Nordkorea: Wenn die Frisur zur Staatsangelegenheit wird

Nordkorea, ein Land, das für seine Abschottung und kuriosen Regeln bekannt ist, überrascht immer wieder mit bizarren Vorschriften. Eine davon betrifft die Frisuren seiner Bürger. Während die Welt sich über moderne Haarschnitte und individuelle Styles freut, herrschen in Nordkorea strenge Regeln, die vorschreiben, wie Mann und Frau ihr Haar zu tragen haben.

Frisuren als Ausdruck des Regimes

In Nordkorea ist nichts dem Zufall überlassen - auch nicht die Haare. Die kommunistische Regierung betrachtet die Frisur als ein weiteres Mittel, um die Bevölkerung zu kontrollieren und den Einfluss westlicher Ideologien abzuwehren. Es gibt Listen mit erlaubten Frisuren, die in Friseursalons aushängen und den Bürgern als Richtlinie dienen. Diese Listen sind nicht direkt vom inneren Zirkel der Macht vorgegeben und unter Androhung von Strafe zu erfüllen, doch einige Arbeitgeber schreiben vor, welche Kleidung und Frisur zu tragen sind.

Die Frisurenliste: Was erlaubt ist und was nicht

Friseursalons sind mit Fotos ausgestattet, die genau zeigen, welche Frisuren erlaubt sind. Für Männer gibt es 18 Frisuren, für Frauen zehn. Verheirateten Frauen wird mehr "Flexibilität" zugestanden, was bedeutet, dass sie längere Haare tragen dürfen. Junge Männer dürfen ihre Haare nicht länger als fünf Zentimeter wachsen lassen. Niemand darf hingegen die Frisur von Kim Jong Un tragen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Regime um die Haarpracht der Nordkoreaner sorgt. Schon der Vater des aktuellen Diktators, Kim Jong Il, hatte vor einigen Jahren den verderblichen Einfluss westlich-orientierter Frisuren beklagt und ebenfalls die Einhaltung anständiger, sozialistischer Schnitte gefordert. Anlass damals wie heute: die Verwestlichung der Volksrepublik.

Die Ausgabe des 28-Gänge-Frisur-Menüs mit praktischer Nummerierung wurde mit dem Hinweis versehen, dass sie kommod für die Genossen seien - und außerdem geeignet, den korrumpierenden Einfluss des Kapitalismus abzuhalten. Ja, so lautet tatsächlich der offizielle Kommentar zu dieser Maßnahme.

8 unfassbare Dinge, die Kim Jong Un bauen ließ

Kim Jong-uns Einfluss auf die Haarpracht

Medienberichten zufolge soll Kim Jong Un angeordnet haben, dass alle College-Studenten seine Frisur tragen sollen. Die Studentinnen seien angewiesen, ihre Haare so kurz zu tragen wie Kims junge Gattin Ri Sol Ju. Diese Direktive gehe wohl nicht auf den Herrscher zurück, doch sei es eine Empfehlung der Arbeiterpartei. Was sie allerdings „empfehle“, gelte im Land als Gesetz.

Laut der Zeitung "Korea Times" ist der Style auch als "Chinesischer Schmuggler-Haarschnitt" bekannt. Umso schlimmer ist es, dass Kim Jong Uns Haarpracht mit oben lang, Seiten kurz sowieso schon nicht besonders beliebt ist.

Kim Jong-uns Diktator-Tolle mit ultrakurzen Seiten sorgte bereits kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahr 2011 für Furore. Damals ließ BILD den Schnitt unter modischen Gesichtspunkten von Promi-Friseur Udo Walz beleuchten. Sein Urteil: „Sehr modern“. Walz erklärte damals fachmännisch: „Die Hälfte des Kopfes wird mit der Maschine drei Millimeter kurz geschnitten (nicht rasiert!). Das Deckhaar bleibt sehr viel länger, ein sogenannter ,Undercut‘, die Konturen werden mit dem Rasiermesser sauber gemacht, das handtuchtrockene Haar am Ende mit Gel oder Wachs fixiert.“ Fertig.

