Paclitaxel und Haarausfall: Vorbeugung und Umgang mit Alopezie bei Chemotherapie

Die Chemotherapie kann einige Nebenwirkungen haben - der Haarausfall ist wohl am bekanntesten. Er macht eine Krebserkrankung oft erst sichtbar. Viele Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie durchmachen, haben nicht nur starke körperliche Beschwerden. Gerade der Verlust der Haare ist eine besonders gefürchtete und belastende Nebenwirkung. Durch die sogenannte Alopezie wird die Krebserkrankung nach außen sichtbar. Dieses stigmatisiert und beeinträchtigt die Lebensqualität noch mehr.

Der Haarausfall (Alopezie) ist eine sehr bekannte und offensichtliche Nebenwirkung einer Chemotherapie. Diese Behandlung kommt bei vielen Krebsarten zum Einsatz, zum Beispiel bei Brustkrebs. Viele Frauen belastet der Haarverlust emotional, weil die Krebserkrankung dann oft auch für andere optisch zu Tage tritt.

Lesen Sie einige Tipps für den Umgang mit dem Haarverlust.

Warum fallen bei einer Chemotherapie die Haare aus?

Die Haare fallen bei einer Chemo aus, weil die eingesetzten Medikamente - Zytostatika oder Chemotherapeutika - alle Zellen angreifen, die sich rasch teilen und vermehren. Das Grundproblem einer Krebserkrankung ist, dass sich die bösartigen Zellen unkontrolliert vermehren. Dadurch wird das Nachbargewebe infiltriert und gesundes Gewebe zerstört. Die Krebszellen reagieren nicht mehr auf Wachstumssignale des Körpers und können vom Immunsystem nicht mehr kontrolliert werden. Das führt dazu, dass sie sich unkontrolliert im Körper ausbreiten können.

Die Krebsmedikamente, auch Zytostatika genannt, wirken aber im ganzen Körper und können nicht unterscheiden, ob es sich bei ihrem Angriffspunkt um eine Krebszelle oder eine normale Körperzelle handelt. Deshalb sind neben den Krebszellen auch Körperzellen von der Wirkung betroffen, die sich schnell vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Haarwurzelzellen. Auch Schleimhautzellen vermehren sich schnell. Deshalb kann eine Chemotherapie zum Beispiel zu Schleimhautentzündungen im Mund mit Schmerzen beim Essen oder Entzündungen im Darm mit Durchfall führen.

Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase: Jedes Haar durchläuft drei Phasen in seinem Wachstumszyklus. Zytostatika greifen in die Wachstumsphase ein. Bei Haarausfall durch Chemotherapie handelt es sich um ein anagenes Effluvium, d.h. die Haare fallen in der Wachstumsphase aus. Im Gegensatz dazu steht das telogene Effluvium, bei dem die Haare vorzeitig in die Ruhephase eintreten.

Führt eine Chemotherapie immer zu Haarausfall?

Nicht jedes eingesetzte Zytostatikum lässt die Haare im gleichen Ausmaß ausfallen. Bei manchen Menschen lichten sich die Haare nur, während andere einen vollkommenen Haarverlust auf dem Kopf erleben. Die Art des Chemotherapeutikums ist also ein wichtiger Mitspieler. Bei Brustkrebs kommen zum Beispiel oft Zytostatika wie Doxorubicin, Epirubicin, Cyclophosphamid oder Paclitaxel zum Einsatz. Bei diesen Zytostatika müssen Frauen damit rechnen, dass ihre Haare ausgehen, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Der Haarverlust kommt bei einer von zehn Behandelten vor und gilt als sehr häufig. Seltener fallen die Haare bei Chemotherapeutika wie Carboplatin, Cisplatin oder Capecitabin aus.

Die allermeisten Patienten, die von einem Haarverlust unter Chemotherapie betroffen sind, verlieren ihr Kopfhaar bis zur Glatze. Grundsätzlich können aber alle Körperhaare betroffen sein. Auch Barthaare, Augenbrauen und Wimpern können ausfallen. Gelegentlich kommt es vor, dass die Haare nicht ausfallen, sondern direkt am Ansatz abbrechen, sodass kurze Haarstoppeln auf dem Kopf zurückbleiben. Ab und zu passiert es, dass die Haare nicht ausfallen, sondern nur langsamer wachsen. Dabei können sie ihre Farbe und Struktur verändern.

