Fußballprofis haben nicht nur Talent am Ball, sondern auch ein Händchen für extravagante Frisuren. In den letzten Jahrzehnten haben wir einige bemerkenswerte Haar-Stylings auf dem Rasen gesehen, die oft genauso viel Aufsehen erregten wie die Spiele selbst. Dieser Artikel wirft einen humorvollen Blick auf die denkwürdigsten und stilistisch fragwürdigsten Frisuren der Fußballgeschichte.
Spätestens mit Beginn der siebziger Jahre, als die Haare vor allem länger wurden, die Hosen schlagiger und die Koteletten bei manchen Menschen auf die Größe von Mehrfamilienhäusern heranwuchsen, wuchs auch das heran, was man bei normalen Menschen "Modebewußtsein" nennen würde. Wie bei Günter Netzer, der der spießig-bürgerlichen Gesellschaft als rebellische Geste seine langen Haare präsentierte.
In den 70er Jahren wichen die Posen der Auflehnung einer gewissen Verwahrlosung. Die Stars legten selber Hand an ihre Matten oder die Freundinnen griffen zur Schere - wenn überhaupt. Manche Frisur wurde einfach sich selbst überlassen, die Naturkrause wucherte unaufhaltsam und unästhetisch in die Breite. Das Friseurhandwerk verdiente an der gut situierten Kundschaft fast gar nichts.
Bayern-Legende Paul Breitner trug die wohl bekannteste und markanteste Frisur der Bundesliga-Geschichte: den Afro-Look. Paul Breitner hat seine Frisur zu seiner aktiven Zeit immer so gewählt, daß er die größtmögliche Ähnlichkeit mit einem Pavian (männlich) erzielen konnte. Auch wenn diese Frisur zu seiner aktiven Zeit als Zeichen der Revolution und Freiheit galt, wollte der Bayern-Kicker mit seinem Haar keine politische Aussage treffen.
Bei "Spiegel Online" sagte er 2012: "Es war 1973 kein Moment für mich, um eine Stilikone zu werden." Eine Ikone wurde er aber doch - und schaffte es mit seiner Frisur sogar in ein Lied der deutschen Rockband "Die Ärzte".
In den 80er Jahren kamen optisch zweifelhafte Dauerwellen in Mode und die Vokuhila-Hängehaare etablierten sich auf den Köpfen der Bundesligastars.
Nehmen wir Toni Schumacher, Torwartidol der Achtziger. Der hatte seinen Kopfschmuck zu Beginn seiner Laufbahn vermutlich der "Glam Rock"-Bewegung nachempfunden. Mit dieser Frisur hätte er problemlos bei "Slade" mitsingen dürfen. Fußballerisch machten die Haare so weniger Sinn.
In den 1980er Jahren war er der Schwarm aller Mädchen: Pierre Littbarski, hier 1987. Sein Vokuhila (die Abkürzung steht für vorne kurz, hinten lang) war die Signature-Frise dieser Dekade und kein trendbewusster Mann kam an diesem Look vorbei.
Wo ist das besser zu sehen, als in einem alten Panini-Album? "Das Buch der legendären Panini-Bilder" zeigt eine Sammlung alter Panini-Sticker, bei der vor allem eines auffällt: das zottelige Haupthaar der Kicker.
Der heutige HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer mochte es besonders haarig. Ende der 80er, als er für den Hamburger SV selbst noch spielte, trug er ganz selbstbewusst einen Vokuhila.
"Nur die Harten haben so eine Frisur getragen. Ich schäme mich nicht dafür. So hatte man das damals eben", sagte er später dazu. "Meine Mama hat mich daheim immer gezwungen, kurze Haare zu tragen". Seine Protestfrisur hatte es in sich.
Im Gegensatz zu Beiersdorfer setzte der frühere Gladbach- und Bayern-Spieler Stefan Effenberg auf kürzeres Haar. Auffällig war der grelle Blondschopf aber trotzdem! Auf die Spitze trieb er es, als er sich ein Tigermuster in den Hinterkopf färben ließ. Kein Wunder, dass der 47-Jährige noch immer unter dem Spitznamen "Tiger" bekannt ist.
deuteten eine Entwicklung an, die sich bis heute ständig dynamisierte: Die extravagante Erscheinung, die besondere Frisur soll den besonderen gesellschaftlichen Status, die faszinierende Persönlichkeit der eitlen Superstars betonen.
Auf dem Platz war er kaum zu stoppen - und auch, was seine Haare anging, schreckte er vor nichts zurück. Ronaldo (der brasilianische, nicht der gegelte) löste mit seiner kippaartigen Dreiecks-Rasur bei der WM 2002 Entsetzen bei Müttern in seinem Heimatland aus - vom Zuckerhut bis tief in den Amazonas schmückten sich kleine Buben mit Ronaldos aberwitzigem Haarfleck.
Immerhin: Diesen Schnitt traute sich danach nie mehr ein Fußballer.
Über David Beckhams Haarexperimente ist eigentlich alles gesagt. Lang, kurz, blond, gewellt, gefärbt, geschoren, gebunden, zerzaust, zerfranst, zerstrubelt, metrosexuell - es gibt keine Frisur, die der mittlerweile in der H&M-Werbung angekommene Engländer noch nicht vorführte. Sein hochgegelter Hahnenkamm inspiriert bis heute die Jugend in den Großraumtanzschuppen der Prärie.
Ebenfalls schwer trendy war in gewagteren Frisurenzeiten das Haar-Model "Kampfhahn", welches der Brasilianer Neymar (rechts) vor Jahren als einer der Ersten wagte. Auf dem Platz schlug er Haken, beim Friseur offenbar keinen Vorschlag aus.
Hier ist eine Tabelle mit einigen weiteren bemerkenswerten Fußballerfrisuren:
| Spieler | Frisur | Jahr |
|---|---|---|
| Carlos Valderrama | Blonde Klobürste | 1990er |
| Marouane Fellaini | Afro | 2010 |
| Djibril Cissé | Tire Track | Unbekannt |
| Mike Werner | Vokuhila mit Oberlippenbart | 1990er |
Diese Beispiele zeigen, dass Fußballer nicht nur für ihr Können auf dem Platz, sondern auch für ihre extravaganten Frisuren in Erinnerung bleiben. Ob stilvoll oder kurios, die Haarpracht der Fußballstars sorgt immer für Gesprächsstoff.
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