Tief im Inneren lauert in jedem von uns ein „Arschloch“. Natürlich können manche es besser verbergen als Nicole Jägers Ex-Mann, der beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung nicht nur alle Möbel mitnahm, sondern ganz zum Schluss auch noch die Klobrille abschraubte, weil das seine „Lieblingsklobrille“ sei.
Nicole Jäger ist eine Powerfrau, die das Geschehen um sie herum mit Humor aufarbeitet und in Büchern oder ihrem Bühnenprogramm verpackt. In ihrem mittlerweile dritten Stand-Up-Comedy-Programm widmet sich Nicole Jäger dem bitterbösen Wesen, das in uns allen schlummert - und nur drauf wartet zuzuschlagen. Gegen Menschen die anders aussehen, sich anders benehmen oder die uns aus anderen Gründen einfach nicht passen. Und gegen uns selbst. Immer wieder.
In ihrem sehr persönlichen Programm seziert Nicole Jäger Dinge, die zwar offensichtlich sind, aber die man trotzdem nie ausspricht. Von Urteilen anderen gegenüber und der Ablehnung seiner selbst. Dabei spannt sie einen so komischen wie tiefgründigen Bogen von der Lust an der Boshaftigkeit, über Alltagswahnsinn bis hin zu ihrer Perücke. Und von ihrem Klodeckel abschraubenden Ex-Mann zur Frage warum gerade auch Frauen ihr „inneres Arschloch“ öfter mal ausleben sollten.
Mit ihrem dritten Stand-Up-Comedy Programm "Prinzessin Arschloch" brachte die Hamburgerin Nicole Jäger rund 100 Zuschauer in der Halle 400 zum Lachen und mit einem überraschenden Ende der Show zu Standing Ovations.
Jägers aktuelle Show „Prinzessin Arschloch“ beschäftigt sich mit den Seiten des menschlichen Daseins, die uns unangenehm sind.
Nicole Jäger in ihrem Element (Quelle: CD-Kaserne)
Nicole Jäger wog noch vor wenigen Jahren mehr als 340 Kilogramm. Heute schreibt sie über die weibliche Sehnsucht nach Selbstwertgefühl. Denn sie weiß, wie es ist, wenn es fehlt. Sie ist gebürtige Eimsbüttelerin, Stand-up-Comedian, Autorin und scheut sich nicht davor in der Öffentlichkeit zu sagen, dass sie geschieden ist und eine Perücke trägt.
Eines Ihrer wichtigsten Themen ist der Druck auf unser alltägliches Erscheinungsbild. Grundsätzlich hat man das überall: Wenn ich die Osterstraße rauf und runter schlendere, werde ich genauso angeguckt, wie wenn ich über den Winterhuder Marktplatz oder an der Alster entlang laufe. Ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens in Eimsbüttel verbracht. Ich stehe auf Gedeih und Verderb zu diesem Viertel und ich erwarte von den Eimsbüttelern, dass sie locker und respektvoll mit anderen Menschen umgehen.
Während Corona gab es nicht viel zu lachen. Ab August darf Stand-up-Comedian Nicole Jäger wieder auftreten.
Ich glaube, je schlimmer ein Moment oder eine Phase ist, desto dramatisch wichtiger ist Humor. Dass sich die Show so gut verkauft, zeigt, dass die Menschen Abwechslung brauchen. Ohne die Situation verharmlosen zu wollen: Die Leute brauchen eine Auszeit von der ganzen Panik. Menschen müssen zwischendurch durchatmen und sagen können: Ich will mal wieder lachen. Besonders die Live-Events haben in der Corona-Krise gefehlt.
Durch Texte, Videos und soziale Medien steht uns Comedy auch zu Hause zur Verfügung. Kein anderes Medium kann das Live-Event ersetzen! Es beginnt bereits, wenn du mit deiner Freundin, deinem Freund, der Familie entscheidest: Geil, da gehen wir hin! Dann hängen die Karten am Kühlschrank und schließlich sitzt du vor einer Bühne im Saal mit ein paar hundert Menschen. Wenn das Licht ausgeht, passiert bei allen das Gleiche: Man hält kurz die Luft an, bekommt eine Gänsehaut. Der ganze Raum vibriert von der Erwartung hunderter Menschen. Und dann ist für zwei Stunden die Welt aus. In meinem Fall ist es egal, ob ich mit Liebeskummer, Hexenschuss oder Grippe auf der Bühne stehe. Es ist dann Showtime!
In Ihrer Show „Prinzessin Arschloch“ fordern Sie Frauen dazu auf, ihr inneres Arschloch öfter auszuleben. Es geht darum, dass es in Ordnung ist, Schwächen zu haben, nicht perfekt oder manchmal ein komischer Vogel zu sein; und dass Frauen dazu neigen, das zu unterdrücken und zu überspielen, weil sie so erzogen wurden. Mädchen sollen niedlich, zurückhaltend, freundlich sein und gut aussehen. Wenn ich morgens aufstehe und noch keinen Kaffee hatte, bin ich aber weder niedlich, noch sehe ich gut aus und freundlich bin ich auch nicht. Und das ist okay! Es ist ein Teil von mir.
Blond nur mit Perücke: Nicole Jäger in der Kieler Halle 400 (Quelle: KAI-PETER BOYSEN)
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