Die "Mode-Polizei" und ihre Kontrollen

In Nordkorea gibt es eine "Mode-Polizei", die streng darauf achtet, dass das Volk korrekt angezogen ist. Die Polizisten kontrollieren, ob die Menschen die Anstecknadeln fürs Revers mit den Konterfeis des Staatsgründers Kim Il-sung und dessen Sohnes Kim Jong-il tragen. Sie sind Pflicht! Und sie achten auf Verstöße gegen das Kleidungs-Verbot wie Jeanshosen, englische Wörter auf Kleidungsstücken und Röcke, die nicht das Knie bedecken. Die Polizei führt übrigens regelmäßige Kontrollen durch, ob die Haare richtig geschnitten sind.

Widerstand und Realität

Es gibt Berichte über Widerstand gegen die Frisurenvorschriften. Einige Nordkoreaner weigerten sich zunächst, sich die Haare so schneiden zu lassen. Doch was die Arbeiterpartei "empfiehlt", gilt im Land als Gesetz. AP schreibt, dass nirgendwo in den Straßen der Hauptstadt Pjöngjang eine überdurchschnittliche Häufung des Kim’schen Undercuts gesichtet wurde. Kann man von einer Frisuren-Meuterei ausgehen?

Die Hintergründe der Frisurenuniformität

Eine weitere Theorie zu der mysteriösen Frisurenuniformität ist die des regimekonformen Untergrundes: Mit einer Vereinheitlichung der Frisuren und dem äußeren Erscheinen der Nordkoreaner funktioniert nicht nur die Planwirtschaft besser, verschiedene Menschen könnten auch mit dem Pass von nur einer Person flüchten.

Weitere kuriose Regeln in Nordkorea

Neben den Frisuren gibt es noch weitere bizarre Regeln in Nordkorea, die das Leben in dem abgeschotteten Land prägen:

  • Eigene Zeitzone: Nordkorea hat eine eigene Zeitzone eingeführt, die eine halbe Stunde von der Zeit Südkoreas abweicht.
  • Begleitung für Touristen: Ausländische Reisende dürfen das Land nie ohne Begleitung durch einen einheimischen Reiseführer erkunden.
  • Fake Cities: Es gibt unbewohnte Propagandastädte wie Kijŏng-dong, die das Land als wirtschaftlich stark präsentieren sollen.
  • Eigener Kalender: Der Juche-Kalender beginnt im Jahr 1912, dem Geburtsjahr von Kim Il Sung.
  • Starres Kastensystem: Die Bevölkerung wird in "Genossen", "schwankende Personen" und "feindlich gesinnte Personen" unterteilt.
  • Kein freies Internet: Nur wenige Menschen haben Zugang zum weltweiten Internet, der Rest nutzt ein stark zensiertes Intranet.
  • Nur wenige Frisuren sind erlaubt: Immerhin unter 18 Frisuren darf DIE Nordkoreanerin wählen. Männer haben hingegen nur zehn Frisuren zur Auswahl.

Tabelle: Erlaubte Haarlängen für Männer in Nordkorea

Gruppe Maximale Haarlänge
Junge Männer 5 Zentimeter
Ältere Männer mit grauen Haaren 7 Zentimeter

Es ist kein Geheimnis, dass immer wieder Menschen versucht haben, aus dem Land zu fliehen. Einige, die es aus dem Land tatsächlich rausgeschafft haben, sind wieder zurückgekehrt - und zwar freiwillig. Der Grund dafür ist grausam: Denn durch die Flucht bringt man sich nicht nur selbst in Gefahr, sondern auch Angehörige. Denn die zurückgebliebenen Angehörigen stehen unter ständiger Beobachtung der Regierung. Und diese soll sogar konkret eingreifen, wie einige Quellen berichten. Sie werden regelmäßig gefoltert, um diese von der Flucht abzuhalten. Von diesen Taten erfahrenen dann auch die Geflohenen - und kehren dann meist zurück, welche ihre Familie retten wollen.

tags: #Nordkorea #Frisuren #Männer

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen