Haarausfall nach COVID-19: Ursachen, Formen und Behandlungsmöglichkeiten

Wer eine COVID-19-Infektion überstanden hat, kann noch lange nach dem Abklingen der Krankheit unter den Folgen leiden. Zu den häufigsten Beschwerden zählen gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit und Gedächtnisprobleme. Darüber hinaus berichten Betroffene nicht selten von Gelenkschmerzen, Gürtelrose und Hautausschlag sowie Haarausfall.

Haarausfall ist ein mögliches Long-Covid-Symptom, das einige Menschen nach einer überstandenen Infektion bei sich beobachten. In den letzten Monaten ist auch das Thema Haarausfall durch Corona aufgekommen. Nach einer überstandenen COVID-19-Infektion klagen die Patientinnen und Patienten häufig über verschiedene Langzeitfolgen, die Tage, Wochen und sogar Monate anhalten können.

Inzwischen wurde auch von der American Academy of Dermatology Association (AAD) offiziell festgestellt, dass eine Corona-Infektion Auswirkungen auf den gesamten Körper hat, inklusive der Organe und Gefäße. Das führt unter anderem dazu, dass bei einer zunehmenden Anzahl von Patienten die Haarwurzeln leiden. Ein paar Monate nach der Genesung kann bei Corona-Infizierten deshalb Haarausfall auftreten.

Doch was ist die Ursache für den Haarausfall nach der Covid-Erkrankung? Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei ersten medizinischen Annahmen zufolge um eine Reaktion des Körpers auf die starke Belastung durch die Erkrankung. So erklärte Dr. Thorben Royeck von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn kürzlich in einem Pressegespräch, dass die Erkrankung wahrscheinlich zur Entwicklung eines sogenannten telogenen Effluviums führe.

Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Haarausfall hat unterschiedliche Ursachen, Formen und Ausprägungen. Er kann beispielsweise genetisch bedingt vorliegen, durch hormonelle Veränderungen ausgelöst werden, eine Folge von Eisenmangel sein oder auch in stressigen Situationen auftreten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach schweren Infektionen verstärkt Haare ausfallen.

Haarausfall nach Corona-Infektion? Das kannst du tun!

Die Ursachen von Haarausfall sind äußert vielfältig.

Bei Haarausfall werden verschiedene Arten unterschieden:

  • Diffuser Haarausfall: Sichtbare Kopfhaut, dünnes Haar - beim diffusen Haarausfall fällt über das gesamte Kopfhaar hinweg Haar aus
  • Kreisrunder Haarausfall: Es entstehen kahle Stellen auf dem Kopf - oder an anderen behaarten Körperregionen
  • Vernarbende Alopezien: Es entstehen teilweise schwere entzündliche Areale, an denen Haare ausfallen

Die genannten Haarausfall-Muster können auch in Kombination auftreten. Nach überstandener Corona-Erkrankung berichten jedoch einige Personen davon, dass sie mit lichter werdendem Haar und Haarausfall zu kämpfen haben. Medizinischen Annahmen zufolge ist der coronabedingte Haarausfall zum einen auf den körperlichen und psychischen Stress zurückzuführen.

Zum anderen gehen Mediziner davon aus, dass sich COVID-19 auch auf die Gefäße der Haarwurzeln auswirken kann. Dadurch werden diese nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Infolgedessen gehen sie von der Wachstumsphase in die Ausfallphase über. Durch die geschwächte Versorgung nimmt auch die Verankerungsfähigkeit ab, wodurch sich das Haar langsam ablöst.

Ursachen und Mechanismen

Ein möglicher Grund für Haarausfall nach Covid-19 kann eine Unterversorgung der Haarwurzeln mit Nährstoffen während der Zeit der Erkrankung sein. Ist das Haar längere Zeit unterversorgt, entweder weil das Immunsystem wichtige Ressourcen abzieht oder die Ernährung während der Erkrankung schlechter ist, kann Haarausfall verstärkt auftreten.

Auch vermuten Forscher, dass der Körper im Rahmen der SARS-CoV-2-Virenabwehr fälschlicherweise Auto-Antikörper gegen die eigenen Haarwurzeln bildet.

Ebenso können Stresshormone schädigend auf die Haarwurzeln wirken. Bei schweren Erkrankungen ist diese Ausschüttung verstärkt. "Ein erhöhter Cortisolspiegel im Blut beispielsweise hemmt das Haarwachstum und begünstigt Entzündungsreaktionen an den Haarwurzeln", erklärt Dr. Uwe Schwichtenberg, Hautarzt aus Bremen und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V.

Auch Coronaviren können Entzündungsprozesse im ganzen Körper verursachen. Entzündete Haarwurzeln begünstigen Haarverlust.

