Ulla Geiger erfüllte sich mit Mitte 60 ihren Traum und drehte ihren Debütfilm, nachdem sie bereits in jungen Jahren Filmemacherin werden wollte. Eigentlich hatte sie Filmemacherin werden wollen, seit sie 30 Jahre alt war, aber ihr Leben hat immer wieder Haken geschlagen und sie woandershin gespült.
Die verrückten Filme von Carlos Saura hatten es ihr damals angetan - ein Faktor für ihren Entschluss, Filmemacherin zu werden. Also entschied sich Ulla, das Filmhandwerk von der Pike auf zu lernen. Es folgte die übliche Laufbahn: Script/Continutity und Regieassistenz.
Als Ulla sich knappe zehn Jahre später als Assistentin etabliert hatte, drehte sie eine populäre Serie, wie sich das gehörte. Sie stellte fest, dass mich das so gar nicht erfüllte, und sie außerdem ihrem Ziel, Filme zu machen, nicht die Bohne näher gekommen war. Ich war also in einer Sackgasse gelandet!
Um sich der Schauspielführung zu nähern, belegte Ulla 1990 semiprofessionelle Schauspielworkshops. Das Ganze nahm aber eine überraschende Wendung, denn bei dem Seminar stellte sich heraus, dass sie wohl selbst Schauspieltalent hatte! Mit einer anderen Kursteilnehmerin entwickelte sich dann beim Abendessen spontan eine Impro zweier bayrischer Hausfrauen - und alle lagen vor Lachen unter dem Tisch.
Barbara Jürgensen und Ulla machten ein Kabarettprogramm daraus. Damals war diese Branche noch entspannt. Wir haben ein lustiges Foto gemacht, bei Bühnen angerufen, gesagt, wir sind „Boschetsrieder und Hinterpaintner“, und schon hatten wir einen Auftritt. Wir landeten auf dem 3. Auf der Bühne zusammen genial - im Privaten nicht miteinander kompatibel … wir trennten uns leider.
Dann machte Ulla Soloprogramme und kreierte die Figur Frau Wurmrieder, die mit einer Moderatorin vom Band zusammen agierte. Als solche wollten sie Ulla nicht, dafür wurde sie als Schauspielerin engagiert. Das war ihre erste TV-Rolle. Ulla stellte sich bei Castern vor, die damals auch erst alle anfingen. Und so kam ganz langsam eine Rolle zur anderen.
Mit 45 Jahren als Schauspielerin anzufangen, ist nach allen Regeln der Branche wenig erfolgversprechend. Aber Ulla hatte sich von sogenannt „Unmöglichem“ oder Schwierigem noch nie besonders beeindrucken lassen. Über Kabarett hörte sie, das sei das Schwierigste überhaupt. Ulla hat es einfach gemacht. Das Kabarett war ihre Schauspielausbildung, denn das Publikum ist der gnadenloseste Lehrer!
Ende der 90er der erste Film? Es tauchte ein Plot auf, der Ulla interessierte: Die wahre Geschichte einer Frau, die sich mit Krebs im Endstadium durch Psychotherapie heilte. Ulla hat in Zusammenarbeit mit einer Filmfirma ein Drehbuch geschrieben. Dieses liegt jetzt in einem sehr guten Zustand in der Schublade, denn die Frau starb neun Jahre später an einem Rückfall, und so gab es keine vermarktbare Erfolgsgeschichte mehr.
Mitte der 2000er mit 55 Jahren immer noch keine Filmemacherin: Ulla sah im Fernsehen eine Sendung über einen Herrn Heinle, der vollkommen hoffnunglose Langzeitarbeitslose in Arbeit brachte, indem er ihnen die Frage stellte: „Wo möchten Sie in fünf Jahren sein, wenn es keine Grenzen der Vorstellung gäbe?“ An einem schicken Multimedia-Tisch demonstrierte Herr Heinle seine Methode an den Besuchern. Ulla antwortete auf die Frage mit den fünf Jahren: Ich will eigentlich Filme machen, komme aber ewig nicht dazu. Er sagte: „Fangen Sie doch einfach mal an, und drehen Sie kleine Filme!“
Selbst zu schneiden war eine gewisse Hürde gewesen. Aber es ging gut. Und diese Hürde ein erstes Mal genommen zu haben, hat es Ulla später erleichtert, ihren Film auch selbst zu schneiden! Beim Kinotrailer wurde dann wieder der Ruf nach einem Spezialisten laut … der hätte aber nicht ihren Humor mitgebracht! Also habe Ulla das auch selbst gemacht.
2012 drehte Ulla ihren ersten Kurzfilm. Ein Freund wollte seine neue Red ausprobieren, ein Freund vom Freund machte den Ton, Freundinnen übernahmen die beiden Rollen. Dann wollte eine befreundete Schauspielerin und Kabarettistin „zufällig“ mit Ulla an einem Kurzfilmwettbewerb teilnehmen. Sie sagte, sie habe es nicht so mit Textlernen und wolle lieber improvisieren. Von großem Aufwand hatte Ulla die Nase voll, also machte sie die Kamera selbst. Das Ganze wurde mehrmals gedreht und anschließend „schmutzig“ Bild in Bild geschnitten. So entstanden zwei Kurzfilme - und ihre Arbeitsweise für den Langfilm.
