Ursachen und Behandlung von Haarausfall: Der Fall Jada Pinkett Smith

Der Vorfall bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen, bei dem Will Smith den Moderator Chris Rock ohrfeigte, lenkte die Aufmerksamkeit auf ein sensibles Thema: Jada Pinkett Smith leidet an Alopecia Areata, einer Form von Haarausfall.

Die Schauspielerin Jada Pinkett Smith leidet an kreisförmigem Haarausfall und hat sich aus diesem Grund eine Glatze rasiert. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Krankheit, und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Im vergangenen Dezember zeigte Jada Pinkett Smith erstmals ihren kahlrasierten Kopf in einem Instagram-Video. Seit ihrem Bekenntnis steht sie zu ihrer Krankheit und geht, unter anderem auf den sozialen Medien sehr offen damit um.

Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Formen von Haarausfall, ihre Ursachen und die verfügbaren Behandlungsmethoden.

Kreisrunder Haarausfall - Ist er heilbar? | Dr. med. Barbara Meyer-Lehmann

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata)

Alopecia Areata (AA) ist mit einer geschätzten Lebenszeitprävalenz in den USA von etwa 2 Prozent eine häufige Erkrankung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Typisch sind gut abgegrenzte kahle Flecken auf der Kopfhaut ohne nennenswerte sichtbare Entzündungen oder Vernarbungen.

Typische Symptome von Alopecia Areata: kreisrunde, kahle Stellen auf der Kopfhaut.

Die Ursache der Alopecia ist nicht vollständig geklärt. Medizinerinnen und Mediziner gehen aber davon aus, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handelt. Das Immunsystem bekämpft nicht mehr nur gefährliche Viren oder Bakterien, sondern greift die eigenen Haare an den Haarwurzeln an. Es wird eine Entzündung ausgelöst und dadurch wachsen die Haare nicht mehr nach oder fallen aus. Auch genetische Ursachen scheinen eine Rolle zu spielen.

Symptome:

  • Typisch für den kreisrunden Haarausfall sind runde, kahle Stellen auf der Kopfhaut.
  • Vom Haarausfall können zusätzlich auch Augenbrauen und Bart betroffen sein.
  • In schweren Fällen verlieren Betroffene sogar die gesamte Körperbehaarung.

Im weiteren Verlauf können die gesamte Kopfhaut (Alopecia totalis) oder alle Kopf- und Körperhaare (Alopecia universalis) betroffen sein.

Ursachen:

  • Es scheint eine genetische Veranlagung für den kreisrunden Haarausfall zu geben.
  • Zudem kann dieser nach Stress in akuten Belastungssituationen auftreten.
  • In vielen Fällen ist die genaue Ursache aber nicht feststellbar.

„Der kreisrunde Haarausfall entsteht dadurch, dass sich Antikörper gegen die Haarwurzeln bilden. So kommt es zu einer Entzündungsreaktion und einem Verlust der Haare“, erklärt Christoph Liebich, der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Inhaber einer dermatologischen Praxis in München ist. Weil es sich beim kreisrunden Haarausfall um eine Autoimmunreaktion handelt sei daher am besten immer auch abzuklären, ob diese mit einer bisher unerkannten Autoimmunerkrankung einhergeht, die zum Beispiel die Schilddrüse betreffen könne.

Die Erkrankung wird mit atopischen Prädispositionen und verschiedenen Autoimmunerkrankungen, insbesondere Schilddrüsenerkrankungen und Vitiligo, in Verbindung gebracht. Allerdings ist die genaue Pathophysiologie der AA nicht bekannt.

Wer kreisrunden Haarausfall hat, wird meist sehr schnell runde haarlose Flecken auf dem Kopf finden. Die Haare fallen oft schubweise aus. Der Haarausfall betrifft meist das Kopfhaar, es kann aber auch den Bart, alle Haare im Gesicht oder alle Haare am Körper betreffen. Rund um die kahlen Stellen lassen sich meist kurze, abgebrochene Haare erkennen, die als "Ausrufezeichenhaare" bezeichnet werden.

Behandlung:

Bisher wurde noch keine Therapie gefunden, die Alopecia ursächlich heilen kann. Lediglich die Symptome können behandelt werden.

  • Behandelt werde der kreisrunde Haarausfall zunächst mit entzündungshemmenden Salben.
  • Eine weitere Möglichkeit sei die Behandlung der betroffenen Stellen mit einem Laser, die den Angriff der Immunzellen auf die Haarwurzeln hemmen soll, oder einer Reiztherapie.

Bei einer Reiztherapie wird die Haut gezielt mit einer Substanz behandelt, die eine allergische Reaktion auslöst. Auch hierdurch können die Immunzellen davon abgehalten werden, die Haarfollikel zu zerstören.

Bei fortgeschrittenem Befund und hohem Leidensdruck kann mit Kortison therapiert werden, die Behandlung ist allerdings in der Regel mit Nebenwirkungen wie einer Gewichtszunahme verbunden. Außerdem fallen die Haare nach Ende der Behandlung oft wieder aus.

