Kopfhautpilz durch Friseur: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Die Ringelflechte der Kopfhaut, auch Tinea capitis genannt, ist eine Pilzinfektion. Bleiben die roten, runden Hautflecke unbehandelt, drohen Kahlstellen. Die Infektion der Kopfhaut wird als Tinea capitis bezeichnet.

Ursachen und Übertragung von Kopfhautpilz

Ursache der ansteckenden Pilzinfektion der Kopfhaut können unterschiedliche Erreger sein. Die Infektionskrankheit Ringelflechte wird ausgelöst durch Pilze, die so genannten Dermatophyten. Neben Hefe- und Schimmelpilzen können auch Dermatophyten bei Menschen zu Erkrankungen führen. Dermatophyten besiedeln die Haut, Haare und Nägel, denn sie ernähren sich von den darin enthaltenen strukturgebenden Faserproteinen, den Keratinen.

Für Schlagzeilen sorgt in jüngerer Zeit Trichophyton tonsurans, der sich aufgrund ungenügender Hygiene auch durch Barbershops verbreitet. Trichophyton tonsurans, landläufig auch "Ringerpilz" genannt, ist in den USA, anderen angelsächsischen und auch arabischen Ländern schon seit einigen Jahrzehnten verbreitet. Durch Kontaktsportarten wie Ringen und Judo kam er auch immer wieder nach Europa. Vereinzelte kleine Ausbrüche konnten bisher schnell eingedämmt werden.

Risikofaktoren und Übertragungswege

Ein weiterer Faktor ist die Corona-Pandemie. Ist die Haut gesund, ist das Risiko einer Pilzinfektion gering. Aber schon kleinste Mikroverletzungen der Hautoberfläche ermöglichen ein Eindringen der Erreger, wie zum Beispiel bei intensivem Körperkontakt im Kampfsport oder beim Haareschneiden und Rasieren. Gerade bei der Verwendung von Haartrimmern oder Rasiermessern kann es leicht zu solchen Mikroverletzungen kommen. Sind die Trimmer und Klingen nicht vorschriftsmäßig desinfiziert, können Pilzsporen weitergegeben werden.

Oft entsteht durch Schweiß ein feuchtes, ungenügend belüftetes Umgebungsklima der Haut, was das Wachstum begünstigt. Erreger können auf Sportmatten, Haar- und Barttrimmern oder Scheren, Kopfstützen, Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern einige Wochen bis Monate überleben, wenn diese nicht regelmäßig und gründlich gereinigt werden. Tiere können ebenfalls Träger von Erregern sein, die auch bei Menschen Infektionen verursachen. Im Fell und auf der Haut vieler Meerschweinchen lebt zum Beispiel der Dermatophyt Trichophyton benhamiae, oft ohne, dass die Meerschweinchen selbst daran erkranken. Ähnlich ist das bei Microsporum canis. Der Erreger lebt, wie der lateinische Name sagt, auf Hunden, aber vor allem auch auf Katzen, die zu Überträgern werden.

Warum ist die Ansteckungsgefahr in Barbershops besonders hoch?

Warum die Ansteckungsgefahr gerade in Barbershops besonders hoch ist, ist für Hecker wenig überraschend. "In erster Linie liegt es natürlich daran, dass viele dieser Barbershops nicht von Meistern geführt werden und natürlich dann auch un- und angelernte Kräfte dort arbeiten. Die haben einfach diese Hygienemaßnahmen nicht gelernt und setzen das natürlich auch nicht um", betont er.

Der harte Preiskampf führe dazu, dass die Hygienevorschriften oft nicht eingehalten würden, gibt auch der Erlanger Hautarzt Maronna zu verstehen. Billig sei eben nicht preiswert, sondern billig, sagt er. In Erlangen haben die Gesundheitsämter auf die Infektionsfälle reagiert und Begehungen durchgeführt.

Symptome und Diagnose

Es bilden sich kreisförmige, rote, schuppige und stark juckende Areale, die sich zusätzlich bakteriell infizieren können. Bei juckenden, meist runden und schuppenden Hautarealen, die sich im Laufe einiger Tage oder Wochen am Kopf oder Körper ausbilden, sollte jeder schnell zum Hautarzt gehen.

Anfänglich kann Juckreiz und eine Rötung an den betroffenen Stellen auftreten. Weiterhin können dann entzündete Areale teilweise schuppend bis hin zu kreisrunden kahlen Stellen auf Kopfhaut oder im Bartbereich zu erkennen sein. Sollte dies im zeitlichen Zusammenhang mit einem Besuch im Barbershop oder im Friseursalon stehen, so ist die Ursache rasch hautärztlich abzuklären.

