Barock vs. Rokoko: Unterschiede in Perücken, Mode und Schönheitsidealen

Barock und Rokoko, zwei Epochen, die oft in einem Atemzug genannt werden, doch in ihren Ausdrucksformen deutliche Unterschiede aufweisen. Dies spiegelt sich besonders in der Mode wider, insbesondere in der Gestaltung der Perücken, die in dieser Zeit eine zentrale Rolle spielten.

Ludwig XIV mit Allongeperücke

Die Barockzeit: Pracht und Repräsentation

Das Barock (ca. 1600-1750) war eine Epoche, die durch Pracht, Machtdemonstration und Repräsentation geprägt war. In Frankreich herrschten Ludwig XIII. und der berühmte Ludwig XIV., der als „Sonnenkönig“ 54 Jahre lang regierte und die Zeit prägte.

Im frühen Barock galt eine flache Frisurenform mit Lockenfransen auf der Stirn als schön. Die Seitenpartien waren offen und zu Korkenzieherlocken geformt. Im Jahr 1675 erschien ein ganz neuer Frisurenstil in Versailles. Madame de Sevigne schrieb ihrer Tochter auf dem Land im März des genannten Jahres, dass die Frauen am Hofe „aussähen wie nackt“ und so als besäßen sie „kleine Kohlköpfe“.

Besonders bekannt ist das Barock für seine üppig gelockten Allongeperücken. Diese trugen aber nicht die Damen, sondern ausschließlich Herren. Ludwig XIV. führte sie am Hofe ein, angeblich aus Eitelkeit, um seine Glatze zu verbergen. Die Perücke wird zum Statussymbol und ein Zeichen für Stellung und Reichtum, denn Menschenhaar war sehr teuer und schwer zu verarbeiten. Günstiger waren Ziegen und Pferdehaar oder Flachs.

Die Allongeperücke, die der Sonnenkönig Ludwig XIV. in den 1670er Jahren einführte, zeichnete sich durch lang herabfallende, sorgsam geringelte Strähnen aus, die sich über der Stirn zu zwei hochgetürmten Lockenwirbeln aufbauschten. Vorbild für dieses modische Detail boten die antiken Bildnisse Alexanders des Großen, deren typisches Kennzeichen diese „Anastolé“ (griech: „hoch/zurückwerfen“) genannte Frisur ist.

Historische Perücken ++ Barock Perücken ++ Mittelalter Perücken ++ Rokkoko

Barockmode: Mehr als nur Perücken

Elisabeth I. war zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit ihren hohen und steifen Spitzenkragen (sog. Mühlsteinkragen) bestimmend. Ab 1650 bis Ende des 18. Jahrhunderts war das Manteau von der Stoffmenge her weit und wurde durch festgenähte Falten auf Figur getrimmt. Vorn wurde es offen getragen, in die Lücke im oberen Teil kam ein verzierter sogenannter Stecker, der mit Nadeln auf der Schnürbrust (= Korsett) befestigt wurde.

Beim höfischen Manteau (grand habit) wurden die Vorderkanten des Rockes hoch und zur Seite gerafft und dort mit Bändern oder Broschen befestigt, so dass der Rock hinten in einer eleganten Wasserfallschleppe herabfiel. Im Barock wird langsam das Dekolleté wieder entdeckt, es war meist oval mit tief auf der Schulter sitzenden Trägern. Um 1710 kommt einer neue Gewandform auf, die Countuche.

Der Unterschied zum Manteau ist hauptsächlich auf der Rückseite zu sehen, da der hintere Teil nicht mehr durch festgenähte Falten auf Figur gearbeitet wurde, sondern lose herabfiel. Insgesamt war die Contouche lockerer verarbeitet als das Manteau und hieß deshalb zunächst robe battante oder volante, französisch für fliegende bzw. flatternde Robe. Mit Aufkommen der Countuche kommen erstmals breite am Ellenbogen zusammengeraffte Ärmelaufschläge in Mode. Aus der Contouche entwickelt sich bei immer stärker ausgeprägter Taille und engerwerdendem Oberteil die Robe à la Francaise, das Kleid des Rokoko.

Das Rokoko: Verspieltheit und Eleganz

Marie Antoinette

Im Rokoko (ca. 1730-1770) wandelte sich das Schönheitsideal. Die Mode wurde verspielter, eleganter und leichter. Aus der Contouche entwickelte sich bei immer stärker ausgeprägter Taille und engerwerdendem Oberteil die Robe à la Francaise, das Kleid des Rokoko.

Von ihrer Erfindung um 1684 wuchs die Frisur à la Fontanges bis etwa 1695 immer weiter in die Höhe. Sie soll ihr bei einem Ausritt versehentlich gelöstes Haar mit einem Strumpfband auf dem Kopf hochgebunden und mit Blättern und Blüten verziert haben. Die kleinen, mit Reismehl gepuderten Frisuren, die zu Beginn des Rokoko (18. Jahrhundert) noch in Mode waren, wurden nun abgelöst von Riesenaufbauten, die mit Schmuckketten, Schmetterlingen, Blumen, Früchten und sogar mit kleinen Schiffsmodellen verziert wurden. Diese Perücken waren teilweise so hoch, dass sie sich leicht in den Kerzen der Kronleuchter entzünden konnten. Die teureren Exemplare waren aus Menschenhaar gefertigt, die günstigeren aus Pferdehaar.

