Peter Lustig: Mehr als nur Löwenzahn – und die Sache mit der Perücke

Peter Lustig (1937-2016) war Fernsehmoderator, lange und erfolgreich. Aber eben auch viel mehr, darüber hinaus und nebenher. Es lassen sich so einige Anekdoten erzählen über den Mann, der mit "Löwenzahn" unvergesslich wurde. Einige davon erklären, wie Lustig "Löwenzahn" formte, wie "Löwenzahn" Lustig formte - und wie sich der TV-Held auch gegen Einflussnahmen auf seine Ideen und sein Leben wehrte.

Peter Lustig im Jahr 2005

Die Sache mit den Kindern und der Entschuldigung

Die wichtigste Geschichte vorab: "Peter Lustig - ich kann Kinder nicht leiden" hatte die "Bild am Sonntag" im Jahr 2002 geschrieben. Auslöser war ein Text in der "Stuttgarter Zeitung", in dem - nun ja - missverständliche Zitate Lustigs standen. Aber letztlich war natürlich alles ganz anders: Lustig mochte Kinder. Das hat der Journalist Kai Biermann nun in einem Text für "Zeit Online" aufgeklärt, mitsamt einer dicken Entschuldigung.

Biermann hatte den Moderator zu einem Interview getroffen und fand ihn so faszinierend, dass er lieber ein Protokoll abdrucken ließ, um nicht distanzlos zu wirken. "Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer", zitierte er Lustig. Der Star wollte die kindliche Spontaneität respektiert sehen. Der Satz war so aufgeschrieben aber eben auch anders interpretierbar... "Lieber, verehrter Peter Lustig, es tut mir leid", schrieb Biermann nun an Lustigs Todestag.

Vom Tontechniker zum Fernsehstar

Zum Fernsehen war Lustig aber trotzdem nicht als Pädagoge gekommen - sondern als Tontechniker. In Interviews hat er erzählt, wie er 1961 bei der berühmten Rede John F. Kennedys ("Ich bin ein Berliner") für den Ton zuständig war. Für einen Job vor der Kamera empfahl sich Lustig dann bei einem Dreh mit der Rockband Ton Steine Scherben. Der Regisseur zitierte ihn vor die Kamera.

"Da stand ich plötzlich und habe, glaube ich, ein Ei auf meinem Kopf zerschlagen und gesagt: "Fernsehen ist scheiße." Wurde natürlich nie gesendet, aber seitdem galt ich beim Sender als fernsehtauglich", erzählte Lustig dem Portal "einestages".

Das Ökoimage und die Realität

Auch das Ökoimage Lustigs stimmt nicht so ohne weiteres. Begonnen hat er als Erklärer - aber bei der "Sendung mit der Maus". Zu "Löwenzahn" sei er wegen seiner Vorbildung als Ingenieur gekommen erzählte Lustig dem "Spiegel". Ein militanter Grüner sei er nie gewesen: "Das sind Klischees, weil "Löwenzahn" ein wenig ökologisch ausgerichtet war und die Leute dachten, "Hmm, das ist ein Müsli."", sagte er dem Magazin "Cicero". Nur, dass Kinder "auch Respekt vor der Natur haben", sei ihm wichtig gewesen.

Privat sei er auch bei Rot über die Ampel gegangen wenn kein Auto kam. Oder habe sich auch mal ein Steak bestellt.

Vom Löwenzahn zur Pusteblume | Der Elefant | WDR

Die Perücke: Ein unerwünschter Rat

Der neue Job vor der Kamera brachte auch andere Probleme mit sich: Auf einmal habe er eine Perücke tragen sollen, erinnerte sich Lustig im Gespräch mit dem "Tagesspiegel". "Der erste Produzent hat mir gesagt: Gehen sie erstmal ein Toupet kaufen. Aber ich bin so geblieben wie ich war, ich habe nicht eingesehen, warum ich auf einmal schrecklich viele Haare haben sollte." - Die Kinder hätten ihn schließlich auch so gemocht.

Die Latzhose: Mehr als nur ein Kleidungsstück

Die obligatorische Latzhose hingegen war kein Gag aus dem Drehbuch, sondern Lustigs persönliche Vorliebe. "Zwei Hosen habe ich, die ohne Latz sind. Das ist einfach ein so fabelhaftes Kleidungsstück und so praktisch", schwärmte er einmal bei einer Gesprächsrunde.

