Kreisrunder Haarausfall, medizinisch als Alopecia areata (AA) bezeichnet, ist eine spezielle Form des Haarausfalls, bei dem die Haarfollikel durch eine übermäßige Immunreaktion geschädigt werden. Er ist nach dem erblich bedingten Haarausfall (Alopecia androgenetica) die zweithäufigste Form. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei Frauen und Männer zu gleichen Anteilen betroffen sind. Die Erstdiagnose wird oft schon im Kindes- und Jugendalter gestellt.
Die Alopecia areata ist eine chronische, immunvermittelte Erkrankung, die durch akuten oder chronischen Haarausfall gekennzeichnet ist und Menschen in jedem Lebensalter betreffen kann.
Der kreisrunde Haarausfall kann mit einem hohen Leidensdruck einhergehen.
Kreisrunder Haarausfall ist durch fleckenartige, runde bis ovale kahle Stellen, sogenannte Herde, gekennzeichnet. Dabei ist ein einzelner Herd, mehrere verteilte Stellen oder größere zusammenlaufende Areale möglich. In diesen Bereichen findet sich zumeist kein einziges Haar, weshalb sie deutlich zu erkennen sind.
Die kahlen Stellen entstehen am häufigsten am Kopf, betreffen also das Kopfhaar und bei Männern den Bart. In etwa 80 Prozent der Fälle betrifft der kreisrunde Haarausfall das Kopfhaar; er kann bei Männern aber auch im Bartbereich vorkommen. Sie können aber auch an allen anderen Körperbereichen auftreten. Der kreisrunde Haarausfall verläuft oft in Stadien, das bedeutet, dass am Anfang meist nur einzelne wenige kahle Bereiche vorzufinden sind, die sich mit der Zeit mehren. Er kann sich auch zu einem vollständigen Haarverlust ausdehnen.
Es gibt verschiedene Erscheinungsformen:
Typische Ausprägung von Alopecia Areata
Bei kreisrundem Haarausfall scheinen mehrere Faktoren zusammen zu kommen. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Fachleute haben festgestellt, dass die häufigste Ursache eine Autoimmunreaktion ist, der eine Entzündungsreaktion folgt. Im Verlauf der Entzündung greifen bestimmte Immunzellen, die T-Lymphozyten, oder Substanzen des Immunsystem wie Zytokine die Haarfollikel an definierten, abgegrenzten Stellen an. Es kommt in der Folge zu einer Unterversorgung der Follikel (Follikeldystrophie), wodurch die Haare ausfallen.
Studien zeigten, dass es zudem eine genetische Veranlagung für AA zu geben scheint. Sie haben festgestellt, dass es eine Häufung unter Familienmitgliedern, insbesondere unter Verwandten ersten Grades, gibt. Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.
Kreisrunder Haarausfall ist offenbar auch mit Allergien assoziiert. Eine Störung in den Genen oder des Immunsystems ist vermutlich nicht die alleinige Ursache. Fachleute sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen, bei dem möglicherweise auch Umweltfaktoren und andere gesundheitliche Aspekte wie bestehende Grunderkrankungen eine Rolle spielen. Infekte oder starker psychischer Stress könnten als Auslöser infrage kommen. Mangelernährung oder schädliche Umwelteinflüsse sollen jedoch kein Grund für den kreisrunden Haarausfall sein.
Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.
Da Haarausfall im Allgemeinen verschiedene Ursachen haben kann, erfolgt in der Regel zunächst ein ausführliches Patientengespräch, in dem der Arzt die Krankengeschichte erfasst (Anamnese). Anschließend erfolgen eine körperliche Untersuchung und eine genaue Inspektion der betroffenen Stellen. Dabei achtet der Arzt darauf, ob ein bestimmtes Haarlichtungsmuster vorliegt, das für einen kreisrunden Haarausfall spricht. Außerdem untersucht er auf Entzündungen und Schuppungen. Diese könnten beispielsweise auf eine Psoriasis oder Ekzeme anderer Ursachen hindeuten.
In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus. "Zunächst schaue ich mir die Haare am Kopf, im Gesicht und an Körper an, danach untersuche ich die Kopfhaut genauer.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sind nur wenige kahle Stellen vorhanden und die psychische Belastung durch den Haarverlust gering, empfehlen Ärzte zumeist, den Verlauf zunächst zu beobachten. Bleibt der Haarausfall bestehen, verschlimmert er sich oder tritt er erneut auf, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Sie alle zielen darauf ab, die Beschwerden zu lindern, indem sie die Immunreaktion unterdrücken.
Einige gängige Behandlungsmethoden sind:
Off Label werden verschiedene Strategien verfolgt, um das Immunsystem zu beeinflussen. Dazu zählt unter anderem die Behandlung mit unspezifischen Immunsuppressiva, zum Beispiel mit Glucocorticoiden, Methotrexat oder Ciclosporin.
Aus therapeutischer Sicht standen bislang noch keine allgemein verfügbaren oder zugelassenen Behandlungsoptionen zur Verfügung, die dauerhaft oder zumindest langfristig den kreisrunden Haarausfall unterbinden. Mit dem kreisrunden Haarausfall in seiner schweren Form, der vor allem bei Frauen mit einem hohen Leidensdruck einhergeht, kommt nun eine dritte Indikation mit autoimmuner Genese offiziell in die Fach- und Gebrauchsinformationen.
