleitung

Nachfolgend ist exemplarisch am Modell 5520 beschrieben, wie man die Nickelmetallhydridakkus (NiMH-Akkus) bei Rasierapparaten der Marke Braun selbst austauschen kann. Andere Modelle sind ganz ähnlich aufgebaut, sodaß die Vorgehensweise beim Akkuaustausch sich nicht wesentlich von der beschriebenen unterscheidet.

Braun Series 9 Rasierapparat Akkutausch DIY Nachhaltigkeit für Elektronikfachmarkt ein Fremdwort

1. Öffnen und Demontage

Rasierapparate von Braun sind erfreulicherweise recht reparaturfreundlich (zumindest die älteren), d.h. man kann sie ohne Spezialwerkzeuge relativ leicht auseinander- und vor allem auch wieder zusammenbauen.

Wahrscheinlich um absolute Anfänger ein wenig abzuschrecken, hat Braun die Schrauben zum Öffnen unter zwei Abdeckungen versteckt. Diese beiden Abdeckungen befinden sich links und rechts neben der 230-V-Anschlußbuchse.

Vermeiden Sie, mit einem kleinen Schraubendreher diese Abdeckungen aufzuhebeln; sowas machen nur Dilettanten. Ohne häßliche Spuren zu hinterlassen, geht es mit einem kleinen Messer mit dünner Klinge; in der Küche sollte sich ein passendes Messer finden. Auch ein Teppichmesser läßt sich außer für Flugzeugentführungen ebenfalls hierfür zweckendfremden. Wenn Sie die Klinge vorsichtig jeweils in den Spalt der beiden Abdeckungen drücken und dann das Messer um wenige Winkelgrade drehen, springen diese von selbst weg.

Durch das Entfernen der beiden Abdeckungen werden 2 Kreuzschlitzschrauben sichtbar. Entfernen Sie diese beiden Schrauben und ziehen Sie die U-förmige Plastikabdeckung nach unten weg. Nun können Sie das Alugehäuse wegziehen. Manchmal hakt es ein wenig am Übergang zum Scherkopf. In diesem Fall hilft Ihnen ebenfalls das kleine Messer, dessen Klinge Sie in den dortigen Spalt drücken.

Wenn Sie das geschafft haben, können Sie den Rasierer umdrehen und sich der schwarzen Plastikabdeckung widmen. Diese ist ringsherum eingeclipst. Das Entclipsen der äußeren Befestigung ist sehr einfach zu bewerkstelligen, sodaß Sie die Plastikabdeckung komplett nach oben wegziehen könnten, wenn sie nicht noch zusätzlich innen mit verclipst wäre.

Die schwarze Abdeckung besitzt jedoch zwei Öffnungen, durch die hindurch mit einem kleinen Schraubendreher eine Entriegelung möglich ist. Wenn alle Clips entriegelt sind, können Sie die Abdeckung nahzu ohne Kraftaufwand entfernen.

Nun können Sie die Leiterplatte mit den beiden Akkus sehen. Diese Leiterplatte ist per Wurfmontage lediglich eingelegt und nicht verschraubt. Sie können Sie leicht entnehmen, indem Sie sie am in der Nähe des Scherkopfs befindlichen Ende greifen, dort anheben und eine Drehbewegung um die Netzbuchse durchführen (dort verhindern Kontakte, daß Sie die Leiterplatte nach oben herausziehen können). Sobald ein Winkel von ca. 45° erreicht ist, können Sie sie schräg nach oben bzw. in Richtung Scherblatt herausziehen.

2. Austausch der Akkus

Auf die Leiterplatte sind 2 Akkus aufgelötet und zusätzlich mit doppelseitig klebendem Moosgummi befestigt, damit die Lötstellen mechanisch möglichst wenig belastet werden. Markieren Sie zuerst auf der Leiterplatte die Polarität der Akkus. Sie ist auf dem Akku zwar nicht aufgedruckt, aber Sie erkennen sie anhand der mechanischen Ausgestaltung der Pole.

Anstatt die defekten Akkus auszulöten, empfehle ich, mit einem kleinen Schraubendreher die Anschlußstreifen möglichst dicht an der Schweißstelle der Akkupole vom Akku etwas wegzudrücken (einfach dazwischen drücken) und dann mit einem kleinen Seitenschneider abzuschneiden. Sodann kann man mit Hilfe eines kleinen Messers die Verklebung lösen und die Akkus dann leicht entfernen.