Dem "Focus" erzählte er, die schwarze Latzhose sei sein Kleidungsstück für besondere Anlässe, "Hochzeiten, Beerdigungen oder für den Bundespräsidenten". So wie 2007, als Lustig das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Peter Lustig in seiner berühmten Latzhose

Kampf gegen den Krebs und die rettende Sendung

Bereits in den 80er-Jahren war Lustig schwer an Krebs erkrankt. Damals musste ihm ein Lungenflügel entfernt werden. Mit dem Arzt hatte Lustig "um eine Flasche guten Rotwein" gewettet, dass er überleben werde - und gewann. Seine Fernsehrolle war ihm damals ein wenig Rettung, sagte Lustig "Cicero": "Selbst als ich mit meiner Krebserkrankung in der Klinik lag, habe ich mich immer wieder herausgeschlichen, um ein paar Folgen zu drehen." So habe er schreiben und sich ablenken können.

Nachbarn auch im echten Leben

Eine besonders nette Geschichte verknüpft Lustigs Privat- und Berufsleben: Denn der Moderator lebte einige Jahre tatsächlich Garten an Garten mit Helmut Krauss, 74, - dem Mann, der in "Löwenzahn" Lustigs spießigen Nachbarn Paschulke spielte. "Da haben wir uns oft gesehen. Wir hatten beide eine Finca auf Mallorca und haben uns da immer super verstanden, ganz anders als in der Sendung", sagte Lustig im Interview mit "einestages". Auch mit einem anderen Kollegen teilte er nach eigenen Angaben nach dem "Löwenzahn"-Ausstieg weiter das Heim: Mit der sprechenden Ukulele und Türklingel Klaus-Dieter. Sie hing an seiner Wohnzimmerwand.

Die Anfänge von "Löwenzahn"

Anfang der 1970er gab es noch nicht mal das Wort Kinderfernsehen! Die Sendungen zum Thema Kinder und Bildung waren mehr als langweilig und arbeiteten immer nach demselben Prinzip: Ein Lehrertyp teilte den Zuschauern mit, was richtig oder falsch ist. Da wollte das ZDF was Neues wagen. So wurde Anne Voss beauftragt sich ein Konzept für die neuartige Sendung zu überlegen und das tat sie und legte so den Grundstein für eine Erfolgreiche Kindersendung. Später übernahm Gabriele Röthemeyer die Aufgaben von Frau Voss. Die Filmfirma F.I.B. in München wurde beauftragt, die Sendung zu produzieren. Doch die Erscheinung von Herrn Lustig gefiel Dr.Lütjen, dem Chef der FIB, nicht.

Als Regisseur wurde Claus Landsittel engagiert, mit dem sich Peter bestens verstand. Jedoch gab es einige Probleme, denn es existierten keine fertigen Drehbücher. Auch sonst erwies sich der Dreh doch als recht zäh, weil die F.I.B. Aber Pusteblume und Peter gingen auf Sendung und das mit Erfolg. Die Mischung aus Spielhandlung und Wissensvermittlung war zur damaligen Zeit einzigartig.

Anders als bei den Lach und Sachgeschichten ,die damals zwar zeigten, wie was hergestellt wird, das aber noch ohne jeglichen Kommentar, so wie man es heute kennt!, konnte man bei Pusteblume Peter bei seinen Entdeckungen begleiten und lernte ganz nebenbei etwas. Die Arbeiten gingen erfolgreich in die 2. Leider besserte sich die Stimmung am Set nicht, Peter überlegte aufzuhören und auch das ZDF war mit der Zusammenarbeit mit der F.I.B. nicht zufrieden. So wurden nur 20 der 22 produzierten Folgen von Pusteblume gesendet.

Peter war noch bei der F.I.B. angestellt und sollte kündigen, was er auch tat. Ein daraufhin angedrohter Gerichtsprozess wegen Ausfall und Entschädigung vonseiten der F.I.B. gegen Peter wurde vom ZDF geklärt. Wer nun genau die Rechte an den Folgen hält, ist mir noch unbekannt, Informationen dazu sind nicht zu bekommen, auch eine Anfrage an Herrn Lütje verlief ohne Antwort.

Drehort und Bauwagen

Gedreht wurde in München und Umgebung. Das Haus, worin Peter in der Sendung wohnt, wurde nur für Außenaufnahmen genutzt. Alle Innenaufnahmen entstanden in einem Filmstudio. Wir haben vor einigen Jahren nach dem Haus gesucht und nach einer Telefon-Aktion es auch gefunden. Es steht heute noch und sogar die Besitzerin war seit dem Dreh damals dieselbe!

"Eine Latzhose - das ist was fürs Leben"

Schon als kleiner Junge trug er oft eines dieser „Platz-Wunder“, auf Fotos ist das bestens zu sehen. Bis heute hat sich an Lustigs Liebe zum Latz nichts geändert: In seinem Schrank hängt sogar ein schwarzes Exemplar, „für die traurigen Gelegenheiten des Lebens“.