Meist setzt der Haarausfall etwa ein bis vier Wochen nach dem Beginn der Chemotherapie ein. Nach und nach verlieren Betroffene dann mehr oder weniger stark ihre Haare. Klassischerweise beginnt der Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie nach etwa zwei bis vier Wochen. Auch für Außenstehende sichtbar wird der Haarverlust in der Regel erst, wenn mindestens die Hälfte aller Kopfhaare ausgefallen sind. Es fallen nicht alle Haare plötzlich und gleichzeitig aus, sondern der Haarverlust verstärkt sich nach und nach. Die Haare können einzeln oder büschelweise ausfallen.

Noch bevor ein Haarverlust eintritt, spüren viele Betroffene, dass die Kopfhaut sehr berührungsempfindlich oder schmerzhaft ist. Solange die Medikamente der Chemotherapie weiter gegeben werden, hält auch der Haarausfall an. Er wird erst gestoppt, nachdem die Therapie beendet wurde.

Das Ausmaß des Haarausfalls bei einer Chemotherapie hängt vom Medikament selbst, der Art der Verabreichung, der Dosis und der Häufigkeit der Medikamentengabe ab.

Weitere Faktoren, die den Haarausfall beeinflussen:

  • Eine Chemotherapie, die als Infusion über die Vene verabreicht wird: Dies geschieht bei den meisten Chemotherapien und vielen Krebsarten, auch bei Brustkrebs.
  • Wenn mehrere Zytostatika miteinander kombiniert werden, um die Wirksamkeit der Chemotherapie zu erhöhen: Bei vielen Krebsarten wie Brustkrebs ist dies der Fall.
  • Wenn Zytostatika in höheren Dosierungen oder binnen kurzer Zeitabstände verbreicht werden: Es gibt verschiedene Chemotherapie-Schemata, bei denen jeweils unterschiedliche Medikamente in verschiedenen Zeitintervallen und mehreren Zyklen zum Einsatz kommen.

Haarausfall bei Krebs während der Chemotherapie und mein Haarwachstum nach der Chemo 👶🏼✂️

Haarausfall bei Chemotherapie verhindern - geht das?

Den Haarverlust durch die Chemotherapie verhindern zu können - das wünschen sich wohl die meisten Betroffenen. Seit Jahrzehnten wird daran geforscht, wie sich die chemotherapiebedingte Alopezie vermeiden lässt.

Derzeit gibt es jedenfalls keine medizinischen Empfehlungen für oder gegen den Einsatz der Kältekappe. Die S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ empfiehlt, dass man bei Chemotherapien mit einem hohen Risiko für Haarausfall unter der Abwägung von Nutzen und Risiken eine Kühlung der Kopfhaut in Erwägung ziehen könne.

Die Forschung konzentriert sich seit einiger Zeit auf sogenannte Kühlhauben oder Kältekappen, die man während der Chemotherapie auf dem Kopf trägt. Bei der Kühlbehandlung der Kopfhaut während der Gabe von Zytostatika trägt die Patientin eine Silikonkappe, durch die Kühlmittel zirkuliert und die Kopfhaut auf 3-5 Grad Celsius herunterkühlt. Durch die eng gestellten Blutgefäße werden die Haarwurzeln weniger intensiv mit den Chemotherapeutika belastet. Auch wenn der Haarverlust nicht immer vollständig vermieden werden kann: Durch verschiedene Studien ist bestätigt, dass die Kühlbehandlung der Kopfhaut den chemotherapie-bedingten Haarausfall erheblich verringern kann.

Die Idee dahinter: Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Durchblutung der Kopfhaut wird vermindert. Außerdem sollen die kühlen Temperaturen den Stoffwechsel in den Zellen der Haarwurzelzellen verlangsamen. Dadurch sollen geringere Mengen an Zytostatika in den Haarwurzeln ankommen, weniger stark auf sie einwirken und sie weniger schädigen - dann bleiben mehr Haare erhalten.

Die Kühlhaube sitzt während der Chemotherapie ähnlich wie ein Fahrradhelm auf dem Kopf. In der Regel ist die Kühlhaube an ein spezielles Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kühlkappe pumpt. Die Kopfhaut wird auf diese Weise auf ungefähr 20 °C heruntergekühlt. Andere Modelle bestehen aus Kühlelementen, die mit Gel gefüllt sind. Vor der Behandlung werden sie in einem Tiefkühlschrank gekühlt.

