Olaf Scholz: Vom Juso-Funktionär zum Bundeskanzler – Ein Blick auf sein früheres Leben

Olaf Scholz, der amtierende Bundeskanzler, strebt danach, die Bundestagswahl 2025 für die SPD zu gewinnen. Obwohl er als Amtsinhaber antritt, sind seine Chancen ähnlich herausfordernd wie vor seinem überraschenden Sieg vor drei Jahren. Aktuell bleibt die erwartete Aufholjagd aus, was teilweise auf seine niedrigen Sympathiewerte zurückzuführen ist. Sein Kommunikationsstil wurde von Beginn seiner Amtszeit an kritisiert.

Im Wahlkampf setzt Scholz auf seine umfangreiche Regierungserfahrung - als Bundesminister, Hamburger Bürgermeister und Kanzler. Einen Höhepunkt seiner Amtszeit erlebte er mit seiner "Zeitenwende"-Rede zum Ukraine-Krieg und der Bewältigung der Energiekrise nach dem Ausfall russischer Gaslieferungen.

Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren und wuchs in Hamburg auf. Sein Leben und seine Karriere sind geprägt vom Wechsel zwischen Berlin und Hamburg. Stets an seiner Seite: seine Ehefrau Britta Ernst (SPD).

Kindheit und Jugend

„Ich bin 1958 in Osnabrück geboren und in Hamburg-Altona getauft, mittlerweile lebe ich in Potsdam. Mein Großvater war Eisenbahner, meine Eltern arbeiteten in der Textilwirtschaft. In Hamburg verbrachte ich gemeinsam mit meinen Brüdern Jens und Ingo eine schöne Kindheit.“

Schon früh zeigte Scholz politisches Engagement: „Ich war schon immer politisch engagiert, bin früh Schulsprecher geworden in meinem Gymnasium in Hamburg-Rahlstedt. Ich glaube, mein Engagement hat etwas zu tun mit der Einstellung meiner Eltern. Vor allem Helmut Schmidt und Willy Brandt haben sie begeistert. Helmut Schmidt war auch für mich eine prägende politische Persönlichkeit, die mich mit 17 Jahren in die SPD geführt hat. Noch wichtiger war mir aber schon als Jugendlicher, Partei zu ergreifen für Gerechtigkeit. Und dafür gab und gibt es eben nur eine Partei: die SPD.“

Studium und erste politische Schritte

Scholz betont, die Chancen genutzt zu haben, studieren zu können: „Das habe ich wie viele andere auch dem Engagement sozialdemokratischer Bildungspolitiker zu verdanken. Ich studierte in Hamburg Rechtswissenschaften und machte danach meinen Zivildienst. Von 1982 bis 1988 war ich stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Von 1987 bis 1989 außerdem Vizepräsident der International Union of Socialists Youth. Ab Ende der achtziger Jahre arbeitete ich als Anwalt für Arbeitsrecht. In dieser Zeit vertrat ich hunderte Beschäftigte in Kündigungsschutzklagen. Im Zuge der Wiedervereinigung beriet ich viele neue Betriebsräte in den Verhandlungen mit der Treuhand-Gesellschaft.“

Für Scholz ist die SPD die Partei, „die von jeher dafür steht, dass es um jede und jeden in der Gesellschaft geht. Sie ist eine soziale Partei, die eine bessere Zukunft durch demokratische Politik für möglich hält und ohne Ressentiments auftritt.“

SPD-Parteitag: Interview mit Olaf Scholz

Ehe und Ausgleich

„Mitte der 80er Jahre lernte ich meine heutige Frau Britta Ernst in Hamburg kennen, seit 1998 sind wir verheiratet. Meine Frau war es auch, die mich zum Sport gebracht hat. In Schulzeiten habe ich Sport gehasst, heute jogge ich so oft es geht. Ich versuche, mir zwei oder drei Mal pro Woche Zeit für Sport zu nehmen - joggen, rudern oder wandern. Außerdem fahren wir gerne Rad. Und: Ich lese leidenschaftlich - und viel.“

Politische Karriere mit Herz

1998 bewarb sich Scholz um einen Sitz im Deutschen Bundestag und wurde direkt gewählt im Wahlkreis Hamburg-Altona. 2001 wurde er Innensenator in Hamburg, ein Jahr später SPD-Generalsekretär und 2005 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2007 bis 2009 setzte er als Bundesminister für Arbeit und Soziales Branchenmindestlöhne durch und entwickelte während der Finanzkrise das Instrument der Kurzarbeit weiter.

2011 wurde Scholz zu Hamburgs Erstem Bürgermeister gewählt: „Sieben Jahre bekleidete ich dieses Amt und konnte sehr konkret in meiner Heimatstadt wichtige Ziele voranbringen. Zum Beispiel gebührenfreie Kitas und flächendeckend Ganztagsschulen. Und ich trieb den Wohnungsbau früh und energisch voran.“

Vizekanzler und Finanzminister

Nach der Bundestagswahl 2017 wurde Scholz Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen. Ihm ist es wichtig, „entschlossen in die Zukunft zu investieren, in eine bessere Infrastruktur, schnelle Breitbandkabel, gebührenfreie Kitas, sozialen Wohnungsbau und vieles mehr. Und zugleich solide Finanzen zu haben, damit wir für Krisenzeiten gewappnet sind.“

Neuen Fortschritt wagen

Am 8. Dezember 2021 wurde Scholz zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er möchte, dass die Zwanzigerjahre eine Zeit des Aufbruchs werden und steht für eine Gesellschaft, die vom gegenseitigen Respekt füreinander geprägt ist. Er kämpft für ein Zukunftsprogramm, das die wichtigen technologischen und wirtschaftlichen Weichen stellen wird, um effektiv den Kampf gegen den Klimawandel zu führen, die Wirtschaft modernisiert und dafür sorgt, dass Deutschland auch künftig technologisch an der Spitze steht. Und er kämpft für ein souveränes und solidarisches Europa.

Kurz nachgefragt

  • Ich mache Politik, weil ... ich es kann, weil es mir Spaß macht und weil ich dazu beitragen möchte, dass die Welt gerechter und friedlicher wird.
  • Mein politisch größter Erfolg war für mich … nie eine Kategorie, in der ich denke. Als Politiker versuche ich, konkrete Probleme zu lösen. Und wenn das gelingt, etwa bei der Schaffung der Kurzarbeit-Regelung in der Finanzkrise, beim Schmieden einer europäischen Allianz für den Wiederaufbau nach der Corona-Krise oder auch bei einer Reihe von Projekten aus meiner Hamburger Zeit wie dem Wohnungsbau und dem Ausbau der Kita-Plätze, habe ich das schöne Gefühl, meinen Job gemacht zu haben. Und dann geht es weiter. Denn: „Fertig“ ist fortschrittliche Politik natürlich nie - es gibt immer etwas zu tun.
  • Am besten entspannen kann ich … beim Joggen. Und beim Essen.
  • Meine Frau bedeutet für mich ... alles.
  • Die größte Sorge in der Politik bereitet mir …, dass unsere liberalen Demokratien immer stärker unter Druck geraten. Wir werden nicht nachlassen darin, für die Errungenschaften von Rechtsstaat und Demokratie einzustehen. Und wir müssen die Probleme lösen, damit die billigen Parolen der Populisten nicht verfangen.

Politisch ist Olaf Scholz stets zwischen Hamburg und Berlin gependelt und er hat dabei mehr als nur ein Comeback gefeiert. Nun ist er Regierungschef.

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