2015 dachte Ulla: Bevor ich ins Gras beiße, muss ich nun endlich meinen Kinofilm drehen! Ich war, seit ich 20 Jahre alt war, sehr an Psychologie interessiert. Warum haben Menschen Näheängste? Die Frauen verstehen nicht, wieso sie plötzlich vom Mann stehengelassen werden, es war doch schließlich gerade eben noch so schön! Nun wollte Ulla etwas zur Versöhnung zwischen Mann und Frau beitragen.
Und so ließ Ulla ihren Filmhelden Kurt (Michael Ransburg) das Bedürfnis haben, sich zu ändern. Er engagiert eine Kamerafrau, die Videos von seinem Alltag dreht, damit er sich und die Reaktionen seiner Umgebung mal von außen sieht und vielleicht auf etwas kommt. Laut der Mockumentary-Struktur meiner Kurzfilme spielte Ulla diese Kamerafrau aus dem Off. Hauptdarsteller wurde Michael Ransburg, den Ulla aus ihrem Demobandservice kannte.
Ich war fest davon überzeugt, dass ich keine Förderungen bekommen würde: Ein Drehbuch ohne Dialoge zur Improvisation, ein unbekannter Hauptdarsteller, keine Verbrechen, keine großen Dramen, kein krasser Humor, einfach nur die Kamera aufs normale Leben draufgehalten?
Dann eben independent: Ich las in cinearte 345 einen Artikel über George Inci und Beatrice von Moreau, zwei Berliner Schauspieler, die nicht dasitzen und warten wollten, dass sie jemand besetzt, sondern sich ihre eigenen Filme drehten. Ulla war ganz aufgeregt und nahm mit den beiden Kontakt auf.
Michael und Ulla hatten sich in diesem Augenblick wie gegenseitig ermächtigt: Ich hatte ihm zugetraut, die Hauptrolle zu tragen, und er hatte Ulla zugetraut, diesen Film zu machen!
Es folgten gescheiterte Versuche, an Geld zu kommen wie Crowdfunding und Wer wird Millionär? - letzterer gleich bei den ersten drei Fragen.
Einiges klappte wie durch Wunder, anderes musste Ulla sich schmerzhaft abschminken. Mir wuchs von Tag zu Tag mehr Kraft zu.
Ulla bekam den für eine Mockumentary idealen und an der Handkamera absolut genialen Dokumentarfilm-Kameramann Hans Albrecht Lusznat. Für den Originalton Dominique Klatte, der gerne ohne Angler arbeitete. Das Kostümbild übernahm Regine Wäckerle. Eine Garderobiere gab es nicht, die Schauspieler nahmen eigene Sachen mit, die jeweils auf der Dispo aufgelistet waren.
Es klappte alles reibungslos, bis hin zu den Wetteranschlüssen und genau passendem Schneefall. Und was nicht sofort klappte, führte in der Folge durch spontanes Umplanen zu besseren Ergebnissen. Deswegen habe Ulla eigentlich die Pannen und deren Lösungen am meisten Spaß gemacht.
Ulla selbst übernahm sehr viele Arbeitsbereiche … manches freiwillig wie Besetzung, Szenenbild und Schnitt, manches unfreiwillig wie die Organisation. Das Team hinter der Kamera bestand bei kleinen Szenen aus nur vier Leuten, bei größeren aus etwa sieben. Es gab keinen Fuhrpark … das Equipment passte in ein paar Taschen!
Dank Uwe Bendixen (digitale Postproduktion), Wolfi Müller (Sounddesign und Geräusche), Michael Stecher (Mischung) und Hannes Bertolini (Musik) stand der Film schließlich professionell gerüstet da für Festivals und Kinos. Am Ende hatte die Fertigstellung genau neun Monate gedauert … so lange wie eine klassische Schwangerschaft!
Alle Mitarbeiter waren begeistert von dem Film, und überzeugt, er würde auf dem Filmfest München Premiere haben … haha!
Plötzlich lief der Film in Indien und gewann dort seinen ersten Preis in der Kategorie „Bestes Dreh...
Mit Mitte 60 erfüllte sich Ulla Geiger den Traum, der sie einst in die Branche gebracht hatte: Sie drehte ihren Debütfilm. Und als alles gut schien, kam das Virus dazwischen: Der Kinostart musste abgesagt werden.
Beim Dreh im Brautmodengeschäft erklärt Ulla Geiger (vorne) die Szene, dann wird improvisiert.
Tabelle: Ulla Geigers Karriereweg
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1981 | Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München |
| 1990 | Schauspielworkshops |
| Mitte 90er | Erste TV-Rolle |
| Mitte 2000er | Entschluss, kleine Filme zu drehen |
| 2012 | Erster Kurzfilm |
| 2015 | Entschluss, einen Kinofilm zu drehen |
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