Getestet wurden die Kühlhauben bisher vor allem an Frauen mit Brustkrebs, die sich einer Chemotherapie mit sogenannten Anthrazyklinen beziehungsweise Taxanen unterzogen haben. Bei ihnen fielen tatsächlich weniger Haare aus als bei Personen, deren Kopfhaut nicht gekühlt wurde. Sie brauchten beispielsweise seltener eine Perücke, um den Haarausfall zu kaschieren. Es gibt jedoch bisher nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Kühlhaube gegen den Haarverlust bei einer Chemotherapie. Ein Kritikpunkt ist, dass nur wenige Männer und überwiegend Frauen teilgenommen haben.

Außerdem unterschieden sich die Studien hinsichtlich der verabreichten Zytostatika, Dauer der Chemotherapie und Art der eingesetzten Kühlkappen. Auch wie ausgeprägt der Haarausfall war, wurde auf verschiedene Weise gemessen. Daher sind die Studienergebnisse mit Vorsicht zu betrachten.

Theoretisch seien auch Nachteile durch die Kopfhautkühlung möglich, schreibt das DKFZ: Die Chemotherapie wäre zum Beispiel im Bereich der gekühlten Kopfhaut auch weniger gegen Krebszellen wirksam. In Studien wurde untersucht, ob Druck (Kompression) auf die Kopfhaut den Haarausfall verhindern kann. Druck lässt sich zum Beispiel über enge Hauben oder Druckmanschetten auf dem Kopf ausüben. Ziel ist es, die Durchblutung der Kopfhaut herabzusetzen, damit weniger Zytostatika zur Haarwurzel gelangen.

Die Kombination aus Kühlung und Kompression der Kopfhaut zeigte in Studien vorbeugende Effekte, was den Haarausfall angeht. Kühlhauben wurden mit Kompressionsverbänden oder Stauschläuchen kombiniert. Der schwere Haarausfall wurde reduziert. Auch mussten Betroffene seltener Perücken tragen. Allerdings erhielt die Kontrollgruppe jeweils keine Haarausfall-Prophylaxe.

Weitere Ansätze zur Vorbeugung von Haarausfall:

  • Hirse: Hirse enthält Aminosäuren, Vitamine und sogenannte Phytoöstrogene. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die eine östrogenähnliche Struktur besitzen. Hirse wird als Therapeutikum gegen Haarausfall vermarktet. Die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend in größeren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.
  • Minoxidil: Untersucht wurde in Studien zum Beispiel das Haarwuchsmittel mit dem Wirkstoff Minoxidil (zugelassen für erblich bedingten Haarausfall). Das Mittel wird auf die Kopfhaut aufgetragen und scheint die Durchblutung der Haarfollikel und somit das Haarwachstum zu verbessern. In Studien ließ sich keine deutliche Verminderung des Haarausfalls durch Minoxidil erkennen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Haare nach dem Haarverlust schneller wieder nachwachsen.

Bisher gibt es kein Medikament, das vor einem Haarausfall durch die Chemotherapie schützen könnte.

Was passiert nach der Chemotherapie?

Wenn der Körper die Chemotherapeutika abgebaut hat, beginnen die Haare in der Regel wieder zu wachsen. Ungefähr drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind bei den meisten die Haare wieder so dicht, dass sie den Haarverlust nicht mehr mit Mütze, Tüchern oder Perücke kaschieren müssen. Manche entscheiden sich auch, ganz ohne Haare nach draußen zu gehen.

Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Es kann beispielsweise heller oder dunkler als früher sein. Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert. Woher die Effekte aber wirklich kommen, ist noch nicht geklärt.

