Orang-Utan ohne Haare: Ursachen und Hintergründe

Abel schwingt sich von einem Baum zum nächsten, das orangerote Haar flattert dem Orang-Utan-Männchen um den Körper. Er hält inne, knabbert an einem Ast, guckt noch einmal in Richtung der Kamera. Die meiste Zeit seines Lebens wurde Abel als Haustier gehalten, seit wenigen Wochen lebt der neun Jahre alte Menschenaffe in Freiheit, im Regenwald von Bukit Tigapuluh.

Orang-Utans sind faszinierende Geschöpfe, die uns in vielerlei Hinsicht ähneln. Doch manchmal können wir bei diesen Tieren Veränderungen feststellen, die Fragen aufwerfen. Ein solches Phänomen ist der Haarausfall bei Orang-Utans, der verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Gründe für dieses Phänomen.

Ein junger Orang-Utan im Geäst.

Die drei Orang-Utan-Arten

Es gibt drei Arten von Orang-Utans:

  • Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
  • Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii)
  • Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis)

Alle drei Arten sind durch den Verlust ihres Lebensraumes und illegalen Tierhandel bedroht.

Unglaublich süß und vom Aussterben bedroht: Internationaler Tag des Orang-Utans | maintower

Verbreitungsgebiet der Orang-Utans auf Borneo und Sumatra.

Ursachen für Haarausfall bei Orang-Utans

Wie bei anderen Primaten und auch beim Menschen kann Haarausfall bei Orang-Utans verschiedene Ursachen haben. Zoogegner kreiden dies oft schnell den Haltungsbedingungen an, doch die Wahrheit ist komplexer.

Stress als mögliche Ursache

Stress kann eine Ursache sein, aber eben auch nur eine mögliche von sehr vielen möglichen. Die Wissenschaft weißt aber nicht erst seit Novak & Meyer (2009), dass es eigentlich ganz anders ist. So kann Stress eine Ursache sein, aber eben auch nur eine mögliche von sehr, sehr vielen möglichen.

Zum Thema Stress erklären die Autoren nochmal deutlich, dass es derzeit „wenn überhaupt, nur wenige Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Stress und Alopezie [=Haarausfall] bei nicht-menschlichen Primaten“ gebe, „und es sind sicherlich keine mechanistischen Informationen verfügbar“.

Andere gesundheitliche Faktoren

Sowohl bei einem Gorilla, Orang-Utan und Schimpansen wurde schon Haarausfall aufgrund von Schilddrüsenunterfunktion beschrieben, die Tiere wurden erfolgreich behandelt und gesundeten, aber beim Schimpansen kehrten die Haare erstmal nicht zurück.

Weitere mögliche Ursachen

Die Studienautoren erklären, es handele sich bei Haarausfall um „eine vielschichtige Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen“. Es sei weder beim Menschen, noch bei Primaten generell vollständig verstanden. Es gibt viele Auslöser.

Daher ist bei solchen anscheinend einfachen Erklärungen, die Zoogegner für diesen Zustand verkaufen wollen, mehr als vorsichtig zu sein und sogar von ihnen Abstand zu nehmen. Wer also einen Schimpansen oder anderen Primaten mit weniger Haaren sieht, sollte nicht den Fehler machen und denken, dass dies automatisch etwas mit schlechter Haltung in dem jeweiligen Zoologischen Garten zu tun hat. Wenige Haare bedeuten auch nicht, dass das Tier leidet oder gerade krank ist.

Alba: Ein besonderer Fall von Albinismus

Die Geschichte eines ganz beson­deren Orang-Utans geht um die Welt. Das etwa fünf­jäh­rige Weib­chen wurde erst Ende April von BOS aus ille­galer Gefan­gen­schaft befreit. Zwei Tage musste es dort ausharren. Die Kleine zeigt noch deut­lich wildes Verhalten. Mit fünf Jahren sind Orang-Utans noch von ihrer Mutter abhängig, der sie insge­samt bis zu acht Jahre lang durch die Baum­wipfel folgen. Wie so viele seiner Art wird auch dieser junge Orang-Utan Trau­ma­ti­sches durch den Verlust seiner Mutter erlitten haben. Nun wird Alba, wie sie nach einer inter­na­tio­nalen Namens­kam­pagne genannt wird, in der Schutz­sta­tion Nyaru Menteng der BOS Foun­da­tion gesund gepflegt und wieder aufge­päp­pelt.

Aller­dings liegen die Dinge in diesem Fall etwas kompli­zierter: Dieser Orang-Utan ist ein Albino. Albas Haut, ihrem Fell und ihren Augen fehlt das Farb­pig­ment Melanin. Ein gene­ti­scher Defekt, der auch bei anderen Tieren und auch bei Menschen vorkommt, hat zu dieser sehr selten anzu­tref­fenden Muta­tion geführt. In 25 Jahren Praxis ist dies für die BOS Foun­da­tion der erste Fall eines albi­no­ti­schen Orang-Utans.

Der Albino Orang-Utan Alba.

In jedem Fall ist Alba, unser neuester Zögling, eine ganz außer­ge­wöhn­liche Botschaf­terin ihrer Art. Nicht umsonst wurde sie so genannt, denn „Alba“ bedeutet auch Sonnen­auf­gang.

Wichtiger Hinweis

Statt also gleich von Tierquälerei zu schwadronieren, macht es Sinn mit der Verantwortlichen respektvoll ins Gespräch zu kommen, statt wilde Theorien aufzustellen oder Symptome zu googeln. Letzteres macht einfach keinen Sinn. Besonders sollte man nicht irgendwelchen Medien glauben, die nur unkritisch die kruden Theorien von Tierrechtsorganisationen, die bekannt für ihren Hass gegen Zoos sind, reproduzieren.

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