Vorsicht: Auch wenn die Akkus altersschwach sind, sind sie wenigstens teilweise geladen und können im Kurzschlußfall recht große Energiemengen freisetzen.

Als Ersatzakkus benötigen Sie unbedingt Akkus mit angeschweißten Lötfahnen, siehe Kauf von Ersatzakkus. Wenn Sie den Akkus etwas Gutes tun wollen und über ein akkuschonendes Ladegerät mit Entlademöglichkeit verfügen, können Sie sie vor dem Einlöten in einem geeigneten Ladegerät mit einigen Lade-/Entladezyklen trainieren. Unbedingt erforderlich ist dies jedoch nicht.

Sehr wichtig ist jedoch, daß beide den gleichen Ladestand besitzen, d.h. entweder beide voll oder beide leer sind. Um eine gute Lötverbindung zu gewährleisten, werden nun die Enden der Lötfahnen mit einem heißen Lötkolben (bei Lötstation Einstellung 450°C) verzinnt. Durch die hohe Temperatur verzundert die Lötspitze zwar sehr schnell, aber die Zeit zum Verzinnen reduziert sich dadurch drastisch.

Es ist deutlich besser, ca. 2 Sekunden mit 450°C zu verzinnen als 10 Sekunden mit 300°C, da die Anschlüsse bei hoher Temperatur schnell und zuverlässig sowie mit geringem Wärmeeintrag auf den Akku verzinnt werden. Beim langen Braten mit niedriger Temperatur erfolgt hingegen keine zuverlässige Verzinnung, wobei der Wärmeeintrag auf den Akku beträchtlich ist.

Vermindern kann man den Wärmeeintrag, indem man die Lötfahne auf halber Strecke mit einer Flachzange auf ganzer Breite greift und so für Wärmeabfuhr sorgt. Die Anschlußreste der alten Akkus verzinnen Sie danach ebenfalls.

Die Lötfahnen sollten Sie nicht kürzen sondern nun derart zickzackförmig biegen, daß die Enden mit den in der Leiterplatte verbliebenen Anschlußresten der alten Akkus eine Überlappung bilden. Nun kommen bei jedem Akku je zwei Kleckse eines üblichen Haushaltsuniversalklebers auf die Leiterplatte, um den neuen Akku mechanisch zu stabilisieren. Dann wird er mit hoher Temperatur und damit einhergehender möglichst kurzer Lötdauer mit richtiger Polung eingelötet.

Auch hier ist es ratsam, zum Akku hin mit einer kleinen Flachzange für eine Wärmeabfuhr am Lötstreifen zu sorgen. Hat man den ersten Pol angelötet, wird mit einem breiten Schraubendreher o.ä. der zickzackgefaltete Anschlußstreifen zusammengepreßt, damit der Akku samt Anschlüssen paßt. Dann lötet man den zweiten Pol fest und komprimiert ebenfalls den zickzackgefalteten Anschlußstreifen. Gleiches macht man mit dem zweiten Akku unter Beachtung der Polung.

3. Zusammenbau

Der Zusammenbau erfolgt dann in umgekehrter Reihenfolge wie beim Auseinanderbauen. Zuerst wird die Leiterplatte in den Rasierer eingelegt. Dazu legt man im ca. 45°-Winkel die Leiterplatte so in den Rasierer ein, daß die 230-V-Kontakte der Leiterplatte auf den Anschlußstiften des Rasierers zu liegen kommen. Dann vermindert man den Winkel vorsichtig auf 0°. Danach klipst man vorsichtig die schwarze Plastikabdeckung ein.

Nun kann man probeweise den teilmontierten Rasierer kurz einschalten, um die Funktion zu testen. Selbst bei nicht aufgeladenen Akkus muß er wenigstens ein schwaches Lebenszeichen geben. Ist das nicht der Fall, haben Sie offensichtlich etwas falsch gemacht und wissen nun, warum ich davor gewarnt hatte, ohne ausreichende Kenntnisse eine Reparatur durchzuführen; jetzt brauchen Sie jemanden, der den Fehler finden kann (Falsche Polung? Schlechte Lötverbindungen? Akku überhitzt? Leiterbahnen abgekokelt?).

Wenn hingegen alles funktioniert, brauchen Sie nur noch das Alugehäuse und dann die U-förmige Plastikabdeckung aufzuschieben, die beiden Schrauben wieder einzudrehen und die beiden Plastikabdeckungen aufzuklipsen.