Tipps für den Umgang mit Haarausfall während der Chemotherapie

Das DKFZ gibt einige Tipps, die den Umgang mit dem Haarausfall vielleicht erleichtern:

  • Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, ob und in welchem Ausmaß ein Haarverlust bei Ihrer Chemotherapie zu erwarten ist. Lassen Sie sich auch gut über andere Nebenwirkungen der Zytostatika informieren.
  • Wenn Sie mit dem Haarverlust rechnen müssen: Überlegen Sie, ob und wie Sie diesen kaschieren möchten. Es gibt viele verschiedene Lösungen. Versuchen Sie, eine Maßnahme zu finden, die zu Ihnen passt und mit der Sie sich wohl fühlen. Vielleicht sprechen Sie auch mit Angehörigen oder Freunden darüber. Auch ein psychologisches Gespräch kann hilfreich sein.
  • Wenn Sie sich für eine Lösung entschieden haben: Kümmern Sie sich rechtzeitig darum, etwa um eine Perücke. Die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten für die Perücke. Den richtigen Haarersatz zu finden, braucht manchmal etwas Zeit. Warten Sie nicht ab, bis die ersten Haare ausfallen.
  • Vielleicht schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an? Je nach Krebsart gibt es verschiedene Anlaufstellen. Dort treffen Sie auf Gleichbetroffene, die vielleicht den einen oder anderen Tipp haben, wie Sie mit dem Haarausfall bei einer Chemotherapie umgehen.

Häufig gestellte Fragen zum Haarausfall bei Chemotherapie

Wie lange dauert der Haarausfall bei einer Chemo?

Meist beginnt der Haarausfall bei einer Chemo etwa ein bis drei Wochen nach dem ersten Chemotherapiezyklus. Nach und nach fallen immer mehr Haare aus. Schließlich kann der gesamte Kopf kahl werden. Je nach angewendeten Zytostatika können auch die Körperhaare ausfallen. Wenige Wochen nach dem Ende der Chemo wachsen die Haare jedoch wieder langsam nach. Der Körper hat dann die Zytostatika abgebaut.

Ist Haarausfall bei der Chemo ein gutes Zeichen?

Der Haarausfall bei einer Chemo lässt sich nicht als „gutes“ Zeichen deuten, sondern nur als ein Hinweis darauf, dass die Zytostatika die Haarwurzelzellen angreifen. Der Haarverlust ist eine gut bekannte Nebenwirkung der Chemotherapie. Allerdings lassen nicht alle Zytostatika die Haare im gleichen Maß ausfallen. Zudem spielt es eine Rolle, wie die Chemo verabreicht wird.

Was tun, damit die Haare bei der Chemo nicht ausfallen?

Viele stellen sich die Frage, was man tun kann, damit die Haare bei einer Chemotherapie nicht ausfallen und ob man bei einer Chemo die Haare behalten kann. Die Antwort lautet: Es gibt bisher keine wirksame Maßnahme, um den Haarverlust zu verhindern. Allerdings könnten Kühlkappen oder Kühlhauben eventuell eine Möglichkeit sein, um dem Haarausfall entgegenzusteuern.

Welche Chemotherapie verursacht Haarausfall?

Viele Arten der Chemotherapie verursachen Haarausfall als Nebenwirkung. Allerdings hängt das Ausmaß des Haarverlustes von verschiedenen Faktoren ab.

Weitere Krebsbehandlungen und Haarausfall

Vor allem bei Therapien mit zytostatischen Medikamenten kommt es zu Haarausfall. Auch bei anderen Krebstherapien wie zielgerichteten Therapien, Immuntherapie und Strahlentherapie können die Haare ausfallen. Die Haare können wieder wachsen, wenn die Chemotherapeutika und ihre Stoffwechselprodukte vollständig vom Körper abgebaut wurden. Vorübergehend kann das Haar anders sein als vorher.

Strahlentherapie

Dabei wird das Krebsgewebe zielgerichtet ionisierender Strahlung ausgesetzt. Ionisierende Strahlung schädigt die DNA und damit das Erbgut der Krebszellen. Damit wird ihre Teilungsrate verringert und die Zellen zum Absterben gebracht. Klassischerweise wird die Bestrahlung von außen mit bestimmten Formen von Röntgenstrahlung durchgeführt. Im Gegensatz dazu wird bei der sogenannten Brachytherapie die Strahlenquelle direkt im oder unmittelbar neben dem Krebsgewebe platziert.

Voraussetzung für eine Strahlentherapie ist, dass der Tumor strahlensensibel ist, also besonders empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung. Bei der Bestrahlung wird sehr genau auf die Krebszellen gezielt. Dennoch liegen andere Organe oder Gewebe oft im Strahlengang. Wenn Kopf- oder Körperbehaarung im Strahlengang liegt, kann es passieren, dass die Haare dort ausfallen. Im Gegensatz zu einer Chemotherapie fallen sie jedoch nur an diesem Ort aus und nicht überall.