Das Ende von "Löwenzahn" mit Peter Lustig

Viel ist hineininterpretiert worden in die Sendung mit den renitenten gelben Blumen, wohl zu viel.

Folge 141: Peter sträubt sich

Einen Opa hat der junge Briefträger Peter genannt. Der ist natürlich empört und beschließt, seine grauen Haare mit einer Probe eines Färbemittels wieder etwas aufzupeppen. Doch Peters Entsetzen ist groß, als seine Haare ihm im schrillen Lila im Spiegel entgegen leuchten. Da weiß auch die Friseuse keinen Rat, die Peter verzweifelt aufsucht. Ob vielleicht eine Perücke eine Lösung für Peters Problem ist?

Peter fängt an sich zu fragen, warum der Mensch überhaupt ein „Fell“ auf dem Kopf hat. Wie sehen Haare aus der Nähe aus, warum haben sie eine Wurzel und weshalb stehen sie uns manchmal zu Berge?

"Löwenzahn": Mehr als nur eine Kindersendung

"Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik". Halbstündiges Wissensmagazin für Kinder mit Peter Lustig. In kurzen Einspielfilmen werden Dinge des Alltags erklärt und beschrieben. Die Rahmenhandlung bilden kurze Szenen mit Moderator Peter Lustig und seinen Bekannten und Verwandten, darunter Nachbar Paschulke (Helmut Krauss), Tante Elli (Inge Wolffberg) und Trude (Ute Fitz-Kaska).

Der Bastler Lustig wohnt in der Sendung in einem alten Bauwagen und trägt stets eine Latzhose. "Löwenzahn" war die Nachfolgesendung von "Pusteblume" und wurde zum Dauerbrenner. Ohne sich anzubiedern, vermittelt Peter Lustig Kindern Wissen und interessante Fakten, indem er mit kindlicher Neugier Wasserwerke, Fabriken, Druckereien, Bergwerke, Zoos, Gewächshäuser und Forschungseinrichtungen besucht und Fragen stellt, die sich die meisten Erwachsenen nicht zu fragen trauen.

Dennoch ist das Gezeigte, wie bei der Sendung mit der Maus, auch für viele Erwachsene interessant oder sogar neu. Spaßig erklärte komplexe Zusammenhänge werden für jedermann verständlich. Am Ende der Episoden fordert Peter Lustig die Kinder zum Abschalten auf. "Ihr seid ja immer noch da! Abschalten!" Eigentlich wollte er die Aufforderung nur ein- oder zweimal bringen, doch dann erwarteten es die Zuschauer von ihm und er fuhr damit fort.

Beim ZDF löste das Unmut aus, weil man dort der Meinung war, er könne doch nicht allen Ernstes die eigenen Zuschauer auffordern, den Fernseher auszuschalten. Schon viel früher wäre Lustig gar nicht erst auf Sendung gegangen, hätte er auf den Rat eines "Fachmanns" gehört. Ein Produzent war der Ansicht, den stoppelbärtigen Mann mit Halbglatze würde sich doch kein Kind ansehen, und hatte ihm empfohlen, sich eine Perücke zu kaufen. Mit Lustig und ohne Haare läuft die erfolgreiche Sendung nun schon seit vielen Jahren.

Die Umbenennung von "Pusteblume" in "Löwenzahn" war nötig, weil die ursprüngliche Produktionsfirma, die nach Streitigkeiten mit dem ZDF ausschied, die Rechte an dem alten Namen beanspruchte. Der Bauwagen stand in Wahrheit in Berlin, in der Serie aber in dem fiktiven Ort Bärstadt. Das echte Bärstadt im Taunus ist der Heimatort von Anne Voss, einer der Erfinderinnen der Sendung. Peter Lustig war von Anfang an auch als Autor dabei. Weitere bekannte Autoren waren Walter Kempowski und Elfie Donnelly.

Der berühmte Bauwagen von Peter Lustig

1982 erhielt das Team einen Adolf-Grimme-Preis mit Silber. "Löwenzahn" lief lange Jahre am Sonntagnachmittag mit Wiederholungen am Mittwoch und Freitag. Später wurde die Sendung auf den Sonntagvormittag verlegt (mit Wiederholung am Samstagmorgen) und zusätzlich im neuen Kinderkanal gezeigt. Im Mai 2000 sendete das ZDF eine lange "Löwenzahn"-Nacht mit mehreren Folgen hintereinander. Nach rund 200 Folgen wurde das Jubiläum 2005 mit einer spielfilmlangen Extra-Episode gefeiert. Im gleichen Jahr zog sich Lustig nach einem Vierteljahrhundert zurück.

Peter Lustig war und bleibt eine Ikone des deutschen Kinderfernsehens, der Generationen von Kindern geprägt hat. Seine Latzhose und sein Bauwagen sind unvergessen.

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