Das bedeutet, dass das Haar aus seiner Wachstumsphase in die Ausfallphase (Telogene Phase) wechselt. Ursache dafür könnte laut mehrerer Experten sein, dass sich durch die Covid-Erkrankung auch Gefäßveränderungen an den Haarwurzeln ergeben. Den Haaren fehlt damit der Treibstoff, Blutversorgung und Verankerung werden schwächer. Dadurch fällt das Haar zwar nicht direkt aus, löst sich aber in einem langsamen Prozess ab. Dieser Vorgang kann bis zu sechs Monaten dauern.

Betroffene berichten, dass die Haare erst einige Zeit nach der Infektion ausfallen. Zurückzuführen ist das auf die Wachstumsphasen der Haare: "Geschwächtes Haar wechselt zunächst von der Wachstums- in die Ausfallphase." Bis sich die Haarwurzeln schließlich aus der Verankerung lösen und ausgehen, dauert es drei bis sechs Monate", so der Dermatologe. "Nach Erkrankungen zeigt sich zudem meist diffuser Haarausfall. Das heißt, die Haare gehen über den gesamten Kopf verteilt vermehrt aus.

Dass der Haarausfall meist erst Monate nach der COVID-Erkrankung auftritt, löst bei Betroffenen häufig Panik aus, da sie die beiden Ereignisse nicht in Verbindung setzen. Die Patientinnen und Patienten sollten zunächst Ruhe bewahren und sich ärztlichen Rat einholen.

Haarausfall kann als eines der Symptome von Long Covid sein. Eine weitere Facette der Corona-Erkrankung ist das sogenannte Long COVID-Syndrom, bei dem Menschen nach der Genesung von COVID-19 noch anhaltende Symptome haben. Haarausfall kann ein Teil dieser Symptome sein. Bei einigen Betroffenen tritt der Haarausfall mehrere Monate nach der Infektion auf.

Vernarbend bedeutet, dass es zu einer irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt, meistens durch länger bestehende Entzündungsreaktionen verursacht. Ein neues Haarwachstum ist bei fortgeschrittenem Befall der Haarfollikel dann nicht mehr möglich. Beispiele wären hier z. B.

Nicht vernarbend bedeutet, dass es zu keiner irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt und neues Haarwachstum prinzipiell wieder möglich ist. Ursachen wären beispielweise Telogenes Effluvium (Diffuser Haarausfall) oder auch alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall).

Telogenes Effluvium kann dabei durch zahlreiche Ursachen bedingt sein, z. B. Die Virusinfektion bzw. die dadurch bedingten internistischen Erkrankungen wie eine Lungenentzündung stellen eine starke Belastung für den Körper da. Eine solche Belastung kann zur Entwicklung eines sog. Dies bedeutet, dass das Haar aus seiner Wachstumsphase in die Ausfallphase (Telogene Phase) wechselt. Das Haar löst sich dabei von der Blutversorgung und seiner Verankerung ab. Das Haar fällt dabei aber nicht direkt aus, sondern erst nachdem es sich langsam aus eben dieser Verankerung gelöst hat. Die Symptomatik des Haarausfalls beginnt daher in der Regel erst Monate nach der eigentlichen Covid-Erkrankung.

Telogenes Effluvium kann auch durch zahlreiche andere Erkrankungen bedingt sein, z. B. Das Telogene Efflvium verursacht einen reversiblen Haarausfall. Das heißt, dass die Haarfollikel erhalten bleiben und nach dem ausgefallenen Haar ein neues Haar nachwächst. Haare, die zum Zeitpunkt der Infektion in ihre Ausfallphase gewechselt sind, werden in bis zu sechs Monaten ausfallen. Parallel sollte aber untersucht werden, ob die neu nachwachsenden Haare auch optimale Bedingungen für ihr Wachstum haben.

Es sollte so beispielweise nach Mikornährstoffstörungen gescreent werden (z. B. Zink, Eisen, Vit D3 usw.) und ggf. Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass auch der covidbedingte Haarausfall, so wie jedes andere Telogene Effluvium, reversibel ist. Um dies zu beweisen, fehlen aber schlichtweg noch ausreichend Studiendaten.

Da der Haarausfall in der Regel reversibel ist, positiv bleiben, Ruhe bewahren und nicht in ein Gedankenkreisen rund ums Haar geraten. Bitte keine wilde Anwendung von Antihaarausfall-Lotion oder -shampoos etc. Diese können wie bereits beschrieben keinen Wechsel zurück in die Wachstumsphase bewirken. Stattdessen optimale Bedingungen für die neuen Haare schaffen, d. h. z. B.

Mediziner gehen davon aus, dass der coronabedingte Haarausfall in vielen Fällen reversibel ist, sobald sich die Haarwurzeln wieder etwas erholt haben. Anti-Haarausfall-Shampoos oder ähnliche Produkte helfen dabei in der Regel nicht. Stattdessen können sich die Betroffenen jedoch darauf konzentrieren, die Versorgung der Haarwurzeln zu unterstützen und optimale Voraussetzungen für das gesunde Haarwachstum zu schaffen.

Bei fortbestehenden Entzündungsreaktionen der Kopfhaut (Rötungen, Schmerzen, Schwellungen) sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Weiterhin gilt die Faustregel, dass bei Ausfall von mehr als 100 Haaren pro Tag eine Abklärung erfolgen kann. Wichtig und oft missverstanden ist aber folgender Punkt: Die 100 Haare, welche pro Tag ausfallen dürfen, fallen nicht zwingend aus, sondern verbleiben zunächst über Tage auch einfach nur sehr locker im Haarfollikel.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei der Behandlung müsste der Fokus auf einer anti-entzündlichen Therapie liegen, so der Experte Azar. Die Einnahme von Kortison helfe aber nicht allen Patienten, deshalb arbeite er eher mit speziellen Injektionen.

Bei vermehrtem Haarausfall ist es grundsätzlich ratsam, Ihr Haar ausreichend zu pflegen und auf die Zufuhr wichtiger Nährstoffe zu achten. Verwenden Sie Haarpflegeprodukte, die speziell für empfindliches oder dünner werdendes Haar entwickelt wurden. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr bestimmter Nährstoffe, z. B. Seien Sie geduldig und geben Sie Ihrem Haar Zeit, sich zu erholen.

Damit der Haarausfall durch COVID-19 gestoppt werden kann, ist möglichst schnell eine gezielte Therapie zu beginnen:

  • Analyse: Zunächst einmal müssen andere Einflüsse ausgeschlossen werden.
  • Immunsuppressive Therapie: Bei dieser Therapie wird das Immunsystem unterdrückt, sodass die Haarwurzeln nicht länger von den Abwehrkräften des Körpers angegriffen werden. Typischerweise wird hier mit Kortison bzw. wirkungsgleichen Medikamenten agiert.
  • Regenerative Therapie: Durch die Injektion von PRP (Plättchenreiches Blutplasma) und zytokin-reichem Plasma kann die schwere Entzündungsreaktion behandelt und die Haarwurzeln wieder regeneriert und ggf. reaktiviert werden. Es handelt sich also um eine gezielte Unterstützung der Haarfollikel, damit diese wieder genesen können.
  • Haartransplantation: Wenn Haarfollikel absterben, können kahle Stellen entstehen. Sind die Follikel bereits abgestorben, dann kann dort kein Haarwachstum mehr stattfinden.

PRP-Therapie

Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt. Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma).

Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert. Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt. Die PRP-Therapie findet ambulant statt und dauert etwa eine Stunde. Eine örtliche Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen verläuft. Mit Einschränkungen oder Ausfallzeiten ist in der Regel nicht zu rechnen.

PRP ist reich an Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Es unterstützt gezielt die Reparaturmechanismen des Körpers. Da es sich ausschließlich um natürliche Substanzen handelt, ist die PRP-Therapie zudem sehr gut verträglich und belastet den Körper nicht. Sie kann mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden. Vor allem die Verbindung aus Microneedling und PRP-Therapie hat sich in der ästhetischen Medizin als effektiv erwiesen.

Studienlage

Inzwischen gibt es eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang von Corona-Erkrankungen bzw. Long COVID und Haarausfall belegen. Auch nach einer Corona Impfung kann es zu Haarausfall kommen. Wir haben beobachtet, dass Impfungen mit Haarausfall-Erkrankungen einhergehen können. Die Inkubationszeit beträgt bei nicht-vernarbenden Alopezien etwa 4 bis 6 Wochen, nach Ansteckung bzw. Impfung.

Hier ist eine Tabelle, die die Ergebnisse einiger Studien zusammenfasst:

Studie Veröffentlichung Teilnehmer Ergebnisse
Häufigkeit von Haarausfall bei COVID-19-Patienten Mai 2022 198 24% litten unter Haarausfall
Häufigkeit von Haarausfall nach COVID-19-Infektion in Saudi-Arabien Oktober 2022 806 52,7% berichteten über Haarausfall
Symptome und Risikofaktoren im Zusammenhang mit COVID-19 Juli 2022 486.149 Haarausfall war eines der häufigsten Symptome

Zusammenfassend lässt sich sagen: Haarausfall bei Corona Erkrankungen ist ein bekanntes Phänomen, das bei schweren Corona-Verläufen häufiger auftritt. Der genaue Mechanismus, der zum Haarausfall bei COVID-19 führt, ist noch nicht vollständig erforscht. Es gibt jedoch erste Erkenntnisse, dass dies auf Gefäßveränderungen zurückzuführen sein kann, die die Versorgung der Haarwurzeln mit Nährstoffen und Sauerstoff beeinträchtigen.

In den meisten Fällen scheint der Haarausfall nach der Genesung von COVID-19 spontan und ohne spezifische Behandlung zurückzugehen. Es kann jedoch einige Monate dauern, bis sich das Haarwachstum wieder normalisiert und nicht bei allen Betroffenen erholen sich die Haarfollikel vollständig.

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