Diagnose durch den Arzt

Nur Ärztinnen und Ärzte können aufgrund ihrer Erfahrung, mithilfe des Mikroskops, PCR-Tests und manchmal auch länger dauernden Laboruntersuchungen, wie beispielsweise Zellkulturen, Pilzinfektionen sicher diagnostizieren oder ausschließen. Nicht immer kommen Ärzte bei einer Infektion mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans gleich auf die richtige Diagnose. Häufig vermuten sie eine bakterielle Infektion als Ursache für die Hautveränderungen. Das Problem bei einer solch falschen Diagnose ist dann: "Die bakterielle Infektion wird schön zurückgetrieben, aber der zugrunde liegende Pilz bleibt unerkannt und wütet dann weiter", sagt Maronna.

Behandlung von Kopfhautpilz

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Nur dann können weitere Ausbreitung, Komplikationen oder mögliche Spätfolgen verhindert werden. Eine Hautpilzinfektion heilt oder verschwindet niemals von allein, sondern muss immer fachgerecht behandelt werden. Das geschieht bei einer Infektion der Kopfhaut immer mit einer Kombination aus äußerer und innerer Therapie, also mit Salben und Tabletten. Auch spezielle Shampoos kommen dabei zum Einsatz. Die Therapie insgesamt kann leicht mehrere Wochen bis Monate dauern, muss konsequent durchgeführt und der Erfolg und Fortschritt regelmäßig kontrolliert werden. Nur so lassen sich die lästigen Dermatophyten vollständig beseitigen und die Erkrankung heilen.

Mit Hausmitteln, wie zum Beispiel ätherischen Ölen, Joghurt oder Apfelessig, ist keine Heilung möglich. Sie können allenfalls helfen, die Therapie zu unterstützen oder einzelne Symptome zu lindern, wie zum Beispiel den Juckreiz. Je nach Therapie und Erreger sind nach mehreren Tagen oder Wochen die meisten Hautpilzinfektionen nicht mehr ansteckend.

Infektionen mit dem Hautpilz können mit Shampoos, Cremes, alkoholischen Lösungen und Tabletten behandelt werden. Da der Nachweis des Pilzes mittels PCR-Technik einige Tage dauern kann, rät Maronna in der Zeit, in der die Diagnose noch nicht eindeutig feststeht, aber vermutet wird, mit einer "lokalen Therapie", also mit Cremes, alkoholischen Lösungen und Shampoos, schon einmal anzufangen, "um dem Pilz ein bisschen Einhalt zu gebieten." Wenn der Pilz nachgewiesen ist, "sollte man auch zügig mit der Tablettentherapie loslegen", rät der Hautarzt.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, etwa mit Blutdruckmitteln, seien bei den Tabletten zwar zu beachten, sagt Maronna, "üblicherweise" seien die Tabletten aber gut verträglich.

Damit der Pilz "nachhaltig eliminiert" wird, sollte man den Patienten "vier Wochen, sechs Wochen, mitunter auch mal acht Wochen" behandeln, rät der Mediziner. Aber: Schon nach einer Woche der Behandlung sind die Patienten nicht mehr ansteckend. Betroffene Kinder können dann zum Beispiel wieder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schule gehen.

Was muss ich beachten, wenn ich infiziert bin?

Wer mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans infiziert ist, sollte laut Maronna folgendes beachten:

  • engen Kontakt zu Mitmenschen vermeiden
  • Wäsche, wie Kleidung und Bettwäsche, auf jeden Fall aber das Kopfkissen, täglich oder zumindest alle zwei Tage wechseln und mit einem sogenannten Hygienereiniger "nicht mit der allerniedrigsten Temperatur" waschen
  • Kontrolltermine beim Hautarzt wahrnehmen
  • nicht zu früh die Therapie beenden, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind.

Vorbeugung von Kopfhautpilz

Um eine Infektion mit dem Hautpilz zu verhindern, rät Hautarzt Maronna, sich den Friseursalon oder den Barbershop genau anzuschauen. Die entscheidenden Fragen seien: Bleibt dem Personal dort genügend Zeit für die Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, etwa das Desinfizieren der Stuhllehnen und insbesondere der Rasierer? Werden die Handtücher nach jedem Kunden gewechselt?