Haarausfall ist seltener als bei Chemotherapien und hängt vor allem von der individuellen Veranlagung des Patienten und der Strahlendosis ab. Nach Therapieende erholen sich die Haarwurzeln normalerweise wieder und das Haar kann langsam nachwachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen kann das Haarwachstum an der entsprechenden Stellen aber auch dauerhaft geschädigt sein.

Antihormonelle Therapie

Das Wachstum mancher Tumore wird durch Hormone, körpereigene Signaleiweiße, beschleunigt. Dazu gehören vor allem bestimmte gynäkologische Tumore wie einige Arten von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs. Während die antihormonelle Therapie bei Brustkrebs oft ein wichtiger Behandlungspfeiler ist, ist sie bei Gebärmutter- und Eierstockkrebs von untergeordneter Bedeutung. Auch bei Prostatakrebs kann das Tumorwachstum durch Antihormon-Therapien reduziert werden.

Grundlage der Therapie ist, das Tumorwachstum durch Entzug der zum Wachstum benötigten Hormone zu reduzieren. Dazu wird durch die Therapie die Bildung der Hormone gebremst, das Eindringen der Hormone in die Tumorzelle verhindert oder die Hormone in ihrer Wirkung gehindert. Hormone, die bei Brustkrebs oder Prostatakrebs eine Rolle spielen, gehören zu den Geschlechtshormonen. Ein Hormonentzug kann deshalb zu sexuellen Störungen führen, aber auch Nebenwirkungen wie Haarausfall haben.

Zum Beispiel kann es bei Frauen zu ähnlichen Symptomen wie beim Beginn der Wechseljahre kommen und es kann ein diffuser Haarverlust auftreten, der jedoch meist nicht bis zur Glatze führt. Insgesamt sind Nebenwirkungen meist schwächer als bei einer Chemotherapie, können gerade in der Summe die Betroffenen trotzdem stark beeinträchtigen.

Zielgerichtete Therapien und Immuntherapien

Bei den zielgerichteten Therapien, auch "targeted therapies" genannt, richtet sich die Therapie gegen bestimmte biologische Merkmale des Tumors und greift so in dessen Wachstumsverhalten ein. Da die Zielstrukturen der Medikamente jedoch auch in gesunden Zellen vorkommen, hat die Therapie Nebenwirkungen. Es kann zu diffusem Haarausfall oder Haarbruch kommen, der Tage bis Monate nach dem Therapiebeginn einsetzt. Er ist jedoch sehr viel seltener als bei einer Chemotherapie.

Als Nebenwirkung kann es passieren, dass die Haare dünner werden oder fleckförmig ausfallen. Dies kommt jedoch sehr selten vor. Der Grund für den Haarverlust unter dieser Therapieform ist noch nicht abschließend geklärt. Man vermutet, dass dabei Entzündungsreaktionen entstehen, die das Haarwachstum einschränken können.

Sowohl bei zielgerichteten Therapien als auch bei Immuntherapien wachsen die Haare nach der Behandlung normalerweise nach.

Umgang mit dem veränderten Aussehen

Die äußeren, für alle sichtbaren Veränderungen der Krebstherapien werden häufig als stigmatisierend erlebt. Das Selbstwertgefühl wird reduziert, die Patient*innen ziehen sich zurück. Viele Patientinnen sind sehr unglücklich darüber und fühlen sich unweiblich, weniger attraktiv, verletzlich und entblößt.

Haare sind ein besonders sensibles Gebiet der mit der Erkrankung einhergehenden körperlichen Veränderungen, da es sich um einen sichtbaren Verlust handelt und man allein dadurch immer wieder an die Erkrankung erinnert wird. Diese Gefühle sind normal und verständlich und es kann einige Zeit dauern, bis Sie sich daran gewöhnt haben.

Sich wohlzufühlen und sich als attraktiv zu empfinden, steigert das Selbstbewusstsein, hilft Kraft zu schöpfen und fördert letztendlich den Heilungsprozess. Viele Organisationen bieten daher inzwischen Hilfe an, wie Kosmetikseminare, Pflege- und Haarprogramme oder Beratung bei der Wahl von Prothesen und Perücken. Schon einfache Tricks und Tipps können helfen, sich wohler zu fühlen.