Rokoko-Mode: Zarte Farben und üppige Verzierungen

Die Damenperücken wurden in Pastellfarben wie violett, rosa oder blau hergestellt. An der Perücke, bzw. den Hochfrisuren wurden Federschmuck und Perlen befestigt. So erreichte die Damenperücke nach dem 17. Jahrhundert eine Höhe von sage und schreibe 60 Zentimetern, bevor sie wieder flacher wurde.

Im Barock galt eine Frau als schön, wenn sie makellose, weisse Haut hatte. Natürlich wurde auch mit Kosmetik nachgeholfen und Gesicht und Dekollete weiss geschminkt. Die beste Deckkraft bei gleichmäßiger Verteilung erhielt man, wenn man dem Makeup Bleiweiss zufügte. Im Kontrast zu der weissen Haut stand das Rouge, das auf Lippen und Wangen benutzt wurde. Es betonte dadurch die Blässe.

Blasse Haut galt bei Männern als auch bei Frauen der oberen Schicht als vornehm. Als Kontrast dazu benutzte man starkes Rouge und Lippenstift, sowie Schönheitspflästerchen aus schwarzem Taft, die es in verschiedensten Formen gab. Sie hatten neben der Form des klassischen Schönheitsflecks auch die Umrisse von Herzen, Monden oder Sternen. Heute unvorstellbar, aber das Baden und Waschen galt in dieser Zeit als ungesund und somit brauchte man diese Pflästerchen hauptsächlich um Schmutz und Hautflecken zu kaschieren.

Die Männerkleidung im Rokoko wurde schlichter in ihrer Form. Und auch Details wie Bänder, Schleifen, Rüschen und Volants wurden dezenter. Männer trugen einen vorn geknöpften, etwa knielangen Mantelrock (engl. = frock-coat) meist mit Umlegekragen und Spitzenjabot, dazu enge Kniehosen (franz. = Culotte) und Weste. Die gepuderte Zopf- und Haarbeutelperücke, unter dem Namen „Mozart-Zopf“ bekannt, gehörte ebenso dazu, wie der Dreispitz-Hut. Helle Strümpfe und Schnallenschuhe vervollständigten das Outfit. Als modische Accessoires trug der Mann damals einen Degen und eine Schnupftabakdose, Kurzsichtige eine Stielbrille (Lorgnon).

Perücken: Herstellung, Pflege und Bedeutung

Die Perücken des Barock wurden meist aus Tierhaaren hergestellt. Es handelte sich dabei um Ziegen- oder um Pferdehaar. Daneben gab es auch Perücken, die aus Menschenhaaren hergestellt wurden. Doch solche Perücken waren sehr teuer und aus diesem Grund meist den obersten Schichten vorbehalten.

In ihren Anfängen wurde für die Perücke die Farbe Blond oder Schwarz ausgewählt. Mit der Zeit wurden selbst Perücken in Braun, Rot und selbst Blau geläufig. Die Perücken in der Farbe Weiß entstanden erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Um die weiße Farbe dieser Perücken zu erhalten, wurde reichlich Puder auf die Perücke aufgetragen.

Die Aufgabe der Bestäubung der Perücken oblag entweder den Perückierern oder den Zofen, welche sich täglich darum kümmerten. Daher wundert es nicht, dass der Sonnenkönig angeblich 48 Perückierer beschäftigte.

Haarpflege im Wandel der Zeit

Über die Haarhygiene ist sehr wenig bekannt. Noch um 1880 (v.a. noch Anfang des 20. Jahrhunderts) wurde zur Haarwäsche ganz normale Seife benutzt. Oma kenne ich als Gegenmittel Spülungen mit Essig oder Zitronensaft. m.E. war Seife nötig, wenn man das Haar relativ oft mit Seife wusch.

Wer seine Perücke reinigen möchte, gibt es gottlob eine gute Alternative: Trockenshampoo, so daß eine gleichmäßige Verteilung gewährleistet ist.

Barock und Rokoko heute

Barock und Rokoko Perücken stellen heutzutage auf jeder Kostüm -und Halloween Party ein Accessoire dar, das sicherlich die meisten Blicke auf sich zieht. Denn während diese in der Zeit des Barock als das Symbol für Stand und Macht schlechthin galt, strahlt sie auch heutzutage auf jeder Party eine zeitlose Eleganz und Extravaganz aus, die nicht übersehen werden kann.

Das ist der Grund, warum Barockperücken keinesfalls ausschließlich im Film und im Theater weiterleben. Denn diese verleihen jeder Party und jedem Karneval das gewisse Etwas, das die Menschen überhaupt dazu verleitet, sich gelegentlich zu verkleiden und aus der alltäglichen Rolle in eine völlig andere zu schlüpfen. Barock Perücken für Damen und Herren bieten ihren Trägern die Gelegenheit, nicht nur extravagant auszusehen, sondern sich auch so zu fühlen.

Zusammenfassung der Unterschiede

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Barock- und Rokoko-Perücken zusammen:

MerkmalBarockRokoko
Dominierende PerückenformAllongeperücke (lang, gelockt)Hochfrisuren, Pastellfarben
VerwendungStatussymbol für MännerExtravagante Damenfrisuren
MaterialienTierhaare, MenschenhaarMenschenhaar (teuer), Pferdehaar
FarbenBlond, Schwarz, Braun, Rot, BlauPastellfarben (Violett, Rosa, Blau)
VerzierungenWeniger VerzierungenFedern, Perlen, Schmuckketten, Blumen, Schiffsmodelle

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