Am 20. Juni 2022 hat die EU-Kommission mit dem Januskinase-Hemmer Baricitinib ein erstes Medikament zur Behandlung Erwachsener mit schwerem kreisrunden Haarausfall zugelassen. Der JAK-Hemmer ist bereits seit 2017 auf dem Markt und wurde ursprünglich für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis entwickelt. Ursprünglich kam Baricitinib als Mittel gegen rheumatoide Arthritis auf den Markt. 2020 folgte eine erste Zulassungserweiterung für die atopische Dermatitis (Neurodermitis). Auch bei schwerem Covid-19 wird der Januskinase-Hemmer gegen die überschießende Immunreaktion gemäß Leitlinie eingesetzt, auch wenn hier noch keine offizielle Zulassung in der EU dafür vorliegt.
Baritinib sei damit das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata. Seine Wirksamkeit und Sicherheit als Monotherapie bei Patienten mit schwerem kreisrundem Haarausfall demonstrierte das Medikament in den doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Zulassungsstudien BRAVE-AA1 (654 Probanden) und BRAVE-AA2 (546 Probanden). Die Teilnehmenden erhielten entweder einmal täglich 2 oder 4 mg Baricitinib oder Placebo.
Primärer Endpunkt war das Nachwachsen der Kopfhaare, gemessen am SALT-Score. SALT steht für Severity of Alopecia Tool. Der Score gibt den Haarverlust auf einer Skala von 0 (volle Behaarung) bis 100 (totaler Haarverlust) an.
In der BRAVE-AA1-Studie erreichten 38,8 Prozent unter 4 mg Baricitinib, 22,8 Prozent unter 2 mg Baricitinib und 6,2 Prozent unter Placebo nach 36 Wochen einen SALT-Score ≤ 20. Dieser Wert entspricht einer 80-prozentigen Wiederbehaarung. In der BRAVE-AA2-Studie waren dies jeweils 35,9; 19,4 und 3,3 Prozent.
Zugelassen wurde daher die höhere Dosierung. In der Verlängerungsphase der Studien erreichten knapp 40 Prozent der Patienten unter 4 mg Baricitinib einen SALT-Score ≤ 20.
Nebenwirkungsfrei ist die Therapie erwartungsgemäß nicht. Am häufigsten treten unter Baricitinib-Therapie erhöhte LDL-Cholesterol-Werte, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Herpes simplex und Harnwegsinfektionen auf.
Ein weiterer neuer Wirkstoff ist Ritlecitinib. Im Gegensatz zu Baricitinib, das nur für erwachsene Patienten bestimmt ist, kommt Ritlecitinib aber bereits ab einem Alter von zwölf Jahren zum Einsatz. Der neue Wirkstoff hemmt irreversibel und selektiv die Januskinase 3 (JAK3). Zudem inhibiert er Enzyme aus der Familie der TEC-Kinasen. Sowohl JAK3- als auch TEC-vermittelte Signalwege scheinen an der Pathogenese der Alopecia areata beteiligt zu sein.
Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg einmal täglich. Die Hartkapseln können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Nicht empfohlen wird der neue JAK-Hemmer bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz oder nach Nierentransplantation. Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung ist Ritlecitinib kontraindiziert. Gleiches gilt für das Vorliegen aktiver, schwerwiegender Infektionen, einschließlich Tuberkulose (TB). Ebenso besteht eine Kontraindikation in Schwangerschaft und Stillzeit.
Die Behandlung mit Ritlecitinib kann mit einer Verringerung der Lymphozyten und Blutplättchen einhergehen. Vor Behandlungsbeginn sollten die absolute Lymphozytenzahl (ALC) und die Thrombozytenzahl bestimmt werden. Bei Patienten mit einer ALC < 0,5 × 103/mm3 oder einer Thrombozytenzahl < 100 × 103/mm3 sollte die Therapie nicht eingeleitet werden. Vier Wochen nach Therapiebeginn sollten beide Parameter erneut bestimmt werden, anschließend entsprechend der Routineversorgung des Patienten.
Vorbeugend lässt sich gegen kreisrunden Haarausfall im Grunde nichts tun. Seine Auslöser sind unbekannt und lassen sich somit nicht vermeiden. Um zu verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet, empfehlen Fachleute Betroffenen daher, bei den ersten Anzeichen den Haarverlust dermatologisch untersuchen zu lassen.
Einige Hersteller von Produkten mit Inhaltstoffen wie Zink oder Vitamin D werben damit, dass diese sich positiv auf das Immunsystem und Haarwachstum auswirken würden. Dafür gibt es bislang jedoch keine wissenschaftlichen Belege.
Zwar hat der kreisrunde Haarausfall keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dennoch ist die psychische Gesundheit oft sehr erheblich beeinträchtigt.
Der Verlauf einer Alopecia areata ist schwer vorherzusagen und individuell sehr unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen, die nur eine leichte Ausprägung haben, kommt es oft zu einer spontanen Rückbildung. Die kahlen Stellen wachsen wieder zu und kommen nicht mehr zurück.
Hier ist eine Übersicht über einige der auf dem Markt befindlichen Produkte und Medikamente gegen Haarausfall:
| Produkt/Medikament | Form | Preis (ungefähre Angaben) |
|---|---|---|
| Kapseln | Kapseln | Ab 70,89 € |
| Schaum | Schaum | Ab 52,69 € |
| Lösung | Lösung | Ab 26,96 € |
| Shampoo | Shampoo | Ab 11,39 € |
| Tabletten | Tabletten | Ab 19,25 € |
Bitte beachten Sie: Die Preise können je nach Anbieter variieren.
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