Sie sollten ebenfalls nicht vergessen: Die haarlose Zeit geht vorbei!

Perücken und andere Kopfbedeckungen

Haarausfall als Nebenwirkung von Krebstherapien ist insbesondere für Frauen schwierig. Viele Patientinnen entscheiden sich in dieser Zeit für eine Perücke. Wichtig ist hier, sich möglichst früh an einen versierten Friseur oder ein Perückenstudio zu wenden. So kann die Perücke passend zu Kopfform und Originalhaarfarbe angefertigt und wenn nötig geschnitten werden.

Vor einer Therapie, bei der es zu einem Haarverlust kommen kann, sollte man erwägen, einen Kurzhaarschnitt machen zu lassen. Viele Patienten entscheiden sich auch für Tücher, Hüte, Turbane, Baseballkappen, Stirnbänder oder Bemalungen des Kopfes, um den Haarverlust zu kaschieren. Aber auch Schmuck oder die Betonung der Augen oder des Mundes durch Kosmetika kann die Aufmerksamkeit von der Frisur weglenken.

In Seminaren beraten geschulte Friseure und Kosmetiker Patienten über Wickeltechniken für Tücher, Perückenkauf und -anpassung und geben Schmink- sowie Hautpflegetipps.

Die Art der Kopfbedeckung variiert abhängig von der Jahreszeit: Im Sommer nutzen Krebspatientinnen oft sogenannte Bandana, im Nacken zusammengebundene Tücher, um den Haarausfall zu kaschieren. Tücher, Baseballkappen, Schirmmützen, Fischerhüte sowie Strohhüte eigen sich während der Sommerzeit auch hervorragend als Sonnenschutz. Im Winter können Kopfbedeckungen wie Hüte und Mützen aus Wolle, Kunstpelz, Samt und Strick den Wärmeverlust über die Kopfhaut mindern und vor Wind schützen.

Heutige Perücken sind sehr leicht, atmungsaktiv und wirken natürlich. Kunst- oder Echthaare unterscheiden sich optisch und vom Tragekomfort nicht voneinander. Echthaare sind deutlich teurer und in der Pflege aufwändiger, können aber problemlos gefärbt und gelockt werden und sind für Patienten mit einer Allergie gegen Kunstfasern zu empfehlen.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Krankenkassen können die Kosten für die Zweitfrisur übernehmen, die Regelungen sind hier von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und müssen jeweils erfragt werden. Wie hoch die Unterstützung ausfällt, erfahren Betroffene von ihrer Krankenkasse. Bei privaten Krankenkassen hängt die Kostenbeteiligung vom abgeschlossenen Tarif ab.

Gesetzlich versicherte Frauen, Kinder und Jugendliche, bei denen infolge einer Krebstherapie Haarausfall droht, erhalten eine Perücke auf Rezept. Auf dem Rezept für die Perücke sollten Unverträglichkeiten oder Hauterkrankungen des*der Patient*in ausdrücklich vom behandelnden Arzt*Ärztin erwähnt werden.

Ärztlich verschriebener Haarersatz wird von den Krankenkassen bezuschusst. Nicht alle gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren eine Perücke für männliche Krebspatienten.

Um eine Perücke von der Krankenkasse (teil-)finanziert zu bekommen, muss zunächst ein*e Arzt'*Ärztin den Haarausfall bestätigen und ein Rezept ausstellen. Danach sollten die Betroffenen einen Termin bei einem niedergelassenen Zweithaar-Spezialisten vereinbaren, wobei man darauf achten sollte, dass der Zweithaar-Spezialist eine Zulassung bei der jeweiligen Krankenkasse hat und ein eingetragenes Mitglied im BVZ, dem Bundesverband für Zweithaar ist, der sich für die Belange von Patient*innen gegenüber den Verbänden der Krankenkassen einsetzt.

Zusammenfassung

Haarausfall ist eine häufige und belastende Nebenwirkung von Chemotherapien, insbesondere bei der Behandlung mit Paclitaxel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Haarausfall zu verhindern oder zu reduzieren, wie z.B. Kühlhauben. Auch der Umgang mit dem veränderten Aussehen spielt eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, sich frühzeitig zu informieren und Unterstützung zu suchen.

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