Ist die Krankheit schon stark fortgeschritten, können Kontaktallergene zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um bestimmte Chemikalien, die auf die Kopfhaut aufgetragen werden und durch eine Reizung das Haarwachstum anregen sollen. Doch auch bei dieser Therapieform drohen unangenehme Nebenwirkungen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine immunsuppressive Behandlung, wie sie bei Schuppenflechte und Rheuma durchgeführt wird. Dabei wird das Immunsystem mit Medikamenten unterdrückt, sodass es aufhört, die Haarwurzeln anzugreifen. Allerdings wird man so anfälliger für Infekte und andere Erkrankungen.

Bei hartnäckigen Verläufen oder erfolgloser Kortison-Therapie ist eine Behandlung mit einer sogenannten topischen Immuntherapie möglich. Dabei wird das Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DCP) wiederholt auf die Kopfhaut aufgebracht. Dadurch soll eine Allergie ausgelöst werden, die das Immunsystem ablenkt und im Idealfall den Haarausfall stoppt. Allerdings ist DCP kein zugelassenes Medikament. Die Behandlung ist nur in spezialisierten Zentren und Unikliniken möglich.

Für alle Verfahren gelte aber, dass es keine Garantie für einen Behandlungserfolg gibt, sagt Liebich: „Grundsätzlich ist der Haarverlust beim kreisrunden Haarausfall zwar reversibel. Je länger aber die Symptomatik besteht, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Haare wieder vollständig nachwachsen.“

Nicht immer ist daher eine Behandlung gewünscht - oder überhaupt notwendig. Handelt es sich um eine leichte Form der Alopecia, wächst das Haar normalerweise nach einigen Monaten wieder nach. Gerade dann kann der Austausch mit anderen Betroffenen im Rahmen von Selbsthilfegruppen wie Alopecia Areata Deutschland e.V. eine wertvolle Unterstützung sein. Bei Bedarf kann zudem ein Psychologe helfen, mit der Erkrankung leben zu lernen.

Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)

Die häufigste Form von Haarausfall ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen der erblich bedingte Haarausfall. Mit zunehmenden Alter entwickeln die Haarwurzeln (Haarfollikel) hierbei eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Dehydrotestosteron, einem Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Die Haarwurzeln verengen sich dadurch und die Haare fallen schneller aus. Der Haarausfall beginnt bei Männern am Scheitel und seitlich über der Stirn, die Folge sind Geheimratsecken und Glatze. Bei Frauen dünnt sich mit dem Alter meist nur das Haar am Scheitel aus. Die Ursache ist auch bei ihnen eine Reaktion auf Dehydrotestosteron, das im weiblichen Organismus ebenfalls vorkommt.

Der erblich bedingte Haarausfall, der mit dem Alter auftritt, sei keine Krankheit, betont Dermatologe Liebich. Es gebe aber inzwischen ein Medikament, mit dem er behandelt werden kann, wenn das aus kosmetischen Gründe gewünscht sei.

„Erblich bedingter Haarausfall kann bei Männern und Frauen mit dem Wirkstoff Minoxidil behandelt werden. Die Behandlung ist aber nur wirksam, wenn sie regelmäßig jeden Tag durchgeführt wird.“ Minoxidil ist eigentlich ein Blutdrucksenker, kann äußerlich aber auch Haarausfall hemmen, vermutlich, weil es die Durchblutung der Kopfhaut steigert.

Für Männer wurde auch der Wirkstoff Finasterid zugelassen: „Bei diesem sind aber schwere Nebenwirkungen zu befürchten, es kann unter anderem zur Brustbildung bei Männern und zur Impotenz kommen“, sagt Liebich.

Diffuser Haarausfall

Von diffusem Haarausfall spricht man dann, wenn der Haarausfall nicht an bestimmten Stellen oder in einer bestimmten Form auftritt, sondern über die Kopfhaut verteilt. Die Ursachen können sehr vielfältig sein.

„Eigentlich kann fast jede schwere Erkrankung mit diffusem Haarausfall einhergehen“, sagt Dermatologe Liebich. Der Haarverlust kann dabei die Folge einer starken Stressreaktion des Körpers sein.

„Auch Infektionserreger wie Pilze können zu Haarbruch und Haarverlust führen, wobei das in der Regel mit Pusteln auf der Kopfhaut einhergeht. Übertragen werden diese häufig durch Haustiere“, sagt Liebich.

Eine Mangelernährung könne zu diffusem Haarverlust führen, ebenso Medikamente, die bei einer Chemotherapie eingesetzt werden oder hormonelle Therapien. „Ausgelöst werden kann der diffuse Haarverlust zudem durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft.“ Bei diffusem Haarverlust muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich und oft nicht vorhersehbar. Bei vielen Betroffenen wachsen die Haare nach einigen Monaten (in der Regel sechs bis zwölf Monate) von selbst komplett nach. Es kann aber auch sein, dass der Haarausfall irgendwann wieder auftritt. Bei anderen kann es zum Verlust des gesamten Kopfhaares kommen.

Form des Haarausfalls Ursachen Behandlungsmöglichkeiten
Alopecia Areata (kreisrunder Haarausfall) Autoimmunreaktion, genetische Veranlagung, Stress Entzündungshemmende Salben, Lasertherapie, Reiztherapie, Kortison, Immunsuppressive Behandlung
Androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall) Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Dehydrotestosteron Minoxidil, Finasterid (nur für Männer)
Diffuser Haarausfall Schwere Erkrankungen, Stress, Infektionen, Mangelernährung, Medikamente, hormonelle Umstellung Behandlung der Grunderkrankung

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