So schreibt die für Bayern geltende bayerische Hygiene-Verordnung unter anderem vor, dass die Rasierklingen ebenso wie Kämme und Bürsten nach jedem Kunden desinfiziert werden müssen. Auch Stühle, Umhänge und Handtücher müssen für jeden Kunden neu gereinigt werden.

Kann ich den Friseur bitten, den Rasierer vor meinen Augen zu desinfizieren? "Ganz klar kann der Kunde das natürlich verlangen. Das ist sein gutes Recht", sagt Hecker. In einem ordnungsgemäß geführten Friseursalon sollte dies aber nicht erforderlich sein, fügt er hinzu.

Tipps zur Vorbeugung

  • Fragen Sie nach den Hygienepraktiken: Zögern Sie nicht, Ihren Barbier zu fragen, wie die Werkzeuge gereinigt werden.
  • Achten Sie auf frische Handtücher und Umhänge: Achten Sie darauf, dass für Sie saubere Handtücher und Umhänge verwendet werden.
  • Regelmäßige Desinfektion von Werkzeugen: Rasiermesser, Scheren und Kämme sollten nach jedem Kunden gründlich desinfiziert werden.

Um die Hygiene in Friseursalons zu gewährleisten, hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) einen Reinigungs- und Desinfektionsplan erstellt. Der empfiehlt für „Messer zum Rasieren auf der Haut“ folgende Maßnahmen: „Nur Einwegklingen verwenden und diese nach der einmaligen Verwendung entsorgen, wiederverwendbare Gerätschaften zerlegt in Desinfektionslösung einlegen, Einwirkzeit abwarten, mit klarem Wasser abspülen, trocknen.“

Laut Doris Ortlieb, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Friseure & Kosmetiker Bayern, lässt sich daran schon ein erstes Merkmal für einen sicheren Friseurbesuch ableiten: „Je nach verwendetem Mittel dauert eine Desinfektion zwischen fünf und fünfzehn Minuten. In Barbershops, in denen die Termine eng getaktet sind, bleibt für eine ausreichende Desinfektion also gar nicht genug Zeit.“

Folgende weitere Punkte sprechen ihrer Erfahrung nach für ein erhöhtes Risiko:

  • Der Inhaber oder die Inhaberin des Betriebes hat keine Meisterausbildung. Die Eintragung in die Handwerksrolle erfolgte auf Grundlage einer Ausnahmeregelung
  • Es werden überwiegend oder ausschließlich un- und angelernte Personen beschäftigt
  • Das Preisniveau ist sehr niedrig
  • Es können keine Termine vereinbart werden
  • Fehlende Informationen über Arbeitsschutz und Hygiene
  • Der Betrieb ist nicht in der Innung oder einer anderen qualifizierten Friseurvereinigung organisiert

„Vielen Barbershop-Betreibern und ihren un- oder angelernten Mitarbeitern fehlen die notwendigen Kenntnisse, wie man die Geräte desinfiziert“, sagt Doris Ortlieb.

Hotspots in Deutschland

Tübingen, Stuttgart, Nürnberg, Berlin, Köln und auch München - was auch eine Untersuchung der TU München bestätigt -, nennt Maronna als "Hotspots", wo nach seiner Erfahrung bisher besonders viele Fälle von Infektionen mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans aufgetreten sind. Aber: "Inzwischen kann man davon ausgehen, dass es eine deutschlandweite Epidemie ist. [...] Teilweise wird sogar von einem europaweiten Phänomen gesprochen", sagt der Hautarzt. Er plädiert daher für eine Meldepflicht der Krankheitsfälle, um die Infektionszahlen besser in den Griff bekommen zu können.

Mike Hecker von der Friseurinnung Bayern hat allerdings erst aus den Medien von den Pilzinfektionen in Barbershops erfahren. Aus den Innungsbetrieben seien ihm keine Infektionsfälle bekannt, erklärt er.

Tabelle: Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Kopfhautpilz

Maßnahme Beschreibung
Hygiene im Barbershop Achten Sie auf Desinfektion von Werkzeugen, frische Handtücher und Umhänge.
Arztbesuch Bei Verdacht auf Kopfhautpilz umgehend einen Hautarzt aufsuchen.
Behandlung Konsequente Durchführung der ärztlich verordneten Therapie mit Shampoos, Cremes und Tabletten.
Vorbeugung Kontakt zu infizierten Tieren vermeiden, eigene Hygieneartikel verwenden und regelmäßig desinfizieren.

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