Jetzt folgt der letzte Test: Schließen Sie den Rasierer an 230 V an. Nun muß die grüne Ladelampe aufleuchten. Sofern Sie die Akkus vor dem Einbau aufgeladen hatten, entfernen Sie das Netzkabel und legen den Rasierer zurück an seinen gewohnten Ort. Ansonsten lassen Sie ihn am Netz und laden Sie die Akkus vollständig auf.

Leuchtet die Lampe hingegen nicht auf, kommt als Fehlerquelle eine fehlende Verbindung zwischen den Stiften des Netzanschlusses zu den Kontakten der Leiterplatte in Betracht.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Akkutypen: Bei meinem Rasierer hatte ich Glück, denn der Akku konnte durch eine ganz normale AA-Ni-MH-Zelle ersetzt werden. Allerdings wurden in meinem Rasierer auch Li-Ion-Akkus eingesetzt, weshalb auch eine andere Ladeschaltung zum Einsatz kommt. Die beiden Typen dürfen nicht vertauscht werden. Ni-MH-Akkus haben etwa eine Spannung von 1,2 bis 1,4 Volt je nach Ladezustand.
  • Akkukapazität: Als Ersatz habe ich selbstverständlich ein besonders gutes Exemplar mit einer Kapazität von 2000 mAh gewählt. Dieser Akku hält über eine Woche durch. Der ursprüngliche Akku schaffte im Neuzustand nur 4 bis 5 Rasuren. Je größer die Akkukapazität desto besser. Der Ladeschaltung und dem Akku macht das nichts aus.
  • Netzteil: Sollte das Steckernetzteil meines Rasiers eines Tages versagen, dient mir dieses Bild als Erinnerungstütze über die Polarität und Spannung des Netzteils.

Hier ist eine Tabelle mit den wichtigsten Informationen zu den Akkus:

Akkutyp Spannung Hinweise
Ni-MH 1,2 - 1,4 Volt Nicht mit Li-Ion-Akkus verwechseln
Li-Ion Variiert Benötigt spezielle Ladeschaltung

Langzeitbetrachtung und Wirtschaftlichkeit

Durch den zweimaligen Austausch des Akkus und dem Ersatz des Netzteils konnte sich die Lebensdauer des Rasierers von 8 auf 12 Jahre verlängern. Das Ende des Rasierapparates waren durch Abnutzung beschädigte Oberflächen der Gitterbleche, in denen die Messer rotieren. Dadurch wurde die Haut beim Rasieren verletzt, die dann zum Teil blutete.

Insgesamt investierte ich 3 bis 4 Stunden Arbeit, um die Lebensdauer um 4 Jahre zu verlängern. Gekostet hat der Rasierer einst um die 80 Euro. Der Stundenlohn ist also ein Witz. Für mich ist das ein schönes Beispiel, dass sich Reparaturen wirtschaftlich nur lohnen, wenn man selbst Hand anlegt und daran Freude hat. Schwer bezifferbar ist sicherlich der Lerneffekt dabei.

Alternativen zur Eigenreparatur

Keine Sorge! Wenn du selbst so eine Reparatur nicht durchführen kannst, kannst du das auch von Profis machen lassen. Manche Serviceanbieter sind lizenziert, um Reparaturen im Garantiefall durchzuführen. Wende dich in so einem Fall am besten zuerst an den Hersteller. Meistens musst du das Gerät dann einsenden, wenn du Glück hast, befindet sich aber auch ein Anbieter direkt bei dir in der Nähe.

Finde über kaputt.de schnell Reparaturdienste in deiner Stadt und vergleiche sie nach Preis, Bewertung und Entfernung zu deinem Standort. Nimm direkt Kontakt mit den Diensten auf und vereinbare einen Termin. Wenn du keinen Reparaturdienst in deiner Nähe findest, kannst du deinen Rasierer auch zur Reparatur einsenden. Nach wenigen Werktagen erhältst du deinen reparierten Rasierer bzw. Akku wechseln lassen

Auch die Kosten deiner Reparatur richten sich nach der Art des Defekts. Als Hobby-Bastler*in oder Technikexpert*in ist eine eigen durchgeführte Reparatur kein Problem! Oder auch als anfänglicher Laie gelingt dir die eigene Reparatur deines Rasierers mit unseren Anleitungen. Du wirst mit unseren Schritt-für-Schritt Anleitungen langsam ans Ziel geführt oder kannst dir die Reparatur in unseren Anleitungsvideos anschauen und einfach nachmachen. Damit du auch direkt loslegen kannst, findest du bei uns verschiedene Ersatzteile und Werkzeuge, die passend zu unseren Anleitungen zusammengestellt sind.

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